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Vollständige Version anzeigen : Florence-Oregon via Morro Bay-Kalifornien nach Las Vegas-Nevada


Marisa
13.02.2009, 14:39
Florence, Oregon – Jessie Honeyman

Mit gepacktem Rad geht es durch die Straßen hinauf zur Brücke über den Siuslaw River. Von dort habe ich einen ersten kurzen Blick auf die Oregon Dunes. Direkt hinter der Brücke liegt Glenada und nur faule 5km später halte ich in der hiker-biker-site des Jessie M. Honeyman State Parks für meine erste Zeltnacht.
Hiker-biker-sites sind einfach klasse! Für nur 3-5 US$ kann man dort zelten, manchmal ist sogar die heiße Dusche inklusive. Meist sind die Areale ein bißchen von den anderen Plätzen entfernt und man teilt sich den Platz mit anderen was eine gute Basis für den Beginn einer Unterhaltung ist.
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Den Nachmittag verbringe ich mit einem langen Spaziergang durch die Dünen. Barfuß laufend ist es ein langer Weg bis zum Pazifik, so wandere ich nur umher. Außer wenn die wirklich nervigen Allradbuggies unterwegs sind kann man von hier die Brandung hören.

Für die heutige kurze Distanz fällt das Abendessen bei weitem zu umfangreich aus und zwingt mich zu einem langen Spaziergang durch den Zeltplatz. Glücklicherweise bleibe ich beim Vortrag des Rangers über die Fledermäuse des Nordwestens hängen. Interessant und lustig!

Jessie Honeyman – Sunset Bay

Der blaue Himmel am Morgen verspricht einen tollen Tag! Die Straße verläuft heute, bedingt durch die Dünen, etwas entfernt von der Küste aber immer wieder erhascht man einen Blick auf die goldenen Dünen und tief blauen Seen dazwischen. Vom Oregon Dunes Aussichtspunkt hat man einen tollen Blick über das Gebiet!
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Um die Winchester Bay herum komme ich gegen Mittag nach Reedsport. Durch den Ort Winchester Bay hindurch geht es zum Umpqua Leuchtturm und begleitet von Feuchtgebieten umfahre ich Coos Bay. Schon aus der Ferne sieht man die große Brücke. Sie schaut groß aus und ist groß! Radfahrer werden gebeten ihre Räder zu schieben. Nach etwa einem Drittel kann ich verstehen warum: Obwohl der Wind heute nicht allzu kräftig bläst wird mein Rad den Gehweg hinauf geschoben. Auf der anderen Seite wieder hinunter muß ich die ganze Zeit bremsen um mit meinem Rad mitzuhalten. Hoffentlich bleibt der Wind so!
Von Charleston fahre ich noch das letzte Stück zum Sunset Bay State Park. Ausgestreckt auf einem Baumstamm liegend genieße ich den Sonnenuntergang.

Sunset Bay – Bullards Beach

Bist du jemals von schmerzenden Muskeln aufgewacht? Nun, nach dem gestrigen langen Tag weiß ich wie sich das anfühlt.
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Kurztrip zum Simpson Reef um die Seelöwen, Seeelefanten und Vögel zu sehen und zu hören. Abstecher zum Cape Arago, dem westlichsten Punkt Oregons.
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Mittags packe ich meine Sachen und fahre zurück nach Charleston. Hier beginnt eine dem Bergrücken folgende Nebenroute über die Seven Devils Road. Sie ist nach den sieben Hügeln benannt über die sie führt, netterweise allesamt durchnummeriert.
Belohnt wird man für seine Anstrengungen mit dem Blick über das Land und hinunter zur Küste. Eine lange, kurvenreiche Straße führt zurück auf den Highway 101. Ich bin mir sicher: Nicht ein Radfahrer hält sich bei dieser Abfahrt an die Geschwindigkeitsbeschränkung...
Ich baue mein Zelt im Bullards Beach State Park auf und verbringe den Nachmittag in Bandon.
Später kommen noch andere Radfahrer auf den Zeltplatz und ich treffe Jenna und Mike, ein frisch getrautes Paar auf einjähriger Hochzeitsreise mit dem Rad nach Südamerika und Gary, kürzlich berentet, auf seiner West Coast Freedom Tour.
Wir vier genießen den Abend bevor jeder in seinem Zelt in den Schlafsack fällt.

Bullards Beach – Humbug Mountain

Die heutige Strecke führt Inlands durch kleine Orte, Wälder und Felder. Dankbarerweise sind die Berge hier relativ niedrig aber der Gegenwind ist fast den ganzen Tag unterwegs.
Die hiker-biker-sites in Humbug Mountain sollen nicht schön und voller Viecher sind. Ich erwähnte dies gestern abend und schlug vor uns dort zu treffen und einen regulären Zeltplatz zu teilen. Alle waren einverstanden.
Ich komme als zweite dort an, ahne dass Gary vor mir ist. Er liegt, Jerky kauend, in der Wiese und wartet auf mich. Wir wissen daß Jenna und Mike weit hinter uns sind und suchen gemeinsam einen Platz aus.
Kurz nachdem wir unsere Zelte aufgeschlagen haben kommen noch zwei Radler in den Park. Ich biete ihnen an auch auf unserem Platz zu zelten. Sie sind Gerald und Manuel, ein Vater-Sohn-Team aus der Schweiz, unterwegs von Seattle nach San Diego. Und als wir es uns gerade gemütlich machen kommen Jenna und Mike auf den Platz gerollt. Wir sind eine richtig internationale Crew hier. Nette Leute.
Ich überlege mir morgen einen Pausentag bei Brookings einzulegen. Es soll dort einen besonders schönen Strand geben – Harris Beach.
Und danach geht es nach Kalifornien.
Erst dachte ich daß es heute wohl keine Strandbilder geben würde da nahe Port Orford der Nebel alles verhüllte. Aber er schwebte nur vom Meer an die Küste und wieder hinaus was einen netten Effekt hatte.
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Humbug Mountain - Harris Beach

Als es gestern dunkel wurde drückte eine dicke Nebelwand vom Meer herein und bald begann es zu nieseln. Alle verschwanden früh im Zelt. Es regnete kräftig bis etwa 3 Uhr morgens.
Wieder zurück auf der Straße wird alles besser. Die Wolkendecke bricht auf und der wundervolle Sonnenschein kommt durch.
Zusammen mit Jenna und Mike verlasse ich Humbug Mountain. Gary wird uns folgen sobald er seinen Kaffee bekommen hat.
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Der restliche Tag wird besser und besser. Nach und nach verschwinden alle Wolken, der Nebel verzieht sich und der wunderbare Rückenwind kommt mit voller Kraft zurück. Der Tag vergeht mit atemberaubenden Aussichten auf die Küste und dem weitschweifenden Blick auf den Ozean.

Mir geht es bestens auf dem Rad aber ich werde morgen trotzdem einen Pausentag einlegen. Und der Rest hat die gleiche Idee. Mit diesem Plan im Kopf füllen wir unsere Taschen mit Getränk, Chips, Salsa, Burrito-Material und Kuchen.
Eins der besten Dinge beim Radfahren ist die ganze Esserei. Das Prinzip Essen als Kraftstoff bekräftigt sich sobald man zu wenig ißt und Kraft verliert. Essen wird so schnell zu einem Höhepunkt des Tages.

Harris Beach

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Das Abendessen gestern war SAGENHAFT!! Burritos mit Bohnen, Käse, Grünzeug, Tomaten, Salsa und Sauercreme. Wir sahen für zufällig vorbeikommende Camper sicherlich aus wie eine Gruppe Zigeuner die seit Wochen kein Essen mehr gesehen hatten. Kaum war alles gerichtet verstummte die Unterhaltung und wurde durch kauende und schluckende Geräusche, dem vereinzelten Luft holen und wiederholten „Mmmhhh“ und „Aahhhhs“ ersetzt. Die einzigen darauf folgende Antworten waren weitere „Mmmhs“ und „Aahhs“.
Ein weiteres Higlight dieses Zeltplatzes ist der Waschsalon! Danach geht es hinunter zum Strandbummel.
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Ein weiterer sonniger Tag und alle genießen ihn um zu entspannen.
Wir kaufen erneut für ein kleines Festessen ein – gegrillte Käsesandwiches! Und natürlich Kuchen.

Und morgen geht es hinein nach Kalifornien!!

[BREAK=Kaliforniens nördliche Küste]

Harris Beach – Kamp Klamath

Kalifornien ich komme!

