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Vollständige Version anzeigen : aktuelle Lage in Bolivien


Nemo
29.04.2004, 00:25
Hallo an Alle,

die Lage in Bolivien ist zur Zeit recht angespannt.
Das Auswärtige Amt dazu: "Die innenpolitische Lage in Bolivien ist durch zunehmende Spannungen gekennzeichnet. Seit Mitte April kommt es wieder zu Protestmärschen und Blockaden einzelner sozialer Gruppen, die sich vor allem in der Stadt La Paz und auf ihren Zugansgwegen auswirken und sich im Vorfeld des für den 18. Juli angekündigten Referendums über Gasexporte wiederholen könnten. Darüber hinaus haben die Gewerkschaften einen landesweiten, unbefristeten Generalstreik angedroht, falls ihre politischen Forderungen nicht erfüllt werden.. Reisende sollten sich von Blockaden fernhalten.

Die Lage in dem Bergort Sorata oberhalb des Titicaca-Sees ist weiterhin instabil. Ausländer sind dort einem erhöhten Sicherheitsrisiko ausgesetzt. Touristen wurden wiederholt im Rahmen gewalttätiger Auseinandersetzungen der ortsansässigen Bevölkerung mit der Staatsgewalt persönlich gefährdet."

Die Blockaden habe ich schon zu spueren bekommen; in Potosi waren rund um die Plaza (friedliche) Protestmaersche mit einem riesigen Polizeiaufgebot. Habe mich verstaendlicherweise in mein Hotel verdrueckt und nicht Maulaffenfeil gehalten wie viele andere Touris. Am naechsten Tag war ein Streik und es ging gar nichts, kein Taxi, kein Bus, nada. Die Strassen waren blockiert mit Autos und oder Sitzstreikenden.
Hatte ausgerechnet fuer diesen Tag die Minentour gebucht. Aber zum Gluueck sind die Leute ja alle bestechlich und unser Touranbieter hat sich den Weg zum Cerro freigekauft...;-)
Ein paar Tage spaeter in Sucre: wiederum Protestmaersche around the plaza, erst friedlich mit Fackeln und sehr still. Wir sassen in einer Pizzeria und ploetzlich gab es draussen den Einsatz von Traenengas. Das Personal konnte die Tuer nicht schnell genug schliessen und wir mussten alle eine Runde heulen. Nicht das ich mich gefaehrdet gefuehlt habe, aber angenehm ist es nicht.
Ich bin jetzt in La Paz und hier sind ab 2. Mai massive Streiks und Blockaden zu erwarten. Ich gehe so schnell wi moeglich nach Cuzsco um den Inkatrail vor Einfall der Massen zu wandern. Dann will ich langsam zuruck nach La Paz, vielleicht hat sich die Lage bis dahin etwas beruhigt.
Mit Sorata war mir neu, ein befreundetes franz. Paar (die mit den Mehlkloessen :-)) hat jetzt vor kurzem dort den Kordillierentrail gemacht. Nichts negatives zu berichten. Alles wunderbar. Auch Sorata selbst!! Aber es hat Ueberfaelle auf Wandergruppen mit oertl. Guide!! gegeben bei der Illimani-Runde. Es ist alles kompliziert und es laesst sich nicht vorraussagen was passiert oder nicht, Vorsicht ist also geboten.
Gruss aus La Paz Ute

Guest
06.07.2004, 15:28
Hallo Ute,

habe mit Interesse deine Beitraege gelesen. Kannst du vielleicht noch einiges mehr ueber die Sicherheit allgemein in Bolivien und Peru erzaehlen? Wollen im August in beide Laender und suchen noch Infos. Auf was soltlte man in Punkto Sicherheit so achten?
Danke vielmals
Wastl

Nemo
07.07.2004, 15:57
Hallo Wastl,

Hier die aktuellen Sicherheitshinweise von Einer der nichts von alledem passiert ist :D

