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Vollständige Version anzeigen : Warnung für Neuseeland


gryllteiste
02.07.2008, 11:11
Hallo Gemeinde,
ich möchte alle Neuseelandreisenden darauf hinweisen, dass das Department of Conservation in großem Stil Giftköder gegen Opossums und Kaninchen einsetzt, die aus der Luft abgeworfen werden. Das eingesetzte Gift wird 1080 genannt und wer dies als Stichwort in einer Suchmaschine eingibt, findet sowohl die Rechtfertigungsversuche der Regierungsbehörde, als auch Seiten von Gegnern der Anwendung (z. B. www.stop1080poison.com (http://www.stop1080poison.com)). Hier fürchten viele Leute um ihre Trinkwasserversorgung, was natürlich auch beim Trampen (NZ-Begriff für Trekken) eine große Rolle spielt. 57mg des Gifts werden als tödlich für einen 68kg schweren Mann angesehen. Watch out!
Allzeit erfolgreiche Wanderung wünscht
Gryllteiste

bernieHH
24.07.2008, 22:49
das ist nichts Neues,....schon seit Jahren und Jahrzehnten wird dieses Gift aus der Luft abgeworfen und gegen Possums eingesetzt.

Wenn man lange genug in Neuseeland verbracht hat und sich intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt hat wird man feststellen dass es fuer die einheimischen Fauna und Flora FATAL waere wenn man dieses Gift NICHT einsetzen wuerde......

.....und Gegner gibt es fuer alles;)

also nur keine Panik und weiterhin gutes "trampen"

gryllteiste
25.07.2008, 12:37
Hi bernieHH,

also wir müssen nicht diskutieren, dass es sich um Gift handelt, prima. Folgt man den wochenlangen Leserbriefdiskussionen hier in der Zeitung, wird man gewahr, dass es zahlreiche Einheimische gibt, die tatsächlich um ihre Trinkwasserversorgung fürchten.

Zitat (Hauraki Herald 18/07/2008): "Could Mr Gaukrodger [DOC area manager] explain where the water that is in streams of less than three meters in width goes to? Small streams flow into bigger streams and then even bigger streams, carrying with them their 1080 poison. These streams eventually flow into the Kaueranga River, which is probably the only natural waterway that is over three meteres wide and has a 60-metre buffer zone. Could he also explain why a Government department (Ministry of Agriculture) building of 18 storeys was totally evacuated because of a little package of 1080? ...Why was it necessary to truck water into Rangipo Prison Farm after its water supply was inadvertently poisoned with 1080? It was a shame that polo ponies and 20 sheep were killed by the same drop. The real shame of 1080 is that it kills the birds that these so-called conservationists are trying to protect. Soon after a 1080 drop the bush is deathly silent."

So viel zum Trinkwasser, worauf sich mein Beitrag bezieht, und zur 'Fauna'. Weiters wurden Todesfälle bei Hunden, Insekten und Fröschen berichtet.

Weiteres Zitat: "Why on earth are citizens of a free country forced to endure this dose of death from above on their own land?"

Klar ist, dass jemand, der in Hamburg lebt auch von Gefahren bedroht ist, zum Beispiel vier Atomkraftwerken in der Umgebung. Da sind ja auch ein paar Leute dagegen. Aber keine Panik. Strahlt ruhig weiter!;)

Cheers

bernieHH
25.07.2008, 19:43
hallo gryllteiste,

Aber fakt ist dass etwas gegen die Possums unternommen werden muss. Die sind eine wirkliche Pest in Neuseeland und richten imensen Schaden an der Natur an und vermehren sich wie Heuschrecken da sie keine natuerlichen Feinde haben. Nicht nur dass sie zum Aussterben seltener einheimischer Voegel beitragen, sondern sie fressen auch systematisch die Waelder auf. Sie bevorzugen Rata-Baeume, sie bleiben bei einem Baum haengen solange bis er tot ist und dann gehen sie auf den naechsten Baum ueber. Wenn alle Ratabaeume tot sind kommen die anderen Baumarten an der Reihe.

