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Vollständige Version anzeigen : Höhenkrankheit - kurz und einfach gefaßt


Soshin
27.05.2008, 15:23
Höhenkrankheit

Krankheitsbild, welches auf einen verringerten Atmosphärendruck in größerer Höhe zurückzuführen ist.

Höhenkrankheit ist nie Schicksal, sondern fast immer die Folge gravierender höhentaktischer Fehlentscheidungen.
Zahlreiche Analysen schwerer und tödlicher Höhenanpassungsstörungen zeigen mit erschütternder Regelmäßigkeit, dass zuvor gegen eine, meist sogar gegen mehrere Regeln der Höhentaktik (http://www.medint.at/wintersemester/hoehentaktik.htm)verstoßen wurde...

...und außerdem, dass die Warnzeichen bagatellisiert, verschwiegen, missachtet und ohne rechtzeitige Konsequenzen geblieben sind !!

Merke:
Die Höhenkrankheit ist ein besonderes Risiko für Reisende in Eile -
die beste Prophylaxe zur Vermeidung ist ZEIT !


Was ist die Ursache?

Die Abnahme des atmosphärischen Druckes (in 5500m beträgt er nur noch etwa die Hälfte des Druckes wie auf Meereshöhe). Durch eine schnell hervorgerufene oder länger andauernde Unterversorgung des Körpers mit Sauerstoff ("Hypoxie") kommt es zu Störungen im Wasser-, Mineralstoff- und Säure/Basenhaushalt des Körpers, die mit Wasseransammlungen im Körper einhergehen.


Was sind die Symptome?

Die AMS (Acute Mountain Sickness; Akute Höhenkrankheit)

In ihrer leichteren Ausprägung kommt diese bei vielen Personen vor, die mehrere Tage unangepasst über 3000 m unterwegs sind oder sehr schnell auf Höhen über 2000-3000m aufsteigen/auffahren oder sich in diese einfliegen lassen. Die Wahrscheinlichkeit an AMS zu erkranken steigt durch Überanstrengung, Alkohol- und Drogenkonsum, Schlafmittelgebrauch und durch Infekte, aber auch durch die höhenbedingt gesteigerte Ausscheidung (sogenannte Höhendiurese) und den damit verbundenen Störungen im Flüssigkeits- und Mineralienhaushalt. Sowohl die allgemeine Fitness, als auch Risikofaktoren wie Rauchen und hohes Alter haben keinen Einfluss! Jugend, Fitness schützen nicht vor der Höhenkrankheit.

- Kopfschmerzen
- Schlafstörungen
- Kurzatmigkeit
- Appetitlosigkeit
- Übelkeit
- Beschleunigung des Ruhepulses um 25% oder mehr
- Leistungsabfall
- Schwindelgefühle

stellen frühzeitige Warnzeichen dar, sind jedoch selbst noch keine gefährlichen Erscheinungen. Diese Symptome werden oft mit zunehmender Aufenthaltsdauer besser oder verschwinden ganz. Jedoch sind sie ein ganz klares Signal, nicht oder nur geringfügig weiter aufzusteigen.

Bei einer zunehmenden Verschlechterung der oben angegebenen Symptome zu schweren Kopfschmerzen, Atemnot, Erbrechen, Gleichgewichtsstörung, etc. handelt es sich um eine schwerere Form der AMS, der sofortige Abstieg um mindestens 500m Höhe wird angeraten, da es sonst zu den lebensbedrohenden Stadien der Höhenkrankheit übergehen kann.


Das Höhenlungenödem (HAPE, High altitude pulmonary edema)

Wasseransammlung in der Lunge, welche folgende Symptome verursacht:
Zunehmende Atemnot (auch bei Ruhe), rasselnde Atmung, Reizhusten (manchmal mit schaumigen, blutigem Auswurf), Schwäche bis zur Eintrübung der Bewusstseins oder Bewusstseinsverlust, Blauverfärbung der Lippen.
Es handelt sich dabei um einen medizinischen Notfall (=akute Lebensgefahr!), eine sofortige Bergung (wenn mgl. auch in der Nacht) in niedrigere Höhen ist entscheidend!
Binnen weniger Stunden kann es sonst zu Koma und Tod kommen.


Das Höhenhirnödem (HACE, High altitude cerebral edema)

Wasseransammlung im Gehirn, führt zu folgenden Symptomen:
Höhergradige Schwäche, Verwirrtheit, die Unfähigkeit, einer gedachten geraden Linie entlangzugehen, starke Kopfschmerzen, Halluzinationen.
Medizinischen Notfall mit akuter Lebensgefahr! Der Tod kann ebenfalls innerhalb weniger Stunden eintreten. In Bezug auf die Notwendigkeit eines zügigen Abstiegs gilt dasselbe wie beim HAPE.

Eine AMS kann fließend in ein HACE und/oder ein HAPE übergehen.



Was ist bei Auftreten der Symptome zu tun?


Die goldenen Regeln:

I.) Wenn man in großer Höhe ein Symptom hat, ist es Höhenkrankheit, bis das Gegenteil bewiesen ist.

II.) Niemals mit einem Symptom der Höhenkrankheit weiter aufsteigen.

III.) Wenn sich ein Symptom der Höhenkrankheit verschlechtert, sofort absteigen - wenn möglich, um mindestens 500m, besser 1000m.