Ein weiterer, eindrucksvoller Tag auf dem Rad! Wir, von heute an sind wir als Viererzug unterwegs, verlassen Brookings etwa gegen 10:30 und sind nach nur 16 Kilometern an der Grenze zu Kalifornien wo wir wohl eine halbe Stunde damit verbringen Bilder zu machen. Für Mike und mich ist es das erste Mal im „Golden State“.
Wir werden durch die landwirtschaftliche Kontrolle gewunken und fahren für etwa drei Kilometer mit dem Verkehr durch die Baustellen. Danach biegt der Radweg vom 101 ab und bringt uns nördlich von Crescent City zurück zum Strand und wieder gen Süden, zurück zum Highway 101. Bis kurz vor Crescent City ist es hier fast völlig flach doch danach wartet der bisher höchste Anstieg auf uns – ein 370 Meter Pass. Wir schalten alle in den kleinsten Gang und beginnen damit den Weg hinauf zu kurbeln. Ohne Straßenschulter geht es durch die üppigen Redwoods. Dank der geringen Steigung von gerade mal 6% ist es einfacher als erwartet.
4003Auf dem Paß angekommen geht es schwungvoll auf der anderen Seite hinunter und nach weiteren, flachen 16 Kilometern erreichen wir den Zeltplatz Kamp Klamath in Klamath.
Das Wetter war heute wieder spektakulär und der Rückenwind fantastisch.
Bedauerlicherweise müssen wir alle die nachlassende Qualität mancher Leute denen wir begegnen feststellen. In Crescent City wurden Mike und Ich „Arschlöcher“ genannt, lediglich weil wir den Radweg hinunter fuhren an dem eine Frau die Möwen fütterte. Diese saßen auf dem Radweg und flogen aufgescheucht durcheinander was ihr offensichtlich nicht gefiel. Später stoppten wir in Klamath um unser Abendessen zu holen und einige stark alkoholisierte Individuen näherten sich uns. Unter anderem wollten sie folgendes wissen: „Wie fahrt ihr mit dem Rad?“
Der Geruch nach billigem Fusel lag eindeutig in der Luft, Kandidaten für Fahren unter Alkohol reichlich vorhanden und die Pfiffe und leeren Blicke auf Jenna und mich waren ziemlich störend.
Als wir aus dem Ort radeln kommen wir an zwei weiteren Betrunkenen vorbei die versuchen uns anzuhalten, dann, innerhalb eines weiteren Kilometers, passieren wir zwei Frauen die eine LAUTE , unflätige Diskussion führen. Einer der Momente an dem ich froh war daß mein Englisch nicht gut genug ist alles verstehen zu müssen... Klamath, nebenbei erwähnt, ist ein sehr kleiner Ort. Glücklicherweise scheint unser Zeltplatz, der einige Kilometer die Straße runter liegt, in Ordnung zu sein.

Kamp Klamath - Trinidad

Auf dem Rad trifft man die nettesten Leute. Ein anderes Beispiel für Erfahrungen auf einer Radtour. Erinnert euch an die Leute die uns gestern in Klamath begegnet sind wenn ihr über den heutigen Tag lest.
Noch ein toller Radtag der im Laufe des Tages einfach nur noch besser wurde. Wir verlassen Kamp Klamath gegen 9:30 und fahren langsam die drei Kilometer auf der Stichstraße zurück zum Highway 101.
Zurück auf dem 101 kommen wir schnell zum nächsten Anstieg, 300 Meter in zwei Etappen. Dem Gipfel folgt eine kurze Abfahrt und dann geht es rechts weg durch unglaubliche Redwoods und üppigen, grünen Wald auf die Newton B. Drury Scenic Route.
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Wir haben Glück und die ganze Straße für uns allein was uns zu einem Drei-Räder-Slalom auf der Mittellinie der Straße verleitet.
Nach dem zweiten Gipfel kommt eine schön lange Abfahrt zurück an die Küste nach Orick. 19 wunderschöne Kilometer später erreichten wir den Abzweig zu unserem Ziel, das Haus von TromboneAl und seiner Frau Lena.
Eine Erklärung ist von Nöten.
Bevor Gary auf seine Reise ging versuchte er im Radforum Informationen zu erhalten wie es mit der Möglichkeit aussehen würde unterwegs sein Telefon zu laden. Eine der Antworten die er bekam war von TromboneAl der hier in der Nähe von Trinidad an der Küste lebt. Er versicherte Gary daß die Elektrizität vor langer Zeit auch in Nordkalifornien entdeckt wurde.
Während dieser Onlineunterhaltung bot Al Gary netterweise an bei ihm zu übernachten wenn er die Gegend erreicht hätte.
Er konnte nicht wissen daß Gary eine kleine Radarmee mit sich bringen würde.
Heute abend genießen Jenna, Mike, Gary und ich Als und Lenas große Gastfreundschaft. Sie ließen uns hinein, sie gaben uns ein tolles Abendessen und zu trinken, sie ließen uns die Dusche, die Waschmaschine und den Trockner einsauen und den Computer nutzen um Tagebücher zu aktualisieren und emails zu checken.
Da frag ich euch, wie genial ist das? Bis zum heutigen Tag waren wir völlig Fremde und sie haben ihr Haus für uns geöffnet. Dies ist definitiv ein Highlight der Tour und wir sind unendlich dankbar.

Trinidad – Arcata/Eureka

Wieder haben sich Al und Lena mit einem fantastischen Eier-Schinken-Pfannkuchen-Frühstück übertroffen. Damit nicht genug, sie begleiten uns auch noch auf unserem Weg nach Süden.
4005Wir bekommen die „geheime Eichhörnchentour“ durch Al, unserem persönlichen Guide, der uns an unglaublichen Stränden wie Luffenholtz und entlang des Hammond Trail Radwegs führt. Plätze von denen wir sonst nie erfahren hätten. Wir fahren auf als geschlossen gekennzeichneten Straßen von denen Al wußte daß wir auf Rädern durchfahren konnten und werden mit spektakulären Blicken auf den Ozean belohnt. Es war klasse!4006
In Arcata angekommen haben wir alle ein leckeres Mittagessen beim Mexikaner und fahren danach weiter zur „plaza“, dem zentralen Park in Arcata damit Mike seinen schleichenden Platten flicken kann. Allerdings ist sein Platten nichts im Vergleich zu Jennas DREI Platten am heutigen Tag. Jenna gewinnt den begehrten Platten-Preis des Tages.
Nach dem Flicken wird es Zeit auf wiedersehen zu sagen. Schniff, schniff. Al, Lena, noch ist es nicht zu spät ein paar Taschen ans Fahrrad zu schnallen und sich der Karawane anzuschließen!
Nach der Serie an Platten, einem Stop um Garys Gepäckträger nachzuziehen und dem traurigen Abschied von Al und Lena wollen wir nicht mehr so weit fahren. Wir entschließen uns, nach einem kurzen Stop um für das Abendessen einzukaufen, nur noch ein Stück auf dem 101 (der hier eine häßliche und vielbefahrene Autobahn ist!) zum KOA „K“ampingplatz zu fahren. Für die die wissen was es mit KOA auf sich hat, lacht nicht! Die netten Leute hier ließen uns vier hier zelten und wollten nicht mehr als sie normalerweise für zwei kassieren. Und... Trommelwirbel bitte.... es hat hier einen heißen WHIRLPOOL! HIMMLISCH!

Arcata/Eureka – Hidden Springs

Wir sind kurz nach 10 Uhr wach und auf den Rädern und fahren nach Eureka hinein wo wir bei einem kleinen Cafe für Croissants, Cafe und Tee anhalten. Wir entschließen uns für die Touriroute durch die Stadt, vorbei an einigen alten Viktorianischen Häusern bevor es auf dem 101, flach für einigen Meilen, weitergeht.
Ein toller Rückenwind hilft uns weiter. Fortuna wird genutzt um dem Highway für einen Moment zu entkommen und im Redwood Café stoppen wir für ein Mittagessen. 26 Kilometer später biegen wir auf die Avenue of the Giants ab und folgen ihr für etwa 30 Kilometer zum Hidden Springs Zeltplatz.
Die Redwoods in diesem alten Waldbestand sind spektakulär. Manche sind gut 100 Meter hoch und bis zu 2000 Jahre alt. Während man so durchfährt ist es einfach die Perspektive zu verlieren und man denkt, nun, ein netter Wald aber nicht SO beeindruckend. Aber dann kommt ein Auto um die Kurve und man realisiert die wahre Größe dieser Bäume.
Die sind wirklich beeindruckend!
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Wir brachten heute einige Kilometer hinter uns und alle sind wir ziemlich fertig.

