Vajk
07.12.2008, 13:22
Noch ein Dogtrekking-Rennbericht! Viel Spaß beim Schmökern, wer so einen langen Atem hat!;)
Donnerstag, 9.10.2008. Wir (Mario Formanek und ich) waren deutlich später als geplant aufgebrochen, hatten uns mit Vladimir Paral und seinem Sohn Michal auf dem Weg ins Adlergebirge getroffen und langten erst gegen 22 Uhr im Camp bei der Pension Kristyna in Destne an. Dort trafen wir auf die deutschen TeilnehmerInnen Ursula Steeb, Melanie Feil und Kai Thurau, die – im Gegensatz zu uns – bereits länger anwesend waren, alle Anmeldeformalitäten erledigt hatten und nun bereits entspannt auf die Trekkerbesprechung warteten. Diese dauerte nicht allzu lange, was wir sehr begrüßten, immerhin mussten wir alles Organisatorische noch erledigen, ältere und neuere Kontakte knüpfen bzw. pflegen (was bekannterweise bei einem Bier am besten geht), die Hunde versorgen und zu allem Überfluss auch noch unser Zelt aufbauen, war es im Freien doch schon recht frisch und wir wollten ja am nächsten Tag gut ausgeruht an den Start gehen. Zwar hatten wir den Zeltofen dabei, da es diesmal aber auch in der Nacht Plusgrade hatte, war der gar nicht notwendig, blieb also unbenutzt.
Es sollten uns – so hatte die Information gelautet – etwa 93 Kilometer Wegstrecke erwarten, wobei wir nach 61 Kilometern wieder beim Camp ankommen würden und dann nur noch eine kleinere Runde von 32 Kilometern zu absolvieren hätten. Pflichtbiwak gab es keines, man konnte die gesamte Strecke entweder auf einmal zurücklegen oder zwischendurch irgendwo pausieren. Einzig das Zeitlimit von 52 Stunden durfte nicht überschritten werden.
Kai, Mario und ich planten, gemeinsam zu starten. Dazu hatten wir zwischen sieben und neun Uhr morgens Gelegenheit – es wurde im Endeffekt ein glatter Kompromiss: Um acht Uhr waren wir bereits mit unseren Hunden Max, Yuma, Ronja und Rochester unterwegs. Der Trail führte zuerst steil eine Schipiste hinauf, an einer romantischen Kirche vorbei und dann auf schier endlosen Wanderwegen in den Wald. Bald war Mario mit Yuma zurückgeblieben, Kai und ich trabten – von den gleichmäßig und doch kräftig arbeitenden Hunden hervorragend unterstützt – durch den Morgennebel, der sich nach einigen Regenschauern, die vor Sonnenaufgang niedergegangen waren, gebildet hatte. Nicht ganz bei Kilometer zwanzig holten Ursel und ihr Hund Flic uns ein, verbrachten noch eine kurze Verschnaufpause bei Checkpoint eins mit uns und zogen dann wieder davon: Wir sollte sie während dieses Rennens nicht mehr wiedersehen, immerhin gewannen sie – wieder einmal - den Damenbewerb. In weiterer Folge erwarteten uns einige schwierigere Passagen mit umgestürzten Bäumen und regennassen Felsen, die überwunden werden mussten, im Großen und Ganzen aber war der Trail bei diesem Rennen sehr angenehm, da er großteils über sorgfältig angelegte Wanderwege führte. Der zweite Checkpoint wurde von uns quasi im Vorbeilaufen passiert, erst beim dritten, der nach etwa 45 Wegkilometern wieder bei einem Gasthaus postiert war, gönnten wir uns ein wenig Pause und jeder zwei große Gläser Kofola. Im Anschluss daran beschlossen wir, unser Tempo etwas zu drosseln und den Rest des Tages nur mehr flott zu marschieren, um zwar vor Einbruch der Dunkelheit, aber nicht vollkommen erschöpft bei Kilometer 61, dem Campgelände in Destne, anzukommen. Dort wollten wir uns in der Pension ein warmes Abendessen gönnen und anschließend nach einigen weiteren Metern im Wald biwakieren, um am zweiten Tag ausgeruht die restlichen 32 Kilometer des Rennens hinter uns zu bringen. Leider war es im Endeffekt bereits dunkel, als wir in Destne eintrafen, auch hatte ich mich auf den letzten 500 Metern einmal verirrt, als ich auf einer offenen Weide zu weit rechts geraten war und den Trail erst nach einigen Ehrenrunden in der Dunkelheit wiedergefunden hatte. Dies tat aber der Stimmung keinen Abbruch und ich genoss nach dem Füttern der Hunde eine gemütliche halbe Stunde in der Wärme und der Helligkeit der Gaststube der Pension Kristyna. Kai und ich stellten bei dieser Gelegenheit die Frage an die Veranstalter, ob es erlaubt sei, im Campbereich zu biwakieren. Nach kurzem Nachdenken kam die Antwort: Es sei erlaubt, nur möge man nicht unbedingt im Zelt oder Auto nächtigen, in der Nähe sei es aber kein Problem. Mit einem leisen Lächeln folgte dann jedoch noch der Nachsatz, dass aber auch niemand eine diesbezügliche Kontrolle durchführen werde. Damit war die Entscheidung gefallen: Einer gemütlichen Nacht im Zelt stand nichts im Wege. Wir verabredeten, am Samstag um sieben Uhr morgens aufzubrechen und begaben uns mit dem beruhigenden Gefühl in die Schlafsäcke, bereits etwa zwei Drittel der Strecke hinter uns zu haben. Wo aber war Mario? Würde er auch versuchen, noch bis ins Camp zu kommen oder würde er bereits zuvor biwakieren? War er allein unterwegs oder in einer Gruppe? Wir wussten zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass wir weitere 24 Stunden lang nichts von ihm und Yuma hören sollten.
