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Vollständige Version anzeigen : Trekking-Routen - Schwierigkeitsgrade


geroldh
28.03.2009, 22:57
In den verschiedenen Trekking-Gebieten Nepals (http://www.trekkingforum.com/forum/showthread.php?t=14707) sind die die Schwierigkeit bestimmenden „Schlüsselstellen“ der Touren meißt geografischer Art in Form der Passübergänge, welche für Rundtouren oder Durchquerungen zu überschreiten sind. Dagegen tragen die neben der Route liegenden (permitfreien) Aussichtsgipfel im Bereich von ca. 5000-5500m Höhe nur selten zur Erhöhung der Schwierigkeitsbewertung einer Tour bei - im Zweifelsfall hat der Trekker immer die Möglichkeit diese "links liegen" zu lassen.
Jedoch können die gewählten Trekkingtouren durch unvorhergesehene ungünstige Witterungseinflüsse, wie heftiger, andauernder Monsun oder verfrühter Wintereinbruch (d.h. starker Schneefall oder Vereisung in der Höhe), sogleich eine Stufe schwieriger oder auch für einige Zeit gänzlich unpassierbar werden (z.B. Lawinengefahr).

Die Einstufung einer Trekkingtour in einen Schwierigkeitsgrad ist ziemlich subjektiv und neben der Topografie (Geländestruktur, Höhe, etc.) vor allem vom persönlichen Können und Wissen der Teilnehmer abhängig. Eine Bewertung bzw. Einteilung kann daher nur relativ bzgl. einem zu vermutenden Durchschnitt an Leistungsvermögen eines „Otto-Normal-Trekkers“ erfolgen.

Im folgenden sei eine mögliche Einstufung der Schwierigkeitsgrade von Trekking-Touren und -Gipfel versucht, wie sie auch die großen Trekking-Reiseveranstalter vornehmen:


kaum-schwierig (I): ...breite Wege und sicheres Gelände...

~ Spazierengehen...


wenig-schwierig (II): einfaches Gelände, gute Pfade, einfache & gute Unterkünfte/Lodgen, Höhen bis ca. 4500m, Gehzeiten von Tagesetappen bis ca. 5 Std., Höhendifferenzen im Aufstieg bis ca. 700 hm in mittleren Höhen

~ Fernwanderwege der Alpen


mittel-schwierig (III): anspruchsvolleres Gelände, steile und ausgesetztere Pfade möglich, sicheres Gehen und Schwindelfreiheit notwendig, verschneite Wege möglich, Lodge-/Zelt-Trekking mit eingeschränktem Komfort, Höhen bis ca. 5500m, Gehzeiten / Höhendifferenzen (s.o.) bis ca. 7 Std. / 1000 hm

~ eisfreie Gipfelbesteigungen in den Alpen im Gehgelände (Alpen-Touren bis ca. 3000m)


sehr-schwierig (IVa): anspruchsvolles Gelände, unwegsame und ausgesetzte Steige, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich, vergletscherte und verschneite Wegführung möglich, physische und psychische Belastungen, Zelttrekking, Höhen über 5000m, Gehzeiten / Höhendifferenzen bis ca. 8 Std. / 1200 hm

~ Gipfelbesteigungen in den Alpen mit Gletscherkontakt im Gehgelände (Alpen-Touren ca. 3000-4000m)


sehr-sehr-schwierig (IVb): anspruchsvolles und wegloses Gelände, steile und ausgesetzte Steige, absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich, vergletscherte und verschneite Wegführung üblich, physische und psychische Belastungen, Misserfolge möglich, Zelttrekking, Höhen über 5500m, Gehzeiten / Höhendifferenzen bis ca. 9 Std. / 1300 hm

~ Gipfelbesteigungen in den Alpen mit erweitertem Gletscherkontakt (steilere und verspaltete Gletscher) und leichten Klettereien bis UIAA-3 (http://de.wikipedia.org/wiki/Schwierigkeitsskala_%28Klettern%29#Erkl.C3.A4rung_ der_UIAA-Skala) (Alpen-Touren ca. 3000-4000m)


