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Vollständige Version anzeigen : Welcome to Chitral, Scouts


HerrOlliB
06.02.2008, 10:46
http://picasaweb.google.de/beckmann.oliver/ChitralPakistan2007/photo#s5112576846590288306

In großen Buchstaben steht in 4000m Höhe auf den Felsen des Hindukusch „Welcome to Chitral, Scouts“. Die Scouts sind die Gebirgsjäger, der Stolz der pakistanischen Armee. Hier im Nordwesten Pakistans, in Chitral, hoch oben im Hindukusch, an der Durand Linie nach Afghanistan werden sie ausgebildet. Hier in ihrem Trainingsareal wollen wir das Wochenende verbringen.

Die zweimotorige Propellermaschine wackelt und ächzt. Der Blick aus dem Fenster fällt auf die steilen Felsmassive des Hindukusch. Gefühlte zwei Meter unter uns stürzen die grauen Schlammmassen des Chitralrivers über haushohe Steine. „Verdammt, wo will der nur landen?“, schießt es durch den Kopf als die Maschine mit einem Ruck tatsächlich auf festem Boden aufsetzt. Durch den schweren Monsunregen der letzten Wochen reicht das Wassers des reißenden Flusses mittlerweile unmittelbar an die Landebahn von Chitral. Fern der pakistanischen Hauptstadt wollen wir hier hoch im Norden zu viert das Wochenende verbringen. Relaxen, mehr vom Land entdecken. Dafür haben wir uns Chitral ausgesucht. Hier soll es laut Geheimdienstangaben mittlerweile sehr friedlich sein. Der gleichnamige Chitral-Distrikt ist der nordwestlichste der geheimnisumwitterten North-West-Frontier-Provinz. 350 km Grenze teilt er sich mit Afghanistan. Im Nordwesten trennt der mächtige Hindukusch die beiden Länder, im Norden trennt er Tadschikistan von der islamischen Republik. Die Stadt Chitral liegt unmittelbar an der afghanischen Grenze, der Durand Linie. Hoch oben auf den Pässen verläuft sie irgendwie und irgendwo. Genau bestimmen kann sie keiner.


Das who-is-who der internationalen Fahndungslisten


Die Stadt ist überschaubar. Die Einwohnerzahl lässt sich allerdings nicht bestimmen. Viele – für einige Pakistani zu viele – afghanische Flüchtlinge strömen seit Jahren über die Kämme in die Stadt. Unter ihnen sollen sich hier auch das who-is-who der internationalen Fahndungslisten nach Pakistan geschlichen haben. Bin Laden, al-Zawahiri, sie alle sollen sich in Chitral aufgehalten haben. Die CIA hatte bis zum letzten Sommer noch etliche Verbindungsbeamte in der Stadt als Ausgangspunkt für die Suche nach den Feinden der freien Welt. Diese sind jedoch weiter gezogen. Chitral bildet nun die nördliche Abgrenzung des sich von Peschawar bis hier ziehenden Gürtels, in dem die pakistanische Armee ihren erbitterten Kampf gegen Terrorlager und Ausbildungsstätten führt. Der Fokus im Anti-Terror-Krieg ist allmählich gen Süden gewandert. Denn in Chitral genießen Taliban und ihre Sympathisanten nicht mehr den gewohnten Rückhalt. Man will sie nicht. Sie bringen Ärger, Gewalt und halten Touristen fern. Chitral benötigt Urlauber.


Satte Gärten, freundliche Einheimische, berauschende Landschaft


Vom Flughafen aus begeben wir uns per Jeep auf die Übernachtungssuche. Das ist stets das erste und wichtigste Unterfangen nach einer Ankunft. Wir werden fündig im Mountain Inn. Einer im britischen Kolonialstil gehaltenen zweistöckigen Oase direkt über dem Basar der Stadt. Die hölzerne Brüstung des oberen Stockwerks umschließt zu zwei Seiten einen Garten, der seines gleichen sucht. Samtweiches Gras, Fliederbüsche, Rosen, in üppigen Farben blühende Pflanzen deren Namen ich mir nie hätte merken können. Der Garten ist auf verschiedenen Ebenen aufgeteilt, überall finden sich gemütliche Sitzmöglichkeiten. Wir sinken in die tiefen Gartenstühle und genießen zunächst einen Tee. Das alles bei milden 25 Grad und leichtem Wind. Der stickigen Feuchte aus Islamabad entkommen ist allein die Luft schon Erholung pur. Augenblick verweile doch, …


