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Vollständige Version anzeigen : Fiordland / George Sound Trek: Hat jemand Erfahrungen?


manonline
12.09.2008, 20:18
g'day

Über den kommenden Jahreswechsel 2008/09 plane ich meinen nächsten längeren Aufenthalt in NZ. Ich habe bereits viele Wanderungen in NZ gemacht (im Fiordland z.B. auch zweimal den "Dusky Track...").

Nun meine Fragen:

- Hat jemand schon mal den George Sound Track begangen? Wenn ja:
Welche Erfahrungen habt Ihr gemacht?

- Wie anspruchsvoll ist die Wanderung (z.B. im Vergleich mit dem "Dusky Track")?

- Darf man dieses Projekt auch alleine wagen?

- Gibt es besondere Gefahren?

Danke an alle, die mir Auskunft geben können.

Gruss, manonline

Dude
17.10.2008, 22:48
hallo,

bin zwar selbst nicht zum George Sound gelaufen aber laut "Moir's Guide South: The Great Southern Lakes and Fjords" dürften zwischen Lake Hankinson und George Sound bis auf die üblichen Wetterkapriolen keine besonderen Schwierigkeiten lauern. Habe mal mit einer jungen Dame aus NZ gequatscht, die dort unterwegs war. Hatte auch nichts dergleichen zu berichten. Hat mit ein paar Freunden sogar eine Runde inklusive querfeldein gedreht, weiß aber leider nicht mehr wo sie genau lang ist. Tja, und alleine sollte rein theoretisch fast überall gehen wenn man denn möchte....

grüße,
thomas

bernieHH
18.10.2008, 00:32
Hi Thomas,

waehrend meiner Fiordland-Traverse bin ich auch ueber den George Sound Trek gekommen, bin ihn aber nur einen Teilabschnitt entlanggewandert um dann weiter nach Norden Richtung Milford Sound zu wandern.

Vom Schwierigkeitsgrad ist der George Sound Track nicht anspruchsvoller wie der Dusky Track, aber er ist viel kuerzer wie der Dusky Track und wesentlich weniger begangen. Die Gegend ist viel abgelegener und die Anreise dementsprechend teurer. Ein Boot-Charter von Te Anau zum Hankinsons Lake am Trekkingstartpunkt hat vor Jahren schon 180 NZD gekostet und ist nun vielleicht noch teurer. Vom George Sound am Ende des Treks kommst du nur mit dem Wasserflugzeug weg, da bist du ab 800 NZD dabei, falls du niemanden findest mit dem du die Kosten teilen kannst. Du kannst aber den gleichen Weg zurueckwandern und wieder per Boot ausfahren. Oder falls du sehr Trekkingerfahren bist nach Norden Richtung Milford Sound weiterwandern, dauert ca. eine Woche oder laenger.

Kann sein dass du auf dem George Sound Track noch andere Wanderer triffst, rechne aber nicht damit, wahrscheinlich siehst du auf den gesamten Trek niemanden.

Ob der Trek sich lohnt? Landschaftlich auf jeden Fall ja,.......aber fuer so einen kurzen Trek so hohe Anreisekosten in Kauf nehmen ist Geschmackssache, ich wuerd's nicht,.....ausser in Kombination mit einen laengeren pfadlosen Wildnistrek. Dann kannst du dir eine Route zusammenbasteln die landschaftlich der absolute Hammer ist und wesentlich spektakulaerer und lohnender wie der Dusky Track ist:).....aber wie gesagt, du solltest schon eine gute Wildniserfahrung haben und in NZ schon laengere pfadlose Treks durch Regenwald gemacht haben.

in Moir's Guide South findest du detailliertere Info's darueber.

viel Spass beim planen.......;)

Dude
19.10.2008, 14:40
hi bernie,

da manolines fragen erst mal beantwortet scheinen, klinke ich mich gleich mal ein. war anfang des jahres erst in NZ, bin aber möglicherweise im nächsten oder übernächsten jahr nochmals dort. würde im vorfeld eigene routen planen, bin aber bzgl mountaineering eher schwach aufgestellt. hast du also noch ein paar ausführlichere infos zu deiner traverse. hast du die volle ausrüstung gebraucht oder bist du ohne seil und eisen ausgekommen? wie lange warst du unterwegs und wo kann man vorräte auffrischen?
grüße,
thomas

bernieHH
21.10.2008, 05:20
Thomas,
welche Infos willst du denn genau,......etwa ueber die Fiordland Traverse???

