Vollständige Version anzeigen : Westerwaldsteig
Hallo zusammen,
hat schon jemand Erfahrungen mit dem neuen Westerwaldsteig gesammelt?
Er wird ja als Qualitätswanderweg angepriesen.
Viele Grüße!!
Ja ich. Na ja, ist auch kein Wunder, immerhin wohne ich wenige hundert Meter neben dem "Steig". Wenn ich jetzt aus dem aus dem Fenster schaue, sehe ich den vor lauter Schneetreiben nicht. Gegangen bin ich den größten Teil auch schon. Und nicht nur ich. Seitdem die Wanderkarte im Handel ist, treffe ich auf "meinen" Wegen auf fremde Menschen. :up: Was Werbung alles bewirkt.
Grundsätzliches zum Weg. Markiert ist der wie der Rheinsteig, nein, nicht das Wegesymbol, eher die narrensicherere Ausschilderung. Es fehlen aber noch die Wegweiser, damit meine ich die Posten mit den Schildern. Auf die kann man eigentlich verzichten, auch die Zugangswege sind noch nicht überall ausgeschildert. Im Mai, dann wird der Weg offiziell eröffnet, sollen die aber auch stehen. Und genau wie beim Rheinsteig kommt man mit einer Wanderkarte aus, sofern man keine eigenen Wege gehen will. Und was sich bei anderen sogenannten Premiumwanderwegen bewährt hat gibt es auch schon: Die ersten Begleitbücher sind am Markt.
Etwas aufpassen sollte man da, wo der Westerwald-Steig auf den Wiedwanderweg, neuerdings heißt der Wiedweg, trifft. Beide sind mit einem "W" markiert. Der Westerwald-Steig hat ein grünes "W" auf weißen Grund, der Wiedweg ein weißes "W" auf grünem Grund. Nach meiner Meinung ist das nicht optimal. Ich habe auch schon Leute getroffen, die in Gedanken dem falschen "W" gefolgt sind.
Genau wie beim Rheinsteig geht es auch hier immer rauf und runter. Zudem hat man unendliche Schleifen angelegt. Ich war erstaunt, welche Wegführung vor meiner Haustür gewählt wurde. Das ist zwar alles sehr schön, teils sogar richtig klasse, aber gelegentlich sind es doch unnötige(?) Umwege. Aber das ist wahrscheinlich die Sicht eines Einheimischen. In der hiesigen Presse war zu lesen, dass sich viele Orte ins Zeug gelegt haben, damit der Westerwaldsteig hindurchführt.
In Hohen Westerwald gibt es eine Riesenschleife, übern Daumen 60 km, die von Bad Marienberg über die Westerwälder Seenplatte, Westerburg zur Fuchskaute führt. Das kann man auch kürzer haben. Man muss nur dem alten HWW röm. I des Westerwaldvereins folgen, der aber leider nicht mehr richtig gepflegt wird, und schon ist man nach 18 km auf der Fuchskaute. Immerhin lässt sich so eine große Rundwanderung im Hohen Westerwlad von 2 bis 3 Tagen machen.
Ein ganz persönliches Fazit: Ein wirklich sehr schöner Weg, der ganz unterschiedliche Landschaften erschließt. Leider steckt für meinen Geschmack etwas zuviel Marketing dahinter. Ein bunte Beilage die vor Wochen in unserem Briefkasten lag macht daraus auch keinen Hehl.
Zitat: Der Westerwald-Steig ist die touristische Vorzeige-Marke unserer Region. Mit einem perfekten Wege-Management, hoher touristischer Dienstleistungsqualität und einem umfassenden Hotellerie- und Gastronomie-Konzept.
...
Mit dem Westerwald-Steig haben wir einen wettbwerbsstarken Wanderweg der neuen Generation.
...
Das Marketing-Konzept "Westerwald-Steig" ist ein aktives Maßnahmepaket, das auch die regionale Hotellerie und Gastronomie intensiv einbindet und auch Wirtschaftunternehmen eine produkt- und dienstleistungsbezogene Teilnahme ermöglicht. Zitat Ende
Ich habe es gern etwas weniger perfekt und weniger Marketing. Trotzdem ...
