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Vollständige Version anzeigen : Porterguides


Soshin
01.06.2008, 20:17
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Porterguides

Ein Porterguide ist ein Führer, der auch einen Rucksack (bis etwa 15 kg) trägt.


Wer ist Porterguide?

Porterguides sind oft jüngere Männer, die zuvor Porter waren und sich dann eine Fremdsprache (meistens Englisch, Französisch oder Deutsch - in der Reihenfolge der Häufigkeit) angeeignet haben.

Sie mögen oder mögen auch nicht eine Ausbildung zum Guide gemacht haben. Da diese Ausbildung recht kurz dauert und deren Nutzen eher fragwürdig erscheint, sollte man den Kursabschluss nicht zum Kriterium machen.

In der (recht hierarchischen) Abstufung der mit dem Trekking in Nepal verbundenen Berufe steht der Porterguide zwischen dem Porter und dem Guide, darüber käme dann noch der für eine grössere Gruppe verantwortliche Sirdar und der High Altitude (oder Climbing) Guide.


Was macht ein Porterguide?

Einen Rucksack bis etwa 15 kg tragen und einen oder mehrere Trekker führen. Unter Umständen kann er, wenn gewünscht, bei Gruppen über etwa drei Trekkern, auch bei der Auswahl von Portern behilflich sein und diese beaufsichtigen.

Unter "führen" ist nicht unbedingt nur zu verstehen, dass ein Porterguide den Weg zeigen würde.
Er kümmert sich um deutlich mehr: Hilft bei der Unterkunftssuche; beim Kochen in der Lodge; erkundigt sich nach dem aktuellen Wegzustand, der Wetter- und Schneelage; er kann übersetzen und kulturelle Vorgänge erklären; oft weiß er auch was über Flora und Fauna.

Er berät bei der Einteilung der Tour in Tagesetappen; er hilft beim Überqueren von Bächen, schwerer Wegstellen und dem Auffinden von Pfaden unter dem Schnee.

Im Notfall ist er ein treuer Begleiter, der einem nicht im Stich lässt, bei Höhenkrankheit, verknacksten Knöchel oder gar gebrochenem Fuß ist er geradezu unabkömmlich.

Das oben angegebene zeichnet ein Idealbild, dem aber doch erstaunlich viele Porterguides entsprechen, nicht wenige übertreffen es noch.


Wie soll ein Porterguide behandelt werden?

Mit freundschaftlichem Respekt, wenn er seine Arbeit gut macht. Trotzdem nicht vergessen, du bist der Arbeitgeber eines Nepali, er erwartet sich von dir auch eine gewisse Führungqualität. Da Arbeitgeber in Nepal ihre Arbeitnehmer oft eher schlecht behandeln, sind "Westler" als Arbeitgeber sehr beliebt, da diese den Ruf haben, freundlich, großzügig und egalitär zu sein.

Trotzdem sollte man die Zügel nicht zu sehr schleifen lassen - ein Porterguide, der zu sehr laissez-faire behandelt wir, könnte manchmal etwas übermütig werden.

Ist man für seinen Angestellten verantwortlich?

Da du Arbeitgeber sind, hast du erstens moralisch und zweitens vor dem Gesetz in gewissem Masse Verantwortung zu übernehmen.
Die Ausrüstung des Porterguides sollte an die Höhe und an die zu erwartenden Bedingungen angepasst sein. Lass dir die Schuhe und die Daunenjacke ruhig vorher zeigen.

Sollte es notwendig sein, ihm Ausrüstungsgegenstände zu kaufen, kann man das in gewissem Ausmaß (sicher nicht vollständig) in die Lohnberechnung einbeziehen.

Bei Erkrankungen wie der Höhenkrankheit ist der Porterguide ebenso zu behandeln wie jeder Trekker. Auch er ist davor nicht gefeit. Er muss, wenn notwendig, beim Abstieg unterstützt werden, auch Medikamente müssen im Notfall verabreicht werden.


Was verdient ein Porterguide? *)

Ein für einen "Westler" arbeitender Porterguide wird für ab 600 Rupees pro Tag arbeiten, für extrem gut Feilschende wahrscheinlich sogar um 500 Rupees. Inder und Nepali geben etwa 400 Rupees pro Tag.
Der Punkt ist nur, dass das moralsich kaum vertretbar ist. Da die Konkurrenz enorm ist, sind - besonders Neulinge - bereit, um nahezu jeden Preis zu arbeiten. Diese Notlage sollte keinesfalls ausgenützt werden.

