geroldh
06.06.2008, 22:52
Höhen-Akklimatisation
Die beste Vorbeugung von Höhen-Problemen - insbesondere der Höhenkrankheit (http://www.trekkingforum.com/forum/showthread.php?t=12429) - ist eine vernünftige Höhen-Anpassung (=Akklimatisation) des Körpers an den sich verringernden Atmosphärendruck.
Auch wenn unser heutiger Alltag - und zumeist auch unsere Freizeit - immer schnelllebiger wird, so wird unser Körper nicht lange mit der zunehmenden Geschwindigkeit mithalten und noch ewig mit seiner "evolutionären Ur-Geschwindigkeit ticken". Dies gilt vor allem, wenn sich unser Körper auf neue Verhältnisse im Sauerstoffpartialdruck der Luft einzustellen hat, denn eine Hauptursache am "erkranken" an der Höhenkrankheit sind in erster Linie Ungeduld und Leichtsinn, gepaart mit übersteigerter Selbsteinschätzung...
Neben einen ausreichenden Faktor ZEIT ist dabei auch die richtige TAKTIK wesentlich entscheidend für eine erfolgreiche Akklimatisation und damit zu einer sicheren Trekking-Reise.
Bildlich gesprochen bildet die richtige Akklimatisation das "stabile Fundament", um darauf eine gesunde und erholsame Trekking-Tour aufzusetzen. Wenn schließlich noch der Erfolg besteht, einen krönenden Gipfel quasi als "Dach" oben drauf zu setzen, dann ist dies umso schöner...
Der Fortschritt der Höhenanpassung ist individuell verschieden, wobei es sogar einen sehr geringen Anteil in der Bevölkerung gibt, dem es dabei ziemlich schwer fällt bzw. sogar unmöglich ist, sich grundsätzlich an eine größere Höhe bzw. verringerten Sauerstoffgehalt der Luft anzupassen.
Oberhalb von etwa 2500-3000m tritt zunächst die <akute Bergkrankheit> in der milderen Form bei immerhin rund 30 Prozent der Bergwanderer auf.
Wie passt sich der Körper an die Höhe an?
Der Organismus besitzt eine erstaunliche Anpassungsfähigkeit an Änderungen des Umgebungsdruckes. Etwa 25 Millionen Menschen leben dauerhaft in Höhen über 3500 Metern und haben keinerlei Probleme damit. Aber wenn unser Flieger z.B. im tibetischen Lhasa oder bolivianischen La Paz (3.600m ü.M.) landet, ist der Körper noch nicht auf die dortigen Verhältnisse vorbereitet.
Zunächst steigt vor allem der Gehalt von roten Blutkörperchen an. Normalerweise liegt der Anteil dieser Sauerstofftransporter im Blut bei Männern zwischen 42-52 Prozent, bei Frauen etwas darunter. Nach Ablauf von zwei Wochen ist dieser Anteil um 10 Prozent gestiegen. Leistungssportler machen sich diesen Effekt beim Höhentraining zunutze, um die Sauerstoff-Transportkapazität ihres Blutes zu steigern. Bei längeren Aufenthalten in extremer Höhe kann die Sauerstoffsättigung des Blutes sogar auf 70 Prozent ansteigen.
Diese Anpassung birgt aber auch Nachteile: Der erhöhte Anteil fester Blutkörperchen behindert die Fließeigenschaften des Blutes, wodurch die Gefahr von Thrombosen (Verstopfen von Gefäßen durch verklumpte Blutkörperchen) ansteigt. Auch wird die Durchblutung von kleinen Äderchen erschwert, was sich wiederum negativ auf eine zunehmende Unterstützung von Kälteschäden auswirken kann.
Neben der Transportkapazität des Blutes verbessert sich auch die Sauerstoffnutzung: In der Muskulatur wachsen neue Kapillaren, die Endversorgungsleitungen des Gefäßsystems.
Auch auf molekularer Ebene wird versucht, das geringe Sauerstoffangebot der Umgebung bestmöglich zu nutzen: Die Enzymsysteme in den Mitochondrien, den Energiekraftwerken der Zelle, laufen jetzt auf Hochtouren.
Eine dauerhafte Anpassung des Organismus an die Höhe ist nur bis etwa 5500-6000m möglich, darüber baut der Körper stetig ab, selbst im Schlaf.
