johanneskneip
02.02.2008, 17:43
Hallo Neuseelandfreunde,
da dieses Forum noch nicht gerade mit Tourentipps überladen ist, hier (als meinen Begrüßungsbeitrag zum Forum) ein kleiner Vorschlag abseits der begangenen Pfade.
!!! Da man ja als Newcomer keine Bilder/Links posten kann, hier die URL der im Text erwähnten Bilder:
http://42u.de/v/Johannes/kahurangi/
Falls einer der Administratoren so nett wäre und meine "Bildrechte" freigeben könnte, würde ich die Bilder noch einfügen...)
Ziel: Marino Mountains / Mt Owen im Kahurangi Nationalpark, Nordteil der Südinsel
ca. 2-4 Tage, vorzugsweise mit Zelt, Hüttenübernachtung möglich
Eignet sich gut als Ergänzung zum Wangapeka Track, da fast gleicher Ausgangspunkt.
Highlights:
Einzugartige Karstlandschaft, wunderbare Natur, kaum bekannt, daher meist nur Kiwis unterwegs
In den Höhenlagen keine Sandflys. Gipfel Mt Owen 1875m mit gigantischer Rundumsicht. Diese Tour ist ein frappierendes Beispiel für die Vielfalt der Neuseeländischen Bergwelt - obwohl die Nelson Lakes nur ca. 50km entfernt sind, ist die Bergwelt eine komplett andere. Und 50km weiter kann man schon wieder gemütlich in subtropischer Umgebung am Strand liegen....
Caveats: Anstrengende Tour mit ca. 1500m Höhenunterschied im Aufstieg, wenig Infrastruktur.
Schwierigkeitsgrad: Trekkingtour, Aufstieg auf den Mount Owen erfordert ein wenig Kletterei über die Karstfelsen, ist aber ansonsten nicht weiter schwierig. Es gibt zahlreiche Spalten und Potholes im Hochplateau und im Gipfelanstieg, daher ist Vorsicht geboten, definitiv nichts für Nachtwanderungen. Extremes Wetter, wir hatten auf unserer Tour im Feb 07 mehr als 30 Grad beim Aufstieg, dafür am nächsten Tag einen Orkan mit Windstärke 11...
Wege im Aufstieg streckenweise etwas überwachsen, im Gipfelplateaubereich teilweise weglos. Im Plateaubereich (oberhalb Granity Pass Hut) kaum Trinkwasser.
Aufgrund der Einsamkeit und des durchlöcherten Terrains würde ich die Tour nicht als Alleingang empfehlen. Anfänger sollten evtl. erst einmal etwas Treckingerfahrung in den begangeneren Gebieten sammeln (z.B. Touren rund um St.Arnaud)
Anfahrt:
Kahurangi NP liegt nord-westlich der bekannten Nelsonlakes. Bekanntester Track ist der Wangapeka (Great Walk), der allerdings inzwischen übermäßig populär geworden ist. Zufahrt von Motueka oder St. Arnaud nach Tapawera (ca. 20km südlich von Motueka an der Verbindungsstraße zum Highway 6). Von Tapawera (letzter Ort mit halbwegs nennenswerter Infrastruktur, insbesondere Tankstelle) nach Tadmor und dann auf der Wangapeka River Road zum Trailhead (gleicher Zugang wie zum Wangapeka Track). Der in den Karten verzeichnete Rolling Junction Shelter war 2007 in sehr schlechtem Zustand und für Übernachtung eher weniger geeignet. Empfehlung: Camping auf dem wunderschönen Campground "Courthouse Flat" am Trailhead. Self registration, gebührenpflichtig.
Die Zufahrt ist im letzten Teil nicht asphaltiert, aber bei normalen Wetterbedingungen auch mit normalen Fahrzeugen zu befahren. Eine etwas größere und mehrere kleinere Bachquerungen in der Zufahrt, die bei Hochwasser Probleme bereiten können, dann ist ein 4WD empfehlenswert.
Karten & Buch:
DOC Map 274-13, Kahurangi 1:150000 zur Übersicht und Anreise
NZ Topo Map Blatt M28 "Wangapeka" 1:50.000, unbedingt empfehlenswert zur Navigation im Gipfelplateaubereich
beide im DOC Visitorcenter in St. Arnaud erhältlich (im Kahurangi gibt es kein Visitorcenter!)
"South Island Weekend Tramps" von Nick Groves, ISBN 1-877333-04-2 (auch für andere tracks SEHR empfehlenswert, viele schöne Routen abseits der Massen). Leider außerhalb Neuseelands schwer zu bekommen.
