Rebekka
09.12.2008, 20:31
Hallo allerseits,
Nun, ich bin in letzter Zeit nicht mehr viel ins Trekkingforum gekommen, vielleicht hat sich der ein oder andere schon gefragt, wo ich bleibe.
Wir sind vor etwas mehr als einem Jahr Eltern geworden, haben schon viel mit unserem Kleinen unternommen, und da hier öfters Fragen zum Thema „Wandern mit Kleinkind“ auftauchen, möchte ich nun einfach mal einen Erfahrungsbericht von unserer Hüttentour schreiben.
Vorneweg: Der Kleine hatte einen Riesenspaß dabei gehabt, tagsüber während der Wanderung und abends auf der Hütte sowieso. Matratzenlager sind vor allem in der Nebensaison einfach ein herrliches Krabbelrevier!
Kindertauglich ist eine Hüttentour also auf jeden Fall! Was man sich als Eltern allerdings wirklich fragen sollte und sich auch sicher sein sollte: Will man die ganze Schlepperei wirklich auf sich nehmen? Wenn einer das Kind trägt, muss der andere zwangsläufig die Klamotten für drei Personen tragen, mit Kleinkind bedeutet das natürlich inklusive Windeln und ev. entsprechende Kleinkindnahrung! Armer Sherpa-pa!
Aber nun mal der Reihe nach. Wir verwendeten eine handelsübliche Rückentrage mit Sonnenschutz, den wir mit ein paar Tüchern noch etwas ausgeweiteten. Sonnencreme durfte natürlich auch nicht fehlen.
Bevor er jedoch schon sitzen konnte (was eine Vorraussetzung für die Rückentrage ist), haben wir ihn eigentlich schon langsam an die Höhe gewöhnt. Als gebürtige Schweizer sind wir sowieso öfters im Alpengebiet. So kam der Kleine mit 2 Monate mal auf 900m mit, mit 3 Monaten auf 1500m, mit 5 Monaten auf 2300m und im Sommer vor der Hüttentour sind wir einige Testwanderungen gegangen, um abschätzen zu können, ob unser Vorhaben überhaupt eine Chance auf Erfolg hat.
Die Hüttentour haben wir in der Nebensaison im September gemacht, weil dann die Hütten nicht so voll sind. Wir waren in der Schweiz östlich vom Gotthardmassiv und im Grenzgebiet zwischen den Kantonen Tessin und Graubünden unterwegs.
In den Hütten hat es meistens ganz gut geklappt, dass wir sogar ein Zimmer für uns alleine bekommen hatten. Bei den Mahlzeiten hatte der Kleine, soweit es ging, mit uns mitgegessen. Wir hatten allerdings auch genügend Früchte, Joghurt und Flöckchen dabei. So waren wir auf der sicheren Seite, wenn ihm unser Essen nicht geschmeckt hatte oder es nicht für Kleinkinder bekömmlich war.
Unser Wandertag begann meistens mit ausgiebigem Spielen rund um die Hütte. Wenn der Kleine dann müde wurde (meistens so gegen 10:00h), haben wir zusammengepackt, der Kleine ist in der Rückentrage eingeschlafen und wir sind zwei Stunden durchmarschiert. Die Kinder sollten nicht länger als zwei Stunden am Stück in der Rückentrage sein, weil ihnen ansonsten die Beine einschlafen könnten.
Nach zwei Stunden wandern gab es also eine ganze Stunde Pause, essen, spielen, über Steine krabbeln, gucken, ... bevor es dann meist nicht mehr so effizient weiterging, weil der Kleine wach war und unterhalten werden wollte: wir reichten ihm Steine und Blümchen an, sangen Lieder, erzählten Geschichten, zeigten ihm Tiere ... was einem so einfällt.
So kamen wir nachmittags meist langsamer vorwärts, haben auch mehr Pausen gemacht, uns halt einfach Zeit gelassen – wobei eher unsere Müdigkeit für die Pausen ausschlaggebend war als die Laune unseres Sohnes!
In den Hütten kamen wir meistens zwischen 17:00h und 18:00h an.
Unsere Tagesetappen waren im Schnitt eher halb so lang wie „normale“ Tagesetappen. D.h. die meisten Wanderer, die wir unterwegs getroffen hatten, sind das in einem Tag gewandert, wofür wir zwei Tage geplant hatten. Diese Rechnung ging ganz gut auf.
