Andreas
06.07.2004, 16:51
Hallo,
Ich möchte hier einen Artikel des Tibet Information Networks widergeben, den ich sehr interessant finde, weil er die Sicherheit der Touristen betrifft:
Zunahme der Verkehrsunfälle in Tibet - Harte Strafen für die Fahrer
================================================== =================
Der Verkehr auf den zumeist nicht asphaltierten Straßen in Tibet wurde in
letzter Zeit immer gefährlicher, und die Zahl der tödlichen Unfälle ist
stark angestiegen. Während die von der Regierung kontrollierten Medien
bisher getreu der Parteilinie, kategorisch "die Lage ist gut" ("xing shi
da hao") zu erklären pflegten, um negative Berichte zu vermeiden und das
Thema totzuschweigen, hat nun der Anstieg von schweren Unfällen
anscheinend zu einer besseren Berichterstattung in den Medien geführt. Die
Berichte folgen in der Regel durchweg demselben Schema und weisen die
Schuld an den Todesfällen der Unerfahrenheit und dem Leichtsinn der Fahrer
zu, bei denen es sich zumeist um Tibeter handelt. Sie verschweigen dabei
jedoch, daß die angeblichen Fahrfehler häufig ein direktes Ergebnis der
Umstände sind, unter denen letztere arbeiten müssen und auf die sie keinen
Einfluß haben - insbesondere der Druck, den skrupellose Arbeitgeber auf
sie ausüben. Der folgende Text, der TIN erst vor kurzem erreichte, ist
eine Zusammenfassung eines ausführlichen Berichts über einen Unfall, der
sich bereits am 22. April 2003 ereignete und von dem auch ausländische
Touristen betroffen waren. Darin wird sowohl die Verbindung zwischen
Profitstreben und Verkehrsunfällen als auch die ungenügende medizinische
Versorgung, mit der die Unfallopfer rechnen müssen, und die Art und Weise,
in der die Fahrer von den Behörden zu Sündenböcken gemacht und zu
unterschiedlich harten Strafen - sogar Todesurteile gehören dazu -
verurteilt werden, beschrieben.
Eine von Xinhua am 15. Januar 2004 veröffentlichte Nachricht mag als
Beispiel für den Reportagestil bei tödlichen Verkehrsunfällen in Tibet
dienen. Xinhua zufolge kamen bei einem Unfall im Distrikt Zayu sieben
Passagiere ums Leben und eine Frau wurde schwer verletzt, als ein
Lastwagen einen etwa hundert Meter hohen Abhang hinabstürzte. Als
unmittelbare Unfallursache wurden die überhöhte Geschwindigkeit sowie der
Umstand, daß der Fahrer keinen Führerschein besaß, genannt. Nur vier Tage
zuvor hatte Xinhua über einen ähnlichen Unfall in der osttibetischen
Präfektur Aba in Sichuan berichtet, bei dem 14 Menschen ums Leben gekommen
waren. Und am 7. Januar gab es eine Nachricht über einen Unfall mit 19
Verletzten, von denen sich zwei in kritischem Zustand befanden, weil sich
ein LKW in der Präfektur Shigatse überschlagen hatte. Wieder wurden
überhöhte Geschwindigkeit und die Unerfahrenheit des noch in der
Ausbildung stehenden Fahrers als Unfallursache angegeben. Laut einem
Xinhua-Bericht vom 15. Januar wurden allein im Jahr 2003 in der TAR 1.317
Verkehrsunfälle registriert, bei denen 621 Menschen starben und 1.161
verletzt wurden. Angesichts der relativ geringen Anzahl von Fahrzeugen pro
Kopf und der Tatsache, daß es in weiten Teilen Tibets immer noch keine für
den motorisierten Verkehr geeigneten Straßen gibt, ist dies eine
beachtliche Zahl. Darüber hinaus beziffert der Bericht die durch die
Unfälle verursachten wirtschaftlichen Verluste, an denen ein
verantwortungsloser Fahrstil, Überladung der Fahrzeuge und Raserei die
Schuld trügen, auf 12,66 Mio. Yuan (= 840.730 GBP oder 1.529.540 US$ oder
1.273.873 ?).