Trackbeschreibung
Vom Trailhead (ca. 380m) geht es über eine Holzbrücke über den Granity Creek. Es gibt hier zwei Wegvarianten, eine im Tal des Blue Creek, die andere über den Grat. Der Anstieg über den Grat ist sinnvoller, da gleichmäßiger und schönere Sicht, die Blue-Creek Variante bietet sich für den Abstieg an. Für den Grat links halten und den Berg hinauf (teilweise schlecht erkennbar).Steiler Anstieg über einen Nordgrat zu einem namenlosen Sattel auf 1200m. Danach geht es steil über den "Staircase" wieder hinunter und ins lauschige Tal des Blue Creek. Hier gibt es noch ausreichend Trinkwasser.
Bild: Gunnar vor dem Anstieg auf dem Grat mit dem Gipfelmassiv (Mt Bell) im Hintergrund, Mt Owen ist hier noch nicht sichtbar. Der tiefe Einschnitt ist das Tal des Blue Creek
Bild: Flechten auf dem Sattel
Bild: Der verwachsene Weg am Blue Creek unterhalb Granity Hut
Kurz bevor man in die Felsen kommt, passiert man Granity Hut, eine schöne alte Backcountry Hut. Gute Übernachtungsmöglichkeit, aber nur 6 Bunks, d.h. es kann schnell mal eng werden. Wir selbst sind weiter ins Sanctuary Basin weitergegangen und haben dort gezeltet.
Von der Hütte abwärts zum Bach gehen und diesen queren, der Weg geht auf der anderen Flußseite auf einer Art Moäne weiter (nicht ganz offensichtlich, da schlecht markiert und rund um die Hütte ein Labyrinth von anderen Wegen).
Ab hier wird Trinkwasser knapp, Flaschen nochmal füllen.
Bild: Der Autor vor Granity Hut
Ca. 1h nach der Hütte kommt man an Sentinel Hill vorbei auf die eindrucksvoller Hochebene der Marino Mountains, hier beginnen auch die Karstspalten. Der markierte Weg endet, aber es gibt ausgetretene Pfade und die Orientierung ist in der Grassteppe auch nicht schwer.
Ca. 500m nachdem man auf dem Plateau angekommen ist, befindet sich links vom Weg nochmal ein kleiner Bach mit Wasserfall, dies ist die einzige nennenswerte Wasserquelle am Plateau und sollte zum Auffüllen der Flaschen genutzt werden. Das Wasser aus den Karstseen im Plateau sah uns nicht ganz so vertrauenserweckend aus...
Fast alle Gipfel und Grate sind mit etwas Umsicht erreichbar, ich bin am Abend z.B. noch auf dem Grat zwischen Mt Bell und Pt 1764 gewesen und habe mir im anziehenden Sturm den Vollmondaufgang angesehen:
Bild: Unser Zelt auf der Hochebene, zwischen Mt Bell und Sentinel Hill gelegen. Hier deuten sich schon die Sturmwolken an, die uns dann den nächsten Tag zu einem "Zeltruhetag" zwangen. Blick auf den namenlosen Gipfel "Pt 1764". Von dem rechts oben sichtbaren Einschnitt aus entstand abends das nachstehende Foto.
Bild: Mondaufgang von den Marino Mountains.
Der höchste und beliebteste Gipfel des Massivs ist Mt Owen, 1875m, der über einige ausgetretene Pfade sowie etwas Kletterei über die Karstfelsen gut erreichbar ist.
Bild: Karstspalten am Aufstieg Mt. Owen
Bild: Karstmassiv nördlich Mt. Owen
Bild: Gipfelplateau Mt Owen, wie man sieht ist es alpinistisch nicht sehr schwierig
Von Mount Owen hat man eine gigantische 360 Grad Rundumsicht, im Norden bis zum Abel Tasman, im Osten bis zu den Nelson Lakes und im Westen bis zum Meer.
Bild: Blick auf Mt Bell
Es lohnt sich sehr, noch einen Tag über die die Hochfläche zu streunen - wir haben das aufgrund des Sturm-Zwangsruhetages dann leider nicht mehr gemacht (Vorratsmangel).
Abstieg auf dem gleichen Weg wie der Aufstieg, mit Möglichkeit der Variante über Blue Creek im letzten Teil (sehr lohnenswert, parkähnliche Landschaft mit alten Resten des Minenbetriebs).