Der nächste Morgen war trocken, die Hunde waren bereits sehr motiviert und auch Kai und ich fühlten uns verhältnismäßig gut ausgeruht. Es erwartete uns eine sanftwellige Landschaft in leuchtenden Herbstfarben und gegen Mittag hin wurde es regelrecht warm und sonnig. Allerdings machte uns der Asphaltanteil dieses zweiten Renntages zu schaffen: Gelenke, Sehnen und Bänder begannen zu schmerzen, vor allem dann, wenn wir kurz stehen blieben, um unseren Weg auf der Karte oder der Wegbeschreibung zu kontrollieren. Nachdem auch die Beine schon etwas müde wurden, war es auch nicht angenehm, wenn Ronja und Rochester, durch das verhältnismäßig langsame Weiterkommen gelangweilt, begannen, Feldmäuse zu jagen und ich am Bauchgurt ihren Jagdsprüngen folgen musste. Da half nur eine etwas flottere Gangart. Diese brachte uns dann auch das letzte Stück nach dem Checkpoint 7 - der etwa bei Wegkilometer 82 lag - gut und verhältnismäßig früh am Nachmittag ins Ziel. Dort folgte ein ausgiebiges Mittagessen, eine regelrecht himmlische Dusche (nach zwei Tagen Laufen ohne großartige Zwischendurch-Körperpflege rochen wir schon etwas streng) und eine Stunde Entspannungsschlaf. Bis auf die Dusche galt das auch für die Hunde, deren Körpergeruch wir ohnehin seit Jahr und Tag hinnehmen.
Ursel und Melanie waren bereits im Camp (Erstere hatte bereits in der Nacht gefinisht, Zweitere bei Kilometer 40 aufgegeben) und später trafen auch die Parals ein. Niemand aber hatte etwas von Mario gehört. Der Nachmittag verging, die Dunkelheit kam. Beim Abendessen versuchte ich unseren Vermissten telefonisch zu erreichen. Tatsächlich kam einige Sekunden lang ein Gespräch zustande, dem ich entnahm, dass er sich in der Nacht verirrt hatte, dann riss die Verbindung ab. Wir saßen noch etwas zusammen, plauderten über das vergangene Rennen, über Völkerverständigung, Gott und die Welt und irgendwann beschloss ich, ins (Feld-)Bett zu gehen. Mario würde wohl ein zweites Biwak aufschlagen und morgen im Sonnenlicht den Weg fortsetzen. Kaum war ich am Einschlafen – es war mittlerweile gegen 23 Uhr – erschien der lang Gesuchte. Abgekämpft, wütend auf sich selbst, aber letztendlich erfolgreich hatte er den Weg ins Ziel gefunden. Ich wollte nicht mehr aus meinem gemütlichen Schlafsack und überließ für dieses Mal das Feiern den anderen Teilnehmern, die noch bis in die Morgenstunden tanzten, tranken und Spaß hatten – wie eben auf einem echten Dogtrekking üblich.
Die Siegerehrung am nächsten Vormittag war wie immer ein feierlicher, aber etwas wehmütiger Abschluss, hieß es doch für Mario und mich wieder einmal von vielen lieben Leuten Abschied nehmen, die wir wohl für einige Wochen oder Monate nicht mehr sehen würden.
Bei der Heimfahrt hielten wir noch bei den Parals, um einen Kaffee zu trinken, selbst Gebackenes zu verkosten, über Vladimirs abenteuerliche Expeditionen zu reden und seinen Laden zu bewundern. Dann traten wir den endgültigen Heimweg an, der uns zurück in die Arme unserer Familien und in unsere bequemen, überdachten Betten führen sollte.
