Harp Booth
28.02.2009, 13:25
http://www.gifmix.de/gifs/under-construction-gifs/46.GIF (http://www.gifmix.de/gifs/)
Da selbst bei vorgeschriebenen Texten, das Einstellen, Editieren und Einbinden der Bilder ein wenig Zeit in Anspruch nimmt, ist dieser Bericht für die nächsten Tage (hoffentlich nicht Wochen!) erst einmal "under Construction".
Es wird etwas länger und ausführlicher als zunächst geplant. Ich hatte bereits 2004 nach unsere Reise begonnen, diesen Bericht zu schreiben. Aus Zeitgründen fehlte immer noch die Beschreibung der letzten Etappen. Das soll sich nun ändern. Da in den letzten Wochen wieder vermehrt Beiträge zu La Réunion geschrieben wurden, ist vielleicht dieser Anfang auch schon mal nützlich und auch Motivaton, den nächsten großen Wanderurlaub auf La Réunion zu verbringen.
Obwohl im indischen Ozean, verlässt man schließlich nicht einmal Europe! La Réunion ist ein Übersee Department (DOM) von Frankreich: man spricht französisch und zahlt in Euro.
Das kleine Bild oben zeigt einen Dodo. Einen auf Reunion heimischen Vogel, der jedoch zwischenzeitlich augestorben ist. Er war zu zutraulich und lief den Seeleuten direkt entgegen, die sich über den Snack sicherlich freuten. Heute ist das Bild des Dodo ein Logo einer ansässigen Brauerei und gleichsam ein Pseudonym für ein Bier: Deux Dodo s'il vous plait....
Organisation
An dieser Stelle einige Quellen und Links zur Organisation der Reise. Die Seite erhebt keinesfalls den Anspruch auf Vollständigkeit, sondern stellt lediglich eine Sammlung von Informationen dar, die bei der Organisation unseres Urlaubs sehr hilfreich waren. Alle genannten Preise basieren auf Erfahrungen aus 2004.
Karten und Führer
Die von uns benutzten IGN Karten waren in Deutschland günstiger als auf La Reunion! Im einzelnen haben wir für die hier beschriebene Tour auf dem GR-R2 lediglich die beiden Karten...
IGN 4402 RT "St. Denis" 1:25.000 (10,20 €)
IGN 4406 RT "Piton de la Fournaise" 1:25.000 (10,20 €)
benutzt. Kürzere Wegabschnitte außerhalb der Karte sind Dank der vorzüglichen Markierung des GR-R2 kein Problem.
Für unsere Inselrundfahrt haben wir nachträglich auf Reunion eine Gesamtkarte der Insel im Maßstab 1:100.000 erstanden
IGN Carte Touristik "La Reunion" 1:100.000 (13,00 €)
Zur Planung der einzelnen Etappen kann der FFRP (Fédération Francaise de la Randonnée Pédestre) Führer Réf 974 "LÎle de la Réunion" ganz hilfreich sein. Neben Streckenprofilen und genauen Beschreibungen der Etappen des GR-R1 und GR-R2 sind zusätzlich 8 Tageswanderungen beschrieben. Leider ist der Führer nur in Franzöisch erhältlich. Wir haben das Buch nur zur Vorbereitung eingesetzt und aus Gewichtsgründen auf ein Mitschleppen bei der Wanderung verzichtet.
Zur allgemeinen Vorbereitung auf den Inselurlaub hat uns der Reiseführer "Reunion" aus dem Dumont Verlag gut gefallen. Er liefert viel Wissenwertes über Land und Leute, Flora und Fauna sowie einige interessante Ausflugsziele.
Flüge
Alle erschwinglichen Flüge (ab ca. 850 € ab Deutschland) die ich recherchieren konnte, starten ab Paris (Air France, Air-Austral, Air Mauritius, Air-Bourbon). Der Zielflughafen "Roland Garros" bei St. Denis auf La Reunion wird unter der Kurzbezeichnung "RUN" geführt. In den meißten Fällen muss man hierzu noch den Flughafen wechseln (Landung in Paris von Deutschland Charles de Gaulle, Abflug nach Reunion i.d.R. ab Orly).
Fliegt man mit Air France, so meldet man sich nach der Landung am "Transfer" Schalter und erhält ein kostenloses Ticket für den Shuttle Bus. Einige Franzosen auf der Insel berichteten uns, dass teilweise auch recht günstige Flüge über Mauritius zu erhalten wären. Dies ist sicherlich eine sinnvolle Alternative, wenn man anschließend eh noch zum Baden nach Mauritius möchte. In jedem Fall dauert der Flug ab Paris ca. 10:30 h. Für günstige Flüge empfiehlt sich eine Reservierung bereits einige Monate im vorraus. Sowohl unser Hin- als auch der Rückflug im Oktober 2004 waren bis auf den letzten Platz voll.
Nach unserer Erfahrung sollte man für Gepäckabholen, Transfer und Einchecken zwischen den Flügen in Paris mindestens 3 Stunden Zeit haben. Beim Tansfer steht der Bus nicht selten im Stau und dann wird die Zeit knapp.
Also warum nicht direkt den Zwischenstop in Paris zum Programmpunkt machen! Wir sind morgens gegen 9:00 bereits in Paris gelandet. Der Flieger nach La Reunion startete erst gegen 20:30 Uhr. Wir konnten unser Gepäck bereits am Mittag in Orly einchecken und waren somit frei für einen Stadtbummel in Paris. Hektisch wurde es dann nur beim Bording. Erst hier stellte ich fest, dass mein Bordkarte nicht auf meinen Namen ausgestellt war. Also hektische Suche nach neuen zusammenhängenden Plätzen. Gepäck musste auch wieder aus dem Flieger und neu eingecheckt werden.
Auf La Reunion fährt regelmäßig nach Landungen zwischen 7:00 Uhr und 20:30 Uhr ein Flughafenbus ("Navette") in 15 min zum Busbahnhof nach St. Denis (ca. 4 € p.P). Dies ist deutlich günstiger als ein Taxi ins Zentrum (ca. 18 €). Tickets gibt es direkt beim Fahrer.
Unterkunft
Nach einer Nacht im Flieger sehnt man sich nach der Ankunft in St. Denis zuerst einmal nach einer Dusche und hat in der Regel keine Lust stundenlang nach einem geeigneten Hotel zu suchen. Wir hatten daher bereits vorab ein Zimmer im Hotel Mascareignes (http://www.ilereunion.com/mascareignes.htm) reserviert.
Das Hotel liegt im Zentrum der Stadt am Rande der Fußgängerzone, ist sehr ruhig und gepflegt (wurde zumindest im Spätsommer 2003 komplett renoviert. Die Zimmerpreise sind für St. Denis recht günstig (DZ ab 37 €inklusive Frühstück im sonnigen Hof). Der Besitzer Daniel Schneider ist Elsässer und spricht sehr gut Deutsch. Eine Reservierung gegen 15 € Abschlagszahlung per Kreditkarte ist im Voraus möglich. Daniel hat dann auch unser Restgepäck für die Zeit der Wanderung verwahrt. Toller Service!
Nachtrag; gem. der Meldung eines users (http://www.trekkingforum.com/forum/showpost.php?p=117551&postcount=18) soll das Hotel nicht mehr existieren.
Alternatives Hotel: http://www.ilereunion.com/centralhotel.htm
Bei unserem Sightseeing Trip am Ende des Urlaubs haben wir auf Empfehlung einiger "Mitwanderer" ein Hotel in Saint-Pierre gefunden, dass uns sehr gut gefallen hat. Saint-Pierre liegt recht zentral für Ausflüge an der Südküste und hat aufgrund der Größe der Stadt auch noch einiges an Infrastruktur. Das Hotel "Le Tamarin" (http://www.hotels-des-iles.com/minisite/index-hotel-tamarin-saint-pierre.html) liegt am Rande der Stadt an der Rue du Père Favron 64. Besonders schön die Zimmer zum tropischen Garten. Das Hotel ist recht einfach aber alles sehr liebevoll ausgestattet und sauber. Das Frühstück mit Saft, frischem Obst und Marmelade aus tropischen Früchten wird auf Wunsch auf den Balkon serviert. Wir haben zu zweit 35 € je Nacht inklusive Frühstück bezahlt. Der deutschsprachige Hotelier hat jede Menge Tips zur Insel.
Übernachtungen auf dem GR-R2
Alle Übernachtungen auf dem GR-R1 in den offiziellen Hütten müssen im Vorfeld über das Maison de la Montagne (http://www.reunion-nature.com) reserviert werden. Vereinzelt gibt es am Weg auch private Hütten oder in Cilaos auch Hotels oder Privatunterkünfte (Chambre d'Hôte). Auch diese können über das Maison de la Montagne im Vorfeld gebucht werden. Für die Reservierung wird eine geringe Servicepauschale berechnet. Da einige der Hütten immer gut besucht sind, empfehle ich eine Reservierung einige Monate im Voraus. Sonst geht man am Vulkan oder dem Piton de Neige eventuell leer aus.
Eine große Hilfe bei der Vorbereitung war Jean-Michel Casini vom Maison de la Montagne. Er ist in Eckernförde aufgewachsen und spricht perfekt deutsch. Er hat von den Hüttenübernachtungen, Privatunterkünften bis zu Restaurants alles im Programm und hilft gerne weiter. Nochmals Danke an Jean-Michel für die gute Unterstützung.
GR-R2
Der GR-R2 oder "La Grand Traversée de L'île" ist neben dem kürzeren GR-R1 einer der Weitwanderwege auf La Reunion.
Von der Markierung und der Dichte der Hütten ist dieser Weg absolut vergleichbar mit den GR (Grand Randonnée) im kontinentalen Frankreich oder auf Korsika (GR20).
Ca. 1.200 Verrückte laufen eine nahezu identische Strecke im Oktober jeden Jahres mit sehr leichtem Gepäck. Dieser Lauf nennt sich auch "La Grand Raid" oder "La Diagonale du Fous" (http://runraid.free.fr/grand_raid/index.php).
Während der Otto-Normal-Wanderer für die komplette Strecke ca. 14 Tage benötigt, läuft der Beste eines jeden Jahres die ca 140 km lange Strecke mit ca. 8.500 Höhenmetern in unter 22 Stunden. Also wirklich eine Inselüberquerung "der Verrückten".
Auf vielen Etappen begegneten uns Läufer, die für das Rennen trainierten. Von diesen leichfüßig an einer 800 HM Steigung überholt zu werden ist schon bitter. Nochmehr schmerzt es, wenn ein Bewohner der Cirques nur mit Flip-Flop Badeschlappen an den Füssen und einem 25 kg Reissack auf dem Kopf fröhlich singend an einem vorbeizieht. Aber man gewöhnt sich auch daran...
Eine ausführliche Beschreibung der Etappen in Französich sowie Infos zum Grand Raid findet sich auf den Seiten von Runraid (http://runraid.free.fr/).
Gerade im Cirque de Mafate gibt es einige Varianten des GR-R2. In 2004 waren auch noch einige Wegabschnitte durch Bergrutsche in Folge sehr heftiger Niederschläge gesperrt. Auf halben Weg in Cilaos hatten wir einen Ruhetag vorgesehen.
Die nachfolgend beschriebenen Etappen, entsprechen unserer Einteilung aus dem Jahr 2004. Die Beschreibung umfasst derzeit die erste Hälfte des GR-R2. To be continued... (siehe Einleitung)
Die HM entsprechen den tatsächlich auf der Etappe mit einem Höhenmesser gemessen Werten inklusive der gelaufenen zusätzlichen Abstecher (siehe Etappenbeschreibung). Die Zeitangaben beziehen sich auf die reine Gehzeit entsprechend der Zeitangaben im Führer ohne die reichlichen Pausen, Foto- oder Badestops und zusätzliche Abstecher zu Gipfeln oder Aussichtspunkten.
