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Vollständige Version anzeigen : Tara Tso und Pelgyeling


Andreas
28.02.2009, 18:54
Ich möchte hier Anregungen für zwei Tagestouren von Nyalam aus geben. Nyalam liegt am so genannten Friendship Highway zwischen Nepal und Tibet in rund 3800 m Seehöhe an der Südostabdachung des Shishapangma-Massivs.

Als ich begann, mir die Wegbeschreibung zum Tara Tso gemäß meinen Tagebuchaufzeichnungen von 1992 und 2002 zu überlegen, stand ich vor der Schwierigkeit, den Weg nur textlich zu beschreiben. Ich hätte zu sehr ins Detail gehen und sogar einzelne Gebäude beschreiben müssen, die vielleicht nicht mehr existieren, denn in Nyalam herrscht ein ungeheurer Bauboom. Also fand ich es leichter, meine Handskizzen aus den Tagebüchern abzuzeichnen. Diese Skizzen sieht man nachfolgend.

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Die Übersichtskarte zeigt halbwegs maßstäblich die Gegend rund um Nyalam.

Man kann vom Pelgyeling Gompa (Milarepa-Meditationshöhle) im Talgrund, etwa 15 km nördlich von Nyalam, einen netten kleinen Spaziergang zurück zur parallel am Hang verlaufenden Straße machen. Diese Kurzwanderung lässt sich am selben Tag machen, an dem man von Zhangmu kommt und ist ebenfalls sehr gut zur Höhenanpassung geeignet.

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Auf diesem Foto habe ich die ungefähre Route eingezeichnet. Man wandert von rund 4000 m Seehöhe runter auf ca. 3920 m.

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Das gleiche Foto wie oben ohne Overlay. Blick talauswärts.

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Das Milarepakloster von Pelgyeling, welches über der Meditationshöhle erbaut worden ist.

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Die gleiche Gegend taleinwärts geblickt. Im Hintergrund liegt das Milarepakloster.

Die Wanderung zum Tara Tso führt in das Phu Chu Tal, welches vom Shishapangma-Südkessel herunterkommt. 1992 bin ich bis auf 5800 m in diesen Gletscherkessel rauf gewandert. Dabei habe ich den Tara Tso »entdeckt«. Gewusst habe ich von ihm von Peter Aufschnaiters Aufzeichnungen (»Sein Leben in Tibet«), einem Kitzbüheler »Landsmann« von mir. Ich war überwältigt vom Anblick des Sees, insbesondere, weil man nichts erahnt, und ihn auch nicht sieht, wenn man unten im Tal entlangwandert. Als ich 2002 unterwegs zum Kailash war, war mir der Tara Tso das perfekte Ziel, um uns an die Höhe anzupassen.

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»Fotokarte« von Nyalam; eingetragen das Snow Land Hotel, wo die meisten absteigen und der Beginn des Weges zum Tara Tso. Im Inset der kleine Tempel am Ende der tibetischen Oberstadt.

Man beginnt die Wanderung, indem man die tibetische »Oberstadt« findet (traditionelle Häuser), welche rauf führt bis zu einem kleinen Tempelchen. 1992 endete hier der Ort; dahinter lagen Edelweiß-übersäte Almwiesen. 2002 herrschte dahinter rege Bautätigkeit und der alte Weg ist nicht mehr so ohne weiteres erkennbar. Wenn man vor dem Tempelchen steht, muss man scharf rechts abbiegen und der Jeepstrecke folgen, die nach ca. 30 m wieder nach links umbiegt und ein Stück weiter vorne aus der Stadt rausführt, parallel und hoch über dem Phu Chu. Die Jeepstrecke existierte 1992 ebenfalls noch nicht. 2002 war sie auf Höhe des Kraftwerks (liegt am gegenüberliegenden Flussufer) von Erdrutschen verlegt und für Fahrzeuge unpassierbar.

Die Jeepstraße führt auf eine flachere Alm, die langsam aber stetig ansteigt. Man sieht eine Hütte, auf die man einfach zuhalten sollte (Achtung: scharfe Hunde!). Am Ende der Jeepstraße ist der Weg etwas verworren, kurz vor der Alm aber wieder gut erkennbar. Achtung: bei dichtem Nebel besteht hier die Gefahr, sich zu verirren!

Nach der Alm einfach dem guten Pfad folgen, der in weiterer Folge zu einer höher gelegenen Alm (Dragboche) weiter im Tal führt. Gleich nachdem man den ersten Bergrücken links passiert hat, ist eine kleine, einfache Holzbrücke über einen Seitenbach. Bei klarem Wetter erblickt man hier links oben den Phurbu Chichu, 6658 m mit seiner vergletscherten Nordflanke.

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Ich vor dem Phurbu Chichu, 6658 m, beim Aufstieg zum Tara Tso

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Wegskizze gemäß meinen Aufzeichnungen

Gleich nach der Brücke muss man links abbiegen und auf Yakpfaden im Zick-Zack hochsteigen (sehr steil und kräfteraubend!). Es gibt keinen gut erkennbaren Weg, einfach die besten Tritte suchen und auf den Bergrücken vor sich zuhalten. Die Pflanzenwelt ist hier alpin, wie man sie aus Österreich kennt.

Wenn man den Rücken erreicht hat, hat man zwei Möglichkeiten: entweder man bleibt einfach am Rücken, der zielsicher bis zu einer Anhöhe führt. Die Aussichten bei schönem Wetter sind traumhaft (Shishapangma-Massiv, aber nicht der Gipfel selbst ist zu sehen). Nachteil: meist sturmartiger Wind, weil ausgesetzt. Oder man steigt, nahezu Höhe haltend, in das kleine Moränentälchen ab, das sich vor einem öffnet (wie auf meiner Kartenskizze). Dem Tälchen weglos aufwärts folgen, bis man rechts auf die erwähnte Anhöhe zuhält (steil!). Von diesem Punkt kann man einen kleinen Ausschnitt des Tara Tso vorne rechterhand und leicht unter sich schon erkennen. Auch hier ist ein kleines Tälchen, durch das man nun einfach absteigt!

Direkt dort, wo man zum See kommt, ist ein Steinmännchen-Wald, die einmal jährlich von Pilgern aufgerichtet werden. Leider konnte ich in Nyalam nicht herausfinden, wann dieses Ereignis (Fest?) stattfindet. Vielleicht kann es mich jemand wissen lassen. Den See kann man umrunden; aber Achtung: der Weg ist weiter, als er scheint!

Zurück auf demselben Weg!

Hier noch meine Zeittabelle (reine Gehzeiten):
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Ich hoffe, meine Unterlagen helfen weiter. Natürlich kann ich mich in der einen oder anderen Angabe irren und bitte hiermit, mir Erfahrungen und Korrekturen mitzuteilen. – Viel Freude an der Tour!

Grüße,
Andreas

Andreas
28.02.2009, 19:00
Sobald ich ein wenig Zeit habe, werde ich mehr Dias von der Wanderstrecke zum See und natürlich vom See selbst einscannen und hier online stellen. Das kann aber dauern :coffee:...

Andreas