Die Fotos gibts hier: http://picasaweb.google.at/pfadi64/Sedivackova111?authkey=UbU9reqOJ1g#
Donnerstag, 9.10.2008. Wir (Mario Formanek und ich) waren deutlich später als geplant aufgebrochen, hatten uns mit Vladimir Paral und seinem Sohn Michal auf dem Weg ins Adlergebirge getroffen und langten erst gegen 22 Uhr im Camp bei der Pension Kristyna in Destne an. Dort trafen wir auf die deutschen TeilnehmerInnen Ursula Steeb, Melanie Feil und Kai Thurau, die – im Gegensatz zu uns – bereits länger anwesend waren, alle Anmeldeformalitäten erledigt hatten und nun bereits entspannt auf die Trekkerbesprechung warteten. Diese dauerte nicht allzu lange, was wir sehr begrüßten, immerhin mussten wir alles Organisatorische noch erledigen, ältere und neuere Kontakte knüpfen bzw. pflegen (was bekannterweise bei einem Bier am besten geht), die Hunde versorgen und zu allem Überfluss auch noch unser Zelt aufbauen, war es im Freien doch schon recht frisch und wir wollten ja am nächsten Tag gut ausgeruht an den Start gehen. Zwar hatten wir den Zeltofen dabei, da es diesmal aber auch in der Nacht Plusgrade hatte, war der gar nicht notwendig, blieb also unbenutzt.
Es sollten uns – so hatte die Information gelautet – etwa 93 Kilometer Wegstrecke erwarten, wobei wir nach 61 Kilometern wieder beim Camp ankommen würden und dann nur noch eine kleinere Runde von 32 Kilometern zu absolvieren hätten. Pflichtbiwak gab es keines, man konnte die gesamte Strecke entweder auf einmal zurücklegen oder zwischendurch irgendwo pausieren. Einzig das Zeitlimit von 52 Stunden durfte nicht überschritten werden.
Kai, Mario und ich planten, gemeinsam zu starten. Dazu hatten wir zwischen sieben und neun Uhr morgens Gelegenheit – es wurde im Endeffekt ein glatter Kompromiss: Um acht Uhr waren wir bereits mit unseren Hunden Max, Yuma, Ronja und Rochester unterwegs. Der Trail führte zuerst steil eine Schipiste hinauf, an einer romantischen Kirche vorbei und dann auf schier endlosen Wanderwegen in den Wald. Bald war Mario mit Yuma zurückgeblieben, Kai und ich trabten – von den gleichmäßig und doch kräftig arbeitenden Hunden hervorragend unterstützt – durch den Morgennebel, der sich nach einigen Regenschauern, die vor Sonnenaufgang niedergegangen waren, gebildet hatte. Nicht ganz bei Kilometer zwanzig holten Ursel und ihr Hund Flic uns ein, verbrachten noch eine kurze Verschnaufpause bei Checkpoint eins mit uns und zogen dann wieder davon: Wir sollte sie während dieses Rennens nicht mehr wiedersehen, immerhin gewannen sie – wieder einmal - den Damenbewerb. In weiterer Folge erwarteten uns einige schwierigere Passagen mit umgestürzten Bäumen und regennassen Felsen, die überwunden werden mussten, im Großen und Ganzen aber war der Trail bei diesem Rennen sehr angenehm, da er großteils über sorgfältig angelegte Wanderwege führte. Der zweite Checkpoint wurde von uns quasi im Vorbeilaufen passiert, erst beim dritten, der nach etwa 45 Wegkilometern wieder bei einem Gasthaus postiert war, gönnten wir uns ein wenig Pause und jeder zwei große Gläser Kofola. Im Anschluss daran beschlossen wir, unser Tempo etwas zu drosseln und den Rest des Tages nur mehr flott zu marschieren, um zwar vor Einbruch der Dunkelheit, aber nicht vollkommen erschöpft bei Kilometer 61, dem Campgelände in Destne, anzukommen. Dort wollten wir uns in der Pension ein warmes Abendessen gönnen und anschließend nach einigen weiteren Metern im Wald biwakieren, um am zweiten Tag ausgeruht die restlichen 32 Kilometer des Rennens hinter uns zu bringen. Leider war es im Endeffekt bereits dunkel, als wir in Destne eintrafen, auch hatte ich mich auf den letzten 500 Metern einmal verirrt, als ich auf einer offenen Weide zu weit rechts geraten war und den Trail erst nach einigen Ehrenrunden in der Dunkelheit wiedergefunden hatte. Dies tat aber der Stimmung keinen Abbruch und ich genoss nach dem Füttern der Hunde eine gemütliche halbe Stunde in der Wärme und der Helligkeit der Gaststube der Pension Kristyna. Kai und ich stellten bei dieser Gelegenheit die Frage an die Veranstalter, ob es erlaubt sei, im Campbereich zu biwakieren. Nach kurzem Nachdenken kam die Antwort: Es sei erlaubt, nur möge man nicht unbedingt im Zelt oder Auto nächtigen, in der Nähe sei es aber kein Problem. Mit einem leisen Lächeln folgte dann jedoch noch der Nachsatz, dass aber auch niemand eine diesbezügliche Kontrolle durchführen werde. Damit war die Entscheidung gefallen: Einer gemütlichen Nacht im Zelt stand nichts im Wege. Wir verabredeten, am Samstag um sieben Uhr morgens aufzubrechen und begaben uns mit dem beruhigenden Gefühl in die Schlafsäcke, bereits etwa zwei Drittel der Strecke hinter uns zu haben. Wo aber war Mario? Würde er auch versuchen, noch bis ins Camp zu kommen oder würde er bereits zuvor biwakieren? War er allein unterwegs oder in einer Gruppe? Wir wussten zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass wir weitere 24 Stunden lang nichts von ihm und Yuma hören sollten.