Was die Höhenmeter anbetrifft, so hatten wir uns auf höchstens 500-800 Höhenmeter beschränkt – und zwar rauf ODER runter! Alles andere wäre vor allem für uns zur Qual geworden, weniger für den Kleinen.
Mein Mann hatte das Gepäck getragen (etwas mehr als 30kg) und ich den Kleinen. Auch logisch, dass wir etwas mehr auf Sicherheit gewandert sind und eher einen Umweg in Kauf genommen haben als einen schwierigeren Weg – und uns manchmal tausendmal überlegt hatten, ob dies oder jenes überhaupt machbar ist!
Die vollen Windeln haben wir in den Hütten mit Hubschrauberversorgung selbst im Rucksack ins Tal getragen. In den Hütten mit Straßenzugang oder Lastenseilbahn haben wir gefragt, ob sie die Windeln für uns entsorgen. Das hat eigentlich immer geklappt.
Regen und Wind (vor allem kalte Biese von vorne) haben wir gemieden, vor allem die Kombination davon, sind bei Regentagen eher ins Tal geflohen oder bei kaltem Wind von vorne eine Nacht länger auf der gleichen Hütte geblieben. Beides (Regen und kalter Wind von vorne) war unserem Kleinen ziemlich unangenehm.
Folglich hatten wir den Wetterbericht doppelt gut verfolgt und sorgfältiger entschieden, wie die Tour denn nun weitergehen soll.
Eigentlich hatten wir eine 9-tägige Tour geplant, mussten die Tour aber wegen Regenwetter unterbrechen und haben zwei 4-tägige Touren daraus gemacht.
Es war auf jeden Fall für alle ein eindrückliches Erlebnis, es hat uns trotz der Schlepperei riesengroßen Spaß gemacht und wir würden es auf jeden Fall wiederholen!
Wie ich etwa einen Monat nach dem Urlaub die Rückentrage für eine kleine Tagestour im Siebengebirge wieder aus dem Schrank geholt hatte, wollte der Kleine unbedingt sofort in die Trage – und nur unter Protest konnte ich ihn fürs gemeinsame Frühstück nochmals rausnehmen!
Nur abends war er sichtlich enttäuscht, dass wir zu Hause und nicht in einer Hütte übernachteten! Diese kleine Anekdote sagt eigentlich schon alles!
Viele Grüße,
Rebekka
Nun, ich bin in letzter Zeit nicht mehr viel ins Trekkingforum gekommen, vielleicht hat sich der ein oder andere schon gefragt, wo ich bleibe.
Wir sind vor etwas mehr als einem Jahr Eltern geworden, haben schon viel mit unserem Kleinen unternommen, und da hier öfters Fragen zum Thema „Wandern mit Kleinkind“ auftauchen, möchte ich nun einfach mal einen Erfahrungsbericht von unserer Hüttentour schreiben.
Vorneweg: Der Kleine hatte einen Riesenspaß dabei gehabt, tagsüber während der Wanderung und abends auf der Hütte sowieso. Matratzenlager sind vor allem in der Nebensaison einfach ein herrliches Krabbelrevier!
Kindertauglich ist eine Hüttentour also auf jeden Fall! Was man sich als Eltern allerdings wirklich fragen sollte und sich auch sicher sein sollte: Will man die ganze Schlepperei wirklich auf sich nehmen? Wenn einer das Kind trägt, muss der andere zwangsläufig die Klamotten für drei Personen tragen, mit Kleinkind bedeutet das natürlich inklusive Windeln und ev. entsprechende Kleinkindnahrung! Armer Sherpa-pa!
Aber nun mal der Reihe nach. Wir verwendeten eine handelsübliche Rückentrage mit Sonnenschutz, den wir mit ein paar Tüchern noch etwas ausgeweiteten. Sonnencreme durfte natürlich auch nicht fehlen.
Bevor er jedoch schon sitzen konnte (was eine Vorraussetzung für die Rückentrage ist), haben wir ihn eigentlich schon langsam an die Höhe gewöhnt. Als gebürtige Schweizer sind wir sowieso öfters im Alpengebiet. So kam der Kleine mit 2 Monate mal auf 900m mit, mit 3 Monaten auf 1500m, mit 5 Monaten auf 2300m und im Sommer vor der Hüttentour sind wir einige Testwanderungen gegangen, um abschätzen zu können, ob unser Vorhaben überhaupt eine Chance auf Erfolg hat.
