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Vollständige Version anzeigen : Nepal / China: Militärhilfe gegen Maoisten


Andreas
09.07.2004, 07:39
Nepal bittet China um Militärhilfe gegen Maoisten
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Quelle: www.theage.com.au/articles/2004/06/25/1088144972931.html

Mit dem nepalesischen Hilfsersuchen bläst ein neuer Wind der Kooperation
über den Himalaya. Hamish McDonald berichtet aus Shigatse, Tibet.

In einer geradezu ironischen Wendung der Geschichte hat sich Nepal an
seine von Mao Zedong gegründete kommunistische Nachbarrepublik gewandt, um
von dort Hilfe bei der Niederschlagung des Aufstandes linker
Gruppierungen, die sich als "Maoisten" bezeichnen, zu erbitten.
Der Oberkommandierende der Königlich Nepalesischen Armee, General Pyar
Jung Thapa, ließ verlauten, China habe militärische Hilfe gegen die
maoistischen Guerilleros, welche die Regierung von König Gyanendra
ernstlich bedrohen, zugesagt.

General Thapa ist soeben von einer einwöchigen Chinareise zurückgekehrt,
bei der er Gast der Volksbefreiungsarmee war. Weder äußerte er sich
darüber, um welche Art von Hilfe er ersucht hatte, noch gab es
irgendwelche offiziellen chinesischen Verlautbarungen über den Besuch.
China distanziert sich von den nepalesischen Maoisten. "Wir haben
keinerlei Verbindung zu ihnen", meinte ein Regierungsvertreter, "ebenso
wenig wie damals zu dem Leuchtenden Pfad (in Peru). Vermutlich leiten sie
ihre Doktrin von alten, von Mao verfaßten Handbüchern für den
Guerillakrieg ab."

Solche überholten linksradikalen Bewegungen sind für die kommunistische
chinesische Führung peinlich, die Wirtschaftswachstum um jeden Preis wie
auch den Besitz von Privatkapital propagiert und dabei wenig Wert auf die
Garantierung von Mindestlöhnen oder ein System der Sozialfürsorge legt.
Kritiker in China, die als "Neue Linke" bekannt sind, greifen mangelndes
Gleichgewicht heftig an.
Peking bezeichnet die nepalesischen Maoisten als "gegen die Regierung
gerichtete Gruppierung", jedoch nicht als "Terroristen", zu denen Indien
und die USA sie erklärt haben. Beide Länder haben die nepalesische Armee
vor kurzem mit Waffen versorgt.

Bei einem Gespräch mit nepalesischen Intellektuellen im vorigen Monat
rieten chinesische Regierungsberater Nepal, die Rebellion an der Wurzel zu
packen und zu versuchen die Aufständischen wieder dem politischen
"Mainstream" zuzuführen. Daraus könnte man schließen, daß China an keine
unmittelbare militärische Einmischung denkt.

In seiner Rede vom 28. Mai deutete der chinesische Botschafter in Nepal,
Sun Heping, an, daß sich China von dem Aufruhr in Nepal gewisse Vorteile
verspricht, ebenso wie vom Tauwetter in den Beziehungen zu Indien.

Weiter sagte er, Chinas Hauptsorge in Nepal seien die feindseligen
Aktivitäten der Free Tibet Bewegung, wozu er auch die Anwesenheit eines
Repräsentanten des im Exil lebenden spirituellen Oberhaupts der Tibeter,
des Dalai Lama, sowie das Auffanglager für Tibeter, die auf ihrem Weg ins
Exil nach Indien heimlich die Grenze überquert haben, rechnet.

Nepal erhofft sich von der Annäherung an China einen wirtschaftlichen
Aufschwung. Der Handel über die Straße, die Kathmandu mit Shigatse
verbindet, wuchs letztes Jahr um 12% auf 215 Millionen A$. Innerhalb eines
Jahres soll mit den Bauarbeiten für eine weitere Straße von Nepal nach
Tibet begonnen werden.

Des weiteren versucht sich Nepal als Pforte für den internationalen
Tourismus nach Tibet zu positionieren. Tausende von Touristen aus Indien
und anderen Ländern befahren nun diese Straße, die am Mount Everest
vorbeiführt. Diesen Monat baten die nepalesischen
Tourismus-Verantwortlichen um die Einrichtung einer direkten
Flugverbindung zu der tibetischen Hauptstadt Lhasa.

Auch für Indien, das Nepal als zu seiner Einfluß-Sphäre gehörend ansieht,
ist der touristische Aspekt sehr verlockend. Auf den Pekingbesuch des
früheren indischen Ministerpräsidenten Atul Bihari Vajpayee im Juni
letzten Jahres hin haben Peking und Delhi nun erste Schritte in Richtung
einer Beilegung ihrer Grenzstreitigkeiten unternommen.

Vajpayee erkannte Tibet ausdrücklich als einen Bestandteil Chinas an. Im
Gegenzug wurde in den in diesem Jahr in China gedruckten Landkarten und
offiziellen Verzeichnissen darauf verzichtet, Sikkim als unabhängiges Land
auszuweisen. Statt dessen wurde es Indien zugerechnet.

Die stillschweigende Anerkennung der indischen Souveränität über das
zwischen Nepal und Bhutan gelegene frühere buddhistische Königreich
Sikkim, das Indien im Jahr 1974 annektiert hatte, ermöglichte die
Wiederaufnahme des Handels über die alte, über 4.400 m hohe Nathu La
Paßstraße, die seit dem indisch-chinesischen Grenzkrieg von 1962
geschlossen war.

Indischen Zeitungsberichten zufolge haben bereits Tausende indischer
Touristen den einst schwer bewachten Grenzposten passiert - vorbei an
Schildern mit Aufschriften wie "Ein Schuß, ein Feind" oder "Lieber Tod
statt Unehre" - wo sie in der dünnen, kalten Luft heftig keuchen und den
chinesischen Grenzposten zuwinken. Wenn die Grenze einmal vollständig
geöffnet ist, wird die Touristenflut erst recht anschwellen. Der
Ministerpräsident von Sikkim, Pawan Chamling, möchte gerne eine
regelmäßige Buslinie von seiner Hauptstadt Gangtok nach Lhasa sehen.

Mit dem Voranschreiten der militärischen Entspannung und dem Ausbau der
wirtschaftlichen Beziehungen steht zu erwarten, daß Peking Delhi unter
Druck setzen wird, es solle die Aktivitäten der seit der Flucht des Dalai
Lama im Jahr 1959 im indischen Bergland ansässigen tibetischen
Regierung-im-Exil einschränken.

Übersetzung: Irina Raba, Augsburg, Angelika Mensching, Hamburg, Adelheid
Dönges, München
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Interessant, nicht wahr?

Andreas