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Vollständige Version anzeigen : KULTUR und RELIGION im DOLPO


Hans-Wien
12.01.2008, 23:30
Im abgelegenen West Nepal , von hohen Bergen umgeben und nur über hohe Pässe zu erreichen , liegt DOLPO , dessen tibetisch geprägte Kultur und Religion sich bis heute in seiner ganzen Vielfalt erhalten hat.
Den Traveller erwartet nicht nur eine grandiose Bergwelt , sondern auch Klosteranlagen mit jahrhundert alten Traditionen und Lehren.
Bis zum 18.Jhtd. gehörte Dolpo zum Land Lo ( Mustang ). Die Gorkhas nahmen 1770 das Kathmandutal in Besitz und dehnten ihr Gebiet über das gesamte Kali Gandaki Tal aus.
Die Zugehörigkeit zu Tibet führte schon frühzeitig zur Ausbreitung der Bön Religion und des Buddhismus in Dolpo.Lange Zeit herrschte die Sakyapa ( tib. Sa-skya-pa ) Tradition , die Klöster gründete und die Ikonographie der Tempel beeinflußte.Gleichzeitig wurden auch Bön Zentren gegründet , aber im Laufe der Zeit gewann die Nyingmapa ( tib. r Nying-ma-pa ) Schule an Bedeutung und sie ist heute die vorherrschende buddh. Lehrrichtung.

Die wichtigste religiöse Stätte ist die SHEY GOMPA und der in der Nähe befindliche , heilige " Kristallberg" , der im 6. tib. Monat ( Juli ) von hunderten Pilgern aus der ganzen Region umrundet wird.Am Beginn der Kora eine Tschörte und ein kleiner Wasserlauf , der von den Gläubigen als eine der Gangesquellen ( chu-mig-gan-ga ) verehrt wird.In der Felswand in rießigen Lettern als Relief das Mantra " Om mani padme hum ".
Die SHEY GOMPA war ursprünglich eine Gründung der Kagyüpa Schule , aber fühlt sich inzwischen der Nyingma Tradition verbunden.Im " Guru Rimpoche Lhakahang " ( Versammlungssaal ) schöne Wandmalerein und neben einigen tantrischen Figuren , Buddha Shakyamuni und Padmasambhava ( Guru Rimpoche ).

Eine kleine Wanderung von SHEY entfernt , im Tal des Shibu Khola , auf einem Felsvorsprung , die GOMOCHE GOMPA , im 12. Jh. von Drubtob Senge Yeshe gegründet , soll die älteste Gompa in Dolpo sei ?!.

Die RINGMO GOMPA gehört der Bön Religion an.
Bön oder Bon ( tib. wörtl. " herbeirufen " ) ist ein Sammelbegriff für verschiedene religiöse Strömungen in Tibet vor Einführung des Buddhismus durch Padmasambhava. Mit Beginn des 11. Jh. tritt die Bön Schule als eine eigenständige Richtung auf und die heute noch existieren Schulen teilen bestimmte Lehren mit den Nyingmapas.Der Begründer der Lehren , Shenrab , faßte verschiedene Lehren zu einem Kanon zusammen , zu vergleichen etwa mit den buddh. Schriften Kangyr / Tengyr.

Ein weiteres Bön Kloster , die SAMLING GOMPA ist leider den Verfall preisgegeben , obwohl in letzter Zeit ( auch Dank von Spenden aus Deutschland ) einige Renovierungen durchgeführt werden konnten.

Besonders eindrucksvoll ist die großartige Klosteranlage von YANGTSER , mit neun großen Tschörten.Im Inneren , Wandgemälde von buddh.Gottheiten und einige herrliche Statuen. Die Klosteranlage wurde im 13. , 14. Jh. von der Sakya Schule gegründet und der derzeitige Lama " Dawa Tenzi " würde sich bei einem Besuch über jede Spende freuen !!!
Die Lehrrichtung der Sakyapa bevorzugt das Hevajratantra ( ( Yidam , als Beschützer der Lehre ) und praktiziert Magie und Orakel als eine Art Wissenschaft.