Hidden Springs – Standish Hickey

Ein weiterer, schöner Tag um Rad zu fahren. Alle sind froh als es heute morgen so schön trocken ist, keine Feuchtigkeit, obwohl der Zeltplatz mitten in den riesigen Redwoods liegt.
4007Wir starten gegen 10:30 und radeln die restlichen 20 Kilometer der Avenue of the Giants bevor es zurück geht auf den 101. Wir halten im Subway in Garberville zum Mittagessen und stellten bald fest daß diese Stadt genauso viele „Charaktere“ hat wie Arcata. Es war vielleicht ein bißchen mehr los als sonst da viele Leute auf ihrem Weg zu einem Willie Nelson Konzert in Pearcy durchkamen.
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Auf einer besonders steilen Abfahrt nach Garberville brechen wir alle unsere Geschwindigkeitsrekorde dieser Tour. Ich erreiche 71Km/H und die anderen wie folgt: Mike und Jenna, jeweils 63, Gary 70 Km/H.
Nach Garberville geht es oft bergauf und bergab und ehe wir uns versahen sind wir am „Weltberühmten Berg der Verwirrung“, wo seltsame magnetische Kräfte angeblich alle möglichen seltsamen Phänomene verursachen – Dinge wie der Schwerkraft trotzende Bälle die bergauf rollen. Und man kann diese seltsamen Vorkommnisse selber erleben, gegen ein gewisses Entgelt natürlich. Mike, in seiner typischen, skeptischen Art imitierte einen imaginären Touristen der gerade die Tour beendet hatte:“Ich bin verwirrt. Wo ist all mein Geld geblieben?“
Einige Kilometer später erreichen wir Standish-Hickey wo wir das Abendessen richten während wir darauf warten dass sich die Schlange vor den Duschen auflöst. Nicht sicher warum gerade hier so viele Leute abends duschen wollen. Möglicherweise sind sie alle den mysteriösen Kräften des Berges der Verwirrung zum Opfer gefallen.

Standish Hickey – MacKerricher

Es war vielleicht nur ein 72 Kilometer Tag aber wir hatten den bisher heftigsten Berg.

4008Wir verlassen Standish-Hickey gegen 10:15 mit nur einem Ziel: dem nächsten Kaffeehaus. Dieses kommt nur drei Kilometer die Straße runter in Leggett.
Mit Coffein gestärkt fahren wir los, nun auf dem Highway 1 und stoßen sofort auf den langen Anstieg auf den 600 Meter Paß über den wir schon seit Tagen nachdenken. Die Steigung liegt vielleicht bei 7% und so fallen wir schnell in unseren Trott bei etwa 6 Km/H.
Überraschenderweise ist es bei diesem Tempo nicht wirklich so anstrengend und nicht allzuviel später flitzten wir auf der anderen Seite über viele Kilometer auf beschwingten Serpentinen über dem Geschwindigkeitslimit (entweder so oder die Bremsen sind durch) wieder hinunter. Der Verkehr ist quasi nicht vorhanden und so nehmen wir bald die gesamte Straße ein und fliegen von einer Kurve durch die nächste. Es war der HAMMER!
Von der Louisiana Pacific picnic area geht es nach dem Essen und in der Sonne liegen weiter zum nächsten Anstieg, dieser nur auf etwa 200 Meter hinauf, aber steiler als der erste. Nach einer weiteren rasanten Abfahrt kommen wir zurück an die schmetternden Wellen des Pazifiks.
Der restliche Tag besteht aus kurzen aber steilen Anstiegen, gefolgt von schnellen Abfahrten wie es für den Highway 1 an der Küste typisch ist.

Gegen 6 Uhr abends erreichen wir MacKerricher, von ein paar seltsamen Leuten die hier zu wohnen scheinen abgesehen, ein fast verlassener Platz. Diese Leute haben keine Räder oder Fahrzeuge und sehen nicht so aus als wären sie in den letzten 20 Jahren auf einer Wanderung gewesen. Aber gut, sie sind friedlich und unaufdringlich.

MacKerricher – Manchester Beach

Ganz ehrlich, wir beginnen den Tag mit der Idee in der Manchester State Beach hiker-biker-site zu zelten. Allerdings lese ich nach etwa ¾ der Strecke daß es dort keine Duschen gibt.
Morgens hatten wir uns noch darüber unterhalten wo wir die Nacht verbringen würden: Manchester State Beach oder der in der Nähe liegende KOA. Wir hatten uns vorläufig auf die hiker-biker-site geeinigt da sie nur 3$ kostet, waren aber davon ausgegangen daß es dort Duschen gibt. Der KOA kostet 10$ die Nacht pro Person was im Vergleich sehr teuer erscheint. Als wir allerdings feststellen daß es keine Duschen gibt ändert sich alles. Also doch KOA, aber wir bezahlen letztlich 9$ statt 10$.
Schwimmbad, Whirlpool, Movie stars...
Wir verlassen MacKerricher früh mit Ziel Egghead´s in Fort Bragg, einem kleinen Restaurant im Stil des „Wizard of Oz“.
Nach dem Frühstück trennen sich unsere Wege, da Jenna und Mike in der Bibliothek noch einiges zu erledigen haben. Es ist wieder ein toller Tag mit schönem Wetter und leicht hügeligem Gelände. Allerdings auch ein paar steile aber kurze Stücke, vor allem der eine kurz nach Elk, der steilste bisher aber zum Glück nur knapp einen Kilometer lang.
Der heutige Tag beinhaltet auch den wohl peinlichsten Moment der gesamten Reise: Gary und ich werden, als wir die Straße auf unseren Rädern hinunterfahren, von einem Skateboarder überholt.... Wie tief kann man sinken Freunde!
Nachdem wir am KOA angekommen, unsere Knochen im Whirlpool ausgestreckt und Pasta zum Abendessen verdrückt hatten wurde es Zeit für den Schlafsack.
Ich weiß ich werde heute nacht gut schlafen. Der Zeltplatz ist beinahe menschenleer, die Wellen brechen in der Ferne und eine Eule versucht mit in den Schlaf zu lullen. Sie ist ziemlich erfolgreich.

Bis morgen...

Manchester Beach – Stillwater Cove

Seit wir nahe Westport an die Küste zurückgekommen sind war das Wetter fantastisch und der heutige Tag macht keine Ausnahme. Ein weiterer trockener, schöner sonniger Tag mit leichtem Rückenwind.
Wir verlassen den Manchester KOA nach dem Frühstück in der „Kamper Kitchen“, einem überdachten Kochplatz, ausgestattet mit Kochplatten, Mikrowelle, Spüle und Steckdosen.
Zurück auf der Straße kommen wir knapp 8 Kilometer weit bevor wir an einem kleinen Restaurant in Point Arena vorbeikommen in dem wir der Verlockung des frisch gebrühten Kaffees und Tees erliegen. Kaum sitzen wir am Tisch erliegen wir auch der Verlockung von French Toast und Ei, das Müslifrühstück mittlerweile nicht mehr als eine wage Erinnerung.
Ich muß wirklich aufhören soviel zu essen wenn ich heimkomme.
Letztlich rollen wir den schulterlosen Highway hinunter und bringen ein paar Meilen hinter uns. Auch wenn keiner der Anstiege besonders lang ist können sie recht steil sein und es hat viele von ihnen. So kommt man manchmal recht langsam voran und braucht mehr Zeit als in den letzten Tagen die aus einem oder zwei größeren Anstiegen und ansonsten eher flachem Gelände bestanden.
Einkaufen in Gualala und dann zur Mittagspause zum Regional Park, nördlich Sea Ranch. Wir rollen weiter an Sea Ranch und Salt Point vorbei und kommen schließlich am Stillwater Cove Zeltplatz an. Der liegt etwa 40 Kilometer nördlich von Bodega Bay.
Wir haben ein paar Radprobleme die möglichst bald gerichtet werden müssen. Mikes Leerlauf hakt, so muß er nun ständig mittreten und sein Reifen entwickelt langsam eine Beule. Im Moment ist es fraglich ob Mike überhaupt noch bis San Francisco kommt.
Auch Garys Reifen hat an der Seite eine Beule wo die Reifenwulst nicht richtig in der Felge sitzt.
Mein Rad benimmt sich anstandslos.
Heute abend ist womöglich unser letzter Abend zu viert da Gary morgen von Bodega Bay ins Inland abbiegt. Wir feiern heute abend aber es wird morgen schwer werden Auf Wiedersehen zu sagen.