1. Vorsicht vor "Falschen Polizisten". Es wird nach dem Pass und dann nach der Geldbörse gefragt. Dann wird das gute Geld gegen gefälschtes getauscht oder ganz abgenommen indem behauptet wird es sei Falsches. Die echte Polizei macht keine derartigen Kontrollen auf der Strasse. Man sollte auch nicht mit den angeblichen Polizisten in ein Taxi einsteigen, was leider tagtäglich vorkommt. Wenn man nicht sicher ist, sollte man verlangen, dass man zum Polizeibüro hinläuft. Die falsche Polizei erkennt man daran, dass sie so gut wie keine Uniformteile trägt. Auch haben deren Ausweise kein Foto von dem angeblichen Polizisten. Die echte Polizei fragt nicht nach der Geldbörse. Spätestens wenn man darauf besteht, dass man nicht mit einem Taxi zur Polizeistation fahren will, geben sie auf.
2. Die Geldautomaten von der Bank BNB in Bolivien scheinen so präpariert zu sein, dass manchmal kein Geld raus kommt, aber der Betrag vom Konto abgezogen wird. Falschgeld gibt es in Bolivien im Gegensatz zu Peru in keinen Geldautomaten. Dafür aber kaufen die Geldwechsler in den Strassen Perus das Falschgeld zur Hälfte des aufgedruckten Wertes. Daher in Peru niemals Geld auf der Strasse tauschen. In Bolivien bekommt man in der Wechselstube immer den besseren Kurs, als auf der Strasse. Weil in Bolivien und Peru Kleingeld Mangelware ist, sollte man sich immer mit Kleingeld ausrüsten, weil man sonst ohne Einkäufe vom Markt zurück kommt, oder man darf im Restaurant eine Stunde oder länger warten, bis der Kellner Wechselgeld besorgt hat.
3. In den Internets werden gerne die Daypacks geklaut. Auch wird mal eine Geldbörse oder Kreditkarte auf den Fussboden gelegt, um das Opfer abzulenken.
4. Auch im Bus wird geklaut, besonders wenn der Rucksack unter dem eigenen Sitzplatz ist, in der Ablage oder wenn man mal kurz einschläft. In Peru werden ab und an Nachtbusse mit von der Polizei geliehenen Ausrüstung überfallen. Die Strecke Nazca Cusco war letztes Jahr davon betroffen. Aber dies kann man nicht vermeiden, ausser man verzichtet auf Nachtfahrten, welche eh nicht reizvoll sind. Die Busse haben keine WC. Dies könnte mit ein Grund sein, dass die meisten Bolivianerinnen noch diese Faltenröcke tragen. Ich hatte ein grosses Schultertuch für Pinkelpausen in Gegenden ohne Büsche und Bäume. Im Faltenrock hätte ich mich doch etwas unpassend gekleidet gefühlt.
5. Wenn man kein Glück hat fährt das Taxi mit dem Rucksack davon. Also den Rucksack nie in den Kofferraum legen. Es hat auch keinen Sinn sich die Nummer des Taxis aufzuschreiben, weil die Polizei auch an diesem Geschäft mitverdient. Am besten nur Taxis nehmen die registriert sind. Man erkennt sie an dem Schild mit der Nummer und dem Firmennamen.
6. Wer seinen Daypack für mehr als eine Sekunde in einem Stadtzentrum, Busbahnhof oder sonst wo unbeaufsichtigt lässt, muss nicht damit rechnen, dass er diesem eines Tages wieder begegnen wird. Vorsicht bei Ablenkungsgesprächen auf Busbahnhöfen!
7. Wenn man am Kiosk etwas kauft, hat es mindestens 5 Augenpaare, welche genau beobachten wie gross die Geldbörse ist und wo diese dann versorgt wird.
Generell wird aber keine Gewalt angewendet, Zum Glück hat es Touris, welche den Geldbeutel mitsamt Kreditkarte, und wenn gross genug, auch noch den Pass in einer Tasche den Dieben geradezu anbieten. Wie gesagt, mir ist kein Fall bekannt, wo ein Tourist von den Dieben mit Gewalt ausgeraubt wurden. Alle haben Ihr Geld
schlecht versteckt oder dann sogar selber den falschen Polizisten in die Hände gegeben. Die Diebe sind nicht geschickt. Die Opfer sind ungeschickt. Aber dies ist gut so,
weil dann keine Gewalt nötig ist, um an Geld zu kommen. Wenn einem betrunkenen Heimkehrer irgendwann zu nächtlicher Stunde bis auf die Unterhose alles abgenommen wird, sollte dies den Durchschnittstouristen nicht weiter beängstigen.
9.Ein beliebter Trick ist das Anspucken oder Bewerfen mit etwas Ekligen. Macht das ihr weg kommt, denn die Helfer die sofort zur Stelle sind erleichtern das abgelenkte Opfer meisstens sehr schnell und geschickt.
10. In Bolivien und Peru sollte man auf Schweinefleisch verzichten, weil diese Tiere ihre Kollegen auffressen und darum Trichinen haben, welche nur durch starkes Erhitzen absterben. Auf dem Altiplano siedet das Wasser so um die 70 Grad, und diese gut gekapselten Eier sterben nicht ab. Auch keine Suppe essen, in der Schweinefleisch gekocht wurde. Das gleiche gilt für Huhn! Ich habe genügend Leute gesehen die Salmonellengeschwächt tagelang im Hotelbett verbracht haben. Wenn man für einen Euro gleich mehrere Mahlzeiten bekommt, kann man nicht erwarten, dass alles sicher ist. Ausserdem kann man ja mal Lama, Cuy und Apalka essen, ist doch mal was Anderes.
11. Von den etwa 8 Mio Bolivianern ist ca. ein Drittel mit dem Chagas Virus infiziert. Ein Prozent von diesen stirbt dann eines Tages daran. Der Käfer, der dieses Virus
weiterverbreitet lebt in den Adobehäusern und in den Strohdächern. Er kommt aber nur in warmen, trockenen Gegenden vor. Weil diese Krankheit eigentlich nur ärmere Leute befällt, wird es nur per Zufall eines Tages ein Medikament oder eine Impfung geben. Also vermeidet in diesen Gegenden Unterkünfte, welche in den Wänden Spalten haben und aus Lehm sind.
12. In sehr preiswerten Hostels sollte man nicht mit allzuhoher Sicherheit rechnen. Da wird schon gerne mal geklaut oder eingebrochen. Also seid nicht allzu sparsam oder/und besorgt euch ein eigenes Schloss. Ich hatte immer einen abschliessbaren all in one Sack für meinen Rucksack. Der ist auch für Bus-und Taxifahrten hilfreich, oder im Menschengewühl. Es soll Fälle gegeben haben wo dann Sachen aus dem Rucksack "abhanden" kamen.

