Vollständige Version anzeigen : Hallo an Alle
Hallo Zusammen,
da war jemand schneller als ich ;D ;D
Ich habe Andreas aus sehr persönlichen Gründen um dieses Forum gebeten.
Mein Mann und ich reisen seit wir uns kennen reichlich durch die Welt und das trotz verschiedener, teilweise schwerwiegender Handicaps.
Mein Mann leideit seit vielen Jahren unter Morbus Bechterew, einer rheumaähnlichen Erkrankung der Wirbelsäule mit Wirbelversteifung und chronischen Schmerzen sowie Arthrose in beiden Knieen und diversen Allergien.
Ich selbst habe mit Bandscheibenvorfällen und noch so ein paar Kleinigkeiten zu kämpfen.
Seltsamer Weise treffen wir aber bei sehr vielen Menschen auf Unverständnis ob unserer Reiselust.
Schade ist nur, dass man so wenige Informationen über das Reisen mit Handicap findet. Reiseführer schweigen sich tot oder warnen ob der schlechten Gesundheitsversorgung in diversen Ländern. Reiseveranstalter gibt es zwar, aber entweder sind die Reisen unbezahlbar oder gleichen eher einer Kaffeefahrt denn einem Erlebnisurlaub. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber die sind rar - und wenn man Individualist ist, tut man sich mit Pauschalurlaub möglicherweise sowieso etwas schwerer ;) ;)
Vielleicht bietet dieses Forum die Möglichkeit, sich auszutauschen, sich Tipps für schöne Touren oder Reisen usw. zu geben.
Möglicherweise ist sogar für den ein oder anderen ein Einstieg in das Reisen/Wandern auf eigene Faust, der sich bisher nicht getraut hat, eben weil er aufgrund seiner Erkrankung vermeintlich nicht so leistungsfähig ist wie ein gesunder Mensch.
In diesem Sinne hoffe ich auch, dass alle Besucher des Forums auf diese Seite stoßen und sie weiterempfehlen.
Viele liebe Grüße
Karin
Hallo Karin,
schön das es das Forum gibt, das Andreas es genemigt hat und das du es erbeten hast. ¤*#;D
Ich habe in Nepal einen Typen getroffen dem eine Kniescheibe gefehlt hat und ergo das Bein nahezu steif war. Er hat den Jomson-Trek gemacht. Auf der einen Seite dachte ich wow, Hut ab und auf der anderen Seite dachte ich, wenn der das kann, ist es wohl nicht so schwer.
Mich würde interessieren welche Treks dein Mann in Nepal geschafft hat, mit seiner Knieartrose und wie ihr es gemacht habt. Hattet ihr Porter? hast du ihm ein teil des Gepäcks abgenommen? Hattet ihr Teleskopstöcker, sicher, oder? Wie viel langsamer ward ihr im Vergleich zum im Buch angegebenen Zeit?
Ahoi! (Nicht nur ein Semannsgruß sonder auch das tschechische Äquivalent zu "Namasté" in den bergen. ¤*#;D
Grüße Björk
Hallo Bjoerk,
also, dann fange ich mal an ;D
Wir bzw. richtiger mein Mann geht in Nepal immer mit Trägern und Guide, wobei ein Träger bzw. Juniorguide immer die Aufgabe hat, ihm z.B. bei schwierigen Passagen zu helfen bzw. ihm sein Tagesgepäck abzunehmen, wenn es ihm einmal nicht so gut geht, was man nicht voraussehen kann. Aber nicht nur deswegen ist selber schleppen für uns keine Alternative, dazu hatte ich ja auch schon an anderen Orten etwas gesagt.
Angefangen hat er 1990 mit dem Annapurna BC, stellte aber dann fest, dass ihm diese "Massentreks" nicht so liegen und er es lieber einsamer mag.
Seither hat er neben dem Dhaulagiri Circuit den Manaslu Circuit und Rolwaling (ohne Trashi Lapsa) gemacht, zu Zeiten als dort wirklich noch niemand hingegangen ist. Beim Dhaulagiri hatte er zweimal Pech mit dem Wetter und musste umdrehen bzw. den Jomosom Trek wählen.
