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Vollständige Version anzeigen : Load shedding - Kathmandu demnächst 18 Stunden pro Tag ohne Strom?


Gregor aus Essen
20.12.2008, 05:43
Hallo,

das liest sich aber gar nicht gut!

http://www.kantipuronline.com/kolnews.php?&nid=171185

Hoffen wir, dass das Problem in den Griff zu kriegen ist.
Als ich im Oktober diesen Jahres in Nepal war, hatten wir in Kathmandu 2 x am Tag für je ca. 1.5 Stunden
Stromsperre.

Grüße,
Gregor aus Essen

Hannes33
20.12.2008, 12:22
Hallo,
im novemebr waren es schon 5 bis 6 Stunden täglich - wie vorab von den behörden angekündigt. sehr viele lokale und geschäfte und die meisten hotels haben ja bekannterweise eigene notagregate...
interessant ist aber, wie in kathmandu neben den stromsperren strom in großem stile vergeudet wird:
da muss ein viertel verdunkelt werden, damit im angrenzenden viertel dann der (billige??) strom vergeudet werden kann... Schlimm ist in dieser hinsicht natürlich Thamel, andererseits, wenn man sich die Wertschöpfung für das gesamte Land vor augen hält, kann man auch schon wieder positive seiten erkennen...
Ich hoffe, dass die kraftwerke, die z.B. am Marsyangdi gebaut wurden und in den nächsten monaten ans netz gehen sollten den strom nach Nepal liefern werden und nicht ausschließlich nach Indien...
lg, Hannes.

Gregor aus Essen
20.12.2008, 14:55
Hi Hannes,

da du das Marsyangdi Projekt ansprichst...
Da hab ich noch was...

http://www.bmz.de/de/presse/pm/2008/dezember/pm_20081217_121.html

viele Grüße,
Gregor / Essen

Navyo
21.12.2008, 03:13
Hallo,
es ist ja nicht ansonsten meine Art, Beiträge doppelt in Foren reinzustellen, aber leider ist in diesen thread doch so einiges zu kommentieren und so stelle ich aus meinen Beiträgen im "anderen Forum" meinen Beitrag hier zusammen.

Momentan sind es effektive 10 Stunden Stromunterbrechung pro Tag, diese koennten sich nach NEA (Nepal Electricity Authority) auf bis zu 16 Stunden ausweiten im Fruehjahr.


Nepal hat diese Problem aus 2 Gruenden meiner Ansicht nach:


1) Total versaeumtes Planen der Regierungen seit 1990, also seit die "Demokratie" in Nepal einzog. Die hohe Korruptionsbereitschaft der Politischen Parteien, der sozialen Elite und der Auslaendischen Entwicklungsorganisationen haben tausende Berichte erbracht und viele Kongresse, aber das eingebrachte Geld mehr oder weniger auch damit verbraucht, sich selbst eine beihnale luxurioesen Lebenstandard zu sichern, denn etwas wirklich zu tun.


2) Der 10 jaehrige bewaffnete Konflikt hat jeden normalen Geschaeftsmann abgehalten, auch nur etwas zu investeieren in Nepal, vor allem wenn es um mehr als eine Spende ging. Die insgesamte unsicherheit fuer private Investoren (die meist ihr Geld eh verlieren), hat verhindert das notwendige Investitionen gemacht wirden, auch wenn viele, vor allem Indien, gerne und bereitwillig im Energiesektor investieren wuerden.

Man sehe Bhutan das 2000 MW produziert mit Hilfe von Indien bei einen Eigenverbrauch von ca. 400 MW und damit nun auch Geld verdient. Aber die Bhutanesen sind auch besser beim verhandeln, weil weniger selber korrupt.

Nepal exportiert zwar nach Indien Strom, importiert aber auch von dort. Das sind technische Lösungen mit den Überlanleitungen, insgesamt, importiert Nepal netto ca. 80 MW momentan. Mehr kann Nepal gar nciht importieren, weil die vorhandenen Überlandleitungen dies nicht verkraften würden.

Im übrigen haben die Kraftwerke Kulekhani und Kali Gandaki technische Probleme und zumoindest Kali Gandaki könnte bald zu 70% ausfallen wegen mangelnder Instandhaltung (das ist ein Hausgemachtes Problem in Nepal). Kali Gandaki produziert zwischen 65 untertags und 100 MW zu den "peak hours" am abend.