Stillwater Cove – Bodega Dunes

So viel zu Garys Idee ins Inland abzubiegen.
Wir hatten heute unseren frühesten Start, kurz nach 9 Uhr. Wiedereinmal können wir uns nicht gegen den „coffee monkey“ wehren und stoppen im „Emma´s“ in Jenner.
Hier begegnen wir zwei Radfahrern die ebenfalls auf Tour sind und in die gleiche Richtung fahren wie wir. Diese Art der Begegnung führt immer zu den selben Fragen, „Wo seid ihr losgefahren?“ und „Wo geht es hin?“. Wir sind die beeindruckten Gesichter durch Jennas und Mikes Tour gewohnt aber dieses Pärchen verblüfft uns. Sie sind unterwegs nach Lafayette in der San Francisco Bucht (große Runde, was? Das ist weniger als 160 Kilometer entfernt).
Aber das ist auch der Ort an dem sie losgefahren sind. Vor sieben Monaten. Sie sind komplett um die „lower 48“ der Vereinigten Staaten gefahren und sind nun nur noch zwei Tage von zuhause entfernt. Das sind fast 26000 Kilometer.
Wow.
Es war interessant ihre Ansichten zum Hwy 1 zwischen Fort Bragg und hier zu hören. Sie sagten daß sie, wären sie andersherum losgefahren, vielleicht umgedreht hätten und zurück nach hause gefahren wären. Das ständige auf und ab kann eine schon zermürben. Wissend daß dies das schlimmste sein sollte das uns erwartete, fühlten wir uns ein bißchen besser.
Neben dem anstrengenden Gelände gibt es andere Probleme. Jenna hat erneut einen Platten, direkt neben einem alten Flicken, und knapp zwei Kilometer später entwickelt Mikes Reifen eine etwa drei Zentimeter große Blase die kurz vor dem Platzen steht. Glücklicherweise habe ich einen Ersatzmantel dabei und so kann Mike sich die Demütigung ersparen auf einem mit ductape geflickten Reifen weiterzufahren.
Da heute Nacht Garys letzte Nachte mit uns sein wird müssen wir nochmal ordentlich einkaufen und veranstalten eine weitere Burrito Nacht.

Bodega Dunes – San Anselmo

Wir verlassen Bodega Dunes und fahren etwa 15 Kilometer bis Valley Ford für unseren üblichen Kaffeestop mit zweitem Frühstück.
Naja, jeder der mich kennt weiß daß ich nicht zu wählerisch bin wenn es um Restaurants und Essen geht. Gebt mir was halbwegs eßbares und bringt es mir irgendwann vor Weihnachten und ich bin glücklich.
Aber ich fühle mich verpflichtet über unsere Erfahrungen in diesem „vermeintlichen“ Restaurant in Valley Ford zu schreiben da ich mich nicht daran erinnern kann in einem Restaurant jemals so erbärmlich behandelt worden zu sein.
Das Restaurant heißt „Route 1 Diner“ und ich würde empfehlen dieses zu umfahren falls ihr jemals in der Gegend seid. Fahrt nach Tomales oder Bodega Bay und erspart euch diesen Frust mit dem wir uns herumärgen mußten.
Kurz gefaßt, was geschah ist daß wir nie eine Rechnung bekamen und zum Tresen mußten um danach zu fragen. Die Kellnerin fragte den Koch was wir bestellt hatten (er hatte uns das Frühstück gebracht) und dann nannte sie einfach eine Zahl die um etwa 25 % höher war als sie sein sollte.
Mike sagte ihr daß dies nicht richtig sein könnte und fragte höflich ob sie uns eine schriftliche Rechnung mit den einzelnen Positionen geben könnte (die Art von Rechnung die man in jedem Restaurant dies seits der Milchstraße bekommt -H-A-L-L-O ???).
Ihr Antwort: „Ich bin zu beschäftigt.“ Da waren noch vier andere Kunden im gesamten Restaurant. Mike fragte nach einem Stift um die Rechnung selber zu machen.
„Ich bin zu beschäftigt.“
Dann regte sie sich sehr auf und begann mit dem Koch auf Spanisch über uns zu reden. Beide begannen uns zu beschuldigen kein Geld zu haben und sagten daß wir beim nächsten mal zahlen müßten bevor wir das Essen bekommen würden. Ha, ha, als ob es JEMALS ein nächstes Mal geben würde.
Mittlerweile wußten wir daß es keine Sinn machte weiter zu diskutieren und so ließen wir was wir schuldig waren auf dem Tresen (ohne Trinkgeld versteht sich) und gingen, NIEMALS wiederkehrend.
Zwei weiter Kilometer die Straße runter kommt die sprichwörtliche Gabelung in der Straße an der Gary uns verlassen muß. Es ist traurig im Auf Wiedersehen zu sagen. Wer hätte gedacht daß vier zufällig zusammengefundene Menschen auf Rädern, die in die gleiche Richtung fahren, so gut miteinander auskommen würden.
Lebewohl Mitradler und möge T-Dubs immer mit dir sein. Wir werden seine Sinn für Humor und seine entspannte Art vermissen. Danke für die gute Gesellschaft!
„T-Dubs“ ist der Code für Rückenwind. Man darf nicht wirklich das Wort „Rückenwind“ sagen denn daß würde es verschreien und man endet mit einem fiesen Gegenwind. Garantiert.
Ins Inland radelnd wird es richtig heiß. Unsere Gruppe, runter auf drei Leute, klettert diesen Tag so manchen Hügel hinauf, durch Tomales und zurück hinaus an die Küste bis Point Reyes.
Unser heutiges Ziel ist San Anselmo bei Greg. Wir hatten ihn in einem Zeltplatz irgendwo an der Küste getroffen und hatten nicht mal versucht seiner Einladung bei ihm zu übernachten zu widerstehen.
Greg und sein Bruder verwöhnen uns mit Pizza, einem Bad im Pool und einer Diashow von Gregs Radabenteuern in Osteuropa, Indien und Thailand. Er hatte ein paar sehr schöne Bilder und Geschichten von der Straße. Es war ein toller Abend.

San Anselmo – San Francisco

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Greg begleitet uns an einem weiteren schönen Tag auf unserem Weg nach San Francisco. Mit einem Einheimischen ist das Radfahren wirklich streßfrei und er zeigt uns einige schöne Nebenstraßen durch San Anselmo, Mill Valley und Sausalito. Dort sind mehr Radfahrer unterwegs als wir jemals vorher gesehen hatten.
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Wir kommen schließlich an der Golden Gate Brücke an. Über diese Brücke zu fahren ist etwas besonderes da sie die erste große Etappe der Tour markiert.
Wir fahren mit Greg durch die Stadt und bringen Jenna und Mike zur Fähre wo sie nach Oakland übersetzten und Greg eine Fähre zurück nach Sausalito nimmt.
Ich fahre langsam durch die Stadtmitte und Chinatown, bergauf, bergab, zurück zum Hostel.

San Francisco

4012 Meine Zeit in San Francisco verbringe ich mit bummeln durch die Stadt, einem Besuch bei den Seehunden am Pier 39, einem Besuch auf Alcatraz, Cable Car fahren und süßem Nichtstun. Nicht zu vergessen die Lombard Street, mit 8 Spitzkehren auf einem Block, Amerikas kurvigste Straße.Nach zweieinhalb Tagen zieht es mich aber auch schon weiter, so packe ich meine Sachen und ziehe los.
Nicht zu vergessen die beinahe tragische Begegnung mit einem Stinktier!

[BREAK=Big Sur]

San Francisco – Halfmoon Bay


4013Ich radle am Krissy Field entlang zur Golden Gate Brücke um sie nochmal von unten zu sehen. Sehr beeindruckend!
Am Golden Gate Park und dem Zoo vorbei verlasse ich den städtischen Bereich San Franciscos und finde mich auf hügeligen Straßen wieder. Bis Halfmoon Bay ist es nur ein kurzer Tag so bleibt Zeit um Starbucks einen Besuch abzustatten. Danke Jenna & Mike daß ihr diese Sucht in mir entfacht habt!


Wo ist TW´s???