Die Hüttentour haben wir in der Nebensaison im September gemacht, weil dann die Hütten nicht so voll sind. Wir waren in der Schweiz östlich vom Gotthardmassiv und im Grenzgebiet zwischen den Kantonen Tessin und Graubünden unterwegs.
In den Hütten hat es meistens ganz gut geklappt, dass wir sogar ein Zimmer für uns alleine bekommen hatten. Bei den Mahlzeiten hatte der Kleine, soweit es ging, mit uns mitgegessen. Wir hatten allerdings auch genügend Früchte, Joghurt und Flöckchen dabei. So waren wir auf der sicheren Seite, wenn ihm unser Essen nicht geschmeckt hatte oder es nicht für Kleinkinder bekömmlich war.
Unser Wandertag begann meistens mit ausgiebigem Spielen rund um die Hütte. Wenn der Kleine dann müde wurde (meistens so gegen 10:00h), haben wir zusammengepackt, der Kleine ist in der Rückentrage eingeschlafen und wir sind zwei Stunden durchmarschiert. Die Kinder sollten nicht länger als zwei Stunden am Stück in der Rückentrage sein, weil ihnen ansonsten die Beine einschlafen könnten.
Nach zwei Stunden wandern gab es also eine ganze Stunde Pause, essen, spielen, über Steine krabbeln, gucken, ... bevor es dann meist nicht mehr so effizient weiterging, weil der Kleine wach war und unterhalten werden wollte: wir reichten ihm Steine und Blümchen an, sangen Lieder, erzählten Geschichten, zeigten ihm Tiere ... was einem so einfällt.
So kamen wir nachmittags meist langsamer vorwärts, haben auch mehr Pausen gemacht, uns halt einfach Zeit gelassen – wobei eher unsere Müdigkeit für die Pausen ausschlaggebend war als die Laune unseres Sohnes!
In den Hütten kamen wir meistens zwischen 17:00h und 18:00h an.
Unsere Tagesetappen waren im Schnitt eher halb so lang wie „normale“ Tagesetappen. D.h. die meisten Wanderer, die wir unterwegs getroffen hatten, sind das in einem Tag gewandert, wofür wir zwei Tage geplant hatten. Diese Rechnung ging ganz gut auf.
Was die Höhenmeter anbetrifft, so hatten wir uns auf höchstens 500-800 Höhenmeter beschränkt – und zwar rauf ODER runter! Alles andere wäre vor allem für uns zur Qual geworden, weniger für den Kleinen.
Mein Mann hatte das Gepäck getragen (etwas mehr als 30kg) und ich den Kleinen. Auch logisch, dass wir etwas mehr auf Sicherheit gewandert sind und eher einen Umweg in Kauf genommen haben als einen schwierigeren Weg – und uns manchmal tausendmal überlegt hatten, ob dies oder jenes überhaupt machbar ist!
Die vollen Windeln haben wir in den Hütten mit Hubschrauberversorgung selbst im Rucksack ins Tal getragen. In den Hütten mit Straßenzugang oder Lastenseilbahn haben wir gefragt, ob sie die Windeln für uns entsorgen. Das hat eigentlich immer geklappt.
Regen und Wind (vor allem kalte Biese von vorne) haben wir gemieden, vor allem die Kombination davon, sind bei Regentagen eher ins Tal geflohen oder bei kaltem Wind von vorne eine Nacht länger auf der gleichen Hütte geblieben. Beides (Regen und kalter Wind von vorne) war unserem Kleinen ziemlich unangenehm.
Folglich hatten wir den Wetterbericht doppelt gut verfolgt und sorgfältiger entschieden, wie die Tour denn nun weitergehen soll.
Eigentlich hatten wir eine 9-tägige Tour geplant, mussten die Tour aber wegen Regenwetter unterbrechen und haben zwei 4-tägige Touren daraus gemacht.
Es war auf jeden Fall für alle ein eindrückliches Erlebnis, es hat uns trotz der Schlepperei riesengroßen Spaß gemacht und wir würden es auf jeden Fall wiederholen!
Wie ich etwa einen Monat nach dem Urlaub die Rückentrage für eine kleine Tagestour im Siebengebirge wieder aus dem Schrank geholt hatte, wollte der Kleine unbedingt sofort in die Trage – und nur unter Protest konnte ich ihn fürs gemeinsame Frühstück nochmals rausnehmen!
Nur abends war er sichtlich enttäuscht, dass wir zu Hause und nicht in einer Hütte übernachteten! Diese kleine Anekdote sagt eigentlich schon alles!
Viele Grüße,
Rebekka