Lautes Hupen und Männergebrüll sprengt da plötzlich den Hort der Friedlichkeit. Am Vormittag - kurz vor dem Freitagsgebet – nun also doch auch hier die aus den Nachrichten bekannten Bilder einer demonstrieren Meute? „Vor zwei Tagen wurden in Peschawar zwei Studentinnen aus Chitral nachts auf der Straße ermordet. Vermutlich von Islamisten. Dagegen demonstrieren heute die Chitralis“, klärt uns der Hotelmanager auf. Also kein Salman Rushdie hassender Mob oder dergleichen. Nein, ein Protestzug gegen religiösen Fanatismus. Sympathisch.
Die Tage verbringen wir mit ausgedehnten Jeeptouren in die entlegenen Täler des Hindukusch. Die schneebedeckten Siebentausender sind atemberaubend schön, die schroffen Felsen des Hindukusch aufregend. Wir treffen Vertreter des Bergvolks der Kalash. Eine religiösen Naturkult lebende Minorität in traditionellen schwarzen, reichlich verzierten Gewändern. Von muslimischen „Missionaren“ auf der afghanischen Seite fast völlig mit Gewalt und Druck vertrieben, lebt das Gros heute in den drei Tälern Birir, Rumbur und Bamboret auf pakistanischer Seite. Ihre Dörfer schmiegen sich eng verschachtelt an die bewaldeten Hänge. Ausgeklügelte Bewässerungssysteme, die teilweise hundert Meter über den fließenden Bergbächen scheinbar aus dem Nichts auftauchen, versorgen die sattgrünen Mais- und Reisfelder.


Pakistan hat soviel mehr zu bieten als Religion und Militär, Fanatismus und Krieg, Extremisten und Gewalt. In unserem Hotel versuchen sich die Angestellten das sprichwörtliche Bein für uns auszureißen. Mit aller Mühe wird versucht uns zu beeindrucken. Denn seitdem der Anti-Terror-Kampf die Schlagzeilen bestimmt, liegt der Tourismus völlig brach. Und das, obwohl dieser viel weiter südlich gekämpft wird. Bleibt die banale Hoffnung, dass sich die Mehrheit Pakistans gegen die Schlagzeilen bestimmende Minderheit der Extremisten durchzusetzen weiß. So komplex wie sich die internationale und regionale Struktur an diesem Fleck der Erde präsentiert, so harmlos klingt der Wunsch der Bewohner: „Frieden“. Die Armee solle den Kampf zu Ende bringen, die islamistische Gefahr verbannen. Dann kämen womöglich auch wieder Ausländer um diese atemberaubende Landschaft und die großartige Gastfreundschaft zu genießen. Ich hoffe mit ihnen.

by Oliver Beckmann (10. August 2007) (http://debatte.welt.de/weblogs/1074/pakistan/31775/hindukusch+ii+welcome+to+chitral+scouts)

Andreas
06.02.2008, 13:40
Hallo Oliver,

Danke für deinen "Stimmungsbericht" aus Chitral. Erweckt Erinnerungen in mir :).
Übrigens habe ich mir erlaubt, deine Picasa-Web-Diashow hier gleich intern einzubinden. Die Funktion hatt ich eigentlich noch nicht fertig implementiert, aber das jetzt eine gute Gelegenheit.

Grüße,
Andreas

AndreasW
06.02.2008, 21:29
Ebenfalls meinen Dank an Oliver! Flug wurde gerade vor 'ner Stunde gebucht... ;)
Pfingsten heißt dieses Jahr "JOSHI" bei den Kalasha (http://de.wikipedia.org/wiki/Kalasha_%28Chitral%29)... ein alter Traum wird wahr! ...Inshallah!
http://www.nilskacirek.de/index.php?page=openproj&id=34

AndreasW

ingolf
07.02.2008, 11:22
Sehr gute Entscheidung AndreasW! Tolle Ecke! Was liegt sonst noch auf deiner Pakistanreise an?

Gruß Ingolf.

AndreasW
07.02.2008, 13:51
Ingolf, das wird nur eine kurze (13 Tage) Erkundungs- und Fotoreise zusammen mit unserem "Forums-Trilobiten" in die Kalasha-Täler. Ich möchte dort viel Zeit haben, um Kontakte zu knüpfen, damit mir auch solche Bilder (http://www.photographersdirect.com/buyers/search.asp?search=kalasha&sz=0&maximages=20&l=on&p=on&s=on&w=on) gelingen. Wir werden es sehen, in wie weit es die Schneeverhältnisse zulassen, irgendwo höher zu kraxeln...