Halfmoon Bay – Sunset


4014Es ist frisch aber nicht windig – noch nicht. Die Landschaft ist auf dem ersten Stück nicht so interessant und dann kommt er wieder, mein bester Freund der Gegenwind! Bis Mittags hat die Sonne die meisten Wolken aufgebrannt und ich denke über Sonnencreme nach. Zu meiner Überraschung gibt es beim Gazos State Beach mittlerweile ein kleines Restaurant und eine Tankstelle wo ich mir ein kaltes Getränk hole. Mittagspause in Davenport – gegrilltes Käsesandwich. Als ich weiterfahre hört der Gegenwind plötzlich auf und mit ein bißchen Fantasie könnte es ein T-dub sein.
Santa Cruz – eine nette Küstenstadt mit einem langen Pier und zahlreichen Surfern in den Wellen.
Ich erledige meine Einkäufe im Markt „el pueblo“ - se habla español. Glücklich über das leckere Essen in den Radtaschen radle ich begeistert weiter und verpasse den Abzweig zum Campingplatz... womit dieser Tag durch die Weiterfahrt zum nächsten Campingplatz mit 119 Km ein langer Tag wird. Erschöpft aber glücklich erreiche ich Sunset State Beach – pünktlich für den Sonnenuntergang.


Sunset – Monterey


Ich bin heute morgen noch etwas langsam aber es geht mir gut. Zeit für ein bißchen Fahrradpflege. Noch immer bin ich in Farmland unterwegs und während ich die Straße runterfahre komme ich an endlosen Feldern mit Erdbeeren, Artischocken, Salat, Lauch und Rosenkohl vorbei. Würde man all das Gemüse einsammeln das hier auf der Straße liegt könnte man ein ganze Armee ernähren!
In Marina ist der nächste Starbucks...
Von hier ist es alles bebautes Gebiet bis Monterey. Eine kleine, hübsche Stadt mit einem kleinen Pier und einigen dort abhängenden Seehunden. Hier ist auch der berühmte 17-Miles-Drive an der Küste entlang der mein Nachmittagsprogramm wird.


Monterey – Pfeiffer Big Sur


Was für eine Nacht! Beim Anmelden wird man vor Pumas gewarnt aber niemand warnt einen vor sich streitenden Zeltnachbarn... Dank meiner Ohrstöpsel bekomme ich es nicht richtig mit aber zum Frühstück erzählen Larry und Gretchen, zwei Radler die gestern abend noch angekommen sind, was los war.
4018Wir verlassen Monterey zusammen mit der Absicht heute zusammen zu fahren aber schon auf dem freeway werden wir getrennt... Glücklicherweise treffe ich sie, nachdem ich mir in Carmel die Mission angeschaut habe, am Starbucks wieder. Auf diesem Stück des Highways gibt es einige der ältesten Brücken Kaliforniens.
Der Tag findet seinen Ausklang mit einem Lagerfeuer in den Redwoods des Pfeiffer Big Sur State Parks. Wir sind nun vier die es genießen – Jason aus New York hat sich angehängt.

Pfeiffer Big Sur

Pausentag. Zu viert spazieren wir zum Aussichtspunkt über das Tal. Von den Wanderungen sind im Moment nicht allzu viele offen da die Brücken und Wege noch viele Brandschäden von vor ein paar Wochen haben. Wir laufen durch eine gespenstische Landschaft abgebrannter Bäume und Asche auf dem Boden aber die neuen grünen Blätter sprießen schon.
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Pfeiffer Big Sur – San Simeon

4015Gretchen und Larry fahren heute nicht so weit wie Jason und Ich so sagen wir auf Wiedersehen. Runter auf zwei radeln wir den Berg hinauf auf ein zweites Frühstück in der Bäckerei. Manche Gewohnheiten sind schwer zu durchbrechen.
Seit heute habe ich einen neuen Begleiter. Gretchens und Larrys Faultier fährt mit und wie es sich für diese Kreatur gehört sitzt er faul auf dem vorderen Gepäckträger meines Rades.
Die Straße verläuft oberhalb der Küste, ständig rauf und runter. Nur zwei kleine Orte liegen auf dem Stück, Lucia und Gorda. In Lucia kommen wir mit einem Paar aus San Luis Obispo ins Gespräch und als ich frage ob sie einen Garten hätten in dem wir unsere Zelte aufschlagen könnten (das war eigentlich nur so dahergefragt...) bekommen wir das Gästezimmer angeboten. Wir haben nicht lange gezögert.
Plötzlich geht es den letzten Berg hinunter und dann ist die Küste flach. Wir flitzen mit leichtem Rückenwind nach San Simeon hinein.
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San Simeon – San Luis Obispo

Gut geschlafen trotz Highway im Vorgarten.Wir folgen dem Moonstone Drive, allerdings wird hier gebaut und so müssen wir mit den Rädern über den Strand. Cambria – ein netter Ort mit Bäckerei. Ratet mal was wir gemacht haben.
Wir nehmen den Umweg entlang der Main Street und sind zum Mittagessen in Morro Bay. Fish and Chips am Hafen mit Blick auf den Felsen. Auf den Booten sitzen Pelikane, die Möwen schreien.
Für mich heißt es nun Abschied nehmen von der Küste und damit wohl auch von den angenehmen Temperaturen. Schön war´s!
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Am Golfplatz vorbei geht es ins Los Osos Valley. Abstecher zu Mission in San Luis Obispo und faul im Gras liegen. Wir besorgen noch ein Gastgeschenk bevor es hinaus geht zu Jackie und Chuck wo wie die Nacht verbringen werden. Es wird ein wunderbar netter Abend mit lecker Abendessen und Infos für die Strecke nach Bakersfield.

[BREAK=Durch die Wüsten]

San Luis Obispo – California Valley

Abmarsch in die Wüsten.

Via Schleichweg geht es hinaus auf den Highway 101. Acht Kilometer Anstieg, gefolgt von fünf Kilometern prächtiger Abfahrt. St. Margarita ist ein verschlafenes Nest aber ich kann hier meine Wasserflaschen auffüllen. Auf der 58 geht es weiter. Es wird hügelig.
Chucks Karte ist klasse! Alle Straßen sind eingezeichnet, so weiß ich wirklich wo ich bin. Nach dem Abzweig zur Feuerwache mache ich im Straßengraben Mittag. Nicht sehr erholsam da ich mein Essen und meine Beine gegen die Ameisen verteidigen muß. Noch dazu hat es 44 °C – daran muß ich mich nach der angenehm kühlen Küste noch gewöhnen.
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Nach etwa 80 Kilometern tut sich vor mir das flache Tal des San Andreas Grabens auf. Ich stoppe an der Schule von California Valley und fülle meine Wasserflaschen für die Nacht. Den Beinen geht es noch gut, so fahre ich weiter und beginne den Anstieg auf die Temblor Range. Kaum gewinne ich ein bißchen Höhe sehe ich in der Ferne den Salzsee.
Nicht ganz oben baue ich das Zelt neben der Straße auf. Es ist ziemlich staubig hier. Beim Hochfahren ist schon eine Tarantel über die Straße gekrabbelt, nun läuft noch eine direkt an mir vorbei - ich beschließe heute Nacht alles ins Zelt zu räumen.

California Valley – Bakersfield

Was für eine krumme Fläche habe ich mir hier für die Nacht gesucht... Aber die nächste Nacht wird in Bakersfield sein, wo ich mir in Ermangelung eines Zeltplatzes ein Motel gönnen werde.

4023Nach vielleicht 100 Metern bin ich in Kern County und nach 400 Metern oben auf dem Paß. Nun folgt eine Anfahrt die ich mir nicht erträumt hätte: Nach einer Stunde bin ich 27 Km weiter in McKittrick. Ich bin über die Reward Road gefahren, quer durch ein Ölfördergebiet – nicht schön aber interessant. Der McKittrick – Bakersfield Highway geht ständig leicht bergab und ich flitze dahin. Als ich mich Bakersfield nähere fahre ich durch Plantagen und der Verkehr wird ziemlich nervig noch dazu hat die Straße hier keine Schulter. Letztlich erreiche ich die Stadtgrenze von Bakersfield. Ein gutes hat die städtische Gegend allerdings – Starbucks.
Am Abzweig auf die 99 fahre ich aus Versehen über die rote Ampel – ich habe mich immer noch nicht daran gewöhnt daß die hinter der Kreuzung stehen...
Nach nur 3 Stunden 45 Minuten bin ich 91 Kilometer weiter als heute morgen und genieße den Nachmittag mit Buch und Erdbeeren im Pool des Motels.

