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wickie69
20.08.2004, 11:13
Meldungen aus KTM:

20.8.04
"Psychoterror" um Kathmandu
Der Blockadering rund um die Hauptstadt durch maoistische Rebellen hält an - Lebensmittel¤*#preise steigen -
Südwind-Reportage aus Nepal: Maoisten gegen König gegen Parteien
Kathmandu/Wien - Am zweiten Tag der von maoistischen Rebellen errichteten Blockade Kathmandus sind die Lebensmittelpreise in Nepals Hauptstadt deutlich gestiegen. Obst und Gemüse seien um fünf bis zehn Prozent teurer geworden, hieß es Donnerstag. Heimatminister Purna Bahadur Khadka rief die Einwohner auf, sich mit Vorräten zu versorgen. Die Maoisten hinderten laut Augenzeugen Fahrzeuge nicht gewaltsam an der Durchfahrt. Es seien keine Straßensperren zu sehen. Dennoch seien kaum Fahrzeuge unterwegs.

Khadka nannte die Blockade um Kathmandu "psychologischen Terror". Zu gewaltsamen Zwischenfällen kam es nicht. Die Rebellen wollen mit dem Ring, durch den die Versorgung der 1,5-Millionen-Stadt unterbrochen ist, den Druck auf die Regierung erhöhen. Sie fordern die Freilassung inhaftierter Genossen.

Das Wiener Außenministerium hat vorerst noch keine Reisewarnung erlassen. Reiseveranstalter wie die auf Himalayatouristen spezialisierten Linzer Bergspechte oder Hauser- Exkursionen in München beobachten die Lage, Trekkingreisen nach Nepal werden aber weiter angeboten. Bergspechte-Chef Edi Koblmüller zum Standard: "Ich glaube nicht so recht, dass die Stadt wirklich eingeschlossen ist." (pra/DER STANDARD, Printausgabe, 20.8.2004)


Regierung ruft Maoisten zum Verhandlungstisch
Notwendige Vorbereitungen für Gespräche mit den Rebellen werden getroffen - Bisher keine Zwischenfälle durch Blockade

Kathmandu - Die nepalesische Regierung hat die maoistischen Rebellen zu Verhandlungen über ein Ende der Blockade der Hauptstadt Kathmandu aufgerufen. Die Regierung treffe derzeit alle notwendigen Vorbereitungen für Gespräche, sagte der stellvertretende Regierungschef Bharat Mohan Adhikary am Donnerstag. Am zweiten Tag des von den Rebellen errichteten Blockaderings um Kathmandu stiegen die Lebensmittelpreise in Nepals Hauptstadt an. Obst und Gemüse seien seit Mittwoch um fünf bis zehn Prozent teurer geworden, teilte ein nepalesischer Verbraucherverband mit.

Aufforderung an den Verhandlungstisch zu kommen

Die Regierung rufe die Maoisten auf, "an den Verhandlungstisch zu kommen und die derzeitige Krise zu beenden", sagte Adhikary. Innenminister Purna Bahadur Khadka nannte die Blockade "psychologischen Terror". Die Maoisten wollten ein "Klima der Angst" schaffen. Zu gewaltsamen Zwischenfällen im Zusammenhang mit der Blockade kam es bisher nicht. Khadka rief die Einwohner auf, sich mit Vorräten zu versorgen. Die Regierung werde dafür sorgen, dass genug Waren für mindestens einen Monat gelagert würden, und es nicht zu Wucher komme.

Maoisten würden von Tag zu Tag brutaler

Ein Mitglied der unabhängigen Nationalen Menschenrechtskommission stuft die Blockade als schwere Verletzung der Menschenrechte ein. Die Maoisten würden von Tag zu Tag gewalttätiger, sagte Sushil Pyakurel. Inzwischen seien nicht mehr nur Regierungsvertreter und Sicherheitskräfte im Visier der Rebellen, auch örtliche Journalisten und Menschenrechtsaktivisten würden von ihnen mit dem Tod bedroht.

Zum Schutz der Bevölkerung in der 1,5-Millionen-Stadt wurden größere Einheiten von Armee und Polizei in Kathmandu stationiert. Die maoistischen Rebellen hinderten laut Augenzeugen Fahrzeuge nicht gewaltsam an der Durchfahrt. Es seien keine Straßensperren zu sehen. Aus Angst vor Vergeltung trauten sich Lastwagenfahrer jedoch nicht, in die Stadt hinein- oder aus der Stadt herauszufahren. Gelegentlich verkehrten laut Innenministerium Busse zwischen Kathmandu und anderen Städten.