Die neuseelaendischen Regenwaelder sind wirklich absolut einmalig, mit die genialsten Waelder durch die ich jemals gewandert bin!! Aber wenn man durch ein Tal wandert wo 30 Prozent aller Baeume tot sind dann war es das Werk von Possums!!!
Wenn nichts unternommen wird, dann wird Neuseeland in 100 Jahren nur nocht aus toten Waeldern bestehen!!!!! Possums sind aus Australien eingeschleppte Tiere, die australischen Baumarten sind gegen die Possums immun, die neuseelaendischen nicht!
Frag mal einheimische Tramper,.....fast alle die ich getroffen haben waren der einhelligen Meinung dass etwas unternommen werden MUSS!! Und 1080 ist momentan leider die einzigste halbwegs effektive Moeglichkeit.
Konventionelle Methoden wie Fallen (viele Possum-Trapper sind in den Waeldern unterwegs) erlegen nur einen winzigen Bruchteil, und stellen keine effektive Possum-bekaempfung dar.

DOC behauptet dass 1080 keine Auswirkungen auf das Trinkwasser hat, und die Gegner behaupten selbstverstaendlich das Gegenteil.
Ich bin 16 Monate lang durch Neuseeland gewandert, hab ueberall das Bachwasser getrunken, auch in Gegenden wo 1080 abgeworfen wurde,.....und ich lebe noch!;) In der Grosstadt zu leben und jeden Tag die Autoabgase einatmen zu muessen ist wesentlich schaedlicher fuer die Gesundheit!

Natuerlich ist dieses Thema sehr kontrovers!!! 1080 killt auch Tierarten fuer die es nicht bestimmt ist, aber der Schaden den die Possums anrichten wenn sie nicht bekaempft werden ist weitaus groesser!!
Es gibt viele 1080 Gegner,.....aber einige Leute hoeren nur das Wort Gift und schon schliessen sie sich auf der Liste der Gegner an.

.....so, jetzt erstmal genug ueber dieses Thema! Ich geh gleich los auf Trekkingtour und bin fuer die naechsten 2 bis 3 Wochen in der Wildnis:):):)

schoene Gruesse......

gryllteiste
26.07.2008, 02:26
Hi bernieHH,

grundsätzlich stimmen wir überein, aber leider ist deine Darstellung etwas falsch gewichtet. In einem anderen thread habe ich gelesen "`s ist halt Neuseeland" und solange man im schicken Outdoor-Ausstatter-Kaufhaus steht, klingt das ja auch sehr verlockend und geschäftsfördernd. Aber so einfach ist das nicht mit der gücklichen Inselgruppe auf der anderen Seite des Globus. Hier leben nämlich auch Menschen. Seit ca. 1.000 Jahren Polynesier, die heute 'Maori' gennt werden und von denen sich bezüglich der Landaneignung durch die Britische Krone viele schlicht beklaut fühlen, wohl zu Recht, denn es finden ständig Kompensationsverhandlungen und -abschlüsse statt.

Unserem Thema kommen wir dann näher, wenn wir uns vor Augen halten, was ich hier in einem Buch gelesen habe: Neuseeland war ürsprünglich ein zu 95% mit Wäldern bestandenes Paradies für alle Arten, auch von bodenbrütenden Vögeln, selbstverständlich alle endemisch, also 'einzigartig'. Durch die Polynesier wurden nicht nur Ratten eingeführt, soindern auch die größten Laufvögel (Moas) bis zur Ausrottung gejagt. Die Polynesier, die wärmere Klimate gewöhnt waren, begannen sie mit dem Anbau von speziellen Früchten, die sie mitgebracht hatten und lebten selbstverständlich von den nach wie vor zahlreichen 'Früchten des Meeres'. Jedenfalls begannen sie mit der Rodung von Wäldern, wobei sie Jadebeile benutzten und eine hervorragende Holzbearbeitungs (Schnitz-) kultur entwickelten. Sicher haben sie auch brandgerodet, weil, versuch mal mit einem Jadebeil einen Baumriesen zu fällen! Es gibt Schätzungen über die Flächen, die sie rodeten, um Anbauflächen zu gewinnen, die ich aber nicht präsent habe.