Eine typischer Lohn liegt zwischen 1000 und 1500 Rupees, also 10 - 15 Euro pro Tag bei Selbstverpflegung.

Da der Khumbutrek und mittlerweile der Annapurna Circuit für den Porterguide von Verpflegung und Nächtigung her am teuersten ist, wird ein kleiner Aufschlag empfohlen, also etwa 1.200 bis 1700 Rupees, etwa 12 - 17 Euro pro Tag. Löhne, die über 16 oder 17 Euro pro Tag liegen, werden nicht empfohlen, da sie die Löhne für nachfolgende Gruppen erhöhen, und die allgemeinen Erwartungen in unrealistische Höhen schrauben. Die nepalesische Kultur hat nicht allzuviel für diejenigen über, die sich gedankenlos von ihrem Geld trennen. Man wird es allerdings gerne annehmen.

Wenn man seinem Porterguide zum Schluß eine Freude machen will (und eigentlich ist es Pflicht und Brauch, wenn man nicht völlig unzufrieden mit ihm ist), gibt man ein Trinkgeld in der Höhe von 10-30 Prozent. Wenn man beim Ausmachen des eigentlichen Lohns eher knauserig war, kann man seiner Zufriedenheit ruhig mit einem deutlicheren Trinkgeld Ausdruck geben.

Es ist üblich, eine Anzahlung von 10-30 Prozent zu geben, damit er sich vorher benötigte Sachen kaufen kann.
Bei einem Abbrechen des Treks aus Gründen, die bei einem selbst liegen (inklusive Erkrankung oder Verletzung), sollte der volle ausgemachte Lohn ausgezahlt werden.
Es hat Fälle gegeben, wo (meist zu Unrecht) enttäuschte Trekker Porterguides mitten am Trek nach Hause geschickt haben, sogar ohne Auszahlung des aliquoten Lohnes. Ein Fall ist bekannt, wo ein Leichtathlet und Dreikämpfer doppelt so große Tagesetappen gemacht hat, als sie üblich sind, und dem Porterguide, der bei dem absurd hohen Tempo des Trekkers nicht mithalten konnte, ohne Bezahlung umkehren hat lassen. Dass so etwas letztklassig ist, braucht nicht betont zu werden.


Wie kommt man zu einem Porterguide?

Wenn man schon von Europa aus "vorbuchen will: Durch Mundpropaganda.

Andrées de Ruiter hat auf seiner ausgezeichneten, völlig unkommerziellen und mit viel Idealismus geführten Nepalseite http://www.nepal-dia.de
eine Auflistung von Porterguides, die von einem oder mehreren Trekkern empfohlen wurden.

Oft können im Bedarfsfall Träger am Weg engagiert werden, verlassen kann man sich darauf allerdings nicht hundertprozentig (Erntezeit, in der Arbeitskräfte unabkömmlich sein können, etc.)

Auch die Empfehlung durch schon in Nepal getrekkt habende Freunde und Bekannte kann sich natürlich als sehr nützlich erweisen.

Ferner kann man sich meist auch auf vom Hoteleigner empfohlene Porterguides verlassen, hier schneidet der Hoteleigner aber mit. Man kann sich bei Beschwerden und Problemen wenigstens im Nachhinein an den empfehlenden Hoteleigner wenden - allerdings mit unterschiedlichem Erfolg.

Bei über eine die Street Trekking Agencies in Nepal gebuchten All-Inclusive Paketen mit Verpflegung, Nächtigung für den Trekker und Lohn für den Porterguide bekommt der Porterguide dabei von der Agency oft deutlich weniger als den Lohn, den wir zahlen, wenn wir ihn persönlich engagieren; meist um die 600 Rupees pro Tag (und auch schon mal nicht unbeträchtlich weniger). Auch hier gilt, dass bei Reklamationen manchmal nicht der gewünschte Erfolg eintritt. Bei einem Wunsch nach einer solchen Trekkingtour wird die Wahl einer größen Trekking Agency, die einen Ruf zu verlieren hat, empfohlen.

Es existieren auch von Westlern geführte Reisebüros in Kathmandu, z.B. dasjenige des Südtirolers Navyo Eller, der sehr faire Löhne zahlt und bei Beschwerden rasch und deutlich reagiert. Allerdings ist er eher auf Gruppenreisen in höherer Qualitäts- und Preislage spezialisiert.
Als Vermittlerin für Einzel- und Gruppenreisen hat sich auch die Schweizerin Yolanda Stillhard bewährt (nach Aussage mehrerer Trekker). Sie führt seit bald sechs Jahren in Chuchhepati (einem Aussenbezirk von Kathmandu) ein nettes kleines, sehr charmantes Hotel, das "Trekkers Holiday Inn".

