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Vollständige Version anzeigen : Kilimanjaro im September


rushlife
11.03.2008, 00:01
Erstmal hallo an Alle,

ich werde im September in Tansania und wenn sich die politische Lage in Kenia bessert hoffentlich auch in Kenia sein.
Eine Besteigung des Kilimanjaro ist da ein Muss! Ich habe meine Reise eigentlich gründlich geplant und etwa 6 Tage für die Besteigung "reserviert", nur muss ich feststellen, dass man nicht ohne weiteres auf diesen Berg steigen kann. Die Kosten der Veranstalter gehen in den drei-stelligen Bereich, was für mich heißt, dass ein Blick von weitem genügen muss.

Dies ist sehr traurig für mich, da ich schon seit meiner Kindheit ständig irgendwelche Berge besteige, für die man keine Kletterausrüstung benötigt und der Kilimandscharo mich schon seit Jahren fasziniert. Ist eine Besteigung auf eigene Faust denn nicht möglich.
Angesichts der Leoparden die im Regenwald auf den Bäumen warten ist mir klar, dass ein "Ranger" dabei sein muss. Aber ansonsten brauch ich weder schlepper noch Frühstück im Hotel. Proviant kann ich ja mitnehmen. Ich bin körperlich recht fit und hab schon Berge 2/3 der Höhe des Kilimandscharos bestiegen in wenigen Stunden und fühlte mich nach den 4000 Metern noch fit wie ein Turnschuh.

Kann man über den Park Amboseli in Kenia zum Kilimandscharo? In Kenia gibt es in den Parks Ermäßigungen für Studenten die es offensichtlich in Tansania nicht gibt. Und 60$ am Tag nur für den Aufenthalt ist echt nicht wenig wenn man eine Woche unterwegs ist.

Ich weiß das die Gepäckträger mit diesem Geld ihre Familie ernähren, was jedoch nur ein Bruchteil von dem ist, was die Touristen wirklich ausgeben. Ich würde diesen Menschen gut und gerne 40$-50$ als "Trinkgeld" geben, ohne dass sie mein Gepäck tragen müssen und sich den anderen Touristen widmen können. Ich mach das an jedem Flughafen so, da es für mich eine Qual wäre, meine Sachen von jemand Anderem tragen zu lassen.

Kennt sich jemand gut aus mit den Bedingungen vor Ort, denn vom Netz aus kann man nicht alles erfahren. Ich wäre sehr dankbar über hilfreiche Informationen, denn ich will echt nicht mit einem traurigen Foto vom Gipfel in der Ferne zurückkommen.

ühürü
11.03.2008, 15:53
Klare Antwort auf Deine Frage: Nein, eine Besteigung auf eigene Faust ist nicht möglich. Schlicht nicht mehr erlaubt seit Beginn der 90er Jahre.

Ohne Agentur und Bergführer geht nix. Es haben vor allem in den ersten Jahren nach Einführung der Guide-Pflicht schon einige ohne Guide probiert und waren halt illegal am Berg, aber falls Du mit dem Gedanken spielen solltest: Allein unterwegs am Berg fielst Du fix auf, da würde man Dich mit sehr großer Wahrscheinlichkeit eh erwischen.
Es ist aus verschiedenen Gründen seit langem nicht gestattet, ohne Bergführer den Kilimanjaro zu besteigen.
Damit wirst Du Dich abfinden müssen.

Leoparden wirst Du im Übrigen im Regenwald eher nicht mehr antreffen, eine bewaffnete Begleitung hatten wir dort nicht dabei (beim Wandern auf dem Shiraplateau in der "Tagesnutzungszone" mit meiner Familie aber schon). Auch am Mount Meru war es nicht erlaubt, ohne Ranger zu wandern. Auch Büffel und Elefanten können unangenehm werden.