Bild: Karstsee auf dem Hochplateau
Bild: Aussicht beim Abstieg vom Pass hinter "The Staircase"
Viel Spaß beim Trecking in einem faszinierenden Land wünscht euch
Johannes
da dieses Forum noch nicht gerade mit Tourentipps überladen ist, hier (als meinen Begrüßungsbeitrag zum Forum) ein kleiner Vorschlag abseits der begangenen Pfade.
!!! Da man ja als Newcomer keine Bilder/Links posten kann, hier die URL der im Text erwähnten Bilder:
http://42u.de/v/Johannes/kahurangi/
Falls einer der Administratoren so nett wäre und meine "Bildrechte" freigeben könnte, würde ich die Bilder noch einfügen...)
Ziel: Marino Mountains / Mt Owen im Kahurangi Nationalpark, Nordteil der Südinsel
ca. 2-4 Tage, vorzugsweise mit Zelt, Hüttenübernachtung möglich
Eignet sich gut als Ergänzung zum Wangapeka Track, da fast gleicher Ausgangspunkt.
Highlights:
Einzugartige Karstlandschaft, wunderbare Natur, kaum bekannt, daher meist nur Kiwis unterwegs
In den Höhenlagen keine Sandflys. Gipfel Mt Owen 1875m mit gigantischer Rundumsicht. Diese Tour ist ein frappierendes Beispiel für die Vielfalt der Neuseeländischen Bergwelt - obwohl die Nelson Lakes nur ca. 50km entfernt sind, ist die Bergwelt eine komplett andere. Und 50km weiter kann man schon wieder gemütlich in subtropischer Umgebung am Strand liegen....
Caveats: Anstrengende Tour mit ca. 1500m Höhenunterschied im Aufstieg, wenig Infrastruktur.
Schwierigkeitsgrad: Trekkingtour, Aufstieg auf den Mount Owen erfordert ein wenig Kletterei über die Karstfelsen, ist aber ansonsten nicht weiter schwierig. Es gibt zahlreiche Spalten und Potholes im Hochplateau und im Gipfelanstieg, daher ist Vorsicht geboten, definitiv nichts für Nachtwanderungen. Extremes Wetter, wir hatten auf unserer Tour im Feb 07 mehr als 30 Grad beim Aufstieg, dafür am nächsten Tag einen Orkan mit Windstärke 11...
Wege im Aufstieg streckenweise etwas überwachsen, im Gipfelplateaubereich teilweise weglos. Im Plateaubereich (oberhalb Granity Pass Hut) kaum Trinkwasser.
Aufgrund der Einsamkeit und des durchlöcherten Terrains würde ich die Tour nicht als Alleingang empfehlen. Anfänger sollten evtl. erst einmal etwas Treckingerfahrung in den begangeneren Gebieten sammeln (z.B. Touren rund um St.Arnaud)
Anfahrt:
Kahurangi NP liegt nord-westlich der bekannten Nelsonlakes. Bekanntester Track ist der Wangapeka (Great Walk), der allerdings inzwischen übermäßig populär geworden ist. Zufahrt von Motueka oder St. Arnaud nach Tapawera (ca. 20km südlich von Motueka an der Verbindungsstraße zum Highway 6). Von Tapawera (letzter Ort mit halbwegs nennenswerter Infrastruktur, insbesondere Tankstelle) nach Tadmor und dann auf der Wangapeka River Road zum Trailhead (gleicher Zugang wie zum Wangapeka Track). Der in den Karten verzeichnete Rolling Junction Shelter war 2007 in sehr schlechtem Zustand und für Übernachtung eher weniger geeignet. Empfehlung: Camping auf dem wunderschönen Campground "Courthouse Flat" am Trailhead. Self registration, gebührenpflichtig.
Die Zufahrt ist im letzten Teil nicht asphaltiert, aber bei normalen Wetterbedingungen auch mit normalen Fahrzeugen zu befahren. Eine etwas größere und mehrere kleinere Bachquerungen in der Zufahrt, die bei Hochwasser Probleme bereiten können, dann ist ein 4WD empfehlenswert.
Karten & Buch:
DOC Map 274-13, Kahurangi 1:150000 zur Übersicht und Anreise
NZ Topo Map Blatt M28 "Wangapeka" 1:50.000, unbedingt empfehlenswert zur Navigation im Gipfelplateaubereich
beide im DOC Visitorcenter in St. Arnaud erhältlich (im Kahurangi gibt es kein Visitorcenter!)
"South Island Weekend Tramps" von Nick Groves, ISBN 1-877333-04-2 (auch für andere tracks SEHR empfehlenswert, viele schöne Routen abseits der Massen). Leider außerhalb Neuseelands schwer zu bekommen.