Die Fiordland Traverse ist so ziemlich mit die laengste, schwierigste und landschaftlich spektakulaerste Trekkingroute die man in NZ machen kann!!!;)

Von der Suedkueste bis zum Milford Sound Highway habe ich 41 Tage gebraucht. Auf groessten Teil der Route gibt's keine Pfade und kaum Huetten,.....mit Ausnahme Southcoast Track (1.Tag), Dusky Track (12.bis 15.Tag), Milford Track (letzter Tag) und George Sound Track (irgendwo in der Mitte).
Die komplette Strecke fuehrt durch voellig unzerstoerte Wildnis, also in saemtlichen Taelern die man durchwandert heisst es bushbashing durch dichte Regenwaelder!!!

die genaue Route musst du dir anhand topographischer Karten und den Info's aus Moirs Guide selber zusammenbasteln.
Musst aber echt wissen was du tust, die Talwaende sind oft ziemlich steil, felsig und regenwaldbestanden. Wenn du bei den zahlreichen Passueberquerungen nicht die richtige Route findest, landest du schnell vor Vertikalabstuerze!!!!
Generelle Regel: je weiter nach Norden du kommst, desto steiler wird's. Wenn du mit dem Auto den Milford Sound Highway entlangfaehrst bekommst du 'ne ungefaehre Vorstellung was fuer Landschaften auf dich zukommen!!!

Versorgungsmoeglichkeiten gibt's keine. Ich hab den Trek mit drei Proviantladungen gemacht. Vom West Arm (15.Tag) bin ich per Boot ausgefahren, neue Proviantladung eingekauft, und wieder zurueck. Vom Hankinson Lake (George Sound Track) habe ich mir ein Proviantdepot per Boot einfahren lassen (vorher organisiert).

Mit Ausnahme der oben genannten Tracks trifft man keine Leute.
Vom West Arm den ganzen Weg hoch zum Milford Track habe ich keine einzige Menschenseele gesehen, das waren 25 Tage am Stueck, und das im Januar, also Trekkinghochsaison!!!
Irgendwo in der Mitte bin ich an einer Huette vorbeigekommen (Robin Saddle Hut), der letzte Eintrag im Huettenbuch lag ueber ein Jahr zurueck!!

Die komplette Fiordland Traverse wird hoechstens nur einmal pro Jahr gemacht, wenn ueberhaupt! Zwischen West Arm und Milford Track gibt's kaum vorzeitige Ausstiegsmoeglichkeiten (ausser du arrangierst was per Boot oder Wasserflugzeug), da im Westen das Meer liegt und im Osten der Lake Te Anau. Ein Mountain Radio ist Muss!!!
Normale Trekkingausruestung genuegt, aber mit guten regendichten Zelt. Nur eine hochalpine Traverse mit kleine Gletscherquerungen einen Tag bevor man den Milford Track erreicht. Hierfuer werden je nach Schneebedingungen Steigeisen und Eispickel benoetigt.

Auf dem Milford Track (letzter Tag) sind mir dann hunderte Wanderer ueber den Weg gelaufen,.....also ein echter Kulturschock!

Es gibt in NZ aber auch noch viele andere Langdistanztreks die sich wirklich lohnen und wesentlich einfacher wie die Fiordland Traverse sind und auch "well off the beaten track" liegen, wie z.B. die Kahurangi Traverse.:)

Gruss Bernd

Nemo
21.10.2008, 09:14
Hallo Berni,

bin von Dezember bis März auf NZ und über die Kahurangi Traverse habe ich noch nie etwas gehört.
Kannst Du darüber bitte etwas berichten? Interessiert mich.

Könntest Du oder jemand Anderes mir vielleicht sagen, wielange man bzw. frau von Queenstown bis Auckland braucht? Habe als letzte Amtshandlung den Milford-Track gebucht, fliege aber von Auckland zurück nach Dtl. Nun überlege ich ob ich den Bus nach Akl nehme oder mir besser schon mal einen Flug buche.

bernieHH
23.10.2008, 17:16
hallo Nemo,

die Kahurangi Traverse führt von Süd nach Nord durch den Kahurangi Nationalpark. Meines Wissens steht er noch in keinen Tekkingführer, aber in den Hüttenbüchern entlang der Route kann man lesen daß er ab und zu mal gemacht wird (wenn auch selten), entweder als unabhängiger Trek oder als letzte Etappe der Southern Alps Traverse (von der Südküste Fiordlands bis zur Golden Bay).