Durch den in den 90er Jahren verhinderten ARUN Kraftwerksbau wegen oekologischer bedenken seitens internationaler Umweltschutzverbaende und deren Aktionen hat sich die Internationale Gemeinschaft (SIC!!) aus den projekt zurueckgezogen. Aehnlich das Karnali Projekt, das geschlossen wurde, bevor es angefangen wurde auf aehnlicher Basis wie Arun. Naturschutz in Ehren, aber jene die in fordern, gehoeren zu den groessten Verschmutzern der Erde, naehmlich die westlichen Nationen.

Waere das Arumkraftwerk oder das Karnali gebaut worden, waere das Problem heute vermutlich inexistent. Im gegenteil Nepal wuerde Strom exportieren und koennte Geld verdienen, mit den es seine Staatschulden im Ausland, meist fuer Entwicklungshilfe, zurueckzahlen koennte.


Das Middle Marsyandi Kraftwerk kann mit seinen gerade mal 70 Megawatt Gesamtleistung (nur 50 % werden momentan erzeugt) kaum wirklich Verbesserung bringen, uebrigens gar nicht fuer Kathmandu, weil dies gar nicht vorgesehen war und daher die Überlandleitungen gar nicht stehen bzw. nicht vorgesehen waren. Es könnte also gar nicht Strom für Kathmandu produzieren (muss ja auch nicht sein). Nepal braucht z.Z. ca. 770 MW, davon die Hauptstadt 200 und produziert wird z.Z. ca. 380-420 MW.


Middle Marsyandi produziert nunmehr sehr teuren Strom, wie uebrigens Nepals Strom zu den Weltweit am teuersten gehoert, Hauptsaechlich weil die Auslaendischen Investoren und Regierungen sehr Nachteilige Bedingungen stellen - wie meist in der Entwicklungshilfe. Da ist auch die BRD nicht besonders besser oder netter.

Echt auch kein wunder das das Projekt 2 Jahre verzoegert wurde bei den ganzen Verschwendungen, nicht gehaltenen Versprechungen fuer die Bevoelkerung und Zahlungen fuer angebliche "verzoegerungen".

Interessant die hohen kosten die fuer Nepal anfielen weil das Projekt fuer jeden Tag der nicht gearbeitet werden kann (!???) an die Projektleitung "Schadensersatz" leisten musste. So wurde das Projekt denn auch um 50% teurer als angeschlagen.
Da haben sich einige eine "goldenen Nase" verdient. Wer naehmlich da glaubt Deutschland haette Nepal was geschenkt, der irrt. Entwicklungshilfe ist nicht eine noble Christliche Geste, sondern ein hartes Geschaeft zu groessten Teil.
Zahlbar von der Bevoelkerung.

Aber Nepal ist im Ausland ja auch dafuer bekannt, das es seine Auslandschulden bis heute immer puenktlich bezahlt hat. Also ein recht guter Kunde.


Die Energieverschwendung mag in den groesseren Staedten bemerkbar sein, so in den Regierungsaemtern, wo bei offenen Fenstern unter vielen Tischen elektrische Heizoefchen stehen oder in vielen Geschäften oder in Restaurants (nicht nur in Thamel, aber dort sind halt die touris, da versteht hannes dies schon etwas, wie ich auch übrigens). Schlimm ist es aber wirklich für die Industriebetriebe im süden. Da verlieren bald viele ihren Job ohne Hartz 4 Absicherung.


Die Loesung mit den Dieselkraftwerken, die ja schnell gebaut werden koennten (das stimmt) loest nicht die Frage nach den erforderlichen Ueberlandleitungen, denn 100 oder 200 MW zu transportieren ist sehr kompliziert, das erfordert dann mehrere Jahre und nicht ein paar Monate wie das aufstellen enormer "Dieselgeneratoren".


Es wird erst in der praxis zu sehen sein, ob es ueberhaupt Sinn macht, diese aufzustellen. Zumindest aber versucht diese Regierung mal etwas konkret zu unternehmen, dqas muss ihr gutgehalten werden.

Das sollte man auch mal sich ueberlegen.

Navyo

Gregor aus Essen
21.12.2008, 15:14
Ciao Navyo,

danke vielmals für die Darstellung.
Ich konnte mir nie so richtig erklären, warum es u.a. im Kathmandu Tal immer wieder zu
Stromsperren,-bzw ausfällen kam.