Besonders Auffällig bei einem Besuch Dolpos , sind die riesigen TOR - TSCHÖRTEN ( Khagan Tschörten - abgeleitet von Khanggan = Tor ) , im Inneren mit feinen Decken und Wandmalerein verziert.
Die Grundform der geschlossenen Tschörten , Dschangtschub ( Tschörten der Erleuchtung ) gelten als plastisches Abbild des Kosmos und die einzelnen Abschnitte der Tschörte sind Elemente aus dessen sich nach buddh. Vorstellung das Universum zusammen setzt.
1. Der quatratische UNTERBAU ( tib. Banrim ) symb. die Erde und ist dem gelben Dyanibuddha des Südens , Ratnasambhava , zugeordnet.
2. Der gewölbte MITTELTEIL ( tib. Bumpa = Gefäß ) symb. das Element Wasser , weißer Dyanibuddha des Ostens , Aksobhya .
3. Die SPITZE , 7 - 13 Ringe , versinnbildlichen die Erleuchtungsstufen und ist das Element Feuer , roter Meditationsbuddha des Westens , Amitabha .
4. Der SCHIRM , soll vor allem Übel bewahren , diesem Schirm ist das Element Luft und der grüne Dyanibuddha des Nordens , Amoghasiddi , zugeordnet.
5. Das KOPFJUWEL , mit der Polarität , Sonne ( aktiv männl. ) und Mond ( passiv weibl. ) gekröntund der züngelnden Form der Nardaflamme , der höchsten Erkentniss , die Region des Äthers mit dem blauen Buddha der Weltmitte , Vairocana.

Das Siedlungsgebiet der zirka 3800 tib. stämmigen Bevölkerung , liegt zwischen 3800m und 4300m , umgeben von 6000 bis 7000m hohen Bergketten und die klimatischen Verhältnisse , mit geringen Monsuneinfluß in den Sommermonaten und einer Trockenperiode von Sept - Mai , erlaubt Ackerbau ( überwiegend Gerste , in den Dörfern auch Buchweizen und Gemüse ) , sowie Viezucht ( Yaks , Dris , Schafe und Ziegen ).
Die Erzeugnisse aus der Landwirtschaft und Viezucht reicht aber nicht aus um die Bevölkerung zu ernähren , deshalb ist fast jeder Bauer auch ein Händler.
Im Sommer ziehen Yakkarawanen mit Getreide aus dem südl. Dolpo nach Tibet um es bei den Nomaden gegen Salz und Wolle einzuhandeln und das Salz wird dann größtenteils vor Einbruch des Winters im Süden wieder gegen Getreide eingetauscht.
Leider sehen diese Salzkarawanen einer traurigen Zukunft entgegen , der Grenzübergang wird von den chin. Behörden immer mehr erschwert und vom Süden her werden Strassen in den nördlichen Teil gebaut und auf Lastwagen dann billiges Salz aus Indien in den Norden transportiert.

Durch die isolierte Lage , das unwirtliche Klima und der Armut der Region , ist auch das Interesse der Regierung in Kathmandu an diesem Gebiet eher gering und die hohen Permitkosten fließen sowieso in die Taschen der Oberschicht in der Hauptstadt.

Ein Problem ist auch die Ausbildung von Bönpas in ihrer trationelen Lehrichtung.
In den Klöstern können aus finanz.Gründen nur wenige Schüler ausgebildet werden , sodaß ein großteil die Lehre im Triten Norbutse Kloster in Kathmandu nahe Swayambunath erhält.

Die Dolpopas sind freundliche Menschen , die gerne lachen , aber Fremden gegenüber doch auch etwas reserviert sind.Inwieweit ein Massentourismus ( wie z.b. in dem kleinen Königreich Mustang , das jährl. von 2000 Touristen regelrecht überflutet wird ) diese großartigen , mit ihrer alten Tratition verbundenen Menschen verändern wird ( wie bereits in vielen Teilen Nepals ) wird die Zukunft zeigen ??

Da in Tibet die uralten Kulturen und Religionen durch die Besatzungsmacht vernichtet werden und in anderen Himalayaregionen eine Veränderung der alten Werte durch westlichen Einfluß zu bemerken ist , sollten wir uns bewußt sein :

WIR ÜBERNEHMEN EIN ERBE TIBETS UND SOLLTEN ES ERFÜRCHTIG AUCH FÜR SPÄTERE GENERATIONEN BEWAHREN .

Tashi Delek Hans - Wien

phacops
16.01.2008, 21:38
Vielen Dank, Hans-Wien, für diesen kundigen Artikel zu Dolpo.
Ich würde mich freuen, wenn wir hier weitere Beiträge, auch Bilder z.B. aus den Klöstern und Vertiefendes zur Bön-Religion bekämen.
Als Ergänzung zum Dolpo-Trekking-thread ist dies wunderbar!

phacops

Soshin
16.01.2008, 21:47
Wieder einmal ein Liebeswerk.