Der nächste Morgen war trocken, die Hunde waren bereits sehr motiviert und auch Kai und ich fühlten uns verhältnismäßig gut ausgeruht. Es erwartete uns eine sanftwellige Landschaft in leuchtenden Herbstfarben und gegen Mittag hin wurde es regelrecht warm und sonnig. Allerdings machte uns der Asphaltanteil dieses zweiten Renntages zu schaffen: Gelenke, Sehnen und Bänder begannen zu schmerzen, vor allem dann, wenn wir kurz stehen blieben, um unseren Weg auf der Karte oder der Wegbeschreibung zu kontrollieren. Nachdem auch die Beine schon etwas müde wurden, war es auch nicht angenehm, wenn Ronja und Rochester, durch das verhältnismäßig langsame Weiterkommen gelangweilt, begannen, Feldmäuse zu jagen und ich am Bauchgurt ihren Jagdsprüngen folgen musste. Da half nur eine etwas flottere Gangart. Diese brachte uns dann auch das letzte Stück nach dem Checkpoint 7 - der etwa bei Wegkilometer 82 lag - gut und verhältnismäßig früh am Nachmittag ins Ziel. Dort folgte ein ausgiebiges Mittagessen, eine regelrecht himmlische Dusche (nach zwei Tagen Laufen ohne großartige Zwischendurch-Körperpflege rochen wir schon etwas streng) und eine Stunde Entspannungsschlaf. Bis auf die Dusche galt das auch für die Hunde, deren Körpergeruch wir ohnehin seit Jahr und Tag hinnehmen.
Ursel und Melanie waren bereits im Camp (Erstere hatte bereits in der Nacht gefinisht, Zweitere bei Kilometer 40 aufgegeben) und später trafen auch die Parals ein. Niemand aber hatte etwas von Mario gehört. Der Nachmittag verging, die Dunkelheit kam. Beim Abendessen versuchte ich unseren Vermissten telefonisch zu erreichen. Tatsächlich kam einige Sekunden lang ein Gespräch zustande, dem ich entnahm, dass er sich in der Nacht verirrt hatte, dann riss die Verbindung ab. Wir saßen noch etwas zusammen, plauderten über das vergangene Rennen, über Völkerverständigung, Gott und die Welt und irgendwann beschloss ich, ins (Feld-)Bett zu gehen. Mario würde wohl ein zweites Biwak aufschlagen und morgen im Sonnenlicht den Weg fortsetzen. Kaum war ich am Einschlafen – es war mittlerweile gegen 23 Uhr – erschien der lang Gesuchte. Abgekämpft, wütend auf sich selbst, aber letztendlich erfolgreich hatte er den Weg ins Ziel gefunden. Ich wollte nicht mehr aus meinem gemütlichen Schlafsack und überließ für dieses Mal das Feiern den anderen Teilnehmern, die noch bis in die Morgenstunden tanzten, tranken und Spaß hatten – wie eben auf einem echten Dogtrekking üblich.
Die Siegerehrung am nächsten Vormittag war wie immer ein feierlicher, aber etwas wehmütiger Abschluss, hieß es doch für Mario und mich wieder einmal von vielen lieben Leuten Abschied nehmen, die wir wohl für einige Wochen oder Monate nicht mehr sehen würden.
Bei der Heimfahrt hielten wir noch bei den Parals, um einen Kaffee zu trinken, selbst Gebackenes zu verkosten, über Vladimirs abenteuerliche Expeditionen zu reden und seinen Laden zu bewundern. Dann traten wir den endgültigen Heimweg an, der uns zurück in die Arme unserer Familien und in unsere bequemen, überdachten Betten führen sollte.
Die Fotos gibts hier: http://picasaweb.google.at/pfadi64/Sedivackova111?authkey=UbU9reqOJ1g#