Tagesablauf
Beim Tagesablauf sollte man bedenken, dass auf Reunion aus der Sicht eines Mitteleuropäers alles sehr früh abläuft. In der Regel wird man spätestens um 6:00 Uhr aufstehen. Zum einen weil viele Hüttenwirte die Zimmer oder Lager bereits um 7:00 Uhr geräumt haben wollen oder danach kein Frühstück mehr zu bekommen ist. Zum anderen empfiehlt es sich aufgrund des Wetters mit den bereits am Vormittag aufziehenden Passatwolken rechtzeitig aufzubrechen, um die Natur auch noch genießen zu können. Sonst sieht man teilweise nur noch Nebel. Auch sind am Vormittag die Temperaturen noch recht erträglich, um die großen Steigungen mit nicht gerade wenig Gepäck zu bewältigen.
Vor 15:00 Uhr wird an den Hütten in der Regel kein Einlass gewährt. Abendessen gibt es meist kurz nach Sonnenuntergang gegen 18:30 Uhr. Um 20:30-21:00 Uhr nach dem Essen geht dann meistens auch schon wieder das Licht aus. An diesen verschobenen Tagesrythmus hat man sich dann schnell gewöhnt.
Kosten (Stand 2004)
Eine Übernachtung im Lager kostet 13,50 € je Person. Vereinzelt sind auf den Hütten jedoch auch Doppelzimmer für 31,00 € je Zimmer verfügbar. Die geringen Mehrkosten sollte man wenn man zu zweit unterwegs ist auf sich nehmen, da man so dem einen oder anderen Schnarcher entgeht und meist etwas mehr Platz und Privatsphäre hat. Die Unterkünfte sind meist sehr sauber jedoch extrem einfach (Feldbetten, rohe Spanplattenwände). Auf den Betten gibt es ein Kopfkissen, zwei Decken mit Bettbezug und ein Laken. Beziehen muss man die Betten selbst.
Angesichts der nachts recht kühlen Temperaturen in der Höhe, habe ich den mitgeschleppten Schlafsack sehr geschätzt. Alle Hütten müssen im Vorfeld reserviert und auch bezahlt werden.
Das Abendessen besteht meist aus mindestens 3 Gängen und kostet zwischen 10 € und 15 € inklusive Wasser, Rum oder Wein. Das Essen war meist sehr gut und immer reichlich. Gelegentlich konnte man zwischen zwei Hauptgängen wählen. Das Frühstück mit Milchkaffee oder Tee, Weißbrot und Marmelade (ca. 5 €) dagegen ist eher typisch französisch spartanisch. Bei frühem Aufbruch haben wir daher häufiger aufs Frühstück verzichtet und etwas später eine ausgiebige Rast mit mitgebrachtem Müsli, Milchpulver und Wasser eingelegt. Das hält deutlich länger vor als Baguette.
Abendessen muss mindestens einen Tag im Voraus besser direkt bei der Reservierung der Übernachtung vorbestellt werden. Ob man Frühstücken will oder nicht kann man noch spontan am Vorabend entscheiden. Alle Mahlzeiten werden direkt mit dem Hüttenwirt verrechnet. Auf einigen Etappen sind Übernachtung und Verpflegung auch in getrennten Hütten bei verschiedenen Familien.
Da alle Lebensmittel in den Cirque entweder selbst angebaut, per Hubschrauber eingeflogen oder auf dem Rücken getragen werden müssen, sind zusätzliche Lebensmittel und Getränke sehr teuer. Ein kleines Bier (0,25 l) kostet bis zu 4,00 €. In Cilaos gibt es jedoch Supermärkte und Geschäfte mit "normalen" Preisen.
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Versorgungshubschrauber im Cirque de Mafate
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"Lasttransport" im Cirque
[B]1. Etappe (St. Denis - Le Brûlé - Marmode Camp - Plaine des Chicots)
865 HM rauf, 11 Hm runter, 3:30 h, Hütte: Gîtes de la Roche Ecrite
Obwohl der GR-R2 eigendlich direkt in St. Denis startet, beschließen wir den ersten Tag ruhig angehen zu lassen. Die ersten ca. 850 HM bis Le Brûlé wollen wir mit dem Bus zurücklegen. Von unserer Unterkunft im Hôtel Les Mascareines, bis zur Bustation am Petit Marché sind es nur ca. 5 min zu Fuss.
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Petit Marché
Wir versorgen uns auf dem bunten Markt noch einmal mit frischem Obst (Victoria Ananas 1,50 €) und fahren dann mit Linie 12 Richtung Bassin Couderc. Hier muss man umsteigen und mit dem Taxibus die steilen Serpentinen weiter hoch fahren bis zur Endstation Au Banc. Tickets für die Busfahrt gibt es direkt beim Fahrer oder etwas günstiger am Schalter des Bushofs am Petit Marché. Ein Ticket für 1,20 € ist eine Stunde gültig, so dass man auch nach dem Umsteigen mit dem selben Ticket weiterfahren kann.
Der gut markierte GR-R2 führt direkt an der Bushaltestelle vorbei und der Weg ist nicht zu verfehlen. An Gärten vorbei und flankiert durch dichten Bambus führt der Weg aufwärts zu einem Picknickplatz, dem Marmode Camp (1.1177m). Die Pavillions laden trotz mittlerweile dichtem Nebel zur Rast ein. An vorhandenen Wasserhähnen können die Wasservorräte noch einmal gefüllt werden.
Am Ende der Straße führt der Weg nun durch Wald steil nach oben. Ein am Wegrand aufgestellter roter Vogelkäfig mit einer Plastikritterfigur drin, wirkt zunächst ein wenig lustig. Ein Blick in unseren Reiseführer belehrt uns jedoch, das es sich dabei um einen der zahlreichen magisch-rot gestrichenen Opferstöcke für Saint-Expédit handelt. Einer der verehrten Heiligen, der mehr praktische Hilfe verspricht als etwa die Jungfrau Maria. Wir beten, dass unser Rucksäcke leichter werden und der Nebel sich bald lichtet.
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Saint-Expédite
Der Wald mit seinen Flechten behangenen Bäumen wirkt im Nebel regelrecht geisterhaft. Einige neugierige Vögle begleiten uns und bleiben immer wider nur einen Meter vor uns sitzen. Durch das Fehlen natürlicher Feinde haben die Tiere einfach keine Angst vorm Menschen. Die Landschaft und insbesondere die Pflanzenwelt ist extrem abwechlungsreich. Ab ca. 1.300 m fühlen wir uns plötzlich wie im Jurassic Parc als die ersten Baumfarne rechts und links des Weges auftauchen. Wir erwarten jeden Augenblick einen T-Rex, der über uns herfällt.
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Geisterhafter Wald
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Baumfarn
Bei 1.600 m wird unser Gebet an Saint Expédit schließlich erhört und wir durchbrechen die Wolkendecke. Nicht etwa, dass die Passatwolken weg wären. Nein! Man ist einfach nur drüber. Ein tolles Gefühl, wie es schon Reinhart May besungen hat.
Bereits gegen 14:15 Uhr taucht unvermittelt im Wald vor uns die Gîte de la Roche Ecrite (1.839 m) auf.
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Gîte de la Roche Ecrite
Wir entspannen uns im Schatten bis 15:00 Uhr und melden uns beim Hüttenwirt an.
Das gesamte Hüttenareal besteht aus verschiedenen einzelnen Häusern. Jede Gruppe bekommt zunächst eine einzelne Hütte zugeteilt. Da heute nicht sehr viele Wanderer angemeldet sind, bleiben wir schließlich zu zweit in der mit acht Betten ausgestatteten Hütte. Neben einem WC Bereich mit zwei solarbeheizten Duschen, gibt es noch eine kleine Küche mit offenen Kamin. Wir wünschen uns, dass die Unterkünfte jeden Tag der Tour so toll sind.
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Blockhaus
Die Zeit bis zum Abendessen verbringen wir im Schatten einer riesigen Höhen-Tamarinde. Das sind schon seltsame Bäume. Der Stamm wächst häufig waagerecht und oft quer über den Weg. Irgendwo verschwinden die Äste der Krone dann wieder im Boden.
In der Nähe des Haupthauses haben Susanne und Fred aus Berlin ihr Zelt aufgeschlagen. Die beiden werden wir unterwegs noch häufiger treffen.
Wir erleben einen fantastischen Sonnenuntergang. Wenn auch der direkte Blick auf den Horizont durch den dichten Wald verstellt ist, sind doch alle Baumkronen mit einem fantastischen Rot angestrahlt.
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Sonnenuntergang in Baumwipfeln
Das erste Abendessen ist sehr unterhaltsam. Es gibt ein Carri mit Hühnchen ("Axtmörderhuhn"), dass uns auf der Tour noch sehr häufig begegnen wird. Der erste Rumpunsch lockert recht schnell die Stimmung und überwindet die letzten Sprachbarrieren. Wir lernen Marie & Christian, Luc und Jean Raymond aus Fleurbaix kennen. Mit einem Sprachenmix aus ein wenig Französich, Englich und Deutsch erleben wir einen lustigen Abend.
Da wir am nächsten Morgen bereits um 4:30 Uhr zum Roche Ecrite aufbrechen wollen, gehen wir, wie auch der Rest der Wanderer, früh zu Bett.
[B]2. Etappe (Plaines des Chicots - La Roche Ecrite - Mare aux Cerfs -Plaine des Chicots - Dos D'Ane)
660 HM rauf, 1.455 HM runter, 4:10 h, Hütte: Pilon D'Or
Unser zweiter Tag auf dem GR-R2 beginnt schon sehr früh. Da wir am heutigen Morgen den Sonnenaufgang auf dem Roche Ecrite erleben wollen, klingelt der Wecker bereits um 04:30 Uhr.
Ein richtiges Frühstück entfällt und nur mit einem Müsliriegel in der Hand starten wir in der Dunkelheit zu diesem Abstecher. Da wir auf dem Rückweg wieder an der Gîtes de la Roche Ecrite vorbei müssen, lassen wir den Großteil unseres Gepäckes zurück. Im Vergleich zum ersten Tag, können wir die zusätzlichen 450 HM bis zum Gipfel also vergleichsweise unbeschwert angehen.
Im Schein der Stirnlampen sind die zahlreichen Markierungen auf dem felsigen Weg gut zu erkennen.
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Aufstieg zum Roche Ecrite
Hier müsste man fast blind sein, um sich zu verlaufen! Da man über die Flanke eines sehr alten Schildvulkanes ansteigt, stellt der Weg keine besonderen technischen Anforderungen. Die Steigung ist mäßig, aber kontinuierlich. Mitten in der Nacht ohne Frühstück, sind wir aber nicht so schnell wie erwartet. Außerdem ist die Sonne auch noch etwas früher dran als gedacht. Also erleben wir den fantastischen Sonnenaufgang bereits auf halbem Weg.
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Sonnenaufgang
Der Roche Ecrite ist mit 2.777 m die höchste Erhebung am Nordrand des zentralen Gebirgskessels und sicherlich einer der schönsten Aussichtsberge der Insel. Da der Berg vom Gipfel nach 2 Seiten mehrere 100 m steil abbricht ist das Panorama auf den angrenzenden Cirque des Salazie und den Cirque de Mafate atemberaubend. Da jedoch bereits gegen 6:00 Uhr die ersten Passatwolken von Süd-Osten her heranziehen, muss man schon entsprechend früh aufbrechen um diese Aussicht noch geniessen zu können. Weiter im Süden sind bereits die Etappen der nächsten Tage zu erkennen: der unwegsame Cirque de Mafate, der Col de Taibit und der alles überragende Piton de Neige.
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Col de Taibit
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Über dem Wolkenmeer
Am Gipfel wird schnell klar, woher der Berg seinen Namen hat: Roche Ecrite - beschriebener Fels. Generationen von Wanderern haben sich hier oben mit ihrem Namen oder Inschriften im und auf dem weichen Lavagestein verewigt.
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La Roche Ecrite - Der beschriftete Fels
Auf dem Rückweg zur Hütte machen wir noch einen kleinen Abstecher zum Mare aux Cerfs, dem Hirschteich. Schon im 19. Jahrhundert hat man für die Jagd eine Schiffsladung voll Hirsche von Mauritius importiert. Am frühen Morgen soll man diese noch vereinzelt hier antreffen können. Hirsche sehen wir an diesem Morgen in der Nähe des kleinen unscheinbaren Tümpels nicht. Dafür hat man von einem naheliegenden Aussichtspunkt einen tollen Blick in den Cirque de Mafate.