Die 60 Dollar, die pro Tag als Nationalparkgebühr fällig werden, sind doch nicht aus Jux und Dollerei vorgesehen. Nationalparkverwaltung, Sauberhaltung des Parks, Einschränkung der Touristenströme...wenn ich an die vielen Zelte am Mawenzi Tarn denke, dann wäre es vielleicht besser, die Zahl der täglichen Bergwanderer noch stärker einzuschränken.
Ob es Dir möglich ist, alle Ausrüstung selbst zu tragen, würde sich dann eh erst herausstellen müssen. Ich fand auch einiges am Berg für mich überflüssig und die Mahlzeiten überdimensioniert, für mich hätte es weniger Luxus auch getan. Dennoch war mir mein Bergführer eine große Unterstützung. Ich hätte mich am Berg wohl nicht verlaufen, aber seine Erfahrung war einfach unschlagbar. Ich war ohne Gruppe und nur mit Bergführer und vier Trägern unterwegs - das war für mich etwas seltsam, aber andererseits habe ich mehreren Menschen auf diese Art Arbeit gegeben, und unser Verhältnis zueinander war ziemlich herzlich, wir haben im "Kochzelt" am Abend zusammengesessen... ich hätte auch mein Zelt selbst aufgebaut und mehr eigenes Zeug getragen, allerdings sollte man nicht vergessen, dass die Träger diese Arbeit brauchen, Arbeitslosigkeit ist in Tanzania kein kleines Problem. Nach dem Abstieg zur Kibo Hut war ich ziemlich geschafft, dann ging es ja nach einer Stunde Pause noch Stunden bis zur Horombo Hut weiter - und da hätte ich ganz sicher mein Zelt und alles Gepäck nicht selbst tragen können. Mag ne Rolle gespielt haben, dass ich anderthalb Tage vor der Gipfelnacht nichts essen konnte, obwohl ich Hunger hatte - ziemliche Übelkeit, dafür keine Kopfschmerzen...

Ich bin ja von der Nordseite "aus Richtung Kenia" gewandert, aber die Nationalparkgrenzen liegen in Tanzania. Amboseli bringt Dir bezogen auf den Kilimanjaro nicht wirklich was, es gibt feste Routen. Außerhalb der Routen zu wandern oder außerhalb der vorgesehenen Zeltplätze zu nächtigen, halte ich für weder ratsam noch möglich, im Park sind Ranger unterwegs - und die Guides würden einen einsamen Mzungu auch bemerken....

Wenn Dir der Kilimanjaro so wichtig ist, dann überleg, ob Du auf andere Bausteine Deiner Reise verzichten kannst - oder ob Du eben Möglichkeiten hast, vorher zusätzlich Geld zu verdienen.

Versorge Dich mit Literatur, ich empfehle Dir, nicht nur das Internet zu Rate zu ziehen... Peter Rotters und Henry Stedmans Bücher fand ich am besten. Leicht über amazon zu finden (und Rotter in der Bibliothek).

Stedmans Seite darf ich wegen meiner noch wenigen Beiträge nicht direkt verlinken, also so: climbmountkilimanjaro . com

Übrigens kann man sich am Shiraplateau auch als Tageswanderer aufhalten, wie ich es nach meiner Besteigung ja mit meiner Familie gemacht habe, vielleicht ist das eine Alternative für Dich, um dem Kilimanjaro zumindest etwas näher zu kommen. Ich finde meine Fotos aus der Ferne vom Kilimanjaro übrigens gar nicht traurig anzusehen... Meine Familie hat den Kilimanjaro nicht bestiegen, Kosten-, Willens-, Fitnessgründe, aber alle drei fanden den Berg trotzdem beeindruckend und schön.
Eine Frage der Prioritäten - ich weiß nicht, wie Du die Zeit in Tanzania verbringen willst, wohin Du reisen und wen Du treffen und was Du sehen willst. Wenn Dir der Kilimanjaro so sehr am Herzen liegt, sind ggf. anderswo Abstriche nötig. Allein diesen Berg zu besteigen, ist nicht möglich.

Gruß
ühürü,
seit gestern aus Tanzania zurück, via Rongai-Kikeleva-Route am 15. Februar um acht Uhr morgens den Uhuru Peak erreicht :-)

rushlife
11.03.2008, 19:47
Zuerst mal Gratulation für die Besteigung :-)) und danke für den Ausführlichen Bericht.

Fotos vom Kilimandscharo aus der Ferne gehören definitiv zu den schönsten Fotos aus Afrika, ohne Frage, traurig wirds eben nur wenns dabei bleibt. :-)

Hab wirklich lange nach einer Antwort gesucht, ob man den Berg alleine Besteigen darf, endlich mal ne klare Antwort. ;-)

Nach Afrika reisen und die Gesetze brechen halte ich weder für klug noch respektvoll. Man muss schon die Gesetze eines Landes achten, auch wenn man nur ein Gast ist. Vorallem wenn man Gast ist. :-)