Sicherheit hat auch mit Glück zu tun. Ich meine, wenn man zur falschen Zeit am falschen Ort ist, erwischt es einen eben. Das ist das Risiko beim Reisen. Man sollte von daher nicht überängstlich durch die Strassen huschen, sondern einfach nur vorsichtig sein. Oben genanntes ist nur eine Aufzählung was unter Umständen passieren könnte und was bereits so passiert ist.... Es sind Auszüge aus den Warnhinweisen der Touristenpolizei in Peru und Bolivien, Tatsachenberichte von anderen Reisenden und was ich so gehört habe und weis. Mir ist nichts dergleichen geschehen!!! Mein Schutzengel war also sehr aktiv. Oder hat wirklich mein Talismann für eine gute Reise geholfen? Den habe ich mir nämlich auf dem Hexenmarkt in La Paz zusammenstellen lassen. Nur auf den Lamafötus habe ich verzichtet, ich wollte es ja nicht übertreiben.Vielleicht ist deswegen meine Lieblingsmütze "weggekommen"? :(
Viel Spass in Bolivien und Peru.
Ute

Guest
10.07.2004, 15:55
Vielen Dank, werde es beherzigen. Bist du noch in Argentinien? Da koennen wir uns vielleicht mal treffen?
Bin naemlich gerade in Salta.
Gruss Wastl

Nemo
12.07.2004, 15:50
hallo wastl, nee argentinien ist mir im moment zu kalt, bin in uruguay kurz vor der grenze zu parguay wo ich morgen hin will um die dortige sonne zu geniessen.... :D
ute

