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Vollständige Version anzeigen : Kurzer Reisebericht


Andreas
25.04.2004, 10:24
Hallo,

Wir sind nun seit etwa drei Wochen wieder zurück aus Nepal. Nachdem ich nun die angehäufte Arbeit erledigt habe und auch etwas Zeit vergangen ist, kann ich mit dem notwendigen inneren Abstand einen kurzen Reisebericht schreiben:

Unterwegs waren wir zu Viert, darunter zwei Nepalneulingen (u. a. meine schwangere Frau :D). Wir landeten am 20. März 2004 in Kathmandu und nahmen gleich Quartier in der Century Lodge in der Freak Street. Alles bestens. Später trafen wir uns mit Navyo und Björk im Kumaris Restaurant und hatten einen netten Plauderabend.

Zwei Tage Besichtigungen im Kathmanduvalley. Keine Probleme, keine Streiks, keine Infos über Maoisten. Dann die Schreckensmeldung: Beni - Kämpfe - 500 Tote! Und wir wollten am nächsten Tag ins Annapurnagebiet aufbrechen. Ich diskutierte die Lage mit Navyo und wir entschieden uns trotzdem zu fahren, wobei wir immer ein wachsames Auge haben wollten.

Am 23. ging es per Touristenbus nach Pokhara: keine Checkpoints, keine Blockaden, keine Anzeichen des Bürgerkriegs. Nach einer kurzen Pause im dortigen Pumpernickel ging es am selben Tag noch weiter per Taxi nach Lumle. Unterwegs sah man noch die weggeräumten Blockaden (gefällte Bäume). Bislang das erste Anzeichen des Konfliktes und es blieb auch das Letzte. Wenn wir nichts vom Bürgerkrieg gewusst hätten, hätten wir auf unserer ganzen Reise nichts davon mitbekommen. So fielen jedoch die Soldaten auf, die per pedes auf der Straße hinunter nach Nayapul unterwegs waren.

Wir wanderten die 40 Minuten nach Chandrakot und kamen gegen 1700 dort an. Obwohl Chandrakot kaum noch Trekker sieht, gibt es noch Lodges dort, die halt öffnen, wenn jemand hereinschneit. Chandrakot liegt fantastisch mit Ausblicken das ganze Modi Khola Tal hinein bis zu den Annapurnas. - Ich finde es schade, dass 99% aller Trekker ihre Tour in Nayapul beginnen, statt in Lumle. Denn diese 1½ Stunden, die man länger geht, lohnen sehr.

Am nächsten Morgen Abstieg nach Birethanti, wo wir frühstückten. Die Soldaten von gestern kamen von Nayapul herauf und wanderten den Tag noch bis Tatopani, wie man uns sagte. Später erfuhren wir, dass zwei Tage vorher, während der Kämpfe in Beni, die Strecke über Gorepani nach Tatopani gesperrt war. - Wir beendeten unsere Tagesetappe in Tirkhedunga (Poster von Andrées Diashow gesehen ;)).

Tags darauf Aufstieg nach Gorepani. Hörten von einer Lodge, die zwei Tage vorher abgebrannt ist: Ein Trekker hat eine Kerze nicht ausgeblasen, ist eingeschlafen und das Unheil nahm seinen Lauf. Es wurde für den Lodgebesitzer gesammelt, da er nicht versichert war und generell gab es nun ein Kerzenverbot in den Lodges. Auch egal; musste man halt mit mehr Batterieverbrauch der Stirnlampen rechnen.

Traumhaftes Wetter am nächsten Morgen am Poon Hill: Dhaulagiri und die Annapurnas, einfach super! Die Hills in rot getaucht (blühende Rododendrenwälder). Später Weitermarsch bis Tadapani (wunderbarer Bergdschungel).

Nächsten Tag Abstieg durch einen wunderbaren Wald voller Affen (Languren) bis Gandrung. Das ACAP-Center gesperrt, frische maoistische Parolen auf die Gebäude geschmiert. Die Felder saftig grün; die Gerste stand kurz vorm Ernten. Später erfuhren wie, dass eine Woche vor dem Beni-Incident eine Gruppe Maoisten in Gandrung war, welche untertags abzogen, als das Gerücht umging, dass eine Gruppe Soldaten im Anmarsch von Shyauli Bazaar sei. Ich weiß nicht, ob man ohnehin abziehen wollte, oder ob man tatsächlich Rücksicht nahm und keine offenen Kampfhandlungen untertags im dicht besiedelten Gandrung riskieren wollte. Wie gesagt, erst später davon erfahren. Bislang war unser Trek so, als gäbe es keinen Konflikt in Nepal.