Danke, Hans :-)

Klaus
17.01.2008, 18:51
vielen Dank Hans, habe den Artikel mit großem Interesse gelesen. vielleicht (hoffentlich) komme ich auch nochmal ins Dolpo.

Gibt es eigentlich einen Zusammenhang zwishen der Shey Gompa in Ladakh die ja auch Kristallburg genannt wird und hier im Dolpo oder sind da nur traditionelle Namensgebungen die dann einfach gleich sind??=

Die Kristallburg in Ladakh soll ja der Ort gewesen sein an dem die Königinnen von Ladakh ihre Kinder zur Welt gebracht haben!?

Gruß
Klaus

Hans-Wien
17.01.2008, 23:07
Hallo Klaus !

Das ist eine wirklich interessante Frage , von einem Kenner des tib. Kulturraumes.
Da ich darüber noch nie nachgedacht habe , obwohl eine Verbindung durchaus möglich währe , werde ich mit Freunden an der Uni , darüber diskutieren und dir sehr bald Bescheid geben.

Liebe Grüße Hans - Wien

Andreas
18.01.2008, 06:30
@ Hans:
Auch von mir einmal ein herzliches Danke für deine immer interessanten Artikel und Berichte. Ich bin sehr froh darüber, dass unser Forum damit bereichert wird.

@ Klaus:
Interessante Fragestellung. Ohne Hans vorgreifen zu wollen, halte ich es persönlich für einen Zufall. Denn Dolpo wurde von Tibet aus besiedelt, genauso wie Humla, Mustang, Nyeshang, Tsum, Rolwaling, Khumbu. Ladakh war jahrhundertelang eigenständig, nicht unbedingt unabh. von Tibet, aber eigenständig. Namensgleichheit bei Klöstern findet man schon oft, aber dann haben sie praktisch immer ihre Entsprechung in Tibet, wurden sogar oftmals von dort aus gegründet oder sind sogar eine Art Außenstelle.

Man darf auch nicht vergessen, dass die kulturelle Verbindung zwischen Ladakh und Tibet seit dem endgültigen Untergang von Guge nicht mehr so gut bestand und sich wie eine Grenze auswirkte.

So weit meine Ideen. Ich bin neugierig, was Hans herausfindet.

Beste Grüße,
Andreas

Hans-Wien
18.01.2008, 21:37
Hallo Klaus !

Wie Andreas schon geschrieben hat , gibt es keine Verbindung zwischen den beiden Klosteranlagen , ausser natürlich den Namen " SHEY , leitet sich von Slel = Glas , Kristall " ab und das bezieht sich auf die helle Farbe des Gesteins rund um den Berg.
Das Gebiet von DOLPO wurde lange Zeit vom alten Königreich Guge in West Tibet beeinflußt und die SHEY GOMPA ist eine Gründung der Kagyüpa Schule , die im 11 Jh. durch den Mystiker Tilopa entstand und dessen Lehre von Naropa , Marpa und vor allem Milarepa verbreitet wurde.
Die Klosteranlage SHEY in LADAKH hingegen ist früheren Datums , aber die zerfallene Zitadelle am oberen Teil des Felskegels , wurde auch bereits zirka 930 von der Yarklundynastie erbaut.
Leider wird die Anlage von SHEY von den Touristen viel zu wenig beachtet , obwohl sie jahrhunderte lang das Machtzentrum im Lande war.Auch nach der Verlegung der Residenz durch Lhachen Bhagan um 1470 nach Leh war hier der Sitz des Staatsorakels und ein uralter Brauch bestimmte , das Königinnen nur in Shey ihre Kinder zur Welt bringen durften.
An der südlichen Felswand , nahe der alten Handelsroute ( heute eine Strasse ) befindet sich eines der frühesten buddh. Zeugnisse in Ladakh , ein Flachrelief des Urbuddha und seine fünf Emanationen als Dyanibuddhas aus dem 10 Jh.
Eines der wichtigsten und eigenartigsten ikonographischen Zeitdokumente , die in den späteren Jahren nur noch selten zur Ausführung gelangten.

Liebe Grüße Hans - Wien

Klaus
19.01.2008, 10:34
Lieber Hans,
herzlichen Dank,
wie immer kenntnissreich :up:
Wieder ein bisschen was dauzugelernt

Gruß