Nemo
14.07.2004, 14:49
Auf Grund einiger Kurzmitteilungen mit Anfragen zum Thema Sicherheit in Bolivien möchte ich hier noch folgendes hinzufügen:
Ich kann niemanden die Entscheidung abnehmen ob er nach Peru und Bolivien reisen soll oder nicht. Fakt ist, dass in beiden Ländern einiges
passiert und passieren kann. Die Aufzählung der Risiken war aber nicht als Panikmache oder zur Entmutigung gedacht, sondern soll die Aufmerksamkeit der
Besucher einfach für Situationen schärfen mit denen man normalerweise nicht rechnet. Gerade Rucksackklau ist sehr beliebt. Ich habe oft in den entlegensten Ecken Campesinos gesehen die statt eines dort üblichen Bündel im bunten Altiplanotuch, einen guten North Face oder Jack Wolfskin Rucksack auf dem Buckel hatten. Wo sie die wohl herhaben mögen?? Und ein schöner Daunenschlafsack erfreut sich in den frostigen Altiplanonächsten logischerweise inzwischen wachsender Beliebtheit. Wenn man also den Rucksack immer mit ins Taxi nimmt (wenn man alleine fährt) hat man ihn ziemlich sicher und der Fahrer wird kaum auf die Idee kommen mit diesem wegzufahren.Ein Blick aufs Busdach bei jedem Halt kann eben auch nicht schaden, einfach nur um sicher zu gehen dass im Gewühl der Rucksack nicht "ausversehen" mit abgeladen wird. Das sind einfache Vorsichtsmaßnahmen die nicht viel Mühe erfordern. In beiden Ländern zusammen gibt es weit über 30 Mio Menschen. Das sind ja nun nicht alles Schurken und gemeine Diebe. Ganz im Gegenteil, ich habe die meisten Menschen dort als sehr liebenswert und nett schätzen gelernt, von denen könnten wir uns einige Scheiben abschneiden!. Und sind wir doch mal ehrlich, einiges von dem was ich aufgezählt habe könnte in Deutschland genau so passieren. Schlechte Menschen gibt es schliesslich überall. Ein Bekannter dem sie die Brieftasche mit sämtlichen Kreditkarten und Papieren geklaut haben, erzählte mir, dass sie ihm die leere Brieftasche mit Papieren und Kreditkarten wieder vor die Füße gelegt haben; so nach dem Motto, du hast da was verloren.... Ob das Motiv nun reines Mitgefühl für einen Ausländer ohne Papiere und Kreditkarten war oder die Hoffnung auf eine neue Chance ist nicht ganz klar ersichtlich. Ich will ja keine Diebe in Schutz nehmen, ganz im Gegenteil - ich werde auch recht biestig wenn sich jemand an meinem Eigentum vergreift- aber als Satter sollte man sich nicht über die Tischsitten Hungriger mokieren. Da kommen die "reichen" Touristen und bezahlen ohne mit der Wimper zu zucken sehr viele Dollars für Trekkingtouren, Bergbesteigungen, Hotels und gutes Essen, während manch Einer nicht weiss wie er seine Mäuler stopfen soll. Das da der eine oder andere meint er schadet ja so nen reichen Gringo nicht allzusehr, kann ich sogar noch nachvollziehen. Ich habe immer viel mit den Leuten geredet, habe z. Bsp. immer gleich den Taxifahrer vollgelabert, einfach um ein nettes Klima zu schaffen. Denen wäre es am Ende einfach peinlich gewesen "die nette Gringo" zu be¤*#¤*#¤*#¤*#¤*#¤*#¤*#en. Wenn man aber stumpf, stumm und stieselig auf der Rückbank sitzt ohne muff noch meff zu sagen kommt so einer schon eher mal auf die Idee. Ich habe z. Bsp. immer erzählt, das diese Reise ein langgehegter Traum von mir war, für dessen Erfüllung ich lange gearbeitet und gespart habe. So merken die Leute dort vielleicht mal ganz nebenbei dass uns auch nicht alles nur in den Schoss fällt. Warum nicht erzählen wie viele Arbeitslose es in Dtl. gibt und was für ökonomische Probleme wir haben. Die Leute sind begierig zu erfahren was im fernen Europa so passiert und sind interessiert an Gesprächen. Jeder sollte sich wirklich die Mühe machen, vor der Reise einige Brocken spanisch zu lernen. Muss gar nicht viel sein, einfach so Plapperniveau, mehr sprechen die Campesinos auch nicht weil die ja in der Regel noch ihre eigene Indio-Dialekte benutzen.
Man muss sich also vor diesen Ländern nicht fürchten, man wird nicht auf Schritt und Tritt überfallen und ausgeraubt oder bestohlen, aber es kann hier und da schon mal vorkommen, wenn man nicht wachsam ist. Die meisten Diebe sind Gelegenheitsdiebe, also gilt es dieGelegenheiten nach Möglichkeit nicht zu bieten.Peru und Bolivien sind für mich die interessantesten Länder im Herzen Südamerikas und trotz der (kalkulierbaren) Risiken immer eine Reise wert. Und zu guter letzt: in größeren Städten lauern immer die meissten Gefahren, ich bin alleine in den entlegensten Dörfern und Ecken gewesen, und genau dort wo ich der einzigste "Gringo" war, habe ich mich immer am sichersten gefühlt und die tollsten Erlebnisse mit den Menschen gehabt. Vor allem wenn man als Gast reges Interesse an der Natur und der fremden Lebensart zeigt, einem Gespräch ohne Standesdünkel nie abgeneigt ist und den Einheimischen als einen Menschen gleicher Klasse akzeptiert. Und letztgesagtes gilt wohl nicht nur fuer Peru und Bolivien.
Ute