Der Unfall vom 22. April 2003 ereignete sich auf der Straße zwischen Lhasa
und dem Yamdrok Tso (Lamdrok-See). In einem Minibus befanden sich neun
Menschen - der tibetische Fahrer, der tibetische Reiseführer und sieben
Touristen. Fünf der sieben Touristen kamen ums Leben, während die zwei
Tibeter den Unfall überlebten. Der Fahrer zog sich lediglich eine
geringfügige Hüftverletzung zu. Die Gruppe war schon mehrere Tage durch
Zentraltibet gereist, um einige der wichtigsten Touristenziele zu
besichtigen. Eigentlich hatte die Gruppe geplant, mit zwei Jeeps zu
reisen, es kam jedoch so, daß sie statt dessen einen Minibus nehmen mußte,
der zwar kein geeignetes Fahrzeug für nicht asphaltierte Straßen ist, die
Reiseagentur aber weniger kostet. Der Fahrer hatte seinen Führerschein
erst vor kurzem gemacht und verfügte daher über keine nennenswerte
Erfahrung, gerade bei schwierigen Strecken. Den Touristen war sein
Fahrstil nicht geheuer, weshalb sie den Reiseführer mehrmals darum baten,
den Fahrer anzuweisen, er möge langsamer fahren, aber dieser reduzierte
die Geschwindigkeit nicht.
Gegen 3 Uhr nachmittags kam der Wagen plötzlich von der Straße ab und
stürzte einen ungefähr 100 Meter hohen Abhang hinunter. Zwei Touristen,
eine Deutsche und eine Chinesin aus Übersee, überlebten nur deshalb, weil
sie beim Absturz aus dem Fenster geschleudert wurden. Kurz nach dem Unfall
erreichte ein Militärfahrzeug sowie ein zufällig dieselbe Strecke
fahrender Wagen mit italienischen Ärzten die Unfallstelle. Obwohl die
Deutsche so schwer verletzt war, daß sie umgehend Intensivbehandlung
benötigt hätte, wurden beide Frauen in das Militärfahrzeug geladen und von
dem tibetischen Führer zurück nach Lhasa geschickt. Vor der Abfahrt bat
der Reiseführer die unverletzt gebliebene Chinesin inständig, der Polizei
nichts von dem Geschehnis zu sagen. Es gibt zwei Versionen darüber, was
danach mit ihm geschah. Einer zufolge sei er von der Unfallstelle geflohen
und seither verschwunden, die andere besagt, er sei bis zur Klärung der
Unfallursache unter Hausarrest gestellt worden.
Die medizinische Behandlung der Deutschen in Lhasa war dem Grad ihrer
Verletzung nicht angemessen und hätte zu ihrem Tod führen können. Sie
hatte einen Oberschenkelbruch und ein Gehirnödem. Die Ärzte in Lhasa
beabsichtigten ursprünglich, sie schnellstmöglich zu operieren, hatten
jedoch den OP-Termin im Hinblick auf das Ödem und die Gefahr, welche eine
Narkose in diesem Zustand mit sich bringt, viel zu früh angesetzt. Das
Reisebüro, welches die Tour organisiert hatte, stellte 48 Stunden nach
Einlieferung der Frau ins Krankenhaus einen Dolmetscher für Deutsch und
Chinesisch bereit. Die zuständigen Ärzte hatten die im selben Krankenhaus
tätigen ausländischen Mediziner nicht darüber informiert, daß bei ihnen
eine schwerverletzte Ausländerin liegt. Etwa 72 Stunden nach der
Einlieferung setzten sich ein österreichischer Arzt, der in Tibet Urlaub
machte, und ein dort lebender Deutscher, der von dem Unfall erfahren
hatte, mit dem Vater der Frau in Deutschland in Verbindung und warnten
ihn, daß seine Tochter eine Operation zu diesem Zeitpunkt kaum überleben
würde. Mit Unterstützung der deutschen Botschaft in Peking konnte der
Vater die Ärzte davon überzeugen, daß die Operation verschoben werden muß.
Schließlich wurde die Frau erst dann operiert, als das Risiko vertretbar
war, und einige Tage später, als sie sich etwas erholt hatte, wurde sie
ausgeflogen. Sie mußte in Deutschland nachoperiert werden, da die erste
Operation nicht dem chirurgischen Standard entsprochen hatte und deshalb
nicht erfolgreich gewesen war.