Tags darauf, am 28. März wanderten wir auf unbekannter Route (in keinem Guidebook, auf keiner Karte) nach Jhinu Danda zu den heißen Quellen und nachmittags noch weiter das Tal auswärts bis Landrung. An diesem Tag war gerade der König in Pokhara und unser Lodgebesitzer lauschte andächtig der Rede im Radio. - Wieder erfuhren wir erst später in Pokhara, dass es zwei Tage vorher in Landrung ein nächtliches 'Shootout' zwischen Maoisten und Soldaten gegeben hatte. Trekker hatten voller Angst Stunden unter ihrem Bett verbracht, andere erzählten mir später, sie haben so gut geschlafen, dass sie nicht aufgewacht seien und voller Erstaunen am nächsten Morgen erfahren hätten, dass es mehrere Tote gegeben hätte, darunter zwei unschuldige Dorfbewohner, Zivilisten.

Der nächste Tag brachte uns nur bis Pothana und am letzten Tag stiegen wir über Dhampus nach Phedi ab und nahmen ein Taxi nach Pokhara. Übrigens gibt es nach Dhampus rauf eine neue Jeepstraße, die in Hyangja abzweigt. Noch wurde kein Busverkehr eingerichtet, aber 4WDs schaffen die Strecke schon. Einige Lodges habe in Dhampus deshalb schon geschlossen; auch der steile Auf/Anstieg von/nach Phedi wird also bald verwaisen.

Zwei Tage Pokhara; alles 'normal'. Allerdings auffallend viel Militär rund um die Kaserne in Lakeside-Süd und eine Menge Hubschrauberflüge Richtung Beni.

Fahrt zurück nach Kathmandu am 1. April. Vor dem Pass vor Kathmandu stundenlange Staus wegen einer Demo der parlamentarischen Opposition ('5 agitating parties'). Anfangs lästig, aber schließlich recht interessant zu beobachten, wie die Busse und LKWs drängten und es zu kleineren Verkehrsinfarkten kam. Oben am Pass sahen wir den Grund für den Stau: der Checkpoint war besetzt und man machte eine Aktion scharf.

2. April in Kathmandu, und am 3. April 2004 sollten wir abends abfliegen. Leider gab es einen Streik, der derart kurzfristig ausgerufen worden war, dass keine Tourist-only-Busse organisiert werden konnten. An dieser Stelle einen herzlichen Dank an Navyo, der sich redlich bemühte, irgendeine Möglichkeit zu finden. Schließlich blieb uns aber nur das Verkehrsmittel 'cycle riksha'. Abflug ohne Probleme.

Resümé: Wir hatten einen herrlichen Urlaub. Erfuhren von den ganzen Problemen, Incidents usw. erst danach und hatten nie Angst oder auch nur ein ungutes Gefühl. Allerdings hätte es auch so sein können, dass wir alles auch erlebt haben könnten (gesperrtes Gorepani, Maoistentruppe in den Wäldern über Gandrung, Shootout in Landrung, Bombe in Pokhara), und dann hätte ich es als furchtbaren Urlaub angesehen. Ich finde, es wird »enger« für die Trekker in Nepal. Es ist nicht vollkommen auszuschließen, dass man unbedarft zur falschen Zeit am falschen Ort aufkreuzt. Informationen einholen und absolute Bedachtsamkeit bei der Planung ist ein Muss!

In diesem Sinne eine Namasté an alle,

Andreas

Susanne
30.04.2004, 15:13
hallo andreas: sehr interessant! danke für den bericht. es schien ja alles ganz toll zu laufen, ausser die streiks am schluss, aber wie du schreibst, hätte ja alles auch ganz anders verlaufen können. einen tag später oder früher. ich wäre ja in der gleichen region gewandert.

einerseits reut's mich schon, daß ich das alles nicht erleben konnte, andererseits glaub ich war es richtig zu stornieren.

nepal wird mich schon mal sehen und ich nepal. frau muß es ja nicht erzwingen :P

:-* Susanne