Ich hab für die Route 16 Tage gebraucht (ca. 230 km), teils auf Pfade und teils pfadlos. Start vom Lake Matiri über das Thousand Acres Plateau und Matiri Ridge und endet im Aorere Valley nahe Golden Bay.

Die Landschaft ist spektakulär, die Route führt komplett durch Wildnis, die Täler regenwaldbestanden, aber die Berge niedriger, wesentlich weniger steil und nicht so alpin wie die Fiordland Berge. Insgesamt aber tramperfreundlicher da oft Pfade und meistens Hütten, aber trotzdem kommt man auch hier durch wirklich abgelegene Gegenden abseits der bekannten Standarttreks wo man tagelang niemanden trifft. Ich hab in den 16 Tagen nur für zwei Nächte mein Zelt gebraucht. Der mittlere Teil führt auf bekannter Trekkingroute (Lesli-Karamea Track) und auf den Rest der Route wandert man viel entlang der Bergkämme.

Der landschaftlich spektakulärste Abschnitt ist das nördliche Drittel (via Douglas Range ->Dragons Teeth-> Adelaide Tarn-> Boulder Lake). Dieser Abschnitt wird oft als unabhängiger Trek gemacht, dauert ca. 5 Tage und war mal Insidertip unter einheimischen Trampern, aber inzwischen hat auch der eine oder andere Europäer von dieser Route gehört (steht auch in lokalen Trekkingführern). Wird aber viel weniger begangen und ist anspruchsvoller wie z.b. der Dusky Track in Fiordland. Als ich 2001 diese Route gegangen bin war z.b. in der Adelailde Tarn Hut das Hüttenbuch noch von 1968 und gerade mal halb voll!:)

Zu Deiner Frage Queenstown-Auckland: Ich bin meistens per Anhalter gefahren und kenne die Busfahrzeiten nicht. Nur einmal habe ich den Bus genommen, aber via Westland. Hat von Wanaka nach Nelson zwei Tage gedauert, aber die normalroute via Christchurch sollte viel schneller gehen. Wellington-Auckland schaffst du locker in einen Tag. Also ich denke mal mit 4 Tagen bist du auf der sicheren Seite, aber 3 Tage sollte auch zu schaffen sein (vielleicht sogar zwei falls der Bus es in einen Tag von Queenstown nach Picton schafft und du noch am selben Tag die Fähre erwischt,.......hab aber keine Ahnung ob dies klappen wird):confused:

gruss Bernd

Nemo
24.10.2008, 14:00
Diese Tour gefällt mir immer besser. Was für Karten hast Du benutzt und wo hattest Du die her - gibt es die vor Ort?

Ich lande ja in AKL, wil 2 - 3 Sachen im Norden machen und dann zügig zur Südinsel. Für mich wäre dieser Treck von Nord nach Süd interessant. Siehst Du da irgendwelche Probleme? Wasser gabs sicherlich genug oder sind da problematische Streckenabschnitte? Hattest Du für die 16 Tage kpl. Lebensmittel dabei oder gibts irgendeine Möglichkeit für Nachschub?

bernieHH
25.10.2008, 22:55
hi Nemo,

ich sehe kein Problem damit den Treck von Nord nach Süd zu machen. Wasser gibt's genug, du solltest aber ne Flasche zum auffüllen dabeihaben da es auf einigen Kammabschnitten etwas dauern kann bist du wieder was findest.
Ich hatte Proviant für den kompletten Trek mitgeschleppt, es gibt unterwegs keine Nachschubmöglichkeit.

Drei Kartenblätter decken die komplette Route ab (1:50.000): M26 Cobb
M27 Mount Arthur
M28 Wangapeka
Die Trekkingroute ist auf den Karten aber nicht markiert. Falls du nur den nördlichen Abschnitt via Douglas Range zum Boulder Lake machen willst reicht das erste Blatt (M26). Ich hab meine Karten in Christchurch gekauft, du bekommst sie aber auf jeden Fall auch in Auckland, Wellington , Nelson usw.......

viel Spass:)
Bernd

Nemo
26.10.2008, 07:54
Moin² Bernd,

dann habe ich ja alle wichtigen Infos zusammen. Danke. Die Tour klingt richtig gut, werde ich wohl machen.
Gruß Ute