Vorbei an der Caverne Dufour, einer Höhle entstanden aus einer Blase im Magma, gelangen wir zügig zurück zur Hütte, wo wir erst einmal eine große Portion Müsli mit Milchpulver frühstücken.
Durch die Plaine d'Affouches geht es nun westwärts Richtung Dos d'Ane (Eselsrücken). Dabei verläuft der Weg über weite Strecken an der Abbruchkante zum Bras St. Suzanne, einem der tief eingeschnittenen Flusstäler im Cirque de Mafate vorbei. Wegen der mittlerweile dichten Passatwolken haben wir von der Fernsicht immer noch wenig. Dafür treten wir fast auf einen Tanrec (Tenrec ecaudatus), der wohl gerade vom Winterschlaf erwacht noch etwas benommen am Rande des Weges sitzt. Dabei handelt es sich um eine der wenigen nicht eingeführten Säugetierarten auf La Reunion, einen Borstenigel der sich nicht einrollen kann. Da er immer noch als Einlage für Carri gejagt wird, ist er zwischenzeitlich rar geworden.
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Tanrec - Tenrec ecaudatus
Weniger rar ist die schwarz-gelbe Seidenspinne (Nephilia inaurata) die bis zu 6 m große Netze zwischen den Bäumen und über den Weg spannt. Obwohl sich gelegentlich sogar kleiner Vögel in diesen Kunstwerken der bis zu 8 cm großen Spinne verfangen können, ist sie für den Menschen ungefährlich.
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Seidenspinne - Nephila inaurata
Der ca. 6 km lange Übergang durch die Plaine d'Affouche sieht auf der Karte vollkommen eben aus, entpuppt sich jedoch als ein ständiges Auf- und Ab mit teilweise rutschigen Passagen.
Am Roche Verre Bouteille hat man die Wahl zwischen dem GR-R2 und einer kurzen Variante über das Cap Noir. Da die Sicht wegen anhaltendem Nebel immer noch gegen Null geht, verzichten wir auf diesen Abstecher und wählen den oberen Weg der teilweise über einen nach links und rechts steil abfallenden Bergrücken zu einem Parkplatz oberhalb von Dos d'Ane führt.
Die letzten Meter geht es auf einer Straße in den kleinen Ort. Unsere Unterkunft das "Pilon d'Or", ein kleiner privat geführter Gasthof, ist schnell gefunden. Von den Gästen bleiben wir an diesem Abend die einzigen Wanderer, jedoch nicht allein! Im Gasthof sind unter der Woche Schüler aus dem Cirque de Mafate untergebracht, die eine weiterbildende Schule besuchen. Das Hühnchen mit Zitronenrougail und Gemüsereis ist sehr gut, die Nachtruhe jedoch nur kurz. Die Kids sind halt doch etwas lebhaft...
Dafür haben wir vom Fenster unseres Doppelzimmers einen tollen Blick aufs Meer!
Mitwanderer schwärmen später von der an diesem Abend leider ausgebuchten Gîtes Les Acacias im Ort.
[B]3. Etappe (Dos d'Ane - Les Deux Bras - Port de Mafate - Aurère)
815 HM rauf, 855 HM runter, 4:10 h, Hütte: Gîtes de Boyer Georget
Das Wetter enttäuscht uns nicht. Wie auch an den Vortagen sind über Nacht alle Wolken verschwunden und der Tag beginnt sonnig.
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Bananenblüte
Wir verlassen Dos d'Ane, den Eselsrücken, auf einer kleinen Straße die zunächst durch Bananenhaine führt. Der Weg führt jedoch bald entlang eines bewaldeten Hang hinunter zu "Les deux Bras (250 m)" dem Zusammenfluß des Riviere des Galets (Geröllfluß) und der Bras Ste. Suzanne. Im Hintergrund ist bereits der markante Piton Cabris erkennbar. An einer kleinen Furt müssen wir den Fluß überqueren und nützen den schönen Ort zu einer Rast mit kurzem Bad im Fluß.
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Dos D'Ane
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Piton Cabris
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Riviere des Galets
Ab hier verläuft der Weg eine Zeit lang auf einer Schotterpiste und überquert auf Steinen mehrfach den Riviere des Galets. Hier treffen wir Brigitte und Bernhard aus Bremen, die nur ein paar Etappen des GR-R2 laufen wollen. Sie wollen auf dem Rückweg den an der gegenüberliegenden Talseite den Kanalweg nach les Orangers benutzen, der wie viele Kriegspfade in den Dolomiten, fast eben als Galerie in den steilen Fels geschlagen ist. Angeblich benutzt noch heute der Briefträger diesen Weg, um die Leute mit Post zu versorgen.
Die Piste endet kurz hinter einem Hubschrauberlandeplatz an der "La Porte (280 m)", dem sogenannten Tor zum Cirque de Mafate. Ab hier geht es nur noch zu Fuß oder mit dem Hubschrauber weiter. Im Minutentakt starten die Helikopter die Lebensmittel zu den entlegenen Ilets im Cirque fliegen. Alles was nicht reingeflogen wird, muss auf dem Rücken oder Kopf getragen werden. Das erklärt zumindest das hohe Preisniveau im Cirque.
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La Porte - Das Tor zum Cirque de Mafate
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Versorgungshubschrauber
Hinter "La Porte" steigt der GR-R2 nach links zunächst steil an in die nördliche Flanke der Crête d'Aurère. Bei ca. 400 m rasten wir im kühlen Schatten bei ein paar Bäumen und füllen unsere Flaschen an der Source Cabris. Kurz danach nehmen wir den linken Abzweig und steigen weiter aufwärts am Hang des Piton Cabris. Der Weg am Cap Miné ist teilweise ausgesetzt in den Stein geschlagen, aber immer in gutem Zustand und gesichert. Die Arbeitslosigkeit in den Cirque ist extrem hoch und um zusätzliche Familienbeihilfen zu erhalten, verrichten die Arbeitssuchenden soziale Dienste, wie etwa die Pflege des Wegenetzes. Die Wanderer bilden so teilweise die Lebensgrundlage in vielen Ilets. Eine Familie bewirtschaftet die Hütte, eine andere bereitet die Mahlzeiten, wieder andere waschen die Bettwäsche, kleine Boutiquen und und und...
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Source Cabris
Am frühen Nachmittag erreichen wir nach einem kurzen Steilstück mit Serpentinen den Bord Bazar, einen 953 m hohen Aussichtspunkt. Der tolle Blick auf den unteren Cirque de Mafate entschädigt für die Mühen des Tages.
Am Beginn des Ilet von Aurère weist ein Wegweiser zu den verschiedenen Gîtes die verstreut auf der Hochebene liegen. Die Besiedlung ist nicht sehr dicht und die Häuser sind von großen gepflegten Gärten und Feldern umgeben. Der Weg zur Gîte von Mme. Boyer Georget (den Vornamen muß man sich immer merken, da es in den Dörfern viele Familien mit gleichem Namen gibt!) führt vorbei an der Dorfschule. In drei während des Unterichts nach draussen offenen Klassen werden die Grundschüler unterrichtet, davor grast eine Kuh.
Aurère war Ende des 18. Jahrhunderst als erste und einzige Konzession des Cirque de Mafate an den bretonischen Siedler Lemarchand gegangen, der auf der Jagd nach einigen Wildziegen hier die Hütte eines entlaufenen Sklaven entdeckt hat. Der Name ist dabei auf den madegassichen Begriff "orera - gute Erde" zurückzuführen.
Gegen 15:00 Uhr beziehen wir unsere Doppelzimmer in der gepflegten Gîte. Neben einem weiteren Doppelzimmer gibt es noch zwei Vierbettzimmer, die an diesem Tag ebenfalls vollständig belegt sind.
Die Zeit bis zum Abendessen vertrieben wir uns auf der schattigen Veranda, waschen etwas Wäsche und nutzen die Leine im Garten zum Lüften der Schlafsäcke.
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Veranda Gîte Boyer - Aurère
Das Abendessen wird pünktlich um 18:30 Uhr in einer gegenüberliegenden Hütte serviert. Wieder einmal genießen wir eine neue Variante vom Carri mit Huhn (schon wieder Axtmörderhuhn...ich kann es langsam nicht mehr sehen!), Reis sowie jeder Menge Rumpunsch und Wein. Mme. Boyer erzählt ein wenig vom Leben im Cirque und dem nicht immer ganz passenden Verhalten einiger Wanderer. Die früheste Ankunftszeit an den Hütten von 15:00 Uhr, sollte man respektieren, um den Leuten noch etwas Privatsphäre zu lassen. Die Zutaten des Essens wachsen zum größten Teil direkt hinter der Hütte. Was über bleibt, bekommt das Schwein und so gibt es demnächst vielleicht mal Carri mit Schwein.
Wir treffen auch Marie & Christian, Jean Raymond und Luc wieder, die zusammen im Chor singen und uns an diesem Abend noch mit einem eigens für die Tour einstudierten mehrstimmiges Stück unterhalten. Ungewohnt spät endet der Abend daher erst gegen 22:15 Uhr, als uns die Gastgeberin höflich zu Bett schickt. Ihr Tag beginnt wieder früh vor Sonnenaufgang.
Die vier Franzosen versuchen sich noch in der Disziplin "Hütte wegschieben". Das kann ja aber nicht klappen, da sie dabei auf der Veranda stehen :-).
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Hüttewegschieben?
[B]4. Etappe (Aurère – Îlet à Malheur – Îlet à Bourse – Grand Place Cayenne
535 HM rauf, 860 HM runter, 4:30h, Hütte: Gîtes de Grand Place Cayenne
Vom Rande des Plateaus von Aurère aus scheint das nächste Zwischenziel, Îlet à Malheur, bereits in greifbarer Nähe zu sein. Auch wenn die nächste Siedlung nur einen Steinwurf weit entfernt ist, heißt es jedoch, wie so oft im Cirque de Mafate, zunächst einen steilen Ab- und Wiederaufstieg durch eine der tief eingeschnittenen Ravine zu bewältigen. Für die 250 m Abstieg werden in diesem Fall 2 Varianten angeboten: Quick and Dirty oder die etwas softere, dafür längere Variante. Da wir nur bergab müssen, entscheiden wir uns an diesem Morgen für den schnellen steilen Abstieg.
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Îlet à Malheur
Unten in der Bras de Bemale überquert eine kleine Holzbrücke den Fluss. Beim Aufstieg nach Îlet à Malheur flankieren einige schöne Gärten den Weg. Der Ort selbst ist ebenso überschaubar wie bereits Aurère. Neben ein paar Gîtes, einer Schule und einem Arzt, gibt es hier sogar eine kleine Kirche und einen Friedhof. Auch dieses „Inselchen“ gehört ebenso wie Aurère und Îlet a Bourse zur sog. Konzession Lemarchant. 1829 soll es hier zwischen weißen Sklavenjägern und entlaufenen Schwarzen zu einer blutigen Schlacht gekommen sein.
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Brücke über den Bras Bemale
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Kirche Îlet à Malheur
Um zum nächsten Ort, Îlet à Bourse zu gelangen muss zunächst wieder eine Ravine durchquert werden. In Serpentinen geht es hinab zu einer Hängebrücke. Der steile Aufstieg an der gegenüberliegenden Seite erfordert etwas Trittsicherheit, wird aber zunächst vertagt. Da wir an diesem Tag kein große Eile verspüren, nutzen wir die kristallklaren Gumpen an der Grand Ravine für eine ausgiebige Pause mit Bad.
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Badegumpen
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Aufstieg aus der Grand Ravine
Hinter Îlet à Bourse schwenkt der Weg in weitem Bogen zurück nach Nord-Westen und durchquert ein relativ feuchtes Gebiet. Wie auch schon an den Tagen zuvor, wechselt ständig die Vegetation und man hat immer wieder den Eindruck plötzlich an einem ganz anderen Ort zu sein. Hatten wir vorher bereits in großen Flächen den vergleichsweise dünnen endemischem Calumet Bambus kennen gelernt, beeindruckt uns hier eine Art Riesenbambus mit mehr als 15 cm dicken Rohren. Unter günstigen Bedingungen kann diese Art mehr als einen Meter am Tag wachsen.