Jedenfalls vernichteten die britischen Kolonisten innerhalb weniger Jahrzehnte nach ihrer Ankunft ab den 1830er Jahren weit mehr Wälder, als die Maori während etwa 800 Jahren zuvor. Wie im Amazonasregenwald wurde anschließend eine Landwirtschaft betrieben, die den kargen Boden innerhalb von wenigen Jahren auslaugte und in nichts anderes als Viehweiden verwandelte, die heute über 50% der Landesfläche ausmachen. Im Norden, also auch hier auf der Coromandel, wurden die beinahe gesamten Kauriwälder abgeholzt, und zwar vorwiegend für den Export (merke: Kolonie!). Es gibt hier seit 2000 eine Initiative für Neupflanzungen, damit in etlichen Hundert Jahren sich Menschen vielleicht wieder an solchen Baumriesen erfreuen dürfen.
Die genuin neuseeländischen Urwälder sind heute tatsächlich zu sehr kleinen Flächen zusammengeschrumpft, die hauptsächlich auf der Südinsel liegen, teils in Naturparks, deren Gebiete aus reiner Verzweiflung von Maori der Regierung übertragen wurden, um sie zu retten. Klar, dass die toll sind!

Das Problem mit den Opossums ist nicht isoliert, denn von den britischen Kolonisten wurden zahlreiche Tierarten eingeschleppt / eingeführt, teils, um Jagdwild abzugeben. Auf der Südinsel war die Situation in den 1970er Jahren so desaströs für die Bergregionen, dass damit begonnen wurde, Rotwild und Gemsen von Hubschraubern aus kommerziell zu jagen, was nach anerkannter Ansicht die einzige Möglichkeit war, der Plage Herr zu werden, die von den traditionellen Jägern nicht mehr bewältigt werden konnte. (Diese mockieren sich heute noch über 'Unsportlichkeit'.)

Opossums stehen in Tasmanien tatsächlich unter Schutz, hier haben sie sich sehr ausgebreitet, allerdings gehen die Ansichten über die aktuellen Bestände sehr auseinander. Wenn Du auch das seit 10 Jahren bestehende 'Te Papa'-Nationalmuseum in Wellington besucht hast, könntest Du nicht nur umfangreiche Informationen zu diesem Theme gefunden haben, sondern auch einen Film über einen possum-Jäger gesehen haben, dessen Rekord bei 400 (!) geschossenen Tieren in einer Nacht steht. Das ist nämlich ganz einfach. Man leuchtet mit einem Handscheinwerfer in die Bäume und zielt auf die gut sichtbaren, geblendeten Augen. Possumfleisch schmeckt tatsächlioch wie Hühnchen, Possumfell ist ein sehr guter Rohstoff, mit Wolle gemischt (derzeit 35 Millionen Schafe in Neuseeland) ergibt sich ein hervorragedes Vlies / Gestrick! Vergiftete, verrottende Tierkadaver sind wertlos!
Daher: Giftabwurf ist keinesfalls das probate Mittel! Und darüber hinaus habe ich an keiner Stelle Wälder gesehen, die auch nur annährend zu 30% kahlgefressen gewesen wären.

Die größten Umweltschädlinge auf Neuseeland sind nach wie vor Menschen, die nicht nachhaltig denken und handeln! Übrigens wurde hier auch eine Kiefernart zu einer sehr schnellwachsenden (possumsicheren) Sorte gezüchtet, die, wie Spargel angebaut und abgeerntet, zu einer Art von 'Waldwirtschaft' verwendet wird und ein minderwertiges, dafür mit Imprägniergiften vollgepumptes Bauholz liefert. Die findet man übrigens fast überall. Es ist erstaunlich schwierig, wirklich einheimische Hölzer zur Holzbearbeitung zu bekommen, sie sind teuer und manche Sorten schlichtweg verboten (wie Kauri).

Lasst uns alle die Probleme lösen. Dafür haben wir unsere Köpfe zum Nachdenken. Gift ist billig und ¤*#¤*#¤*#¤*#.

Ich wünsche Dir und allen anderen eine gute Wanderzeit und - take care!:)