Rebellen wollen mit Blockade Druck auf Regierung erhöhen

Die Rebellen wollen mit dem Blockadering den Druck auf die Regierung erhöhen. Sie fordern die Freilassung von inhaftierten Kampfgenossen, Informationen über Verschwundene sowie eine Untersuchung über die angebliche Ermordung von gefangenen Rebellen. Die Maoisten führen unter Leitung ihres mysteriösen Anführers "Prachanda der Wilde" seit 1996 einen "Volkskrieg" gegen die Führung des kleinen asiatischen Königreichs. Seitdem wurden nach Angaben der Sicherheitsbehörden fast 10.000 Menschen getötet. (APA)

Monarchie oder Mao
Nepal befindet sich seit knapp einem Jahrzehnt in einem blutigen Bürgerkrieg - Von Christoph Prantner


Nepal ist das Land in dem Buddha geboren wurde. Mit Erleuchtung und innerem Frieden haben die Möglichkeiten, die die Nepalis derzeit haben, allerdings kaum zu tun. Ihre Optionen heißen vielmehr Monarchie oder Mao.

Das Land befindet sich seit knapp einem Jahrzehnt in einem blutigen Bürgerkrieg. Verschärft hat sich die Situation, als im Juni 2001 fast die gesamte königliche Familie vom amoklaufenden Kronprinzen Dipendra umgebracht wurde. Als der kurz nach der Tat an seinen selbst zugefügten Verletzungen starb, übernahm der heutige König Gyanendra die Macht. Seither versucht er die Situation zu stabilisieren. Mit mäßigem Erfolg.

Der König hat im Staatsnotstand die Exekutivmacht an sich genommen, das Parlament aufgelöst und in kurzer Zeit drei Premiers verschlissen. Seinen ersten, Sher Bahadur Deuba, setzte er erst im Juli wieder ein, obwohl er ihn zwei Jahre zuvor wegen angeblicher Unfähigkeit entlassen hat. Viele Beobachter sehen das als Konzession an Indien, die USA und China, die zunehmend besorgt auf die Entwicklung im 25-Millionen-Land am Himalaya schauen. Besonders Indien fürchtet die Umtriebe der Maoisten in seinen eigenen Nordprovinzen.

Wie der Versuch die erst Anfang der 1990er Jahre eingeführte Demokratie wiederzubeleben sind 2003 auch Friedensverhandlungen zwischen Rebellen und Regierung gescheitert. Die Maoisten wollten von der Abschaffung der Monarchie nicht abrücken. Seither demonstrieren sie Macht mit erzwungenen Streiks, Massenentführungen, jetzt der Blockade und Sprengsätzen vor Luxushotels in Kathmandu. Für einen endgültigen Umsturz scheint ihnen dennoch die Stärke zu fehlen.

Indes gleitet das Land immer weiter in den Ruin: Zwischen 1999 und 2004 ist die Zahl der Touristen von 400.000 auf 250.000 gesunken. Und das schmerzt selbst die Maoisten, denn sie verlangen von den Trekkern "Revolutionssteuer". (DER STANDARD, Printausgabe, 20.8.2004)

Bomben am dritten Blockadetag
Maoistische Rebellen verüben Anschlag auf Amtsgebäude - Erstmals Verletzte - Kathmandu bleibt weiterhin eingekesselt

Kathmandu - Am dritten Tag ihrer Blockade der nepalesischen Hauptstadt haben maoistische Rebellen in Kathmandu zwei Bomben gezündet. Zuvor hatten die Rebellen am Freitag einen Polizisten angeschossen, der ein Behördengebäude in der Innenstadt bewachte, und einen der Sprengsätze unter der Treppe deponiert. Nach Augenzeugenberichten liefen Menschen nach den Schüssen aus dem Gebäude, wenig später explodierte die Bombe. Zum Zeitpunkt der Explosion am Morgen herrschte in der Behörde reger Publikumsverkehr.

Die zweite Explosion ereignete sich an einem unbesetzten Polizeiposten am Rand von Kathmandu. Dabei wurde niemand verletzt.

Die Maoisten wollen mit ihrer Blockade die Freilassung inhaftierter Gesinnungsgenossen erzwingen. Die Regierung von Ministerpräsident Sher Bahadur Deuba hat sich bisher nicht zu den Forderungen geäußert. Der bewaffnete Konflikt zwischen Sicherheitskräften und maoistischen Rebellen in dem Himalaya-Königreich kostete seit 1996 mehr als 10.000 Menschen das Leben. Im Jänner 2003 war auf Initiative von König Gyanendra ein Friedensabkommen erzielt worden, das jedoch nicht hielt. Die Rebellen forderten allgemeine Wahlen zu einer verfassungsgebenden Versammlung und lehnten die angebotene Entsendung eigener Vertreter in eine Übergangsregierung ab. (APA/AP)