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Riesenbambus
Unser Etappenziel Grand-Place ist eigentlich ein Ort auf drei Ebenen: ganz oben Grand Place Les Hautes (839m), dem Hauptort Grand-Place (770 m) und ganz unten Grand-Place Cayenne (530 m). Unsere Gîte im unteren Ortsteil ist wie ein Adlernest direkt am steilen Abbruch zum Riviere de Galets positioniert. Mit ein paar eingekühlten Getränken aus der Boutique im Ortszentrum genießen wir den Sonnenuntergang auf der fantastisch gelegenen Terrasse.
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Piton Cabris mit Etappe des Vortages
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Grand Place Cayenne
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Terasse der Gîtes de Grand Place Cayenne
Zum ersten Mal auf dieser Tour beenden wir den Abend in geselliger Runde ohne Huhn! Heute gibt es das typische Boucané, ein Carri aus geräuchertem und entsalzenem Speck und Gemüse.
[B]5. Etappe (Grand Place Cayenne – Roche Plate)
1.115 HM rauf, 540 HM runter, 6:00 h, Hütte: Gîtes de Roche Plate
Am heutigen Wandertag müssen wir erstmals auf eine Variante des GR-R2 ausweichen. Bereits am Rande des Ortes ist der Weg über La Roche Ancree – Mafate – Le Bronchard nach Roche Plate abgesperrt. Die zurückliegende Regenzeit hat soviel Niederschläge gebracht, dass dieser Wegabschnitt teilweise weggespült und unpassierbar geworden ist. Aber bei der Tourenplanung hat uns das Maison de Montagne bereits hierauf aufmerksam gemacht und eine alternative Route vorgeschlagen.
Daher steigen wir auf der gelb-rot markierten Variante des GR-R2 zunächst Richtung Norden in das tief eingeschnittene Tal des Rivière des Galets (340 m) hinab. Da der Fluss nicht sonderlich viel Wasser führt, fällt die Überschreitung recht einfach.
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Abstieg zum Rivière des Galets
Anschließend folgt ein recht steiler Anstieg nach Îlet des Lataniers. Dass auch die Grundschulkinder aus Grand Place diesen Weg zur Schule in Les Orangers jeden Tag hinab und hinaufsteigen müssen, tröstet uns beim Aufstieg in der prallen Sonne nur wenig. Es wundert uns jedoch immer weniger, dass der Grand Raid regelmäßig von Einheimischen gewonnen wird. Schließlich trainieren die von kleinauf. Kurz vor dem Îlet spendet ein Baum herrlich kühlen Schatten und der Platz biete eine tolle Aussicht sowohl zurück auf die erste Wegetappe des Tages als auch auf den vor uns liegenden Weg (schattiger Rastplatz).
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[B]lick auf Les Lataniers
Beim weiteren Aufstieg zum Îlet des Orangers passiert der Weg in ca. 860 m Höhe eine kleine Schlucht und die „Captage des Orangers“ Hier wird in einer gemauerten Fassung das Wasser der Ravine des Orangers in eine Wasserleitung geführt, die dann am westseitigen Abhang der Ravine des Galets in großer Höhe fast eben zurück nach La Plaine an der D4 führt. Der Rückweg über diesen Weg stellt eine beliebte Alternative für Mehrtageswanderungen durch den Cirque de Mafate dar. So verlassen uns über diesen Weg auch Brigitte und Bernhard aus Bremen, die wir bei unserer späteren Inselrundfahrt in St. Pierre noch einmal im Hotel treffen sollten.
Kurz vor Îlet les Orangers treffen wir auf ein altes Bauernpaar bei der Feldarbeit. Ja! Dieser felsige Steilhang ist tatsächlich ein Maisfeld. In einer Fernsehreportage über La Reunion in Deutschland sehen wir genau dieses Pärchen Ende 2004 wieder und erfahren, das beide bereits weit über 70 Jahre alt sind.
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Feldarbeit bei Îlet les Orangers
In Îlet les Orangers erwartet uns eine kleine Boutique mit gut gekühlten Getränken. Wer noch länger durchhält oder noch eine Pause machen möchte, der findet beim weiteren Aufstieg zum Ti Col bzw. La Brêche (1.293 m) in der teilweise recht engen Ravine de Grand Mère mit Ihren steil aufragenden Wänden ein schattiges kühles Plätzchen. Wasser zum Baden haben wir jedoch an diesem Tag nicht mehr angetroffen. Der weitere Weg nach Roche Plate führt abfallend teilweise durch schattigen Wald.
Den Schlüssel der Gîte in Roche Plate gibt es am Haus der recht resoluten Hüttenwirtin. Der Weg dorthin ist zwar gut beschildert, dafür aber nicht kürzer. Das Gepäck sollte man für diesen Abstecher also am Hauptweg zurücklassen (aber den Übernachtungsschein für die Anmeldung nicht vergessen!). Die Gîte des Maison de Montagne in Roche Plate liegt im oberen Teil es Ortes, direkt in der Nähe einer weiteren privaten Gîtes und der Boutique.
Sie besteht aus 5 Zimmern mit je 8 Betten. Gegessen haben wir bei einer weiteren Familie am anderen Ende des Ortes. Für die ca. 10 Minuten Weg dorthin, sollte man festes Schuhwerk tragen und für den Rückweg in der Dunkelheit eine Lampe nicht vergessen.
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Gîte de Roche Plate
Das Essen und die Gîte teilen wir mit einer ca. 20 köpfigen Reisegruppe aus England. Die Engländer sind die inflationären Bierpreise in der Boutique sicherlich schon von zu Hause gewöhnt und so kommt es erst zu kurzfristigen Bierversorgungsengpässen im Ort (die durch die Landung des Versorgungshubschraubers behoben werden) und später zu leichten Unstimmigkeiten des Restes der Gîtebewohner mit den zwischenzeitlich mehr als angeheiterten Briten. Das irgendein Bewohner des Talkessels in der Nähe des Îlets bis 01:00 Uhr vor seiner Hütte laut Reggae hörte, fiel dabei dann kaum noch ins Gewicht!
[B]6. Etappe (Roche Plate - Marla)
900 HM rauf, 400 HM runter, 5:10 h, Hütte: Gites Hoareau Expedit
Nach einer mehr oder weniger kurzen Nacht beschließen wir durch einen frühen Aufbruch die Reisegruppe möglichst weit hinter uns zu lassen. Die heutige Etappe soll uns noch weiter hinauf in den Cirque de Mafate führen, auf das unterhalb des mächtigen Grand Bénare (2.896 m) gelegene oberste Îlet in 1.620 m Höhe.
Doch auf dem Marsch dorthin, kann der GR-R2 wiedereinmal mit einem landschaftlichen Highlight aufwarten.
Bei den Trois Roches (1.220 m) verschwindet der Rivière des Galets in einer tiefen Spalte im glattpolierten Basaltgestein. In unmittelbarer Nähe finden sich einige gigantische Felsblöcke, die dem Ort offensichtlich den Namen verliehen haben.
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Trois Roche
Auf halbem Weg unserer heutigen Etappe liegend bietet es sich geradezu an, hier eine ausgedehnte Rast im Schatten der Bäume zu machen und die Füße im Fluss zu kühlen. Übrigens einer der wenigen Plätze an denen wir am GR-R2 Zelte gesehen haben. Auf dem Weiterweg gilt es noch einmal auf wackeligen Steinen den Fluss zu überqueren.
Marla selbst scheint fast nur aus diversen Gîtes zu bestehen. Da jedoch mindestens drei davon von einer Familie Hoareau bewirtschaftet werden, brauchen wir fast eine Stunde die richtige zu finden. Da wir für diesen Abend in einer privaten Unterkunft einquartiert sind, haben wir keinen Übernachtungsschein bekommen. Die richtige Gîtes Hoareau kann schließlich über die Telefonnummer identifiziert werden.
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Marla
Da Oma Hoareau jedoch ein einzigartiges Reservierungssystem betreibt, hätten wir fast kein Bett mehr bekommen. Reservierungen werden nämlich im Kalender nicht für den Tag der Übernachtung eingetragen, sondern am Tag der Entgegennahme der Reservierung. Wenn dann noch alle möglichen Arten der telefonischen Falschübermittlung eines Nachnamens geprüft werden müssen, kann es schon mal länger dauern, bis der Eintrag schließlich gefunden wird.
Ein köstliches Axtmörderhuhn entschädigt uns jedoch für die anfänglichen Komplikationen. Gekocht wurde das Essen für ca. 20 Personen wie noch vor 50 Jahren auf einer offenen Feuerstelle in der Küche.
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Sonnenuntergang am Pito de Neiges
[B]7. Etappe (Marla - Col du Taibit - Cilaos)
560 HM rauf, 805 HM runter, 5:10 h, Hütte: Chambre d'Hôtes Bertha Gardebien
Am heutigen Wandertag verlassen wir den Cirque de Marfate durch einen der sehr beliebten oberen Zugänge über den Col du Taibit (2.081 m). Von Marla aus wandern wir Richtung Süden und finden auf den nun folgenden fast 500 HM Aufstieg zahlreiche bereits rote kleine Walderdbeeren, die jedoch kein großartiges Aroma haben. Dabei handelt es sich anscheinend umd sogenannte Scheinerdbeeren (Duchesnea indica) oder auf französisch "Wassererdbeere" genannt (Danke an Sylvia für den Hinweis!!!). Sie stammt ursprünglich aus Südostasien und gehört zur Familie der Rosengewächse.
Aber mal eine willkommene kleine Abwechslung zu Bananen und Ananas.
Der Col du Taibit bietet bereits eine großartige Aussicht auf unser heutiges Etappenziel und den Ort für den morgigen Ruhetag: Cilaos
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Blick vom Col du Taibit auf Cilaos
Doch vom Col aus führt der GR-R2 zunächst hinab vorbei am Îlet des Trois Salazes benannt nach den gleichnamigen Felsnadeln die etwas östlich den Col überragen.
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Îlet des Trois Salazes
Dieser Ort lädt in mehrfacher Hinsicht zu einer Rast ein: Eine Gruppe EU finanzierter Aussteiger betreibt auf dem weitläufigen Gelände den extensiven Anbau verschiedener Heilkräuter, die dort auch zum Kauf angeboten werden. Diese sogenannten Ti-San finden in den letzten Jahren wachsenden Zuspruch in der Bevölkerung. Die Tees und Kräuter werden zwischenzeitlich über Internet sogar weltweit vertrieben. Tees gegen verschiedene Beschwerden werden vor Ort auch gerne frisch aufgebrüht. Es gibt sogar spezielle Tees für den Auf- bzw. den Abstieg. Der „Ascenseur“ (Aufzug) enthält zum Beispiel Blüten der Fleur Jaune, eine mit unserem Johanniskraut entfernt verwandte baumgroße Pflanze, deren Wirkstoffe den Abbau von Milchsäure fördern und somit Muskelkater vorbeugen. Mehrere tausend Portionen dieses Tees werden jedes Jahr zum Grand Raid an die Teilnehmer ausgeschenkt.
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Fleur Jaune
Wir stärken uns bei einem frischen Stück Bananenkuchen (1 €) und haben noch einen recht informativen Plausch mit einem der Mitarbeiter über das Projekt, die Pflanzen und Tiere der Insel. Anschließend dürfen wir noch die Kräutergärten auf dem Gelände besichtigen. Der Rundweg führt an einem fantastisch exponierten Aussichtspunkt vorbei.
Kurz darauf erreicht der GR-R2 die D 242. Wie viele andere Wanderer beschließen wir an dieser Stelle auf weitere 200 HM Ab- und Wiederaufstieg zu verzichten und statt dessen den regelmäßig verkehrenden Bus zu benutzen (stündlich, 1 €/Person).
Unsere Herberge für die nächsten zwei Nächte ist schnell gefunden. Wir übernachten in einer kleinen Privatpension bei Mme. Bertha Gardebien und treffen einige Bekannte wieder. Den Rest des Tages verbringen wir mit Shopping. Zur Abwechslung wollen wir mal nicht kreolisch essen und genießen statt dessen die ausgezeichnete chinesische Küche des Jade du Cirque.