äußerst-schwierig (V): anspruchsvollstes und wegloses Gelände, steilste und ausgesetzte Steige, absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich, vergletscherte und verschneite/vereiste Wegführung, Gletscherspalten und Lawinengefahr möglich, physische und psychische Belastungen, Misserfolge möglich, Zelttrekking und Hochlager, Höhen über 6000m, Gehzeiten / Höhendifferenzen bis ca. 10 Std. / 1500 hm

~ Gipfelbesteigungen in den West-Alpen mit anspruchsvollem Gletscherkontakt und Klettereien bis UIAA-4 (http://de.wikipedia.org/wiki/Schwierigkeitsskala_%28Klettern%29#Erkl.C3.A4rung_ der_UIAA-Skala) (i.d.R. Alpen-Touren über ca. 4000m)


extrem(st)-schwierig (VI-VII): ...eigene Regeln und verschärfte Bedingungen...

~ Alpen-Nordwände ... bzw. Expeditionen eben !
Viele der Trekker werden für sich eine ausgewogene Kombination zwischen gemächlichen und sportlichen Tourentagen suchen - also Erholung vs. Herausforderung - und sich deshalb bei den „mittel-schwierigen“ Trekking-Touren am Wohlsten fühlen, was sich u.a. auch am Beliebtheitsgrad vieler Routen mit dieser Einstufung ausdrückt.

Im Forum wird immer wieder sinngemäß die Frage gestellt: "Hallo Leute, ich war schon mal in den Alpen wandern / bin schon mal auf einem Gletscher gestanden, ist die XY-Tour / der YZ-Gipfel für mich geeignet?"
Wer möchte hier die Verantwortung übernehmen und mittels "Ferndiagnose" den Segen geben? Ernsthaft wohl niemand!
Somit bleibt jedem, der für sich (erstmalig) eine Trekking-Tour plant, nur übrig, sich möglichst umfassend über das Gebiet und seine Besonderheiten zu informieren und die gewonnenen Informationen gegenüber den persönlichen (Vor-)Kenntnissen und Fähigkeiten zu reflektieren und einzuordnen.
Erscheint einem schließlich das angedachte Unternehmen "eine Nummer zu groß", ist es ratsam sich im Ziel umzuorientieren oder sich einer organisierten Tour anzuschließen, bei der wenigstens "zu einem Teil" die persönliche Verantwortung an den Leiter "abgegeben" werden kann (siehe jedoch das Kleingedruckte...).

Zugegebenerweise ist es für jeden Himalaya-Neuling (ohne Hochgebirgserfahrung) schwer, das eigene Können und insbesonders die Höhentauglichkeit abzuschätzen, aber mit der richtigen Strategie zur Höhen-Akklimatisation (http://www.trekkingforum.com/forum/showthread.php?t=12565) und ausreichend Reserve bzgl. Zeit und Leistung bleibt mann/frau auf der "sicheren Seite". So mancher Trekking-Tourist ist in der Vergangenheit bei seiner geplanten Annapurna-Umrundung am Thorong-Pass (http://www.trekkingforum.com/forum/showthread.php?t=11759) gescheitert und den langen Weg zurückgelaufen...

Manali90
09.05.2010, 00:29
Hallo Gerold,
ich weiß da jetzt auch keinen Rat - aber in der Bewertung der Schwierigkeit einer Trekkingtour spielt auch ganz entscheidend der Ausdauerfaktor in Zusammenhang mit der Höhe und der Beschaffenheit des Weges (Pfad oder wegloses Gelände) eine Rolle.
Die Beurteilung nach der Schlüsselstelle (auch wenn das ganz wichtig ist) und der Vergleich mit den Alpen ist eine schwierige Sache.
In den Trekkinggebieten kommt noch entscheidend die Infrastruktur hinzu - ob man da zur Not die Füße hochgestellt bekommt oder ganz allein ist.
Danke für Deinen ersten Ansatz, wir sollten es irgendwann fortsetzen und differenzieren.
Uli