Was den Fahrer betrifft, der weniger als eine Woche im Krankenhaus
verbrachte, so wurde er später in Lhasa festgenommen. Er gestand, daß er
am Steuer eingeschlafen war, und in der Folge wurde er als der
Alleinverantwortliche für den Unfall zum Tode verurteilt.
Es ist die übliche Praxis, daß die Reisebüros in Lhasa unzureichend
ausgebildete Fahrer beschäftigen und ungeeignete Fahrzeuge verwenden, um
so ihren Gewinn zu vermehren. Folglich werden weitere ähnlich schwere
Unfälle nicht zu vermeiden sein. Den Fahrern werden häufig nur ungenügende
Ruhezeiten zwischen den einzelnen Touren zugestanden. Da zu wenige Fahrer
zur Verfügung stehen, verlangt man von den wenigen vorhandenen, eine Tour
nach der anderen zu fahren, ohne daß sie dazwischen angemessene Ruhezeiten
einhalten können. Sie fahren dann durchgehend mit hoher Geschwindigkeit,
weil sie die Fahrzeuge rechtzeitig zur nächsten Tour wieder abliefern
müssen. Das Damoklesschwert extrem hoher Strafen bis hin zur Todesstrafe
hängt ständig über den Fahrern, denen die gesamte Verantwortung für
eventuelle Unfälle aufgebürdet wird, weil die Behörden auf diese Weise der
Öffentlichkeit wie auch den höheren Instanzen zeigen wollen, wie
gewissenhaft sie sich an "Recht und Ordnung" halten. Abgesehen von der
Frage, inwieweit solche Strafmaßnahmen überhaupt sinnvoll sind, scheinen
sie für die Lösung der Gesamtproblematik ungeeignet zu sein, da sie nicht
deren Wurzel angehen, nämlich die Bedingungen, unter denen die Fahrer ihre
Tätigkeit ausüben müssen. Außerdem werden diejenigen, welche für diese
Umstände verantwortlich sind - also die paar, die von dem wirtschaftlichen
Fortschritt in Tibet profitieren - nicht zur Rechenschaft gezogen und
strafrechtlich belangt.
Übersetzung: Irina Raba, Augsburg, Adelheid Dönges, München, Angelika
Mensching, Hamburg
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Grüße,
Andreas
Ich möchte hier einen Artikel des Tibet Information Networks widergeben, den ich sehr interessant finde, weil er die Sicherheit der Touristen betrifft:
Zunahme der Verkehrsunfälle in Tibet - Harte Strafen für die Fahrer
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Der Verkehr auf den zumeist nicht asphaltierten Straßen in Tibet wurde in
letzter Zeit immer gefährlicher, und die Zahl der tödlichen Unfälle ist
stark angestiegen. Während die von der Regierung kontrollierten Medien
bisher getreu der Parteilinie, kategorisch "die Lage ist gut" ("xing shi
da hao") zu erklären pflegten, um negative Berichte zu vermeiden und das
Thema totzuschweigen, hat nun der Anstieg von schweren Unfällen
anscheinend zu einer besseren Berichterstattung in den Medien geführt. Die
Berichte folgen in der Regel durchweg demselben Schema und weisen die
Schuld an den Todesfällen der Unerfahrenheit und dem Leichtsinn der Fahrer
zu, bei denen es sich zumeist um Tibeter handelt. Sie verschweigen dabei
jedoch, daß die angeblichen Fahrfehler häufig ein direktes Ergebnis der
Umstände sind, unter denen letztere arbeiten müssen und auf die sie keinen
Einfluß haben - insbesondere der Druck, den skrupellose Arbeitgeber auf
sie ausüben. Der folgende Text, der TIN erst vor kurzem erreichte, ist
eine Zusammenfassung eines ausführlichen Berichts über einen Unfall, der
sich bereits am 22. April 2003 ereignete und von dem auch ausländische
Touristen betroffen waren. Darin wird sowohl die Verbindung zwischen
Profitstreben und Verkehrsunfällen als auch die ungenügende medizinische
Versorgung, mit der die Unfallopfer rechnen müssen, und die Art und Weise,
in der die Fahrer von den Behörden zu Sündenböcken gemacht und zu
unterschiedlich harten Strafen - sogar Todesurteile gehören dazu -
verurteilt werden, beschrieben.