Bakersfield – Lake Isabella

40244028Das Fahrrad steht gepackt im Zimmer während ich zum Frühstücken gehe.
Via Niles Street verlasse ich Bakersfield und treffe auf die 178 die etwas nördlicher aus der Stadt kommt und folge ihr durch Plantagen. Oben auf dem Hügel wird der Blick frei auf die Berge und den Einschnitt des Canyons.
Sequoia National Forest, eine schmale, kurvige Straße folgt dem Kern River ins Tal. Glasklares Wasser aber wie ich erfahren habe mit gefährlichen Strömungen die man nicht sieht. Ein Schild am Eingang zum Tal warnt, es gab seit 1986 bereits 242 Tote durch den Fluß.
4026Die Steigung ist angenehm und so geht es recht zügig voran. Das letzte Drittel der Strecke wird die Straße zum Freeway, so kann ich wieder auf der Schulter fahrend vor mich hinträumen. Abzweig zum Lake Isabella, überraschenderweise mit zwei Supermärkten! Nebst Burger King, McDonalds, Subway, großer Tankstelle, öffentliche Bibliothek.... So wird man überrascht.
Nach dem Einkauf fahre ich zur Rangerstation raus die mir einen Platz zum Zelten am See empfehlen. Auf dem Schleichweg und quer über den Damm geht es zum Strand auf der anderen Seite wo ich direkt am Seeufer mein Zelt aufschlage. Der Zeltplatzwart, selber Radfahrer, sagt mir noch daß ich als Radler keine Gebühr zahlen muß. Das ist doch mal klasse, zumal es hier eine kostenlose heiße Dusche gibt. Der Lake Isabella ist bei Windsurfern sehr beliebt, schnell ist klar warum – es ist windig, den ganzen Tag.
Beim abendlichen Blick auf den Tacho merke ich daß meine heutige Durchschnittsgeschwindigkeit auch nicht langsamer war als an der Küste. Und das obwohl es heute über 84 Kilometer netto 700 Meter hinaufging, die eine oder andere tolle Abfahrt war auch dabei.

Lake Isabella

4027Als ich morgens aufwache ist eine sehr ruhige und windstille Stimmung auf dem See. Es war mit 12 °C angenehm kühl und seit langem habe ich mich mal wieder in den Schlafsack gemümmelt. Verbringe den Tag mit zwei Fahrten in den Ort um Einzukaufen, Post abschicken und einem Besuch in der Bibliothek wegen Internet. Das Fahrrad wird schön sauber gemacht und die Kette frisch geölt. Den restlichen Nachmittag verbringe ich mit Baden und auf den See gucken.




Lake Isabella – Ridgecrest

4028Gestern mittag hat der Wind wieder aufgefrischt und heute morgen ist es noch immer etwas windig. Das Frühstück wird im Zelt gegessen, dann geht es mit ordentlich Wasser im Gepäck los. Die allgemeine Meinung ist daß es am Walker Paß, meinem geplanten Übernachtungsort, um diese Jahreszeit kein Wasser gibt. Mehr oder weniger eben geht es am See entlang durch Mountain Mesa, South Lake und Weldon durch. Überall huschen die Pride Day Volunteers rum und sammeln Müll. Das östliche Seeende ist erstaunlich grün, die Feuchtgebiete vom South Fork Fluß. In Onyx mache ich vor der Post sitzend nochmal Pause bevor ich den See verlasse. Die Straße zieht sich ins Tal hinter und es stehen Bäume auf den Feldern, am Straßenrand blühen Blumen. Langsam zieht es sich den Berg hinauf, ein Rennradler kommt mir entgegen und grüßt. Fotostops an den 3.000, 4.000 und 5.000 Fuß Schildern. Irgendwo halte ich mal um im Schatten zu trinken, die Joshua Trees zu begutachten und auszuruhen. Prompt werde ich angesprochen, was öfters passiert, und bekomme Wasser angeboten. Ich habe allerdings noch reichlich, so verspricht er den Kanister für mich am Zeltplatz zu lassen. Während wir so quatschen kommt von unten der Rennradler den Berg hinauf und hält auch an – Adam aus Ridgecrest. Wir kommen ins Gespräch und ich werde nach Ridgecrest eingeladen um über Nacht zu bleiben. Er notiert mir die Adresse und fährt voraus. Am Abzweig zum Walker Paß Zeltplatz wartet der Mann mit dem Kanister so kann ich ihm sagen daß ich weiterfahren werde. Er wirkt ein bißchen genervt aber ich kann es auch nicht ändern. Ein Pool und ein Whirlpool sind einfach einladender als ein Kanister Wasser...
40294030Nach einem kurzen Stop am Paß genieße ich die rasante Abfahrt. Links und rechts stehen Joshua Trees, weit im Hintergrund erkennt man eine Bergkette. Ich passiere das Schild „Entering California Desert Conservation Area“, nun bin ich also offiziell im Wüstengebiet.
Unten im Tal folgt die 178 für ein Stück dem Highway 14 der in die Mojave Wüste führt. Von hier sieht man in der Ferne schon Ridgecrest. Kurz vor dem Ort zeigt mein Tacho die 2000 Km an. Durch die Nebenstraßen fahre ich zu Adam nach hause.
Nach dem Ausspannen in Pool und Whirlpool geht es in „mein“ Haus. Er besitzt noch ein zweites Haus in Ridgecrest in dem ich übernachten und auch die Waschmaschine benutzen kann. Fish Tacos als Abendessen bevor ich ziemlich erledigt ins Bett falle.

Ridgecrest – Trona Pinnacles

Ausgeschlafen! Und so gut!
4031Den Ridgecrest Boulevard hinaus wieder auf die 178. Der werde ich bis an ihr Ende folgen. Linkerhand liegt das US Naval Center, rechts die Wüste und vorne die Berge. Die Straße geht ständig leicht bergab so komme ich schnell voran und in einem kleinen Canyon geht es durch die Ausläufer der Berge. Plötzlich tauchen die Fishhead Rocks vor mir auf. Auf große Felsen sind Fischköpfe gemalt. Warum – ich weiß es nicht. Trotzdem werden sie genauer begutachtet bevor es weiter geht.
Nach etwa 30 Km kommt der Abzweig zu den Trona Pinnacles. Ab hier sind es noch knapp 10 Kilometer Schotterstraße die bis auf ein ziemlich sandiges Stück völlig in Ordnung ist. Adam hatte mir vom Randsburgh Wash abgeraten, ist wohl eine einzige Sandpiste. Mittags bin ich schon an den Pinnacles. Erkundungstour durch die Tuffsäulen.
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Trona Pinnacles – Wildrose

4034Es wurde gestern abend windig, ziemlich windig und damit auch recht laut im Zelt. An und für sich kein Problem denn ich habe ja Ohrstöpsel dabei. Also rein damit und schon ist Ruhe. Kurz später wird es schon wieder so laut, die Ohrstöpsel sind aber noch da wo sie hingehören... Während ich mich noch wundere schlägt mir die Zeltwand ins Gesicht – Sandsturm mit ordentlich Kraft. Die Heringe der Apsiden haben nicht gehalten so flattert das Außenzelt und der Wind drückt unter den Zeltboden daß die Ecken abheben. Das wild flatternde Außenzelt stecke ich unter das Innenzelt und setzte mich drauf, die zwei Taschen kommen ins Zelt. Ich beeile mich aber der Sandsturm tobt solange im Innenzelt und so sieht es nun auch aus. Die schweren Wasserbeutel kommen in die Ecken, der Rest wird irgendwie in die Taschen gestopft. Gut daß alles frisch gewaschen war... Ich packe meine Sandkiste zusammen und klemme mir das Zelt unter den Arm. Abmarsch zum Stollen den ich tagsüber in einem der Pinnacles gesehen hatte.
Hey, wenn ich mich jetzt auf mein Rad setzen würde hätte ich einen Rückenwind zum Abheben.


22:20 Uhr liege ich friedlich bei 25 °C im Stollen, bestimmt nicht als erste denn die Steinbrocken sind schon fein säuberlich auf die Seiten geschoben worden. Draußen pfeift der Wind, hier drinnen geht vereinzelt ein laues Lüftchen.