Um bei der Akklimatisation zwischen 2500m und 5500m auf der sicheren Seite zu sein, ist das Delta der Schlafhöhe entscheidend, die pro Tag nicht mehr als 300-500 hm (Höhenmeter) betragen soll. Dies gilt für den Erstaufstieg bei einer Trekking-Tour und den größten Teil der Wanderer, vor allem jene, die das erste Mal im Leben in diese Höhen kommen. Für "alte Trekking-Hasen" und Expeditionsteilnehmer für Höhen oberhalb von 6000m gelten grundsätzlich die gleichen Regeln, nur kann man vermuten, dass der Körper den Anpassungs-Prozess "gelernt" hat, sich daran "erinnert" und sich somit leichter tut.
Für eine erfolgreiche Akklimatisation gibt es einige "goldene" Regeln, die im folgenden sehr schön dargestellt sind:
* Zentrum für Tropen-, Reise- und Geomedizin, 2007, Dr. Peter Schatzl: "Höhentaktik"
http://www.medint.at/wintersemester/hoehentaktik.htm
* DAV Panorama Nr. 6 / 2001, S. 58f: "In dünner Luft - die Taktik des Höhenbergsteigens"
http://www.medint.at/referenzen/goldenrules.pdf
* Berg & Steigen 02/02: Christoph Höbenreich: "schneller, höher, weiter... -
Reise- und Akklimatisationsplanung beim Trekking und Höhenbergsteigen"
http://www.bergundsteigen.at/file.php/archiv/2002/2/27-30%20(schneller,%20hoeher,%20weiter...).pdf (http://www.bergundsteigen.at/file.php/archiv/2002/2/27-30%20%28schneller,%20hoeher,%20weiter...%29.pdf)
Soweit die Theorie - in der Praxis ist es dann oft eine kleine Herausforderung, diese Regeln im gewählten Gebiet gut in das Gelände umzusetzen. Dazu können eine Reihe an Unwägbarkeiten, wie Wetter, Gesundheit, etc. weitere Flexibilität in der Etappenplanung einfordern, weswegen auch etwas Reserve in der Planung erforderlich ist.
Unten im Anhang ist mit der Datei <Plan_Trek-diagr_AC-2k7.pdf> ein Beispiel einer möglichen Akklimatisationsplanung für eine Trekking-Tour im Annapurna-Gebiet zu finden, die im Okt.2007 ohne gesundheitliche Höhen-Probleme von allen Teilnehmern durchgeführt werden konnte. Aufgrund von äußeren Einflüssen war aber auch hier etwas Flexibilität erforderlich, die gepaart mit einem Quäntchen Ehrgeiz und Glück für den Gipfelsturm zu folgendem tatsächlichen Höhenprofil geführt hat, s.<Ist_Trek-diagr_AC-2k7.pdf>.
Übertragen in das Höhen-Zeit-Profil aus dem Artikel von Christoph Höbenreich (s.o. & <H-Z-P_Trek-AC-2k7.pdf>) lässt sich ein kleiner "Verstoß" erkennen, als nach einer problemlosen Nacht in Muktinath (3700m) für einen Akkli-Tages-Ausflug ohne Gepäck (so weit wie jeder wollte) zum Thorong La (5400m) aufgestiegen wurde. Dass dabei die Ausführungen zur Akklimatisation und Höhenkrankheit durchaus ernstgenommen werden sollten und kein "Larifari", "Gedöns" usw. sind, durften wir erfühlen, als oberhalb von etwa 5000m starke Kopfschmerzen aufgetreten sind, die jedoch beim Abstieg sukzessiv wieder verschwanden und somit die nächste Nacht in Muktinath erneut beschwerdefrei war ("Climb High – Sleep Low"). Als nächste Übernachtungsmöglichkeit wäre hier nur maximal eine Höhe von ca. 4200-4400m "erlaubt" gewesen.
Zur weiteren Vertiefung in das Thema "Höhenbergsteigen":
* SCHATZL, P., 2001: "Geographische Aspekte des Höhenbergsteigens" -
(Diplomarbeit an der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Salzburg)
http://www.medint.at/dipl.htm
* DR. Franz Berghold: "Bergmedizin heute - Ratgeber für gesundes Wandern und Bergsteigen"
* Dr. Franz Berghold: "Handbuch der Trekking- und Expeditionsmedizin"
* kleine Linksammlung:
http://www.medint.at/referenzen/links.htm#Hoehe
* Berg & Steigen 03/05: Walter Würtl und Walter Zörer:
"Risikomanagement auf Trekking- und Expeditionsreisen - Führen in großen Höhen"
http://www.bergundsteigen.at/file.php/archiv/2005/3/20-27%20(fuehren%20in%20gro%DFen%20hoehen).pdf (http://www.bergundsteigen.at/file.php/archiv/2005/3/20-27%20%28fuehren%20in%20gro%DFen%20hoehen%29.pdf)
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Die beste Vorbeugung von Höhen-Problemen - insbesondere der Höhenkrankheit (http://www.trekkingforum.com/forum/showthread.php?t=12429) - ist eine vernünftige Höhen-Anpassung (=Akklimatisation) des Körpers an den sich verringernden Atmosphärendruck.