Eine von Xinhua am 15. Januar 2004 veröffentlichte Nachricht mag als
Beispiel für den Reportagestil bei tödlichen Verkehrsunfällen in Tibet
dienen. Xinhua zufolge kamen bei einem Unfall im Distrikt Zayu sieben
Passagiere ums Leben und eine Frau wurde schwer verletzt, als ein
Lastwagen einen etwa hundert Meter hohen Abhang hinabstürzte. Als
unmittelbare Unfallursache wurden die überhöhte Geschwindigkeit sowie der
Umstand, daß der Fahrer keinen Führerschein besaß, genannt. Nur vier Tage
zuvor hatte Xinhua über einen ähnlichen Unfall in der osttibetischen
Präfektur Aba in Sichuan berichtet, bei dem 14 Menschen ums Leben gekommen
waren. Und am 7. Januar gab es eine Nachricht über einen Unfall mit 19
Verletzten, von denen sich zwei in kritischem Zustand befanden, weil sich
ein LKW in der Präfektur Shigatse überschlagen hatte. Wieder wurden
überhöhte Geschwindigkeit und die Unerfahrenheit des noch in der
Ausbildung stehenden Fahrers als Unfallursache angegeben. Laut einem
Xinhua-Bericht vom 15. Januar wurden allein im Jahr 2003 in der TAR 1.317
Verkehrsunfälle registriert, bei denen 621 Menschen starben und 1.161
verletzt wurden. Angesichts der relativ geringen Anzahl von Fahrzeugen pro
Kopf und der Tatsache, daß es in weiten Teilen Tibets immer noch keine für
den motorisierten Verkehr geeigneten Straßen gibt, ist dies eine
beachtliche Zahl. Darüber hinaus beziffert der Bericht die durch die
Unfälle verursachten wirtschaftlichen Verluste, an denen ein
verantwortungsloser Fahrstil, Überladung der Fahrzeuge und Raserei die
Schuld trügen, auf 12,66 Mio. Yuan (= 840.730 GBP oder 1.529.540 US$ oder
1.273.873 ?).
Der Unfall vom 22. April 2003 ereignete sich auf der Straße zwischen Lhasa
und dem Yamdrok Tso (Lamdrok-See). In einem Minibus befanden sich neun
Menschen - der tibetische Fahrer, der tibetische Reiseführer und sieben
Touristen. Fünf der sieben Touristen kamen ums Leben, während die zwei
Tibeter den Unfall überlebten. Der Fahrer zog sich lediglich eine
geringfügige Hüftverletzung zu. Die Gruppe war schon mehrere Tage durch
Zentraltibet gereist, um einige der wichtigsten Touristenziele zu
besichtigen. Eigentlich hatte die Gruppe geplant, mit zwei Jeeps zu
reisen, es kam jedoch so, daß sie statt dessen einen Minibus nehmen mußte,
der zwar kein geeignetes Fahrzeug für nicht asphaltierte Straßen ist, die
Reiseagentur aber weniger kostet. Der Fahrer hatte seinen Führerschein
erst vor kurzem gemacht und verfügte daher über keine nennenswerte
Erfahrung, gerade bei schwierigen Strecken. Den Touristen war sein
Fahrstil nicht geheuer, weshalb sie den Reiseführer mehrmals darum baten,
den Fahrer anzuweisen, er möge langsamer fahren, aber dieser reduzierte
die Geschwindigkeit nicht.
Gegen 3 Uhr nachmittags kam der Wagen plötzlich von der Straße ab und
stürzte einen ungefähr 100 Meter hohen Abhang hinunter. Zwei Touristen,
eine Deutsche und eine Chinesin aus Übersee, überlebten nur deshalb, weil
sie beim Absturz aus dem Fenster geschleudert wurden. Kurz nach dem Unfall
erreichte ein Militärfahrzeug sowie ein zufällig dieselbe Strecke
fahrender Wagen mit italienischen Ärzten die Unfallstelle. Obwohl die
Deutsche so schwer verletzt war, daß sie umgehend Intensivbehandlung
benötigt hätte, wurden beide Frauen in das Militärfahrzeug geladen und von
dem tibetischen Führer zurück nach Lhasa geschickt. Vor der Abfahrt bat
der Reiseführer die unverletzt gebliebene Chinesin inständig, der Polizei
nichts von dem Geschehnis zu sagen. Es gibt zwei Versionen darüber, was
danach mit ihm geschah. Einer zufolge sei er von der Unfallstelle geflohen
und seither verschwunden, die andere besagt, er sei bis zur Klärung der
Unfallursache unter Hausarrest gestellt worden.