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Casa Creole in Cilaos
To be continued soon....
Da selbst bei vorgeschriebenen Texten, das Einstellen, Editieren und Einbinden der Bilder ein wenig Zeit in Anspruch nimmt, ist dieser Bericht für die nächsten Tage (hoffentlich nicht Wochen!) erst einmal "under Construction".
Es wird etwas länger und ausführlicher als zunächst geplant. Ich hatte bereits 2004 nach unsere Reise begonnen, diesen Bericht zu schreiben. Aus Zeitgründen fehlte immer noch die Beschreibung der letzten Etappen. Das soll sich nun ändern. Da in den letzten Wochen wieder vermehrt Beiträge zu La Réunion geschrieben wurden, ist vielleicht dieser Anfang auch schon mal nützlich und auch Motivaton, den nächsten großen Wanderurlaub auf La Réunion zu verbringen.
Obwohl im indischen Ozean, verlässt man schließlich nicht einmal Europe! La Réunion ist ein Übersee Department (DOM) von Frankreich: man spricht französisch und zahlt in Euro.
Das kleine Bild oben zeigt einen Dodo. Einen auf Reunion heimischen Vogel, der jedoch zwischenzeitlich augestorben ist. Er war zu zutraulich und lief den Seeleuten direkt entgegen, die sich über den Snack sicherlich freuten. Heute ist das Bild des Dodo ein Logo einer ansässigen Brauerei und gleichsam ein Pseudonym für ein Bier: Deux Dodo s'il vous plait....
Organisation
An dieser Stelle einige Quellen und Links zur Organisation der Reise. Die Seite erhebt keinesfalls den Anspruch auf Vollständigkeit, sondern stellt lediglich eine Sammlung von Informationen dar, die bei der Organisation unseres Urlaubs sehr hilfreich waren. Alle genannten Preise basieren auf Erfahrungen aus 2004.
Karten und Führer
Die von uns benutzten IGN Karten waren in Deutschland günstiger als auf La Reunion! Im einzelnen haben wir für die hier beschriebene Tour auf dem GR-R2 lediglich die beiden Karten...
IGN 4402 RT "St. Denis" 1:25.000 (10,20 €)
IGN 4406 RT "Piton de la Fournaise" 1:25.000 (10,20 €)
benutzt. Kürzere Wegabschnitte außerhalb der Karte sind Dank der vorzüglichen Markierung des GR-R2 kein Problem.
Für unsere Inselrundfahrt haben wir nachträglich auf Reunion eine Gesamtkarte der Insel im Maßstab 1:100.000 erstanden
IGN Carte Touristik "La Reunion" 1:100.000 (13,00 €)
Zur Planung der einzelnen Etappen kann der FFRP (Fédération Francaise de la Randonnée Pédestre) Führer Réf 974 "LÎle de la Réunion" ganz hilfreich sein. Neben Streckenprofilen und genauen Beschreibungen der Etappen des GR-R1 und GR-R2 sind zusätzlich 8 Tageswanderungen beschrieben. Leider ist der Führer nur in Franzöisch erhältlich. Wir haben das Buch nur zur Vorbereitung eingesetzt und aus Gewichtsgründen auf ein Mitschleppen bei der Wanderung verzichtet.
Zur allgemeinen Vorbereitung auf den Inselurlaub hat uns der Reiseführer "Reunion" aus dem Dumont Verlag gut gefallen. Er liefert viel Wissenwertes über Land und Leute, Flora und Fauna sowie einige interessante Ausflugsziele.
Flüge
Alle erschwinglichen Flüge (ab ca. 850 € ab Deutschland) die ich recherchieren konnte, starten ab Paris (Air France, Air-Austral, Air Mauritius, Air-Bourbon). Der Zielflughafen "Roland Garros" bei St. Denis auf La Reunion wird unter der Kurzbezeichnung "RUN" geführt. In den meißten Fällen muss man hierzu noch den Flughafen wechseln (Landung in Paris von Deutschland Charles de Gaulle, Abflug nach Reunion i.d.R. ab Orly).
Fliegt man mit Air France, so meldet man sich nach der Landung am "Transfer" Schalter und erhält ein kostenloses Ticket für den Shuttle Bus. Einige Franzosen auf der Insel berichteten uns, dass teilweise auch recht günstige Flüge über Mauritius zu erhalten wären. Dies ist sicherlich eine sinnvolle Alternative, wenn man anschließend eh noch zum Baden nach Mauritius möchte. In jedem Fall dauert der Flug ab Paris ca. 10:30 h. Für günstige Flüge empfiehlt sich eine Reservierung bereits einige Monate im vorraus. Sowohl unser Hin- als auch der Rückflug im Oktober 2004 waren bis auf den letzten Platz voll.
Nach unserer Erfahrung sollte man für Gepäckabholen, Transfer und Einchecken zwischen den Flügen in Paris mindestens 3 Stunden Zeit haben. Beim Tansfer steht der Bus nicht selten im Stau und dann wird die Zeit knapp.
Also warum nicht direkt den Zwischenstop in Paris zum Programmpunkt machen! Wir sind morgens gegen 9:00 bereits in Paris gelandet. Der Flieger nach La Reunion startete erst gegen 20:30 Uhr. Wir konnten unser Gepäck bereits am Mittag in Orly einchecken und waren somit frei für einen Stadtbummel in Paris. Hektisch wurde es dann nur beim Bording. Erst hier stellte ich fest, dass mein Bordkarte nicht auf meinen Namen ausgestellt war. Also hektische Suche nach neuen zusammenhängenden Plätzen. Gepäck musste auch wieder aus dem Flieger und neu eingecheckt werden.
Auf La Reunion fährt regelmäßig nach Landungen zwischen 7:00 Uhr und 20:30 Uhr ein Flughafenbus ("Navette") in 15 min zum Busbahnhof nach St. Denis (ca. 4 € p.P). Dies ist deutlich günstiger als ein Taxi ins Zentrum (ca. 18 €). Tickets gibt es direkt beim Fahrer.
Unterkunft
Nach einer Nacht im Flieger sehnt man sich nach der Ankunft in St. Denis zuerst einmal nach einer Dusche und hat in der Regel keine Lust stundenlang nach einem geeigneten Hotel zu suchen. Wir hatten daher bereits vorab ein Zimmer im Hotel Mascareignes (http://www.ilereunion.com/mascareignes.htm) reserviert.
Das Hotel liegt im Zentrum der Stadt am Rande der Fußgängerzone, ist sehr ruhig und gepflegt (wurde zumindest im Spätsommer 2003 komplett renoviert. Die Zimmerpreise sind für St. Denis recht günstig (DZ ab 37 €inklusive Frühstück im sonnigen Hof). Der Besitzer Daniel Schneider ist Elsässer und spricht sehr gut Deutsch. Eine Reservierung gegen 15 € Abschlagszahlung per Kreditkarte ist im Voraus möglich. Daniel hat dann auch unser Restgepäck für die Zeit der Wanderung verwahrt. Toller Service!
Nachtrag; gem. der Meldung eines users (http://www.trekkingforum.com/forum/showpost.php?p=117551&postcount=18) soll das Hotel nicht mehr existieren.
Alternatives Hotel: http://www.ilereunion.com/centralhotel.htm
Bei unserem Sightseeing Trip am Ende des Urlaubs haben wir auf Empfehlung einiger "Mitwanderer" ein Hotel in Saint-Pierre gefunden, dass uns sehr gut gefallen hat. Saint-Pierre liegt recht zentral für Ausflüge an der Südküste und hat aufgrund der Größe der Stadt auch noch einiges an Infrastruktur. Das Hotel "Le Tamarin" (http://www.hotels-des-iles.com/minisite/index-hotel-tamarin-saint-pierre.html) liegt am Rande der Stadt an der Rue du Père Favron 64. Besonders schön die Zimmer zum tropischen Garten. Das Hotel ist recht einfach aber alles sehr liebevoll ausgestattet und sauber. Das Frühstück mit Saft, frischem Obst und Marmelade aus tropischen Früchten wird auf Wunsch auf den Balkon serviert. Wir haben zu zweit 35 € je Nacht inklusive Frühstück bezahlt. Der deutschsprachige Hotelier hat jede Menge Tips zur Insel.
Übernachtungen auf dem GR-R2
Alle Übernachtungen auf dem GR-R1 in den offiziellen Hütten müssen im Vorfeld über das Maison de la Montagne (http://www.reunion-nature.com) reserviert werden. Vereinzelt gibt es am Weg auch private Hütten oder in Cilaos auch Hotels oder Privatunterkünfte (Chambre d'Hôte). Auch diese können über das Maison de la Montagne im Vorfeld gebucht werden. Für die Reservierung wird eine geringe Servicepauschale berechnet. Da einige der Hütten immer gut besucht sind, empfehle ich eine Reservierung einige Monate im Voraus. Sonst geht man am Vulkan oder dem Piton de Neige eventuell leer aus.
Eine große Hilfe bei der Vorbereitung war Jean-Michel Casini vom Maison de la Montagne. Er ist in Eckernförde aufgewachsen und spricht perfekt deutsch. Er hat von den Hüttenübernachtungen, Privatunterkünften bis zu Restaurants alles im Programm und hilft gerne weiter. Nochmals Danke an Jean-Michel für die gute Unterstützung.
GR-R2
Der GR-R2 oder "La Grand Traversée de L'île" ist neben dem kürzeren GR-R1 einer der Weitwanderwege auf La Reunion.
Von der Markierung und der Dichte der Hütten ist dieser Weg absolut vergleichbar mit den GR (Grand Randonnée) im kontinentalen Frankreich oder auf Korsika (GR20).
Ca. 1.200 Verrückte laufen eine nahezu identische Strecke im Oktober jeden Jahres mit sehr leichtem Gepäck. Dieser Lauf nennt sich auch "La Grand Raid" oder "La Diagonale du Fous" (http://runraid.free.fr/grand_raid/index.php).
Während der Otto-Normal-Wanderer für die komplette Strecke ca. 14 Tage benötigt, läuft der Beste eines jeden Jahres die ca 140 km lange Strecke mit ca. 8.500 Höhenmetern in unter 22 Stunden. Also wirklich eine Inselüberquerung "der Verrückten".
Auf vielen Etappen begegneten uns Läufer, die für das Rennen trainierten. Von diesen leichfüßig an einer 800 HM Steigung überholt zu werden ist schon bitter. Nochmehr schmerzt es, wenn ein Bewohner der Cirques nur mit Flip-Flop Badeschlappen an den Füssen und einem 25 kg Reissack auf dem Kopf fröhlich singend an einem vorbeizieht. Aber man gewöhnt sich auch daran...
Eine ausführliche Beschreibung der Etappen in Französich sowie Infos zum Grand Raid findet sich auf den Seiten von Runraid (http://runraid.free.fr/).
Gerade im Cirque de Mafate gibt es einige Varianten des GR-R2. In 2004 waren auch noch einige Wegabschnitte durch Bergrutsche in Folge sehr heftiger Niederschläge gesperrt. Auf halben Weg in Cilaos hatten wir einen Ruhetag vorgesehen.
Die nachfolgend beschriebenen Etappen, entsprechen unserer Einteilung aus dem Jahr 2004. Die Beschreibung umfasst derzeit die erste Hälfte des GR-R2. To be continued... (siehe Einleitung)
Die HM entsprechen den tatsächlich auf der Etappe mit einem Höhenmesser gemessen Werten inklusive der gelaufenen zusätzlichen Abstecher (siehe Etappenbeschreibung). Die Zeitangaben beziehen sich auf die reine Gehzeit entsprechend der Zeitangaben im Führer ohne die reichlichen Pausen, Foto- oder Badestops und zusätzliche Abstecher zu Gipfeln oder Aussichtspunkten.