4035Kurz nach sechs bin ich wach und sehe wie die Sonne die Berge beleuchtet. Diesen freien Blick hätte ich vom Zelt aus nicht gehabt. Ich versuche den gröbsten Sand von den Sachen zu bekommen und packe zusammen.
Die Schotterstraße wieder raus und weiter nach Trona wo ich mir erstmal was kaltes zum Trinken gönne. Hier gibt es sogar einen Radweg! In Trona kommt am Bahnübergang doch tatsächlich ein Zug und ich muß warten.
Am Flughafen vorbei geht die Straße schnurgerade leicht bergauf in die Wüste hinein. Zuerst kommen noch immer wieder Autos aber ab dem Homewood Canyon ist Ruhe, irgendwas muß dort hinten sein...
4036Hier beginnt auch der ernsthafte Anstieg auf die erste Bergkette. Oben angekommen genieße ich den Blick auf die Panamint Range. In Kurven geht es hinunter durch die Felsen durch dann weiter auf dem geneigten Talboden auf die Berge zu. Linkskurve und nun erstmal lange geradeaus. Man sieht die Häuser der Geisterstadt Ballarat vor den in verschiedenen Farbtönen funkelnden Bergen. Am Ende der Geraden beginnt der nächste Anstieg. Am Abzweig zur Wildrose Road mache ich im Schatten des Straßenschildes Pause – gut daß die hier so groß sind.
Ab hier wird der Anstieg zunehmend ernster. Noch ist das Tal recht weit, man sieht den Telescope Peak. Dann wird es steiler und canyonartig. Die Felsen sind beeindruckend.
Radiator Wasser – und was ist mit den Radfahrern?!? Nun, ich habe genug dabei. Die Straße wird schlechter, der Canyon enger, die Beine müder. Ich arbeite mich im Granny Gang den Berg hinauf und gebe mein bestes trotzdem die Landschaft zu genießen. Vereinzelt ist die Straße komplett aus Schotter was das Fahren nicht einfacher macht. Irgendwann mag und kann ich nicht mehr wirklich aber welche Wahl bleibt denn... Es geht um die nächste Kurve rum und dann stehen da plötzlich Palmen und blühendes Grünzeug, es plätschert Wasser auf die Straße – bin ich am Halluzinieren??? Es ist die auf der Karte eingezeichnete Rest Area. Kurz denke ich darüber nach hier mein Zelt aufzubauen, Verbot hin oder her. Beschließe dann aber doch noch das letzte Stück in Angriff zu nehmen, mehr als 88 Kilometer werden es schon nicht werden. Dann wird der Blick auf eine weitere Serpentine frei die mir fast den Rest gibt. Ein Auto kommt den Berg runter, kommt aber nicht bis zu mir. Folglich muß der Abzweig dort sein und ich behalte Recht. Der Wildrose Zeltplatz liegt nett im Tal. Zelt aufbauen, Duschen am Wasserhahn und Futtern.
Heute bin ich so richtig platt, es war wohl der bisher heftigste Tag. Vor allem die Höhenmeter habe ich auf der heutigen Etappe ziemlich unterschätzt um nicht zu sagen gar nicht erst bedacht.

Wildrose

Es war schön frisch heute Nacht und ich habe prächtig geschlafen. Frühstück mit Blick auf die aufgehende Sonne, ein Coyote treibt sich im Zeltplatz herum. Zwei Mädels aus England bringen mich netterweise bis zu den Charcoal Kilns von wo ich die Wanderung auf den Wildrose Peak beginne. Es geht durch den Wald aus Wacholder und Steinkiefern. Nach drei Kilometern komme ich auf den ersten Sattel und zum ersten Mal wird der Blick frei auf das Death Valley. Direkt unter mir liegt das Badwater Basin. Der Weg ist gut zu laufen, nur das letzte Stück geht steil im zickzack hinauf. Von oben genieße ich den Blick über das komplette Tal – sehr beeindruckend. Im Tal erkennt man Furnace Creek. Dreht man sich um sieht man die Panamint Range, das Panamint Valley und die Sierra Nevada.
4037Zurück im Tal werden noch die Charcoal Kilns ausgecheckt. Mit dem Rad, das heute früh im Auto mit hoch ist, geht es nun die 11 Kilometer wieder hinunter zum Zeltplatz. So richtig zum Genießen ist es nicht, der Schotter ist ziemlich gruselig.
Den Abend verbringe ich mit Russell quatschend am Tisch, eingemümmelt in Fleecepulli und Fleecehose genießen wir die klare Sternennacht.

Wildrose – Stovepipe Wells

Heute geht es von den kühleren Bergen hinunter ins Tal. Kein langer Tag, so gehe ich es gemütlich an. Das letzte Stück durch den Canyon hoch geht es noch im Schatten, oben wird es dann wieder sehr weit und sonnig. Durch den Nemo Canyon sieht man hinauf zum Wildrose Peak. Vom Emigrant Paß, 1621m, geht es nur noch bergab. Soviel Zeit zum Landschaft anschauen hatte ich selten, es wird fast schon langweilig wenn man nicht treten muß.
Ein paar Kilometer bevor ich auf die Hauptstrecke durch´s Tal komme wird es wieder enger und steiler. Zumindest werden hier wieder die Bremsen benutzt. Die 190 taucht auf und auf der fahren tatsächlich Autos. Direkt an der Abzweigung mache ich in der Rest Area Mittagspause und sitzt im Schatten der zwei Bäume, den Blick hinunter ins Tal genießend. So wenig in die Pedale getreten und doch schon 35 Kilometer in nicht mal zwei Stunden.
Weitere 13 Kilometer später, alles bergab, bin ich auf Meeresniveau in Stovepipe Wells. Nun die tolle Überraschung, der Zeltplatz hier ist zu – es ist zu heiß. Offen nur für Wohnmobile, Zelte müssen entweder nach Furnace Creek, weitere 40 Kilometer oder zurück nach Emigrant, 13 Kilometer den Berg hinauf. Für keine der Varianten kann ich mich begeistern... Zumal der Zeltplatz in sechs Tagen offiziell aufmacht...Ich laufe zum größten Wohnmobil das ich finden kann und frage ob ich mich, wenn die Dämmerung hereinbricht, mit meinem Zelt hinter ihnen verstecken darf. Für sie kein Problem. So verbringe ich den Nachmittag im Pool des Motels.
Als ich mein Innenzelt hinter dem Wohnmobil aufbaue werde ich zum Kaltgetränk und auf ein Eis eingeladen. So bekomme ich dieses Monster auch mal von innen zu sehen.

Stovepipe Wells – Furnace Creek

Gegen 5 Uhr morgens wird es mir doch tatsächlich bei 20 °C kalt in meinem Zelt.

Im General Store hole ich mir Honey Nut Cheerios zum Frühstück und verteidige es gegen die Roadrunner. Lasse mein Gepäck in der Rezeption des Motels und fahre zum Mosaic Canyon hinauf. 4,5 Kilometer, 300 Höhenmeter auf Schotterstraße. Der Canyon ist durch die Sturzbäche glatt poliert und sieht aus wie aus Marmor gemacht.

40384039Gepäck einsammeln und hinein ins Tal. Nur ein paar Kilometer weiter sind die Mesquite Flat Sanddünen. Ich drehe ein Runde durch die Dünen und suche Spuren der Tiere. Der Wind verbläst sie immer wieder so ist es jeden Morgen frisch denn die Tierchen sind schlau und nur in der kühlen Nacht unterwegs. Noch ein Stück weiter kommt das Devils Cornfield. Kleine Büsche stehen da und der Sand verfängt sich in ihnen. Ein kleines Stück bergauf dann geht es wellig bis Furnace Creek. Es ist ordentlich heiß aber der Fahrtwind kühlt. Kurz vor Furnace Creek stoppe ich noch an den Harmony Borax Works, eine alte Stätte an der früher Borax raffiniert wurde bevor es mit der Kutsche und den Mulis aus dem Tal ging.
Ab hier gibt es sogar einen Radweg für das letzte Stück – von wegen Autofahrerland!
Als ich auf den Zeltplatz rolle sehe ich noch einen Radfahrer, Stefan aus der Schweiz. Wir teilen uns den Zeltplatz und verbringen den restlichen Tag im Pool.
Pool hier, Pool da, wer hat gesagt daß sei hier eine Wüste? Es gibt hier sogar einen Golfplatz mit richtig grünen Gras! Verrückt!
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Furnace Creek

Heute morgen frage ich mich schon warum der Zeltplatz in Stovepipe Wells noch zu war denn hier ging heute Nacht die Temperatur nur auf 25 °C hinunter...
Schwinge mich morgens früh auf´s Rad und fahre zum Golden Canyon raus. Ein schmaler Einlaß führt in ein Tal mit weißem, sehr hellem Sandstein. Mehrere kleine Rücken laufen ineinander. Weiter hinten ist die Rote Kathedrale, eine hohe knallrote Sandsteinwand. Ich laufe einen Sandsteinrücken hinauf und der Blick ist überwältigend. Hinter mir die Kathedrale, unter mir die Sandsteinrücken und durch das Tal hindurch sieht man die Weite des Death Valley. Mehrere kleine Canyons führen vom Haupttal weg.
Zurück am Rad esse ich noch meine Apfel und werde komisch beschaut.
Im General Store besorge ich mir noch ein Buch und flüchte, ja richtig, zum Pool.