Links werden bewußt nicht gegeben, um den reinen Empfehlungscharakter der Erwähnungen hier nicht in Frage zu stellen. Bei Interesse bitte googlen.



Wenn man erst in Nepal einen Porterguide engagieren will, wo macht man das?

Annapurnaregion:
Vor allem in Pokhara.
Am Weg ist es oft schwieriger, aber alles, nur nicht unmöglich. Tatopani, Joimosom im Kali Gandaki-Tal sind ebenfalls Orte mit einer großen Anzahl von Trekkern, Hotels und daher auch arbeitssuchenden jungen Porterguides.
Im Manangtal ist die Situation anders, dort arbeiten Einheimische normalerweise nicht als Porterguides, daher eher in der Gegend von Bahudanda/Khudi, ganz zu Beginn des Treks Ausschau halten. Ab Chame ist Sense, da wird man wohl nur im Notfall jemanden bekommen.
Allerdings bieten sich manchmal auch PG's alleine für die Überquerung des Thorong La in Manang oder Thorong Phedi an.

Langtang:
In Kathmandu.
Eventuell könnte man auch in (..... bitte bearbeiten ....)

Helambu.
In Kathmandu. Die Gegend ist, überhaupt wenn man von Melamchi Bazaar kommt, wenig betrekkt, und es kann schwierig werden, unter den Einheimischen jemanden zu finden.

Khumbu/Everest:
Kathmandu (Vorteil: größere Auswahl, Nachteil: Flug nach Lukla muß bezahlt werden)
Lukla (da kriegt man wohl immer jemanden)
Namche Bazaar (schon unsicherer)


Werden die Dienste eines Porterguides auf den häufig begangeneren Trekkingtouren unbedingt benötigt?

Nein. Der Weg ist im Annapurnagebiet, im Langtang und im Khumbu (Everestgebiet) oft sehr leicht zu finden, da ihn ja auch Einheimische und relativ viele andere Trekker gehen. Diese sind im Normalfall auch gerne bereit, bei der Wegfindung oder ähnlichen Problemen zu helfen. Schon im östlichen Helambu kann es etwas seltener zu Begegnungen mit Einheimischen oder Trekkern kommen.

Generell gilt: Dort, wo der Trekkingpfad der Hauptgehweg für Einheimische ist, ist er leicht zu finden.

Selbst mit geringen oder gar keinen Kenntnissen der Landessprache Nepali kann man mittlerweile meist, insbesondere mit Kindern und Jugendlichen, auf Englisch kommunizieren.
Allerdings fallen dann alle oben genannten Vorteile weg, die sich aus dem Engagement eines Porterguides ergeben.

Auf den selten begangenen Trekkingrouten ist das Engagieren mindestens eines Porterguides oder das Trekken in geführten Gruppen über die Vermittlung von Agencies sowieso gesetzliche Pflicht (etwa im Dolpo, in Mustang, Around Manaslu etc.)

Eine der Trekkingrouten, bei der die Beschäftigung eines Trägers nicht gesetzlich vorgeschrieben ist, ist Around Dhaulagiri. Aufgrund der nicht unerheblichen objektiven Schwierigkeiten auf dieser Route wird das Engagieren eines Porterguides jedoch dort ausdrücklichst empfohlen.



*) Ein Euro hat den Gegenwert von etwa 100 Rupees (Stand 22. Februar 2009), die Löhne sind ebenfalls auf diesem Stand. Im Jahr 2008 ist es in Nepal zu massiven Verteuerungen aller Preise für Waren des täglichen Bedarfs gekommen. Je nach Stand der Rupee zum Euro sind meine Empfehlungen der dortigen Inflation angepasst.

Jens
28.02.2009, 10:07
Immer wieder im Khumbu ist dieses Schild zu finden:)

Navyo
14.08.2009, 09:44
Einige Anmerkungen zu den "Porterguides".

Vorab gesagt, sind nachstehende Kommentare verschieden zur Realität: was theoretisch verboten ist, kann vor Ort durchaus trotzdem gängig sein. Da im Nepal Wiki jedoch angenommen wird, das die Angaben der realen Situation entsprechen, ist es wichtig einige Angaben zu kommentieren, bzw. zusätzliche Angaben zu machen.

Porterguide ist ein Begriff, der in Nepal keine legale Basis hat: er ist legal nicht vorgesehen. Es sind oft Träger, selten Führer die dies art Arbeit machen. Der Begriff "Porterguide" ist eine Art Erfindung del Budgettravellerszene. "Gute Guides würden nie als "Porterguide" arbeiten.