Auch wenn unser heutiger Alltag - und zumeist auch unsere Freizeit - immer schnelllebiger wird, so wird unser Körper nicht lange mit der zunehmenden Geschwindigkeit mithalten und noch ewig mit seiner "evolutionären Ur-Geschwindigkeit ticken". Dies gilt vor allem, wenn sich unser Körper auf neue Verhältnisse im Sauerstoffpartialdruck der Luft einzustellen hat, denn eine Hauptursache am "erkranken" an der Höhenkrankheit sind in erster Linie Ungeduld und Leichtsinn, gepaart mit übersteigerter Selbsteinschätzung...
Neben einen ausreichenden Faktor ZEIT ist dabei auch die richtige TAKTIK wesentlich entscheidend für eine erfolgreiche Akklimatisation und damit zu einer sicheren Trekking-Reise.
Bildlich gesprochen bildet die richtige Akklimatisation das "stabile Fundament", um darauf eine gesunde und erholsame Trekking-Tour aufzusetzen. Wenn schließlich noch der Erfolg besteht, einen krönenden Gipfel quasi als "Dach" oben drauf zu setzen, dann ist dies umso schöner...
Der Fortschritt der Höhenanpassung ist individuell verschieden, wobei es sogar einen sehr geringen Anteil in der Bevölkerung gibt, dem es dabei ziemlich schwer fällt bzw. sogar unmöglich ist, sich grundsätzlich an eine größere Höhe bzw. verringerten Sauerstoffgehalt der Luft anzupassen.
Oberhalb von etwa 2500-3000m tritt zunächst die <akute Bergkrankheit> in der milderen Form bei immerhin rund 30 Prozent der Bergwanderer auf.
Wie passt sich der Körper an die Höhe an?
Der Organismus besitzt eine erstaunliche Anpassungsfähigkeit an Änderungen des Umgebungsdruckes. Etwa 25 Millionen Menschen leben dauerhaft in Höhen über 3500 Metern und haben keinerlei Probleme damit. Aber wenn unser Flieger z.B. im tibetischen Lhasa oder bolivianischen La Paz (3.600m ü.M.) landet, ist der Körper noch nicht auf die dortigen Verhältnisse vorbereitet.
Zunächst steigt vor allem der Gehalt von roten Blutkörperchen an. Normalerweise liegt der Anteil dieser Sauerstofftransporter im Blut bei Männern zwischen 42-52 Prozent, bei Frauen etwas darunter. Nach Ablauf von zwei Wochen ist dieser Anteil um 10 Prozent gestiegen. Leistungssportler machen sich diesen Effekt beim Höhentraining zunutze, um die Sauerstoff-Transportkapazität ihres Blutes zu steigern. Bei längeren Aufenthalten in extremer Höhe kann die Sauerstoffsättigung des Blutes sogar auf 70 Prozent ansteigen.
Diese Anpassung birgt aber auch Nachteile: Der erhöhte Anteil fester Blutkörperchen behindert die Fließeigenschaften des Blutes, wodurch die Gefahr von Thrombosen (Verstopfen von Gefäßen durch verklumpte Blutkörperchen) ansteigt. Auch wird die Durchblutung von kleinen Äderchen erschwert, was sich wiederum negativ auf eine zunehmende Unterstützung von Kälteschäden auswirken kann.
Neben der Transportkapazität des Blutes verbessert sich auch die Sauerstoffnutzung: In der Muskulatur wachsen neue Kapillaren, die Endversorgungsleitungen des Gefäßsystems.
Auch auf molekularer Ebene wird versucht, das geringe Sauerstoffangebot der Umgebung bestmöglich zu nutzen: Die Enzymsysteme in den Mitochondrien, den Energiekraftwerken der Zelle, laufen jetzt auf Hochtouren.
Eine dauerhafte Anpassung des Organismus an die Höhe ist nur bis etwa 5500-6000m möglich, darüber baut der Körper stetig ab, selbst im Schlaf.