Werner
Polarfuchs
26.03.2008, 18:23
Bei den "Qualitätswegen" geht es ja auch ausschliesslich darum, den örtlichen Tourismus aufzupuschen..., passend dazu gibt es auch "Qualitätshotels"... (kennst du die Zeitschrift "Wandermagazin"? Die Macher dieses Magazins, allen voran Herr Sänger, sind massgeblich daran beteiligt)
Gesehen habe ich die wohl schon mal, ans Herz gelegt wurde dir mir auch schon, allerdings lese ich keine Wander- und Outdoorzeitschriften, bis auf das Mitteilungsheft vom Netzwerk Weitwandern.
Wenn mich meine Erinnerung nicht im Stich lässt, dann war Prof. Brämer mit seinem Deutschen Wanderinstitut (http://www.deutscheswanderinstitut.de/index.php?id=12) der Ideengeber für diese Wege. Aufgegriffen wurden die Ergebnisse seiner Studien nicht nur von Fachzeitungen, sondern auch von Tourismusverbänden. So ganz falsch dürfte der wohl nicht gelegen haben. Die Zahlen bestätigen seine Schlussfolgerungen.
Werner
Also mein Eindruck bei den ganzen aus dem Boden schießenden Qualitätswander wegen ist, dass es zu weiten Teilen nur darum geht, ein Stück vom Kuchen des Tourismusgeschäfts zu erlangen.
Beim Westerwaldsteig sehe ich bei allen Informationen jetzt nicht die totalen Highlights. Die Orte scheinen nicht so die tolle Infratstruktur zu haben, zwischendrinn ist halt "normales" (durchaus schönes) Gelände, aber ohne jetzt irgendwas völlig umwerfendes zu bieten, was die Ecke zur Wanderregion macht, weshalb man dort 14 Tage diesen Weg gehen solle.
Was meint Ihr dazu?
Stimmt schon, die Orte mit dem "Boah watt fürn Hammer"-Effekt sind dünn gesät. Die Landschaft ist jedenfalls abwechslungsreicher als auf vielen bekannten "Steigen" die überwiegend durch Wald führen. Ich habe da den Rothaar Steig im Kopf. Von wegen Weg der Sinne, Weg der Fichten wäre angebrachter.
Der Westerwaldsteig hat eigentlich alles. Enge Täler, Wälder, immer wieder überraschende Aussichtspunkte und die weiten, offene Landschaften im Hohen Westerwald. Nicht zu vergessen, im Augenblick ist noch nicht viel los, jedenfalls läuft mir selten jemand übern Weg. Aber alles am Stück, würde ich mir vermutlich nicht antun.
Werner
Hi! Danke für die Infos von nichtoffizieller Seite! Da der Westerwaldsteig landschaftlich so vielseitig sein soll, bin ich am Überlegen ihn zu gehen. Allerdings an einem Stück. Hier würde mich interessieren, warum du, Werner, ihn so nicht machen würde. Da ich auch nichts von "Premium"wegen und Gepäcktransport etc. halte, hatte ich vor dann wild zu campen oO. Was schätzt ihr, wie lange ich brauchen würde? Ich bin ein geübter Wanderer, habe gute Kondition.
Vielen Dank und liebe Grüße
Felix
PS: Habt ihr ansonsten noch Tips an guten (Mehrtages)-Wanderungen um Giessen?
wanderfalke
29.11.2009, 15:41
In der Nähe von Gießen würden sich z.B der Urwaldsteig um den Edersee, der Burgwaldpfad von Marburg nach Frankenberg, der Lahn-Dilberglandpfad von Marburg nach Dillenburg oder auch die Westerwaldschleife des Rothaarsteigs anbieten. Sie ist abwechslungreicher als der Rest und lässt sich als Rundweg in ca. 3 Tagen laufen.
Ansonsten gibt es um Gießen in jeder Himmelsrichtung viele weitere Möglichkeiten, für die man keine weite Anfahrt hat.