Porterguides" sprechen meist englisch oder auch andere Sprachen Bruchstückhaft. Duch viele Jahre Arbeit als Träger haben sie ähnliche Erfahrung wie ein Guide und sind praktisch denen ebenbürtig zu 80% in den Leistungen. Daher eben der Begriff "Porterguide".

Hingegen ist zu vermerken das die Ausbildung zum Trekking- oder Mountaineering Guide sehr Sinnvoll ist, diese beinhaltet ein umfangreiches curriculum von Erste Hilfe, über wie man Hilfe besorgt, Landeskunde, Geschichte etc. Jedes Jahr werden selbstverständlich dazu noch Weiterbildungskurse veranstaltet. Die Guide Kurse enden mit der staatlichen Prüfung, die längst nicht alle bestehen und die auch internationalen Standard entspricht. Der Unterschied zwischen Porterguide und Trekkignguide ist klar und deutlich.

Ist man für seinen "Angestellten" verantwortlich? Touristen als Ausländer dürfen per Gesetz des Landes (Nepal) nicht die Rolle des Arbeitgebers übernehmen oder eine (vorgeschriebene) Versicherung für Nepalesen abschliessen. Bei Unfall oder Tod könnte es u. U. Probleme mit den Behörden geben.

Was verdient ein "Porterguide"? Für Touristen stellt sich offiziell nicht die Frage des Lohnes. Empfehlenswert jedoch es ein gutes Gehalt wie auf diesen Seiten hier beschrieben zu zahlen.

Wichtig ist wenn man selber einen Porterguide anstellt, dass immer nur eine Anzahlung gemacht werden sollte, den Rest bei Abschluss des Treks, wobei der Rest ausreichend sein sollte zu verhindern das ein absetzten sich nicht lohnt. Also abmachen was täglich bezahlt werden sollte und was am Ende. Niemals davon dann abweichen! Rechtlich kann man nähmlich nichts unternehmen im Fall das der/die Porterguide, den man selbst "angestellt" hat, "abhaut". Selbst Hotels und Lodges dürften offiziell nicht Trekkingpersonal vermitteln.

Dies ist bei Trekkingagenturen wesentlich besser, wo man sich an Polizei, Touristenpolizei und den Diplomatischen Vertretungen um Hilfe wenden kann. Es kann nie genug betont werden, das eine Anzeige bei der Polizei wirklich viel hilft um sein Recht gegenüber Agenturen durchzusetzen. Man soll aber auch immer alles schriftlich niederschreiben und unterschreiben lassen!!! Meist schreckt eine Anzeige dermaßen, das fast umgehend eine Lösung gefunden wird. Angeturen können erhebliche Schwierigkeiten bekommen, wen sie zu oft Beschweren bekommen, einigen wurde gar die Lizenz entzogen und die Garantiesumme eingezogen um den Kunden deren Schadensersatz zu begleichen.

Wie kommt man zu einem Porterguide? Empfehlungen im Internet können gut und schlecht sein, persönliche durch Freunde, bekannte wären wohl eher interessant. In einigen Trekkingforen gibt es Beispiele (www.trekinfo.com (http://www.trekinfo.com)) wo ein gewisser "Santaman" super empfohlen wurde und dann plötzlich alles ganz anderes wurde. Man sollte immer daher darauf achten, sich durch möglichst aktuelle Empfehlungen zu orientieren.

Grundsätzlich sollte man immer ein Schriftstück aufsetzen egal wie man zu einen Portergude kommt. Bei Agenturen geht dies leicht, bei "selbstanstellung" kann eine Kopie des Ausweisses (am besten der "Nagrita") auf ein DIN A4 Blatt kopiert werden (das geht vielerorts, auch in Lukla oder Besisahar) und dort Tageslohn und Leistungen niederschreiben und unterschreiben. Damit hat man ein mindestmass an Sicherheit.

Klarstellung zu den Kommentar zu den "von Westlern geführte Reisebüros in Kathmandu":

Navyo Nepal ist nicht auf "Gruppenreisen in höherer Qualitäts- und Preislage spezialisiert", sondern führt zu 80% Individualreisen mit Teilnehmeranzahl von unter 4 Personen durch, viele als individualisierte Reisen "auf Maß" und auch so manche als low cost.

Navyo Eller

Harp Booth
04.01.2010, 11:16
Hier finden sich Ergänzungen zum Thema

"Tagessätze" und"Trinkgelder"

http://www.trekkingforum.com/forum/showthread.php?t=16505

Gruss Harald