Bei Verbesserung der Symptome bei Aufenthalt in gleichbleibender Höhe kann man die Höhe halten oder weiter langsam (nicht über 500m pro Tag) aufsteigen. Es ist günstig, über den Tag in größere Höhen aufzusteigen (bis 700-800m), aber auf niedrigerer Höhe zu schlafen. (Climb high, sleep low)

Wenn notwendig, muss der an Höhenkrankheit leidende beim Abstieg unterstützt und dazu deutlich ermuntert werden. Er ist oftmals auch psychisch Verändert, daher nie alleine lassen!
Bei starken Symptomen kann es notwendig werden, den Erkrankten zu transportieren.


Notfallmedikamente sind:

Nifedipin - Adalat retard (R) (20mg retard bis 4xtgl) - bei HAPE

Dexamethason - Fortecortin (R) (zuerst einmalig 8mg, danach 4mg bis 4xtgl) - bei HACE

Wenn eine Mischung der beiden Symptomenkomplexe vorliegt, verabreicht man beides. Nebenwirkungen sind vorhanden, aber bei Lebensgefahr natürlich vernachlässigbar.

Acetazolamid - Diamox (R) - kann eine Verbesserung des Schlafverhaltens und des Säure-Basenhaushaltes bringen und kurzfristig nützlich sein. Keinesfalls sollte es aber zur Vorbeugung genommen werden!

Bei Medikamentengabe ist es trotz einer eventuellen Verbesserung des Zustandes notwendig, abzusteigen. Die Medikamente verbessern nur die Symptomatik, sie ändern nichts an der Ursache!


Es grenzt an ein Verbrechen, Menschen, die an schwereren Formen der Höhenkrankheit leiden, nicht zu unterstützen oder alleine zu lassen. Wenn es notwendig ist, ist es menschlich und moralisch eine Mindestanforderung, diese beim Abstieg zu unterstützen, oder sich dessen zu versichern, dass der Erkrankte unterstützt wird.
Unbedingt so schnell wie möglich einen Arzt hinzuziehen. Selbstmedikation sowie Laienmedikation kann lebensrettend sein, sobald jedoch ein Arzt verfügbar ist, ist dieser zu kontaktieren.


Wie kann man eine Erkrankung verhindern?

Climb High - Sleep Low (möglichst tiefe Schlafhöhe).

Keine erschöpfende Anstrengung in der Anpassungsphase.

Täglicher Schlafhöhengewinn maximal 500m.

Alle 1000m ein zusätzlicher Ruhetag.

Möglichst keine Aufstiegshilfen auf Höhen über 2500-3000m (Lifte, Flugzeuge) benutzen.

Hohe, jedoch nicht zu hohe Flüssigkeitszufuhr mit elektrolytreichen Flüssigkeiten. 2-5 l werden empfohlen, der Bedarf ist individuell und kommt auch auf die Anstrengung und Schwitzmenge an. Keinesfalls kann man durch die Zufuhr von Unmengen von Flüssigkeit die Höhenkrankheit vermeiden!

Kohlehydratreiche Nahrung.

Dont go up until symptoms go down! (Nicht weitergehen wenn sich die Symptome nicht verbessern).

Das Achten auf die Harnausscheidung: Wenn man auffällig wenig und konzentrierten Harn hat, unbedingt mehr trinken.

Vermeiden von Alkohol, Schlaftabletten, stärkeren Schmerztabletten. Sie können Symptome der Höhenkrankheit kaschieren und haben zusätzliche negative Effekte.

Kein "Doping", also keine "Vorbeugung" mit Acetazolamid (Diamox (R)) oder gar Nifedipin/Dexamethason!



Disclaimer: Die obengenannten Empfehlungen ersetzen kein Gespräch mit einem Arzt! Sie sind ohne Gewähr und als Verhaltensvorschläge aus eigener Erfahrung gedacht.



Anhang:

* Auswärtiges Amt: Merkblatt Höhenkrankheit
http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/01-Laender/Gesundheitsdienst/Prophylaxe.html#t13 (http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/01-Laender/Gesundheitsdienst/Prophylaxe.html#t13)
http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/01-Laender/Gesundheitsdienst/download/HoehenkrankheitMerkblatt.pdf (http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/01-Laender/Gesundheitsdienst/download/HoehenkrankheitMerkblatt.pdf)

Guenter Sbg
27.05.2008, 16:16
Wie immer eine ausserordentlich klare und richtige Zusammenstellung der Fakten..
Zur Vorbeugungsstrategie möchte ich ergänzend eine Bemerkung beifügen:
Durch Anstrengung und Höhe, auch durch ungewohnte Geräusche in der Nacht ( Yaks stolpern grunzend über Zeltabspannschüre :-/ ) kommt es öfter zu Einschlaftproblemen ... Der Versuchung, hier Schlaftabletten zu nehmen, darf man nicht erliegen - ist kontraproduktiv !! und fördert die Neigung zur Höhenkrankheit ( extrem ausgedrückt kann man im Schlaf auf's Atmen "vergessen".. - besser ist in der Nacht bewusst hyperventilieren und Kopf etwas erhöht lagern..) Du hast das schon erwähnt, ich habe das am eigenen Leib erlebt und diese ¤*#¤*#¤*#¤*#¤*#¤*#¤*#¤*# beim 1. Trek vor Jahren dann zu spüren bekommen.
Günter

Manali90
28.05.2008, 01:05
Danke, Soshin - werde mich sicher nochmal redaktionell einmischen, und auch noch ein paar Ergänzungen wären sinnvoll (harmlose hypotonische Attacken usw.) Aber bevor man das Ganze aufbläht, sollten wir besser zwei Artikel machen: Grundsätzliches (wie von Dir vorgegeben) und Spezialfragen. Mal sehen, wie viel Zeit ich habe.
Gruß nach Süden
Uli