Tagesablauf
Beim Tagesablauf sollte man bedenken, dass auf Reunion aus der Sicht eines Mitteleuropäers alles sehr früh abläuft. In der Regel wird man spätestens um 6:00 Uhr aufstehen. Zum einen weil viele Hüttenwirte die Zimmer oder Lager bereits um 7:00 Uhr geräumt haben wollen oder danach kein Frühstück mehr zu bekommen ist. Zum anderen empfiehlt es sich aufgrund des Wetters mit den bereits am Vormittag aufziehenden Passatwolken rechtzeitig aufzubrechen, um die Natur auch noch genießen zu können. Sonst sieht man teilweise nur noch Nebel. Auch sind am Vormittag die Temperaturen noch recht erträglich, um die großen Steigungen mit nicht gerade wenig Gepäck zu bewältigen.
Vor 15:00 Uhr wird an den Hütten in der Regel kein Einlass gewährt. Abendessen gibt es meist kurz nach Sonnenuntergang gegen 18:30 Uhr. Um 20:30-21:00 Uhr nach dem Essen geht dann meistens auch schon wieder das Licht aus. An diesen verschobenen Tagesrythmus hat man sich dann schnell gewöhnt.
Kosten (Stand 2004)
Eine Übernachtung im Lager kostet 13,50 € je Person. Vereinzelt sind auf den Hütten jedoch auch Doppelzimmer für 31,00 € je Zimmer verfügbar. Die geringen Mehrkosten sollte man wenn man zu zweit unterwegs ist auf sich nehmen, da man so dem einen oder anderen Schnarcher entgeht und meist etwas mehr Platz und Privatsphäre hat. Die Unterkünfte sind meist sehr sauber jedoch extrem einfach (Feldbetten, rohe Spanplattenwände). Auf den Betten gibt es ein Kopfkissen, zwei Decken mit Bettbezug und ein Laken. Beziehen muss man die Betten selbst.
Angesichts der nachts recht kühlen Temperaturen in der Höhe, habe ich den mitgeschleppten Schlafsack sehr geschätzt. Alle Hütten müssen im Vorfeld reserviert und auch bezahlt werden.
Das Abendessen besteht meist aus mindestens 3 Gängen und kostet zwischen 10 € und 15 € inklusive Wasser, Rum oder Wein. Das Essen war meist sehr gut und immer reichlich. Gelegentlich konnte man zwischen zwei Hauptgängen wählen. Das Frühstück mit Milchkaffee oder Tee, Weißbrot und Marmelade (ca. 5 €) dagegen ist eher typisch französisch spartanisch. Bei frühem Aufbruch haben wir daher häufiger aufs Frühstück verzichtet und etwas später eine ausgiebige Rast mit mitgebrachtem Müsli, Milchpulver und Wasser eingelegt. Das hält deutlich länger vor als Baguette.
Abendessen muss mindestens einen Tag im Voraus besser direkt bei der Reservierung der Übernachtung vorbestellt werden. Ob man Frühstücken will oder nicht kann man noch spontan am Vorabend entscheiden. Alle Mahlzeiten werden direkt mit dem Hüttenwirt verrechnet. Auf einigen Etappen sind Übernachtung und Verpflegung auch in getrennten Hütten bei verschiedenen Familien.
Da alle Lebensmittel in den Cirque entweder selbst angebaut, per Hubschrauber eingeflogen oder auf dem Rücken getragen werden müssen, sind zusätzliche Lebensmittel und Getränke sehr teuer. Ein kleines Bier (0,25 l) kostet bis zu 4,00 €. In Cilaos gibt es jedoch Supermärkte und Geschäfte mit "normalen" Preisen.
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Versorgungshubschrauber im Cirque de Mafate
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"Lasttransport" im Cirque
[B]1. Etappe (St. Denis - Le Brûlé - Marmode Camp - Plaine des Chicots)
865 HM rauf, 11 Hm runter, 3:30 h, Hütte: Gîtes de la Roche Ecrite
Obwohl der GR-R2 eigendlich direkt in St. Denis startet, beschließen wir den ersten Tag ruhig angehen zu lassen. Die ersten ca. 850 HM bis Le Brûlé wollen wir mit dem Bus zurücklegen. Von unserer Unterkunft im Hôtel Les Mascareines, bis zur Bustation am Petit Marché sind es nur ca. 5 min zu Fuss.
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Petit Marché
Wir versorgen uns auf dem bunten Markt noch einmal mit frischem Obst (Victoria Ananas 1,50 €) und fahren dann mit Linie 12 Richtung Bassin Couderc. Hier muss man umsteigen und mit dem Taxibus die steilen Serpentinen weiter hoch fahren bis zur Endstation Au Banc. Tickets für die Busfahrt gibt es direkt beim Fahrer oder etwas günstiger am Schalter des Bushofs am Petit Marché. Ein Ticket für 1,20 € ist eine Stunde gültig, so dass man auch nach dem Umsteigen mit dem selben Ticket weiterfahren kann.
Der gut markierte GR-R2 führt direkt an der Bushaltestelle vorbei und der Weg ist nicht zu verfehlen. An Gärten vorbei und flankiert durch dichten Bambus führt der Weg aufwärts zu einem Picknickplatz, dem Marmode Camp (1.1177m). Die Pavillions laden trotz mittlerweile dichtem Nebel zur Rast ein. An vorhandenen Wasserhähnen können die Wasservorräte noch einmal gefüllt werden.
Am Ende der Straße führt der Weg nun durch Wald steil nach oben. Ein am Wegrand aufgestellter roter Vogelkäfig mit einer Plastikritterfigur drin, wirkt zunächst ein wenig lustig. Ein Blick in unseren Reiseführer belehrt uns jedoch, das es sich dabei um einen der zahlreichen magisch-rot gestrichenen Opferstöcke für Saint-Expédit handelt. Einer der verehrten Heiligen, der mehr praktische Hilfe verspricht als etwa die Jungfrau Maria. Wir beten, dass unser Rucksäcke leichter werden und der Nebel sich bald lichtet.
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Saint-Expédite
Der Wald mit seinen Flechten behangenen Bäumen wirkt im Nebel regelrecht geisterhaft. Einige neugierige Vögle begleiten uns und bleiben immer wider nur einen Meter vor uns sitzen. Durch das Fehlen natürlicher Feinde haben die Tiere einfach keine Angst vorm Menschen. Die Landschaft und insbesondere die Pflanzenwelt ist extrem abwechlungsreich. Ab ca. 1.300 m fühlen wir uns plötzlich wie im Jurassic Parc als die ersten Baumfarne rechts und links des Weges auftauchen. Wir erwarten jeden Augenblick einen T-Rex, der über uns herfällt.
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Geisterhafter Wald
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Baumfarn
Bei 1.600 m wird unser Gebet an Saint Expédit schließlich erhört und wir durchbrechen die Wolkendecke. Nicht etwa, dass die Passatwolken weg wären. Nein! Man ist einfach nur drüber. Ein tolles Gefühl, wie es schon Reinhart May besungen hat.
Bereits gegen 14:15 Uhr taucht unvermittelt im Wald vor uns die Gîte de la Roche Ecrite (1.839 m) auf.
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Gîte de la Roche Ecrite
Wir entspannen uns im Schatten bis 15:00 Uhr und melden uns beim Hüttenwirt an.
Das gesamte Hüttenareal besteht aus verschiedenen einzelnen Häusern. Jede Gruppe bekommt zunächst eine einzelne Hütte zugeteilt. Da heute nicht sehr viele Wanderer angemeldet sind, bleiben wir schließlich zu zweit in der mit acht Betten ausgestatteten Hütte. Neben einem WC Bereich mit zwei solarbeheizten Duschen, gibt es noch eine kleine Küche mit offenen Kamin. Wir wünschen uns, dass die Unterkünfte jeden Tag der Tour so toll sind.
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Blockhaus
Die Zeit bis zum Abendessen verbringen wir im Schatten einer riesigen Höhen-Tamarinde. Das sind schon seltsame Bäume. Der Stamm wächst häufig waagerecht und oft quer über den Weg. Irgendwo verschwinden die Äste der Krone dann wieder im Boden.
In der Nähe des Haupthauses haben Susanne und Fred aus Berlin ihr Zelt aufgeschlagen. Die beiden werden wir unterwegs noch häufiger treffen.
Wir erleben einen fantastischen Sonnenuntergang. Wenn auch der direkte Blick auf den Horizont durch den dichten Wald verstellt ist, sind doch alle Baumkronen mit einem fantastischen Rot angestrahlt.
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Sonnenuntergang in Baumwipfeln
Das erste Abendessen ist sehr unterhaltsam. Es gibt ein Carri mit Hühnchen ("Axtmörderhuhn"), dass uns auf der Tour noch sehr häufig begegnen wird. Der erste Rumpunsch lockert recht schnell die Stimmung und überwindet die letzten Sprachbarrieren. Wir lernen Marie & Christian, Luc und Jean Raymond aus Fleurbaix kennen. Mit einem Sprachenmix aus ein wenig Französich, Englich und Deutsch erleben wir einen lustigen Abend.
Da wir am nächsten Morgen bereits um 4:30 Uhr zum Roche Ecrite aufbrechen wollen, gehen wir, wie auch der Rest der Wanderer, früh zu Bett.
[B]2. Etappe (Plaines des Chicots - La Roche Ecrite - Mare aux Cerfs -Plaine des Chicots - Dos D'Ane)
660 HM rauf, 1.455 HM runter, 4:10 h, Hütte: Pilon D'Or
Unser zweiter Tag auf dem GR-R2 beginnt schon sehr früh. Da wir am heutigen Morgen den Sonnenaufgang auf dem Roche Ecrite erleben wollen, klingelt der Wecker bereits um 04:30 Uhr.
Ein richtiges Frühstück entfällt und nur mit einem Müsliriegel in der Hand starten wir in der Dunkelheit zu diesem Abstecher. Da wir auf dem Rückweg wieder an der Gîtes de la Roche Ecrite vorbei müssen, lassen wir den Großteil unseres Gepäckes zurück. Im Vergleich zum ersten Tag, können wir die zusätzlichen 450 HM bis zum Gipfel also vergleichsweise unbeschwert angehen.
Im Schein der Stirnlampen sind die zahlreichen Markierungen auf dem felsigen Weg gut zu erkennen.
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Aufstieg zum Roche Ecrite
Hier müsste man fast blind sein, um sich zu verlaufen! Da man über die Flanke eines sehr alten Schildvulkanes ansteigt, stellt der Weg keine besonderen technischen Anforderungen. Die Steigung ist mäßig, aber kontinuierlich. Mitten in der Nacht ohne Frühstück, sind wir aber nicht so schnell wie erwartet. Außerdem ist die Sonne auch noch etwas früher dran als gedacht. Also erleben wir den fantastischen Sonnenaufgang bereits auf halbem Weg.
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Sonnenaufgang
Der Roche Ecrite ist mit 2.777 m die höchste Erhebung am Nordrand des zentralen Gebirgskessels und sicherlich einer der schönsten Aussichtsberge der Insel. Da der Berg vom Gipfel nach 2 Seiten mehrere 100 m steil abbricht ist das Panorama auf den angrenzenden Cirque des Salazie und den Cirque de Mafate atemberaubend. Da jedoch bereits gegen 6:00 Uhr die ersten Passatwolken von Süd-Osten her heranziehen, muss man schon entsprechend früh aufbrechen um diese Aussicht noch geniessen zu können. Weiter im Süden sind bereits die Etappen der nächsten Tage zu erkennen: der unwegsame Cirque de Mafate, der Col de Taibit und der alles überragende Piton de Neige.
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Col de Taibit
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Über dem Wolkenmeer
Am Gipfel wird schnell klar, woher der Berg seinen Namen hat: Roche Ecrite - beschriebener Fels. Generationen von Wanderern haben sich hier oben mit ihrem Namen oder Inschriften im und auf dem weichen Lavagestein verewigt.
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La Roche Ecrite - Der beschriftete Fels
Auf dem Rückweg zur Hütte machen wir noch einen kleinen Abstecher zum Mare aux Cerfs, dem Hirschteich. Schon im 19. Jahrhundert hat man für die Jagd eine Schiffsladung voll Hirsche von Mauritius importiert. Am frühen Morgen soll man diese noch vereinzelt hier antreffen können. Hirsche sehen wir an diesem Morgen in der Nähe des kleinen unscheinbaren Tümpels nicht. Dafür hat man von einem naheliegenden Aussichtspunkt einen tollen Blick in den Cirque de Mafate.