Furnace Creek

Heute gewinnt die Faulheit absolut die Oberhand. Mal vom Essen kochen am Nachmittag abgesehen verlasse ich den Pool nicht.
Soviel zu diesem Tag. Ich habe noch reichlich Zeit bis ich in Las Vegas sein muß und der faule Tag tut gut.
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Furnace Creek – Shoshone

4043Der Wecker steht für heute auf 5 Uhr. Als ich aufstehe ist es fast noch dunkel. Um sechs komme ich vom Zeltplatz los und folge der Badwater Road. Noch ist keiner unterwegs und ich habe die erwachende Wüste ganz für mich alleine. Bei 27° fahre ich zum Badwater Basin. Die Sonne kommt über die Berge und färbt den gegenüberliegenden Bergrücken, auf meiner Seite bleibe ich fast die ganze Strecke im Schatten.
Badwater Basin, 86 Meter unter dem Meeresspiegel. Ich laufe auf die Salzfläche hinaus und schaue mir die Salzkristalle an. Ruck zuck ist eine Stunde rum und ich ziehe weiter.
Ab hier wird die Straße deutlich schlechter. Sie schlängelt sich am Berg entland und über die Schutthänge. Entsprechend geht es rauf und runter. Ich komme an weiteren Salztümpeln vorbei, an einer anderen Stelle stehen dafür große Büsche und es wächst so eine Art Binsengras.4045
Mormon Point – ab hier kommt der Wind von vorne und ruiniert mir meinen bisher 22er Schnitt. In Ashford Mill wollte ich eigentlich ein Stück die Schotterstraße reinfahren, mein Zelt aufschlagen um dann tags drauf in der morgendlichen Frische in die Berge hinaufzufahren. 4044Es ist aber erst mittags als ich ankomme und so entschließe ich mich durchzuziehen obwohl es 42°C hat. Die Straße ist nicht sonderlich steil aber die Beine haben schon gut 75 Kilometer hinter sich. Der Jubilee Paß ist schnell erreicht aber es geht noch weiter. Alles in allem sind es 1010 Höhenmeter bis ich auf dem Salsberry Paß stehe. Dazu kommen die extra Meter dank der wirklich erfrischenden Abfahrt vom Jubilee Paß. Vier Stunden habe ich gebraucht und den ein oder anderen Stop am Straßenrand, viel Wasser und eine ernsthafte Pause während der ich mich im Schatten eines Felsens vor der Sonne verstecke. Die Schilder am Straßenrand die vor Sturzfluten warnen kommen mir vor wie der größte Hohn. Jedesmal wenn ich an einem vorbei komme denke ich mir: „Nur eine!“ Manche Autos die mir entgegen kommen machen Fotos im Vorbeifahren, manche stoppen und andere feuern mich kräftig an. Letztere sind mir die liebsten. Irgendwie wird es immer kühler je höher ich komme, oder ist es nur der Wunsch?!? Kurz vor dem Salsberry Paß, noch im Death Valley National Park, fallen plötzlich Regentropfen vom Himmel. Ich kann es erst gar nicht glauben aber es werden immer mehr. Es dauert zwar nur knappe 10 Minuten aber es reicht um naß zu werden. Fetzige Abfahrt zur Furnace Creek Wash Road. Das ebene Stück am Dublin Hill vorbei ist nochmal anstrengend, die Beine wolle einfach nicht mehr. Die Abfahrt zur 127 ist mit Gegenwind auch nicht so einfach zu genießen. Aber das Wissen um den Pool im Zeltplatz von Shoshone läßt mich weiterradeln. Völlig erledigt komme ich nach 11 Stunden auf der Straße dort an, fast 8 davon saß ich auf dem Rad. Ich schaffe es noch zum Laden und in den Pool, danach falle ich in den Schlafsack.

Shoshone – Pahrump

So gut geschlafen wie schon lange nicht mehr. Lag es am dicken Gras oder hätte ich nach gestern einfach überall gut geschlafen?
Heute steht eine kurze Etappe an und entsprechend langsam lasse ich es angehen. Stoppe nochmal im Ort aber leider hat das Museum noch geschlossen. Als ich so auf der Bank sitze sehe ich das Straßenschild am Ortsende. Zum ersten Mal steht Las Vegas drauf – 84 Meilen / 135 Km.
Wieder beginnt der Tag mit einem Anstieg, sechs Kilometer sind es, gefolgt von einer wiedermal viel zu kurzen Abfahrt. Im Chicago Valley zieht sich die Straße über 12 Kilometer schnurgerade das Tal hoch. Der Charles Brown Highway geht auf die Nopah Range hinauf. Von hier oben sieht man weit unten im Tal etwas weißliches das aussieht wie ein Ort und tatsächlich ist es Pahrump. Vorher geht es noch über die Staatsgrenze. Goodbye California. Welcome to Nevada, dem Silberstaat! Meine Straße wechselt hier ihren Namen und wird zur 372. Ich stoppe am ersten Minimarkt auf eine kalte Cola und werde erstmal davon erschlagen daß der Laden voller Spielautomaten ist. Glückspielland!
An der Ampelkreuzung ist wohl die Stadtmitte, zumindest stehen hier alle Kasinos, Restaurants und Supermärkte.

Pahrump – Las Vegas

Endspurt
4047Nach viel zu viel Frühstück ziehe ich los auf die letzte Etappe meiner Tour. Es geht über 37 Kilometer schnurgeradeaus bis dann ein Linksknick den Anstieg einläutet. In der Ferne sieht man in der Mountain Springs Range einen Einschnitt durch den wohl die Straße führt. Es gibt sogar hier einen Radweg. Naja, eigentlich ist es nur die Schulter aber sie ist mit einem Rad gekennzeichnet. Was das vereinzelte Flugzeugpiktogramm auf meinem Radweg soll frage ich mich immer noch...
Mit zunehmender Höhe wird die Vegetation wieder dichter, die Joshua Bäume tauchen wieder auf.
4048Mit weißer Farbe ist auf die Straßenschulter ein Smiley gemalt, gefolgt von den Worten „3 Meilen zum Mittagessen“. Gemeint ist der Saloon in Mountain Spring. Auch ich stoppe dort und versuche mich an den Gedanken zu gewöhnen daß es nun in die große Stadt hinuntergeht.
Von hier ist es nur noch ein kurzes Stück auf den Paß hoch, dann geht es schwungvoll hinunter. Mit 1700 Metern ist dies der höchste Punkt meiner Reise. Kaum weichen die Berge etwas zurück sieht man in der Ferne die Hochhäuser von Las Vegas. Viel zu schnell bin ich in der Stadt und fahre zum Las Vegas Boulevard – der Strip. Nach dem Startfoto mit den Dünen von Oregon gibt es hier nun ein Schlußfoto unter dem „Fabulous Las Vegas“ Schild.
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Noch 16 Kilometer durch die Stadt. Verrückter Verkehr, noch verrücktere Hotels und Anlagen. Unzählige Menschen auf den Straßen, Lichterwelt und Glanz an allen Ecken. Ein gegensätzlicheres Programm zur Wüste kann es fast nicht mehr geben. Ein geschäftiger Stadtverkehr ist nicht so einfach zu handhaben mit dem Rad aber es ist auch lustig hier durchzufahren mit all den Limousinen.


Nach 2557 Kilometern bin ich nun endgültig am Ziel. Und das alles ohne Platten!




It is by riding a bicycle that you learn the contours of a country best, since you have to sweat up the hills and coast down them. Thus you remember them as they actually are, while in a motor car only a high hill impresses you, and you have no such accurate remembrance of country you have driven through as you gain by riding a bicycle.

Ernest Hemingway