Ich denke ich werde dann einige Abstriche machen, die zwar den Rest des Urlaubes ziemlich einschränken, aber das ist es mir wert. Zusätzlich Geld verdienen ist leider schlecht; um den Urlaub zu finanzieren muss ich sowieso neben meinem Studium das ganze Wochende arbeiten, aber will mich natürlich nicht beklagen :-)

Ich weiß bereits das ein Guide 10$ pro Tag kostet und täglich 60$ der aufenthalt. (So steht das zumindest auf einer Internetseite)
Könnten wir nur einen Helfer pro Mann dabei haben der mir hilft meine Sachen zu tragen? Wir werden zu zweit sein. Wieviele Tage im Nationalpark sind denn Notwendig? Ich will berechnen ob meine Abstriche reichen werden.

lg rushlife

ühürü
11.03.2008, 23:25
Zuerst mal Gratulation für die Besteigung :-)) und danke für den Ausführlichen Bericht.
Das war noch nicht ausführlich :D. Danke fürs Gratulieren. Glaub mir, ist schon geil, wenn einem danach in Tanzania die Leute respektvoll ein "You must be very strong" als Erkenntnis mitteilen - ich rede jetzt von Rangern in anderen Parks, die selbst Einiges an Bergerfahrung haben.
Es ist zu machen, anstrengend, aber lohnend - aber natürlich abhängig von der eigenen Anfälligkeit für die Höhenkrankheit. Ich kann nur raten, sich nicht auf den Gipfel zu fixieren - das Wandern dort ist an sich schon sehr schön, und nur weil man den Gipfel nicht erreicht, ist die Reise nicht gescheitert. Mir sind schon einige entgegenkommen, während ich mich zum Gillman's Point hocharbeitete - und Bergwandern hat auch was mit Verzicht zu tun aus Rücksicht auf die eigene Gesundheit.

Fotos vom Kilimandscharo aus der Ferne gehören definitiv zu den schönsten Fotos aus Afrika, ohne Frage, traurig wirds eben nur wenns dabei bleibt. :-)Kann ich schon verstehen - es geht halt nicht immer alles...

Hab wirklich lange nach einer Antwort gesucht, ob man den Berg alleine Besteigen darf, endlich mal ne klare Antwort. ;-)Naja, das steht eigentlich in allen Reiseführern zum Thema Kilimanjaro ausdrücklich so drin. ;)

Nach Afrika reisen und die Gesetze brechen halte ich weder für klug noch respektvoll. Man muss schon die Gesetze eines Landes achten, auch wenn man nur ein Gast ist. Vorallem wenn man Gast ist. :-)Ich wollte nur prophylaktisch warnen, kenn Dich ja nicht...

Ich denke ich werde dann einige Abstriche machen, die zwar den Rest des Urlaubes ziemlich einschränken, aber das ist es mir wert. Zusätzlich Geld verdienen ist leider schlecht; um den Urlaub zu finanzieren muss ich sowieso neben meinem Studium das ganze Wochende arbeiten, aber will mich natürlich nicht beklagen :-)Ich studier auch und hab für diesen Urlaub auch meine Ersparnisse ziemlich dezimiert, hoff grad auf einen Lektoratsauftrag in naher Zukunft.

Ich weiß bereits das ein Guide 10$ pro Tag kostet und täglich 60$ der aufenthalt. (So steht das zumindest auf einer Internetseite)Ich weiß nicht, wo das steht und welche Art Guide das sein soll.
Ich habe insgesamt 1300 USD bezahlt - inklusive Transfer Flughafen-Hotel, zwei Hotelübernachtungen vor der Tour und eine im Anschluss, alle Autofahrten (zum Marangugate, dann rum um den Berg nach Nalemoru, wo die Wanderung startete, danach dann vom Marangugate nach Moshi, dann noch von Moshi am nächsten Tag in die Lodge, wo ich meine Familie traf), alle je frisch gekochten Mahlzeiten und Lunchpakete, mein Zelt, vier Träger, Nationalparkgebühren. Am Berg habe ich kein Geld ausgegeben, wo denn auch. Am Ende dann eben noch Trinkgeld für Guide und Träger, da kamen dann auch noch mal so 120 Dollar zusammen. Aber derzeit ist der Dollarkurs für uns ja recht praktisch ;).