Ich selbst war bei den Treks nicht immer dabei, bei 2500 Metern bekomme ich ein massives Höhenproblem, kann mich zwar mit sehr, sehr viel Zeit auch akklimatisieren, aber nur mit großen Schwierigkeiten. Daher lasse ich es in der Zwischenzeit mit solchen Treks und mache Anderes. Es soll uns ja Beiden Spaß machen :D
Was die Zeit angeht, plant er regelmässig ein bis zwei Ruhetage mehr ein als in irgendwelchen Wanderführern angegeben, ohne dass er sie zwingend braucht. Wichtig für ihn ist die saubere Höhenakklimatisation, da sein Atemvolumen durch die Erkrankung eingeschränkt ist. Auch dafür sind die zusätzlichen Tage gedacht.
Er hat sie zwar bislang nicht gebraucht und hat alle Treks in der angegebenen Zeit geschafft, aber sicher ist sicher und außerdem ist es viel schöner, mit Lust zu trekken als unter einem bestimmten Termindruck.
Dadurch fällt natürlich pauschal Reisen buchen aus und es wird teurer, aber es ist es ihm wert.
Teleskopstöcke sind für uns beide, auch bei kleinen heimischen Touren, Pflicht, sie entlasten ungemein, insbesondere mit Dämpfung. Und Sofsoles.
Gruß
Karin
Hallo Karin, das finde ich wirklich erstaunlich! Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schmerzhaft Knieschäden sein können. Der Dhaulagiri-Circuit soll ja einer der schwersten Trekt überhaupt sein. Erstaunlich das dein Mann ihn geschafft hat, gewagt hat!
Ebenso mit Morbus B. lange zu laufen stelle ich mir schwierig vor. Was meintest du mit "versteift"? Opterativ (künstlich) oder entzündlich versteift?
Hat dein Mann eine spezielle Technik bezüglich des Berg ab gehens? Ich meine wegen seiner Artrose. Wie macht er das?
Ich plaudere mal aus dem Nähkästchen: Habe auch Probleme an den Knien, besonder an einem. Bergauf habe ich mit Teleskopstöckern eine gute Technik. Komme schmerzfrei und dank guter Kondi schneller rauf als der Durchschnitt. Aber runter bin ich langsam wie ne Schnecke. Und schmerzfrei ist es schon lange nicht.
Frage mich wirklich ob man das noch optimieren kann.
PS: Sorry für die vielen privaten Fragen. Ich frage natürlich aus interesse und hoffe du antwortest. Kannst ja auch als KM antworten.
Grüße Bjöerk
Hallo Björk,
es handelt sich sicher um einen Trek, den nicht jeder mit einer solchen Krankheit gehen kann bzw. gehen sollte. Vielleicht sind wir da auch besondere Pflänzchen, keine Ahnung, aber wichtig ist, dass es auch mit Handicap geht, etwas Außergewöhnliches zu tun.
Wir haben die Erfahrung gemacht, dass viele Menschen mit solchen Erkrankungen davon träumen etwas Vergleichbares zu machen, aber wegen ihrer Krankheit Angst haben. Wir machen ab und an in "unserer" Rheumaklinik Diavorträge (laienhaft) und stellen dabei immer wieder fest, dass solche Berichte den Menschen dort Mut machen, mit ihrer Krankheit zu leben und trotzdem Freude am Leben zu haben. Es müssen ja nicht gleich solche Sachen sein...
Gleichzeitig bestärkt das Feedback uns auch, solange so weiterzumachen, wie nur irgend möglich und wir haben entdeckt, wie viel Spaß es machen kann, andere zu ermutigen...
Jetzt zu Deinen Fragen:
Das Laufen stellt eigentlich kein großes Problem dar, weil Bewegung grundsätzlich bei dieser Krankheit erst einmal schmerzlindernd wirkt. Problematisch sind eher akrobatische Klettereinlagen, da Drehbewegungen der Wirbelsäule nicht mehr funktionieren. Die dauernden Entzündungen führen zu einer Verknöcherung/Versteifung der Wirbel und da bewegt sich dann nur noch wenig.
Bergab geht's immer in kleinen Serpentinen und mit kleinen Schritten.
Außerdem gibt es diverse Methoden, wie Du die Muskulatur rund um das Knie so stärken kannst, dass die Kniescheibe sozusagen vom Gelenk weggezogen wird und dadurch nicht mehr so sehr reibt. Krankengymnasten sind da wunderbare Tippgeber, aber auch Sportmediziner oder Orthopäden, die nicht gleich vom Geld für die Operation träumen, wenn ein Kniepatient auftaucht.
Ein Teil der Übungen kann übrigens auch gegen akute Schmerzen helfen.
Das sind natürlich alles sehr persönliche Erfahrungswerte, von denen ich da rede - dem einen hilfts, dem anderen nicht...
Grüße
Karin
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