Dude
27.10.2008, 20:58
Hallo Bernd,

in der Tat hört sich die Fjordlandtraverse sehr interessant an. Jedoch wird alleine der Versuch an meiner begrenzten Zeit scheitern. Vielleicht könnte ich's von der Südküste bis zum Westarm oder von dort in Richtung Milford probieren. Tja und auf querfeldein bin ich dann mal gespannt. Bin irgendwo im Spey-Valley mal auf einem kleinen "Seitentrip" gewesen. Dabei bei jedem Schritt entweder bis zum Allerwertesten im vermodernden Unterholz eingebrochen oder versumpft. Da man auf diese Weise eher verhungert als irgendwo ankommt, vermute ich mal, dass man entlang der Flüsse und Bäche noch das größte Wandervergnügen verspürt. Mit Zelt und Mampf dürfte es auch einiges zu tragen geben. Aber ich habe ja noch ein bischen Zeit zum Überlegen....Sind die schwierigeren Passübergänge eigentlich in Moir''s Guide oder woanders beschrieben? Im dichten Wald dürfte die Orientierung unterhalb der Baumgrenze sonst etwas problematisch werden oder?
Jedenfalls schon mal vielen Dank für die Anregungen. Da wir uns bei unserem ersten Besuch hauptsächlich auf kürzere Sachen beschränkt haben, werden wir auf jeden Fall mal eine große Distanz probieren.

@Ute schon mal viel Spaß

Grüße, thomas

manonline
30.10.2008, 22:52
:coffee: Vielen Dank allen Beteiligen für die informativen und spannenden Beiträge und Antworten!

bernieHH
01.11.2008, 18:31
@Dude:

an deinen letzten Text hier sieht man dass du so einen Trek noch nicht gemacht hast, ......stimmts?
Glaubst du nicht dass du die Fiordlandtraverse oder einen Teil davon dann nicht erheblich unterschätzt?

Wenn's ein pfadloser Trek sein muss würde ich es an deiner Stelle erstmal mit einen kurzen Trek probieren, die Fiordland Traverse wird da ein viel zu heftiger Brocken werden (ganz besonders der nördliche Abschnitt!).
In den Tälern wandert man die meiste Zeit im Wald, und nicht im Flussbett,.....manchmal auf mehr oder weniger sporadisch erkennbare Tierpfade.

In Moirs Guide werden zwar viele Routen & Pässe beschrieben, aber längst nicht alle. Moirs Guide beschreibt machbare pfadlose Wildnisrouten für erfahrene Tramper, die Tracks in Fiordland werden in Moirs Guide zwar auch beschrieben aber diese Beschreibungen sind meist völlig veraltet. Moirs Guide ist hilfreich bei der Routenplanung und auf den Trek als zusätzliche Infoquelle nützlich, aber gleichzeitig sollte man auf einen pfadlosen Wildnistrek fähig sein seine eigene Route auch alleine und ohne die Hilfe von Moirs Guide zu finden.

Wenn überhaupt dann würde ich den südlichen Abschnitt machen. Der Kamm der Princess Mountains (westlich vom Lake Hauroko) ist fast komplett von Süd nach Nord oberhalb der Baumgrenze bewanderbar, so bringt man schonmal einen grossen Abschnitt ohne bushbashing hinter sich.
viel Spass:)

Dude
02.11.2008, 18:38
Hi Bernd,

ich bin mir schon bewusst, dass es sich dabei um eine Herausforderung der besonderen Art handelt. Auch hatte ich in der Vergangenheit hin und wieder die Gelegenheit, meine physischen und psychologischen Grenzen beim Wandern kennen zu lernen, und bin auch so nicht anfällig für maßlose Selbstüberschätzung. Letztendlich kann ich natürlich nicht ausschließen, ob wir uns mit einer solchen Tour nicht übernehmen. Insbesondere nicht, wenn angesichts der Abgeschiedenheit Faktoren wie extreme Wetterlagen, Krankheit oder gar Verletzung mit ins Spiel kommen. Bis wir wieder in NZ sind wird sich des Öfteren die Möglichkeit bieten „offroad“ Erfahrungen auch unter schwierigsten Bedingungen zu sammeln. Ob es schlussendlich ein Teil der Fjordlandtraverse oder eine der vielen anderen möglichen Langstrecken wird, entscheidet sich dann unter Abwägung aller Aspekte im Jahr des Geschehens. Bis dahin gilt es Anregungen zu sammeln und Vorfreude auf neue Herausforderungen aufzubauen. In diesem Sinne vielen Dank für deine Ratschläge. Nicht zuletzt dein Beitrag zum „Arthur’s Pass to Mt. Cook“ hat mich in die Hände der Alpinisten getrieben, damit vielleicht in ein paar Jahren auch eine solche, nahezu grenzenlose Tour aus eigener Kraft möglich ist….
Grüße,
thomas