Trackbeschreibung
Vom Trailhead (ca. 380m) geht es über eine Holzbrücke über den Granity Creek. Es gibt hier zwei Wegvarianten, eine im Tal des Blue Creek, die andere über den Grat. Der Anstieg über den Grat ist sinnvoller, da gleichmäßiger und schönere Sicht, die Blue-Creek Variante bietet sich für den Abstieg an. Für den Grat links halten und den Berg hinauf (teilweise schlecht erkennbar).Steiler Anstieg über einen Nordgrat zu einem namenlosen Sattel auf 1200m. Danach geht es steil über den "Staircase" wieder hinunter und ins lauschige Tal des Blue Creek. Hier gibt es noch ausreichend Trinkwasser.
Bild: Gunnar vor dem Anstieg auf dem Grat mit dem Gipfelmassiv (Mt Bell) im Hintergrund, Mt Owen ist hier noch nicht sichtbar. Der tiefe Einschnitt ist das Tal des Blue Creek
Bild: Flechten auf dem Sattel
Bild: Der verwachsene Weg am Blue Creek unterhalb Granity Hut
Kurz bevor man in die Felsen kommt, passiert man Granity Hut, eine schöne alte Backcountry Hut. Gute Übernachtungsmöglichkeit, aber nur 6 Bunks, d.h. es kann schnell mal eng werden. Wir selbst sind weiter ins Sanctuary Basin weitergegangen und haben dort gezeltet.
Von der Hütte abwärts zum Bach gehen und diesen queren, der Weg geht auf der anderen Flußseite auf einer Art Moäne weiter (nicht ganz offensichtlich, da schlecht markiert und rund um die Hütte ein Labyrinth von anderen Wegen).
Ab hier wird Trinkwasser knapp, Flaschen nochmal füllen.
Bild: Der Autor vor Granity Hut
Ca. 1h nach der Hütte kommt man an Sentinel Hill vorbei auf die eindrucksvoller Hochebene der Marino Mountains, hier beginnen auch die Karstspalten. Der markierte Weg endet, aber es gibt ausgetretene Pfade und die Orientierung ist in der Grassteppe auch nicht schwer.
Ca. 500m nachdem man auf dem Plateau angekommen ist, befindet sich links vom Weg nochmal ein kleiner Bach mit Wasserfall, dies ist die einzige nennenswerte Wasserquelle am Plateau und sollte zum Auffüllen der Flaschen genutzt werden. Das Wasser aus den Karstseen im Plateau sah uns nicht ganz so vertrauenserweckend aus...
Fast alle Gipfel und Grate sind mit etwas Umsicht erreichbar, ich bin am Abend z.B. noch auf dem Grat zwischen Mt Bell und Pt 1764 gewesen und habe mir im anziehenden Sturm den Vollmondaufgang angesehen:
Bild: Unser Zelt auf der Hochebene, zwischen Mt Bell und Sentinel Hill gelegen. Hier deuten sich schon die Sturmwolken an, die uns dann den nächsten Tag zu einem "Zeltruhetag" zwangen. Blick auf den namenlosen Gipfel "Pt 1764". Von dem rechts oben sichtbaren Einschnitt aus entstand abends das nachstehende Foto.
Bild: Mondaufgang von den Marino Mountains.
Der höchste und beliebteste Gipfel des Massivs ist Mt Owen, 1875m, der über einige ausgetretene Pfade sowie etwas Kletterei über die Karstfelsen gut erreichbar ist.
Bild: Karstspalten am Aufstieg Mt. Owen
Bild: Karstmassiv nördlich Mt. Owen
Bild: Gipfelplateau Mt Owen, wie man sieht ist es alpinistisch nicht sehr schwierig
Von Mount Owen hat man eine gigantische 360 Grad Rundumsicht, im Norden bis zum Abel Tasman, im Osten bis zu den Nelson Lakes und im Westen bis zum Meer.
Bild: Blick auf Mt Bell
Es lohnt sich sehr, noch einen Tag über die die Hochfläche zu streunen - wir haben das aufgrund des Sturm-Zwangsruhetages dann leider nicht mehr gemacht (Vorratsmangel).
Abstieg auf dem gleichen Weg wie der Aufstieg, mit Möglichkeit der Variante über Blue Creek im letzten Teil (sehr lohnenswert, parkähnliche Landschaft mit alten Resten des Minenbetriebs).
Bild: Karstsee auf dem Hochplateau
Bild: Aussicht beim Abstieg vom Pass hinter "The Staircase"
Viel Spaß beim Trecking in einem faszinierenden Land wünscht euch
Johannes