Vorbei an der Caverne Dufour, einer Höhle entstanden aus einer Blase im Magma, gelangen wir zügig zurück zur Hütte, wo wir erst einmal eine große Portion Müsli mit Milchpulver frühstücken.
Durch die Plaine d'Affouches geht es nun westwärts Richtung Dos d'Ane (Eselsrücken). Dabei verläuft der Weg über weite Strecken an der Abbruchkante zum Bras St. Suzanne, einem der tief eingeschnittenen Flusstäler im Cirque de Mafate vorbei. Wegen der mittlerweile dichten Passatwolken haben wir von der Fernsicht immer noch wenig. Dafür treten wir fast auf einen Tanrec (Tenrec ecaudatus), der wohl gerade vom Winterschlaf erwacht noch etwas benommen am Rande des Weges sitzt. Dabei handelt es sich um eine der wenigen nicht eingeführten Säugetierarten auf La Reunion, einen Borstenigel der sich nicht einrollen kann. Da er immer noch als Einlage für Carri gejagt wird, ist er zwischenzeitlich rar geworden.
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Tanrec - Tenrec ecaudatus
Weniger rar ist die schwarz-gelbe Seidenspinne (Nephilia inaurata) die bis zu 6 m große Netze zwischen den Bäumen und über den Weg spannt. Obwohl sich gelegentlich sogar kleiner Vögel in diesen Kunstwerken der bis zu 8 cm großen Spinne verfangen können, ist sie für den Menschen ungefährlich.
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Seidenspinne - Nephila inaurata
Der ca. 6 km lange Übergang durch die Plaine d'Affouche sieht auf der Karte vollkommen eben aus, entpuppt sich jedoch als ein ständiges Auf- und Ab mit teilweise rutschigen Passagen.
Am Roche Verre Bouteille hat man die Wahl zwischen dem GR-R2 und einer kurzen Variante über das Cap Noir. Da die Sicht wegen anhaltendem Nebel immer noch gegen Null geht, verzichten wir auf diesen Abstecher und wählen den oberen Weg der teilweise über einen nach links und rechts steil abfallenden Bergrücken zu einem Parkplatz oberhalb von Dos d'Ane führt.
Die letzten Meter geht es auf einer Straße in den kleinen Ort. Unsere Unterkunft das "Pilon d'Or", ein kleiner privat geführter Gasthof, ist schnell gefunden. Von den Gästen bleiben wir an diesem Abend die einzigen Wanderer, jedoch nicht allein! Im Gasthof sind unter der Woche Schüler aus dem Cirque de Mafate untergebracht, die eine weiterbildende Schule besuchen. Das Hühnchen mit Zitronenrougail und Gemüsereis ist sehr gut, die Nachtruhe jedoch nur kurz. Die Kids sind halt doch etwas lebhaft...
Dafür haben wir vom Fenster unseres Doppelzimmers einen tollen Blick aufs Meer!
Mitwanderer schwärmen später von der an diesem Abend leider ausgebuchten Gîtes Les Acacias im Ort.
[B]3. Etappe (Dos d'Ane - Les Deux Bras - Port de Mafate - Aurère)
815 HM rauf, 855 HM runter, 4:10 h, Hütte: Gîtes de Boyer Georget
Das Wetter enttäuscht uns nicht. Wie auch an den Vortagen sind über Nacht alle Wolken verschwunden und der Tag beginnt sonnig.
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Bananenblüte
Wir verlassen Dos d'Ane, den Eselsrücken, auf einer kleinen Straße die zunächst durch Bananenhaine führt. Der Weg führt jedoch bald entlang eines bewaldeten Hang hinunter zu "Les deux Bras (250 m)" dem Zusammenfluß des Riviere des Galets (Geröllfluß) und der Bras Ste. Suzanne. Im Hintergrund ist bereits der markante Piton Cabris erkennbar. An einer kleinen Furt müssen wir den Fluß überqueren und nützen den schönen Ort zu einer Rast mit kurzem Bad im Fluß.
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Dos D'Ane
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Piton Cabris
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Riviere des Galets
Ab hier verläuft der Weg eine Zeit lang auf einer Schotterpiste und überquert auf Steinen mehrfach den Riviere des Galets. Hier treffen wir Brigitte und Bernhard aus Bremen, die nur ein paar Etappen des GR-R2 laufen wollen. Sie wollen auf dem Rückweg den an der gegenüberliegenden Talseite den Kanalweg nach les Orangers benutzen, der wie viele Kriegspfade in den Dolomiten, fast eben als Galerie in den steilen Fels geschlagen ist. Angeblich benutzt noch heute der Briefträger diesen Weg, um die Leute mit Post zu versorgen.
Die Piste endet kurz hinter einem Hubschrauberlandeplatz an der "La Porte (280 m)", dem sogenannten Tor zum Cirque de Mafate. Ab hier geht es nur noch zu Fuß oder mit dem Hubschrauber weiter. Im Minutentakt starten die Helikopter die Lebensmittel zu den entlegenen Ilets im Cirque fliegen. Alles was nicht reingeflogen wird, muss auf dem Rücken oder Kopf getragen werden. Das erklärt zumindest das hohe Preisniveau im Cirque.
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La Porte - Das Tor zum Cirque de Mafate
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Versorgungshubschrauber
Hinter "La Porte" steigt der GR-R2 nach links zunächst steil an in die nördliche Flanke der Crête d'Aurère. Bei ca. 400 m rasten wir im kühlen Schatten bei ein paar Bäumen und füllen unsere Flaschen an der Source Cabris. Kurz danach nehmen wir den linken Abzweig und steigen weiter aufwärts am Hang des Piton Cabris. Der Weg am Cap Miné ist teilweise ausgesetzt in den Stein geschlagen, aber immer in gutem Zustand und gesichert. Die Arbeitslosigkeit in den Cirque ist extrem hoch und um zusätzliche Familienbeihilfen zu erhalten, verrichten die Arbeitssuchenden soziale Dienste, wie etwa die Pflege des Wegenetzes. Die Wanderer bilden so teilweise die Lebensgrundlage in vielen Ilets. Eine Familie bewirtschaftet die Hütte, eine andere bereitet die Mahlzeiten, wieder andere waschen die Bettwäsche, kleine Boutiquen und und und...
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Source Cabris
Am frühen Nachmittag erreichen wir nach einem kurzen Steilstück mit Serpentinen den Bord Bazar, einen 953 m hohen Aussichtspunkt. Der tolle Blick auf den unteren Cirque de Mafate entschädigt für die Mühen des Tages.
Am Beginn des Ilet von Aurère weist ein Wegweiser zu den verschiedenen Gîtes die verstreut auf der Hochebene liegen. Die Besiedlung ist nicht sehr dicht und die Häuser sind von großen gepflegten Gärten und Feldern umgeben. Der Weg zur Gîte von Mme. Boyer Georget (den Vornamen muß man sich immer merken, da es in den Dörfern viele Familien mit gleichem Namen gibt!) führt vorbei an der Dorfschule. In drei während des Unterichts nach draussen offenen Klassen werden die Grundschüler unterrichtet, davor grast eine Kuh.
Aurère war Ende des 18. Jahrhunderst als erste und einzige Konzession des Cirque de Mafate an den bretonischen Siedler Lemarchand gegangen, der auf der Jagd nach einigen Wildziegen hier die Hütte eines entlaufenen Sklaven entdeckt hat. Der Name ist dabei auf den madegassichen Begriff "orera - gute Erde" zurückzuführen.
Gegen 15:00 Uhr beziehen wir unsere Doppelzimmer in der gepflegten Gîte. Neben einem weiteren Doppelzimmer gibt es noch zwei Vierbettzimmer, die an diesem Tag ebenfalls vollständig belegt sind.
Die Zeit bis zum Abendessen vertrieben wir uns auf der schattigen Veranda, waschen etwas Wäsche und nutzen die Leine im Garten zum Lüften der Schlafsäcke.
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Veranda Gîte Boyer - Aurère
Das Abendessen wird pünktlich um 18:30 Uhr in einer gegenüberliegenden Hütte serviert. Wieder einmal genießen wir eine neue Variante vom Carri mit Huhn (schon wieder Axtmörderhuhn...ich kann es langsam nicht mehr sehen!), Reis sowie jeder Menge Rumpunsch und Wein. Mme. Boyer erzählt ein wenig vom Leben im Cirque und dem nicht immer ganz passenden Verhalten einiger Wanderer. Die früheste Ankunftszeit an den Hütten von 15:00 Uhr, sollte man respektieren, um den Leuten noch etwas Privatsphäre zu lassen. Die Zutaten des Essens wachsen zum größten Teil direkt hinter der Hütte. Was über bleibt, bekommt das Schwein und so gibt es demnächst vielleicht mal Carri mit Schwein.
Wir treffen auch Marie & Christian, Jean Raymond und Luc wieder, die zusammen im Chor singen und uns an diesem Abend noch mit einem eigens für die Tour einstudierten mehrstimmiges Stück unterhalten. Ungewohnt spät endet der Abend daher erst gegen 22:15 Uhr, als uns die Gastgeberin höflich zu Bett schickt. Ihr Tag beginnt wieder früh vor Sonnenaufgang.
Die vier Franzosen versuchen sich noch in der Disziplin "Hütte wegschieben". Das kann ja aber nicht klappen, da sie dabei auf der Veranda stehen :-).
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Hüttewegschieben?
[B]4. Etappe (Aurère – Îlet à Malheur – Îlet à Bourse – Grand Place Cayenne
535 HM rauf, 860 HM runter, 4:30h, Hütte: Gîtes de Grand Place Cayenne
Vom Rande des Plateaus von Aurère aus scheint das nächste Zwischenziel, Îlet à Malheur, bereits in greifbarer Nähe zu sein. Auch wenn die nächste Siedlung nur einen Steinwurf weit entfernt ist, heißt es jedoch, wie so oft im Cirque de Mafate, zunächst einen steilen Ab- und Wiederaufstieg durch eine der tief eingeschnittenen Ravine zu bewältigen. Für die 250 m Abstieg werden in diesem Fall 2 Varianten angeboten: Quick and Dirty oder die etwas softere, dafür längere Variante. Da wir nur bergab müssen, entscheiden wir uns an diesem Morgen für den schnellen steilen Abstieg.
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Îlet à Malheur
Unten in der Bras de Bemale überquert eine kleine Holzbrücke den Fluss. Beim Aufstieg nach Îlet à Malheur flankieren einige schöne Gärten den Weg. Der Ort selbst ist ebenso überschaubar wie bereits Aurère. Neben ein paar Gîtes, einer Schule und einem Arzt, gibt es hier sogar eine kleine Kirche und einen Friedhof. Auch dieses „Inselchen“ gehört ebenso wie Aurère und Îlet a Bourse zur sog. Konzession Lemarchant. 1829 soll es hier zwischen weißen Sklavenjägern und entlaufenen Schwarzen zu einer blutigen Schlacht gekommen sein.
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Brücke über den Bras Bemale
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Kirche Îlet à Malheur
Um zum nächsten Ort, Îlet à Bourse zu gelangen muss zunächst wieder eine Ravine durchquert werden. In Serpentinen geht es hinab zu einer Hängebrücke. Der steile Aufstieg an der gegenüberliegenden Seite erfordert etwas Trittsicherheit, wird aber zunächst vertagt. Da wir an diesem Tag kein große Eile verspüren, nutzen wir die kristallklaren Gumpen an der Grand Ravine für eine ausgiebige Pause mit Bad.
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Badegumpen
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Aufstieg aus der Grand Ravine
Hinter Îlet à Bourse schwenkt der Weg in weitem Bogen zurück nach Nord-Westen und durchquert ein relativ feuchtes Gebiet. Wie auch schon an den Tagen zuvor, wechselt ständig die Vegetation und man hat immer wieder den Eindruck plötzlich an einem ganz anderen Ort zu sein. Hatten wir vorher bereits in großen Flächen den vergleichsweise dünnen endemischem Calumet Bambus kennen gelernt, beeindruckt uns hier eine Art Riesenbambus mit mehr als 15 cm dicken Rohren. Unter günstigen Bedingungen kann diese Art mehr als einen Meter am Tag wachsen.