Von Nalemoru aus sind wir in 4,5 Tagen hochgestiegen (via Mawenzi Tarn Hut) und 1,5 Tage wieder runtergewandert - kürzere Touren sind nicht empfehlenswert. Bei der Rongai-Route (auch bekannt als Loitokitok-, Kikeleva- oder Nalemoru-Route) verläuft der Abstieg zwingend über die Maranguroute. Von selbiger rate ich eher ab, da man dann eine nicht wirklich spannende Route zweimal begeht beim Auf- und Abstieg, außerdem ist dann noch weniger Zeit zum Akklimatisieren. Rongai kann ich empfehlen, aber vielleicht solltest Du Dir da einfach mal einige Bücher durchlesen oder die empfohlene Seite von Stedman.


Könnten wir nur einen Helfer pro Mann dabei haben der mir hilft meine Sachen zu tragen? Wir werden zu zweit sein. Wieviele Tage im Nationalpark sind denn Notwendig? Ich will berechnen ob meine Abstriche reichen werden. Zu zweit mit nur einem Träger halte ich eher für illusorisch, selbst wenn Du Dein Zelt selbst trägst. Bedenke das Gewicht der Lebensmittel. Die Frage ist auch, ob sich ein Guide darauf einlässt.

Ich hab meinen Guide ja direkt ohne deutschen Veranstalter "gebucht", nach Empfehlungen hatte ich mit ihm per Mail korrespondiert. Jamaica war wirklich super und sehr erfahren, er bildet mittlerweile selbst Bergführer aus. Ich fand es angenehm, vorher zu wissen, mit wem ich den Berg besteige.

So, das wars erst einmal,
es grüßt
ühürü

rushlife
12.03.2008, 23:29
1300$! Ist da der Flug noch mit enthalten gewesen? :-)
Das ist echt viel. Kann man eigentlich wenn man auf dem Gipfel ist, nicht ne Nacht dort Übernachten. Sieht recht gemütlich aus im Fernsehen. :-)

Ab wann fangen denn die Probleme mit der Höhe an? Bis zu 4000m hatte ich bisher keine. (Wobei ich da noch ein paar Jahre weniger auf dem Buckel hatte) :-))

Die 60$ pro Tag und 10$ für den Guide stehen hier:
transafrika.o r g/pages/nationalparks/tansania/eintrittspreise-nationalparks-tansania. php (leerzeichen nach jedem Buchstaben von "org" und vor "phb")

wobei ich das mit dem Guide nicht ausführlich genug gelesen hab, da steht nichts vom Kilimandscharo Nationalpark. :o

Ich meinte, ob es nicht möglich ist, nur einen Träger pro Mann mitzunehmen. Das einzige was mir Sorgen macht ist das Wasser. Muss man das alles mitschleppen, oder kann man auch das geschmolzene von der Spitze trinken? :-))

Jamaica in Tansania, :-) werd ich dann wahrscheinlich auch wählen. Die einzige Empfehlung bisher ;-)

Aber jetzt ins Bettchen, hab morgen einer der wichtigsten Prüfungen meines Studiums.

lg rushlife

tendido9
22.03.2008, 14:38
also um die ca. 1.000 EUR pro Person kommst du nicht herum. und das ist natürlich ohne Flug. Wasser etc. wird alles mittransportiert, darüber brauchst du dir keine Sorgen machen. Als Alternative, weil etwas preiswerter, gäbe es da noch die Besteigung des Mount Meru, des vierthöchsten berges in Afrika.

herr_lüdenscheid
28.04.2008, 16:25
Hallo rushlife,
das Wasser kommt dort aus Quellen und wird von den Trägern/Guide abgekocht.
Trotzdem solltest Du unbedingt ein Entkeimer mitnehmen (Micropur, oä.), um sicher zu sein..

Auch wir (wir waren zu dritt) hatten ca. 8 Träger (man weiss das nie so genau :-)) dabei,
was uns aus den genannten Gründen etwas Unbehagen bereitete. Auf der anderen Seite, ernährst Du damit ein paar Familien...
Es hätte nicht soviel Luxus sein müssen, das allemal - bei der tragbaren Toilette, die sie uns am 1. Abend aufgebaut hatten, war aber Schluss. Die Träger haben sie dann nicht mehr aufgebaut, nachdem wir Ihnen klar gemacht hatten, dass wir auch kein Problem damit haben, einfach ins Plumpsklohäuschen zu gehen...

momesso
26.01.2009, 10:47
Hallo,

im Feb 2008 bin ich in Tansania auf Trekkingtour unterwegs gewesen.
Die Gifpelbesteigung hat auch sehr gut geklappt.




. (http://www.my-summit.de/)