In Chitral möchten wir schon ein wenig für die Trekkingforumstour 2009 (http://trekkingforum.com/forum/showpost.php?p=68017&postcount=69) recherchieren... ;) Willst Du es Dir mit Kishtwar Himal nicht noch anders überlegen? :D

So long
AndreasW

HerrOlliB
07.02.2008, 17:03
Danke für die Picasa-Implementierung. Die werde ich in Zukunft gerne benutzen.
Und Andreas wünsche ich viel Spass in Pakistan. Neid spricht da aus meinen Zeilen :-)

phacops
08.02.2008, 07:28
Da kommen schöne Erinnerungen hoch :).
Und wenn man die verunglückte Maschine am Ende der Landebahn sieht, ist man erst recht froh, gut runtergekommen zu sein :D.

Für AndreasW noch ein paar Bilder zur Vorfreude:
http://www.pbase.com/otcho/kalash .

Enjoy!

phacops

AndreasW
08.02.2008, 07:53
Da kommen schöne Erinnerungen hoch :).
Und wenn man die verunglückte Maschine am Ende der Landebahn sieht, ist man erst recht froh, gut runtergekommen zu sein :D.

Für AndreasW noch ein paar Bilder zur Vorfreude:
http://www.pbase.com/otcho/kalash .

Enjoy!

phacops
Oooch, runtergekommen is' sie ja, nur die Landebahn war "zu kurz"... :-/
http://www.airliners.net/open.file?id=1111147&photo_nr=298&prev_id=1111369&next_id=1111146

Mv8xTZmcIt4
Angeblich sollen aber keine FOKKER mehr fliegen auf dieser Strecke.
http://www.chitralnews.com/LN528.htm
http://www.historyofpia.com/forums/viewtopic.php?p=60921&sid=010aa0d59605e2bc5e3f120d0b6a9cae

AndreasW

ingolf
08.02.2008, 11:19
Für 13 Tage nach Pakistan?! Wie dekadent ist das denn?! Ist da Abflugs- und Ankunftstag schon mit eingerechnet? Nicht? Na dann ist ja noch Zeit fürs Tirich Mir B.C. ;-)
Kontakte knüpfen geht super. Vor allen Dingen wenn der Selbstgebrannte ins Spiel kommt. Und das in Pak!

AndreasW
08.02.2008, 12:44
Für 13 Tage nach Pakistan?! Wie dekadent ist das denn?! Ist da Abflugs- und Ankunftstag schon mit eingerechnet? Nicht? Na dann ist ja noch Zeit fürs Tirich Mir B.C. ;-)
Kontakte knüpfen geht super. Vor allen Dingen wenn der Selbstgebrannte ins Spiel kommt. Und das in Pak!
So, Mod. beleidigt... wie war das gleich mit dem neuen Verwarnsystem? ;) Wer will denn ins Tirich Mir B.C.? Ich suche mir diesen Fotostandpunkt (http://www.trekearth.com/gallery/photo465211.htm), wünsche mir diese Sicht im Abendlicht und wäre zufrieden! :D

Ich will zu den Kalasha unter die Leut'... Dafür dürften mehr als die max. 3 Tage rausspringen, die die meisten Touris dort höchstens verbringen! Wenn's mit dem Anschlußflug klappt, starten wir 15:45 in München und landen 13:00 Uhr Ortszeit am nächsten Tag in Chitral. Das ist doch fast wie Beamen! Laß mich/uns doch auch mal dekadent sein... :redface:

AndreasW

ingolf
08.02.2008, 16:16
Stimmt, ich war auch son 3 Tagetouri. München-Chitral direkt ist natürlich krass. Da würde ich dort wahrscheinlich erstmal einen Lachkrampf kriegen.

Gruß Ingolf

Ähm, der Fotostandpunkt ist der vergammelte Cricketplatz mitten im Ort.
Ach ja Modbeleidigung. Mist, nicht aufgepasst. Darf ich noch mitmachen? ;)

maximus
12.02.2008, 15:40
Winter has been quite severe in Chitral this year with plenty of snowfall effecting even fauna in the mountains . Birds like chukor and also wolfs have descended into the valleys.. Its now possible to witness the snow leopard in Chitral in its natural habitat hunting the magnificent Markhor goat . Wild life conservation has now led to community game reserves for hunting bringing in another predator….man. In late janurary a US trophy hunter obtained a permit to hunt a Markhor goat for a license fee of 82000 US Dollars. What the hunter didn’t realize was both he and a snow leopard were stalking the same goat… ….man once again got away with his bag , the shot scared away the snow leopard wondering …….:mad: ?

Maximus