Um bei der Akklimatisation zwischen 2500m und 5500m auf der sicheren Seite zu sein, ist das Delta der Schlafhöhe entscheidend, die pro Tag nicht mehr als 300-500 hm (Höhenmeter) betragen soll. Dies gilt für den Erstaufstieg bei einer Trekking-Tour und den größten Teil der Wanderer, vor allem jene, die das erste Mal im Leben in diese Höhen kommen. Für "alte Trekking-Hasen" und Expeditionsteilnehmer für Höhen oberhalb von 6000m gelten grundsätzlich die gleichen Regeln, nur kann man vermuten, dass der Körper den Anpassungs-Prozess "gelernt" hat, sich daran "erinnert" und sich somit leichter tut.
Für eine erfolgreiche Akklimatisation gibt es einige "goldene" Regeln, die im folgenden sehr schön dargestellt sind:
* Zentrum für Tropen-, Reise- und Geomedizin, 2007, Dr. Peter Schatzl: "Höhentaktik"
http://www.medint.at/wintersemester/hoehentaktik.htm
* DAV Panorama Nr. 6 / 2001, S. 58f: "In dünner Luft - die Taktik des Höhenbergsteigens"
http://www.medint.at/referenzen/goldenrules.pdf
* Berg & Steigen 02/02: Christoph Höbenreich: "schneller, höher, weiter... -
Reise- und Akklimatisationsplanung beim Trekking und Höhenbergsteigen"
http://www.bergundsteigen.at/file.php/archiv/2002/2/27-30%20(schneller,%20hoeher,%20weiter...).pdf (http://www.bergundsteigen.at/file.php/archiv/2002/2/27-30%20%28schneller,%20hoeher,%20weiter...%29.pdf)
Soweit die Theorie - in der Praxis ist es dann oft eine kleine Herausforderung, diese Regeln im gewählten Gebiet gut in das Gelände umzusetzen. Dazu können eine Reihe an Unwägbarkeiten, wie Wetter, Gesundheit, etc. weitere Flexibilität in der Etappenplanung einfordern, weswegen auch etwas Reserve in der Planung erforderlich ist.
Unten im Anhang ist mit der Datei <Plan_Trek-diagr_AC-2k7.pdf> ein Beispiel einer möglichen Akklimatisationsplanung für eine Trekking-Tour im Annapurna-Gebiet zu finden, die im Okt.2007 ohne gesundheitliche Höhen-Probleme von allen Teilnehmern durchgeführt werden konnte. Aufgrund von äußeren Einflüssen war aber auch hier etwas Flexibilität erforderlich, die gepaart mit einem Quäntchen Ehrgeiz und Glück für den Gipfelsturm zu folgendem tatsächlichen Höhenprofil geführt hat, s.<Ist_Trek-diagr_AC-2k7.pdf>.
Übertragen in das Höhen-Zeit-Profil aus dem Artikel von Christoph Höbenreich (s.o. & <H-Z-P_Trek-AC-2k7.pdf>) lässt sich ein kleiner "Verstoß" erkennen, als nach einer problemlosen Nacht in Muktinath (3700m) für einen Akkli-Tages-Ausflug ohne Gepäck (so weit wie jeder wollte) zum Thorong La (5400m) aufgestiegen wurde. Dass dabei die Ausführungen zur Akklimatisation und Höhenkrankheit durchaus ernstgenommen werden sollten und kein "Larifari", "Gedöns" usw. sind, durften wir erfühlen, als oberhalb von etwa 5000m starke Kopfschmerzen aufgetreten sind, die jedoch beim Abstieg sukzessiv wieder verschwanden und somit die nächste Nacht in Muktinath erneut beschwerdefrei war ("Climb High – Sleep Low"). Als nächste Übernachtungsmöglichkeit wäre hier nur maximal eine Höhe von ca. 4200-4400m "erlaubt" gewesen.
Zur weiteren Vertiefung in das Thema "Höhenbergsteigen":
* SCHATZL, P., 2001: "Geographische Aspekte des Höhenbergsteigens" -
(Diplomarbeit an der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Salzburg)
http://www.medint.at/dipl.htm
* DR. Franz Berghold: "Bergmedizin heute - Ratgeber für gesundes Wandern und Bergsteigen"
* Dr. Franz Berghold: "Handbuch der Trekking- und Expeditionsmedizin"
* kleine Linksammlung:
http://www.medint.at/referenzen/links.htm#Hoehe
* Berg & Steigen 03/05: Walter Würtl und Walter Zörer:
"Risikomanagement auf Trekking- und Expeditionsreisen - Führen in großen Höhen"
http://www.bergundsteigen.at/file.php/archiv/2005/3/20-27%20(fuehren%20in%20gro%DFen%20hoehen).pdf (http://www.bergundsteigen.at/file.php/archiv/2005/3/20-27%20%28fuehren%20in%20gro%DFen%20hoehen%29.pdf)
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