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Riesenbambus
Unser Etappenziel Grand-Place ist eigentlich ein Ort auf drei Ebenen: ganz oben Grand Place Les Hautes (839m), dem Hauptort Grand-Place (770 m) und ganz unten Grand-Place Cayenne (530 m). Unsere Gîte im unteren Ortsteil ist wie ein Adlernest direkt am steilen Abbruch zum Riviere de Galets positioniert. Mit ein paar eingekühlten Getränken aus der Boutique im Ortszentrum genießen wir den Sonnenuntergang auf der fantastisch gelegenen Terrasse.
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Piton Cabris mit Etappe des Vortages
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Grand Place Cayenne
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Terasse der Gîtes de Grand Place Cayenne
Zum ersten Mal auf dieser Tour beenden wir den Abend in geselliger Runde ohne Huhn! Heute gibt es das typische Boucané, ein Carri aus geräuchertem und entsalzenem Speck und Gemüse.
[B]5. Etappe (Grand Place Cayenne – Roche Plate)
1.115 HM rauf, 540 HM runter, 6:00 h, Hütte: Gîtes de Roche Plate
Am heutigen Wandertag müssen wir erstmals auf eine Variante des GR-R2 ausweichen. Bereits am Rande des Ortes ist der Weg über La Roche Ancree – Mafate – Le Bronchard nach Roche Plate abgesperrt. Die zurückliegende Regenzeit hat soviel Niederschläge gebracht, dass dieser Wegabschnitt teilweise weggespült und unpassierbar geworden ist. Aber bei der Tourenplanung hat uns das Maison de Montagne bereits hierauf aufmerksam gemacht und eine alternative Route vorgeschlagen.
Daher steigen wir auf der gelb-rot markierten Variante des GR-R2 zunächst Richtung Norden in das tief eingeschnittene Tal des Rivière des Galets (340 m) hinab. Da der Fluss nicht sonderlich viel Wasser führt, fällt die Überschreitung recht einfach.
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Abstieg zum Rivière des Galets
Anschließend folgt ein recht steiler Anstieg nach Îlet des Lataniers. Dass auch die Grundschulkinder aus Grand Place diesen Weg zur Schule in Les Orangers jeden Tag hinab und hinaufsteigen müssen, tröstet uns beim Aufstieg in der prallen Sonne nur wenig. Es wundert uns jedoch immer weniger, dass der Grand Raid regelmäßig von Einheimischen gewonnen wird. Schließlich trainieren die von kleinauf. Kurz vor dem Îlet spendet ein Baum herrlich kühlen Schatten und der Platz biete eine tolle Aussicht sowohl zurück auf die erste Wegetappe des Tages als auch auf den vor uns liegenden Weg (schattiger Rastplatz).
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[B]lick auf Les Lataniers
Beim weiteren Aufstieg zum Îlet des Orangers passiert der Weg in ca. 860 m Höhe eine kleine Schlucht und die „Captage des Orangers“ Hier wird in einer gemauerten Fassung das Wasser der Ravine des Orangers in eine Wasserleitung geführt, die dann am westseitigen Abhang der Ravine des Galets in großer Höhe fast eben zurück nach La Plaine an der D4 führt. Der Rückweg über diesen Weg stellt eine beliebte Alternative für Mehrtageswanderungen durch den Cirque de Mafate dar. So verlassen uns über diesen Weg auch Brigitte und Bernhard aus Bremen, die wir bei unserer späteren Inselrundfahrt in St. Pierre noch einmal im Hotel treffen sollten.
Kurz vor Îlet les Orangers treffen wir auf ein altes Bauernpaar bei der Feldarbeit. Ja! Dieser felsige Steilhang ist tatsächlich ein Maisfeld. In einer Fernsehreportage über La Reunion in Deutschland sehen wir genau dieses Pärchen Ende 2004 wieder und erfahren, das beide bereits weit über 70 Jahre alt sind.
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Feldarbeit bei Îlet les Orangers
In Îlet les Orangers erwartet uns eine kleine Boutique mit gut gekühlten Getränken. Wer noch länger durchhält oder noch eine Pause machen möchte, der findet beim weiteren Aufstieg zum Ti Col bzw. La Brêche (1.293 m) in der teilweise recht engen Ravine de Grand Mère mit Ihren steil aufragenden Wänden ein schattiges kühles Plätzchen. Wasser zum Baden haben wir jedoch an diesem Tag nicht mehr angetroffen. Der weitere Weg nach Roche Plate führt abfallend teilweise durch schattigen Wald.
Den Schlüssel der Gîte in Roche Plate gibt es am Haus der recht resoluten Hüttenwirtin. Der Weg dorthin ist zwar gut beschildert, dafür aber nicht kürzer. Das Gepäck sollte man für diesen Abstecher also am Hauptweg zurücklassen (aber den Übernachtungsschein für die Anmeldung nicht vergessen!). Die Gîte des Maison de Montagne in Roche Plate liegt im oberen Teil es Ortes, direkt in der Nähe einer weiteren privaten Gîtes und der Boutique.
Sie besteht aus 5 Zimmern mit je 8 Betten. Gegessen haben wir bei einer weiteren Familie am anderen Ende des Ortes. Für die ca. 10 Minuten Weg dorthin, sollte man festes Schuhwerk tragen und für den Rückweg in der Dunkelheit eine Lampe nicht vergessen.
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Gîte de Roche Plate
Das Essen und die Gîte teilen wir mit einer ca. 20 köpfigen Reisegruppe aus England. Die Engländer sind die inflationären Bierpreise in der Boutique sicherlich schon von zu Hause gewöhnt und so kommt es erst zu kurzfristigen Bierversorgungsengpässen im Ort (die durch die Landung des Versorgungshubschraubers behoben werden) und später zu leichten Unstimmigkeiten des Restes der Gîtebewohner mit den zwischenzeitlich mehr als angeheiterten Briten. Das irgendein Bewohner des Talkessels in der Nähe des Îlets bis 01:00 Uhr vor seiner Hütte laut Reggae hörte, fiel dabei dann kaum noch ins Gewicht!
[B]6. Etappe (Roche Plate - Marla)
900 HM rauf, 400 HM runter, 5:10 h, Hütte: Gites Hoareau Expedit
Nach einer mehr oder weniger kurzen Nacht beschließen wir durch einen frühen Aufbruch die Reisegruppe möglichst weit hinter uns zu lassen. Die heutige Etappe soll uns noch weiter hinauf in den Cirque de Mafate führen, auf das unterhalb des mächtigen Grand Bénare (2.896 m) gelegene oberste Îlet in 1.620 m Höhe.
Doch auf dem Marsch dorthin, kann der GR-R2 wiedereinmal mit einem landschaftlichen Highlight aufwarten.
Bei den Trois Roches (1.220 m) verschwindet der Rivière des Galets in einer tiefen Spalte im glattpolierten Basaltgestein. In unmittelbarer Nähe finden sich einige gigantische Felsblöcke, die dem Ort offensichtlich den Namen verliehen haben.
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Trois Roche
Auf halbem Weg unserer heutigen Etappe liegend bietet es sich geradezu an, hier eine ausgedehnte Rast im Schatten der Bäume zu machen und die Füße im Fluss zu kühlen. Übrigens einer der wenigen Plätze an denen wir am GR-R2 Zelte gesehen haben. Auf dem Weiterweg gilt es noch einmal auf wackeligen Steinen den Fluss zu überqueren.
Marla selbst scheint fast nur aus diversen Gîtes zu bestehen. Da jedoch mindestens drei davon von einer Familie Hoareau bewirtschaftet werden, brauchen wir fast eine Stunde die richtige zu finden. Da wir für diesen Abend in einer privaten Unterkunft einquartiert sind, haben wir keinen Übernachtungsschein bekommen. Die richtige Gîtes Hoareau kann schließlich über die Telefonnummer identifiziert werden.
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Marla
Da Oma Hoareau jedoch ein einzigartiges Reservierungssystem betreibt, hätten wir fast kein Bett mehr bekommen. Reservierungen werden nämlich im Kalender nicht für den Tag der Übernachtung eingetragen, sondern am Tag der Entgegennahme der Reservierung. Wenn dann noch alle möglichen Arten der telefonischen Falschübermittlung eines Nachnamens geprüft werden müssen, kann es schon mal länger dauern, bis der Eintrag schließlich gefunden wird.
Ein köstliches Axtmörderhuhn entschädigt uns jedoch für die anfänglichen Komplikationen. Gekocht wurde das Essen für ca. 20 Personen wie noch vor 50 Jahren auf einer offenen Feuerstelle in der Küche.
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Sonnenuntergang am Pito de Neiges
[B]7. Etappe (Marla - Col du Taibit - Cilaos)
560 HM rauf, 805 HM runter, 5:10 h, Hütte: Chambre d'Hôtes Bertha Gardebien
Am heutigen Wandertag verlassen wir den Cirque de Marfate durch einen der sehr beliebten oberen Zugänge über den Col du Taibit (2.081 m). Von Marla aus wandern wir Richtung Süden und finden auf den nun folgenden fast 500 HM Aufstieg zahlreiche bereits rote kleine Walderdbeeren, die jedoch kein großartiges Aroma haben. Dabei handelt es sich anscheinend umd sogenannte Scheinerdbeeren (Duchesnea indica) oder auf französisch "Wassererdbeere" genannt (Danke an Sylvia für den Hinweis!!!). Sie stammt ursprünglich aus Südostasien und gehört zur Familie der Rosengewächse.
Aber mal eine willkommene kleine Abwechslung zu Bananen und Ananas.
Der Col du Taibit bietet bereits eine großartige Aussicht auf unser heutiges Etappenziel und den Ort für den morgigen Ruhetag: Cilaos
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Blick vom Col du Taibit auf Cilaos
Doch vom Col aus führt der GR-R2 zunächst hinab vorbei am Îlet des Trois Salazes benannt nach den gleichnamigen Felsnadeln die etwas östlich den Col überragen.
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Îlet des Trois Salazes
Dieser Ort lädt in mehrfacher Hinsicht zu einer Rast ein: Eine Gruppe EU finanzierter Aussteiger betreibt auf dem weitläufigen Gelände den extensiven Anbau verschiedener Heilkräuter, die dort auch zum Kauf angeboten werden. Diese sogenannten Ti-San finden in den letzten Jahren wachsenden Zuspruch in der Bevölkerung. Die Tees und Kräuter werden zwischenzeitlich über Internet sogar weltweit vertrieben. Tees gegen verschiedene Beschwerden werden vor Ort auch gerne frisch aufgebrüht. Es gibt sogar spezielle Tees für den Auf- bzw. den Abstieg. Der „Ascenseur“ (Aufzug) enthält zum Beispiel Blüten der Fleur Jaune, eine mit unserem Johanniskraut entfernt verwandte baumgroße Pflanze, deren Wirkstoffe den Abbau von Milchsäure fördern und somit Muskelkater vorbeugen. Mehrere tausend Portionen dieses Tees werden jedes Jahr zum Grand Raid an die Teilnehmer ausgeschenkt.
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Fleur Jaune
Wir stärken uns bei einem frischen Stück Bananenkuchen (1 €) und haben noch einen recht informativen Plausch mit einem der Mitarbeiter über das Projekt, die Pflanzen und Tiere der Insel. Anschließend dürfen wir noch die Kräutergärten auf dem Gelände besichtigen. Der Rundweg führt an einem fantastisch exponierten Aussichtspunkt vorbei.
Kurz darauf erreicht der GR-R2 die D 242. Wie viele andere Wanderer beschließen wir an dieser Stelle auf weitere 200 HM Ab- und Wiederaufstieg zu verzichten und statt dessen den regelmäßig verkehrenden Bus zu benutzen (stündlich, 1 €/Person).
Unsere Herberge für die nächsten zwei Nächte ist schnell gefunden. Wir übernachten in einer kleinen Privatpension bei Mme. Bertha Gardebien und treffen einige Bekannte wieder. Den Rest des Tages verbringen wir mit Shopping. Zur Abwechslung wollen wir mal nicht kreolisch essen und genießen statt dessen die ausgezeichnete chinesische Küche des Jade du Cirque.
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Casa Creole in Cilaos
To be continued soon....