HI wanderfalke,
danke für die Tips! Kannst du mir vielleicht einen Link zum Thema "Westerwaldschleife des Rothaarsteigs " schicken,ich finde da irgendwie nichts zu. :-(
wanderfalke
29.11.2009, 19:01
Hier (http://www.rothaarsteig.de/fileadmin/user_upload/images/map/part5.png) kannst du den Verlauf der Schleife sehen. Auf der Webseite vom Rothaarsteig findest du bestimmt noch mehr Infos. Musst halt ein bischen stöbern!
Also ich hab mich mal mit einem Touristiker über den Sinn und Unsinn von Qualitätswegen unterhalten. Die sehen das auch eher von zwei Seiten.
Pro Qualitätsweg spricht, dass eher letargische Wandervereine und Verbände endlich dazu gezwungen werden, ihr völlig veraltetes und verwirrendes Wegenetz auszmisten und zu optmieren. Tourismusregionen und Landkreise sind nämlich in der Regel nicht die Träger von Wegen, das hängt irgendwie mit der Haftung zusammen. Den Zwang zur Qualität gibt man auch gleich an die Beherbergungsbetriebe weiter. Unter denen gibt es ja auch viele, deren Service und Einrichtungsstandard eher aus den 70ern kommt. Und ihr könnt sagen was ihr wollt, ich will nicht nur ein Bett und eine Dusche, sondern mich auch wohlfühlen. Auch find ich die Qualitätskriterien nicht schlecht. Weg von Teer, nur bedingt Forststraßen, Bevorzugung von gewundenen Pfaden mit natürlichem Bodenbelag.
Gegen das Gütesiegel für die Wege spricht nach Meinung des TOuristikers, dass vor allem der Deutsche Wanderverband daran verdient und eine Region quasi zum MItmachen gezwungen wird. Übrigens versucht zur Zeit der ADFC (das Radel-Pendant zum Wanderverband) so was ähnliches für Radwege einzuführen. Ein Schelm, der böses dabei denkt. Ob tatsächlich mehr Leute in eine Region kommen, kann nur schwer beurteilt werden, hauptsächlich ist es wohl eine groß angelegte Marketingmaßnahme.
Hier ma mein Bericht zum Westerwald-Steig aus einem anderem Forum:
Hallo,
kurzer Bericht meiner letzten Tour: Westerwald-Steig von Bad-Hönningen nach Herborn, 235 km, Start am 05. März 2011. Wetter war durchgehend gut aber kalt (Nachts unter Null, tagsüber geschätzte 5 bis 15° in der Sonne). 16 Etappen, wir haben 6½ Tage benötigt (mit Tarp und kompletter Verpflegung).
Leider waren wir vom Wanderweg enttäuscht. Oft läuft man an Straßen vorbei oder entlang, nur wenige wirkliche Fuß-Wanderwege, hauptsächlich Schotterstraßen. Viel abgeholzter Wald (Ursache laut Bewohnern der starke Wind). Oft unnötige Umwege. Oft passiert man Dörfer, was ich persönlich nicht gut finde. Der Weg führt oft über Felder und Weiden, wir haben zu dieser Jahreszeit aber wenig Tiere gesehen, dafür viel Dünger riechen müssen. Viele Attraktionen waren geschlossen: Die Rönerwelt (Museum), das Herbstlabyrinth (eine der größten Höhlen Deutschlands)...
Positives: Einige Abschnitte sind schön und es entsteht kurzzeitig der Eindruck, es existiert tatsächlich noch unberührte Natur in Deutschland. Leider zu kurzzeitig. Die Menschen waren sehr freundlich. Es gab oft Hütten in denen man übernachten konnte. Der Weg war exzellent ausgeschildert (meine GPS-Daten waren allerdings schon veraltet, obwohl der Weg sehr jung ist).
Fazit: Wer trainieren will oder gemütlich von Ort zu Ort übernachten will ohne Ansprüche an außergewöhnliche Natureindrücke, für den ist der Weg gut geeignet. Wer aber schon Erfahrungen mit wirklichen Natur-Trecks gesammelt hat wie den Sentiero delle Orobie, GR20 oder Kungsleden, wird enttäuscht werden.
Beste Grüße,
thrush
vBulletin® v3.8.1, Copyright ©2000-2012, Jelsoft Enterprises Ltd.