Es geht mir gar nicht darum, dass ich als Westler mal stundenweise (oder - wie dieses Jahr in Syabru Besi auch tageweise) ohne "Saft" auskommen muss - ich möchte nur gerne vestehen, warum das so ist.

Jetzt bin ich ein bisschen schlauer.:cool:

Meric und viele Grüße!
Gregor aus Essen

Navyo
22.12.2008, 03:18
LOL!

Navyo

Jens
27.02.2009, 11:22
Die Stromknappheit verschärft sich:(

http://www.kantipuronline.com/kolnews.php?&nid=182219

Navyo
27.02.2009, 12:39
Jep,

das ist wohl mehr oder weniger möglich, momentan sind's ja noch 16 Stunden, jeden Tag kann sich das ändern (auch heute noch).

19 Stunden ist aber dann echt sehr hart an der Verträglichkeitsgrenze der allermeisten urbanen nepalesen, die halt Strom auch bekommen.

Im herbst nach den Monsun sollten es dann für Deinen Trek schon weniger sein, wohl so um die 2-3 Stunden am Tag.

Erleben muss man es halt, sonst glaubt man ja kaum was man schreibt.

Ke garne,

Navyo

Harp Booth
27.02.2009, 13:54
Hallo,

das erklärt vielleicht auch, warum ich von Freunden aus Nepal kaum noch mail bekomme.

Wie machst du das Navyo? hast du ein Dieselaggregat? Du bist ja doch recht häufig online.

Gruss Harald

Navyo
27.02.2009, 19:26
Hallo,

viele Geschäfte/ISP/Hospitäler/Restaurants/Hotels/Büro's etc. haben Generatoren, das ist aber relativ Kostspielig.

Beliebt sind kleine Invertoren (richtig? Inverter in Englisch) in kombination mit Batterien und CFL Lampen (die sind aber relativ teuer).

Die Regierung baut auf neue Wasserkraftwerke und die Verwendung von CFL und LED Lampen, die wenn Großflächig angewandt, das loadshedding auf sehr wenige Stunden reduzieren würde.

Alle die es sich nicht leisten können/wollen, leben mit 8 Stunden Strom am Tag, vermutlich bald etwas mehr noch.

Ich kann mit Inverter und Laptop ca. 8 Stunden auskommen und etwas Licht machen.

Das ist die praktischte Lösung. Für Notfälle oder wenn viel Strom dringend gebraucht wird, gehen wir auf Benzingenerator, der macht 3 KV, reicht für mehrere pc's, Drucker etc im Büro.

Viele Nepali auf dem Land haben eh keinen Strom je gehabt, die trifft es weniger als die Stadtmenschen.

Manchmal am Abend fährt man durch ganze Straßenzüge Kathmandu's ohne Licht. Selbst in Thamel hat man sehr wenig bis kein Licht in den Straßen nach 10 Uhr.

Kerzen sind hoch gefragt genauso wie Wiederaufladbare Notlampen, deren Preise jedoch mit hoher Nachfrage auch steigen, vor allem für Kerzen.

Deine Freunde haben wohl wenig Möglichkeit gerade mal um die Ecke ein Internetcafè zu finden.

Navyo

Sansara
28.02.2009, 03:33
Namaste Navyo,

ich kann das nur bestätigen. Aus Pokhara erreicht mich die gleiche Information. Wenn es finanziell möglich ist, kaufen sich viele Notstromaggregate.

Allerdings sind die Geräte im Durchschnitt genau so teuer, wie in Deutschland, und somit für viele unverschwinglich.

In allen Restaurants wird jedoch ohnehin mit Gas oder Kerosin gekocht. Und an die Kerzen auf dem Tisch sind wir das in Pokhara/Lakeside ohnehin schon gewohnt..

http://smilys.net/allg_smilies/smiley2017.gif

Viele Grüsse
Sansara/Manfred

Andrees
02.03.2009, 11:28
Tatsaechlich kann der "Standard" Tourist weiter ohne grosse Beeintraechtigung leben. Ich trage rund um die uhr meine kleine Stirnlampe als Halsband, so dass ich sie nie vergesse und bei der immer vollstaendig uebersaschend einbrecvhenden Dunkelheit sie nicht vergessen hat. Morgens frage ich beim internet kaffe nach, wann es wohl wieder Strom gibt und richte eben meine Plaene danach. Auf dem Treck gab es ja frueher auch nie Strom.
Die Kamera akkus haenge ich nacht an die Steckdose, und am naechsten morgen ist er aufgeladen.
Liebe Greusse Andrees