Die medizinische Behandlung der Deutschen in Lhasa war dem Grad ihrer
Verletzung nicht angemessen und hätte zu ihrem Tod führen können. Sie
hatte einen Oberschenkelbruch und ein Gehirnödem. Die Ärzte in Lhasa
beabsichtigten ursprünglich, sie schnellstmöglich zu operieren, hatten
jedoch den OP-Termin im Hinblick auf das Ödem und die Gefahr, welche eine
Narkose in diesem Zustand mit sich bringt, viel zu früh angesetzt. Das
Reisebüro, welches die Tour organisiert hatte, stellte 48 Stunden nach
Einlieferung der Frau ins Krankenhaus einen Dolmetscher für Deutsch und
Chinesisch bereit. Die zuständigen Ärzte hatten die im selben Krankenhaus
tätigen ausländischen Mediziner nicht darüber informiert, daß bei ihnen
eine schwerverletzte Ausländerin liegt. Etwa 72 Stunden nach der
Einlieferung setzten sich ein österreichischer Arzt, der in Tibet Urlaub
machte, und ein dort lebender Deutscher, der von dem Unfall erfahren
hatte, mit dem Vater der Frau in Deutschland in Verbindung und warnten
ihn, daß seine Tochter eine Operation zu diesem Zeitpunkt kaum überleben
würde. Mit Unterstützung der deutschen Botschaft in Peking konnte der
Vater die Ärzte davon überzeugen, daß die Operation verschoben werden muß.
Schließlich wurde die Frau erst dann operiert, als das Risiko vertretbar
war, und einige Tage später, als sie sich etwas erholt hatte, wurde sie
ausgeflogen. Sie mußte in Deutschland nachoperiert werden, da die erste
Operation nicht dem chirurgischen Standard entsprochen hatte und deshalb
nicht erfolgreich gewesen war.
Was den Fahrer betrifft, der weniger als eine Woche im Krankenhaus
verbrachte, so wurde er später in Lhasa festgenommen. Er gestand, daß er
am Steuer eingeschlafen war, und in der Folge wurde er als der
Alleinverantwortliche für den Unfall zum Tode verurteilt.
Es ist die übliche Praxis, daß die Reisebüros in Lhasa unzureichend
ausgebildete Fahrer beschäftigen und ungeeignete Fahrzeuge verwenden, um
so ihren Gewinn zu vermehren. Folglich werden weitere ähnlich schwere
Unfälle nicht zu vermeiden sein. Den Fahrern werden häufig nur ungenügende
Ruhezeiten zwischen den einzelnen Touren zugestanden. Da zu wenige Fahrer
zur Verfügung stehen, verlangt man von den wenigen vorhandenen, eine Tour
nach der anderen zu fahren, ohne daß sie dazwischen angemessene Ruhezeiten
einhalten können. Sie fahren dann durchgehend mit hoher Geschwindigkeit,
weil sie die Fahrzeuge rechtzeitig zur nächsten Tour wieder abliefern
müssen. Das Damoklesschwert extrem hoher Strafen bis hin zur Todesstrafe
hängt ständig über den Fahrern, denen die gesamte Verantwortung für
eventuelle Unfälle aufgebürdet wird, weil die Behörden auf diese Weise der
Öffentlichkeit wie auch den höheren Instanzen zeigen wollen, wie
gewissenhaft sie sich an "Recht und Ordnung" halten. Abgesehen von der
Frage, inwieweit solche Strafmaßnahmen überhaupt sinnvoll sind, scheinen
sie für die Lösung der Gesamtproblematik ungeeignet zu sein, da sie nicht
deren Wurzel angehen, nämlich die Bedingungen, unter denen die Fahrer ihre
Tätigkeit ausüben müssen. Außerdem werden diejenigen, welche für diese
Umstände verantwortlich sind - also die paar, die von dem wirtschaftlichen
Fortschritt in Tibet profitieren - nicht zur Rechenschaft gezogen und
strafrechtlich belangt.
Übersetzung: Irina Raba, Augsburg, Adelheid Dönges, München, Angelika
Mensching, Hamburg
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Grüße,
Andreas