Vollständige Version anzeigen : Panorama von Gokyo Ri aus?
Hannes33
20.12.2007, 10:45
Hallo liebe Nepalkenner,
da gerade Weihnachten ist, bastele ich an einem Panorama, das ich am Gokyo Ri aufgenommen habe und gerne noch vor dem 24.12 ausplotten möchte (sollte so etwa 2,5meter auf 30cm werden:up: )
Da es höchstwahrscheinlich an einer Stelle hängen wird, wo viele Leute es sehen werden, möchte ich die prominentesten Berge beschriften (in einem weissen Balken unter dem Bild...)
Und nun stoße ich auf das Problem, alle Berge richtig zu identifizieren... vielleicht könnt Ihr ja helfen
Zur Überprüfung und leider auch Verwirrung habe ich ein paar fertige Panoramas gefunden, z.B.
http://www.himalaya-info.org/gokyo_ri.htm (sehr schöne seite:up: )
oder auch http://www.everest.cc/panoramen/gokyo_beschriftet.html
(ebenfalls schöne seite von unserem admin, das Bild allerdings ist von MapHouse, KTM)
Diskrepanzen: Der Berg, der auf beiden Bildern als Cholatse ausgewiesen wird, ist meiner Meinung nach der Arakam Tse (6423m), und der Berg, der als Taboche angeschrieben ist sollte eigentlich der Cholatse sein, den Taboche sollte man vom Gokyo Ri aus gar nicht sehen, weil er perspektivisch genau hinter dem Cholatse liegt... (kann es wirklich sein, dass diese 2 Markanten Berge verwechselt werden, oder hab ich gestern Abend zu viel Glühwein abbekommen:confused: :confused: )
Die anderen Berge stimmen mit meiner Identifikation überein, selbst wenn die Namen zum Teil anders sind, bzw. die Höhen um bis zu 100m verschieden sind...
Danke für eure Meinung und Hilfe!
lg Hannes.
Joachim.Meyer
20.12.2007, 11:02
Muß wohl am Glühwein gelegen haben ;-) Das ist schon der Cholatse, links der Nordwestgrat und rechts der Südwestgrat, über den 1982 die Erstbesteigung glückte. Eben nochmal in http://www.rother.de/titpage/7042.php nachgeschlagen.
Gruß
Joachim
Hannes33
20.12.2007, 11:24
hallo Joachim,
laut meinen Karten (Nat.Geo. Everest Base Camp 1:50.000 und Map point Everest to Gokyo 1:60.000) liegt westlich vom Cholatse (Links von Gokyo Ri aus gesehen) der Arakam Tse (6423m) der ziemlich prominent zu sehen sollte - weil definitiv nicht verdeckt!! Und dieser Berg scheint auf den Bilder nicht auf:confused: :confused:
Hingegen der Taboche genau hinter dem Cholatse liegen sollte, jedoch auf den Panoramabildern zoiemlich prominent "zu sehen ist".
Hab in der zwischenzeit diese Seite gefunden: http://www.geocities.com/nepalpictures/arakam_tse_and_cholatse.htm
Auf meinen Karten ist die Topographie ganz gut zu erkennen, und der Berg schaut eher aus wie Arakam Tse...
Auf alle Fälle gibt es diesen Berg wirklich ;) , deshalb verstehe ich nicht, das er auf den Bildern nicht erscheint.
lg Hannes.
na dann würde ich mal ein Blick auf die :up:hervoragende Seite:up: von Günther Seyfferth werfen- ob da wohl noch Fragen offenbleiben können :confused:
http://www.himalaya-info.org/gokyo_ri.htm :D:D:D
ereithner
21.12.2007, 10:19
Hallo Hannes!
Ausgehend von allen Karten, die ich zuhause von der Everest Region habe, würde ich Deine Interpretation teilen. Zuerst der ArakamTse, dann der Cholatse und auf den Fotos verdeckt durch den Cholatse der Taboche (oder Tawoche).
Auf der Karte sieht es auch so aus, das Cholatse und Taboche quasi ein Massiv bilden.
Die Beschriftung auf den Panoramen deckt sich allerdings mit den Erklärungen der Sherpas.:confused:
Liebe Grüße
Erik
Hannes33
21.12.2007, 10:22
Danke Andrees,
genau diese Seite habe ich ja auch schon zitier. Sie ist wirklich sehr schön, ich behaupte aber, das auch hier Arakam Tse, Cholatse und Taboche verwechselt werden - bzw. der Arakam Tse einfach "übersehen wird". Kann jedem mal passieren;)
Zur überprüfung nehme man eine Karte der Gegend, ziehe mit Bleistift und Lineal einen Strich von Gokyo-Ri ausgehen zum Cholatse (Blickrichtung) und bemerke:
1. Taboche befindet sich direkt hinter Cholatse, also definitiv nicht sichtbar!!
2. westlich, also links des Cholatse befindet sich ein gleichhoher (bzw. 100m höher) Berg namens Arakam Tse, der Sichtbar sein muss, weil quasi freistehend, auf den Bildern aber nicht aufscheint??
versucht es mal!!!
Ich bin mittlerweile überzeugt, dass sich hier ein Fehler bei den Beschriftungen der Panoramas eingeschliechen hat. Eigentlich ja nicht schlimm, sondern eher lustig. Allerdings werden solche Fehler ja gerne einfach fortgepflanzt...
lg Hannes.
ereithner
21.12.2007, 10:24
"Hingegen der Taboche genau hinter dem Cholatse liegen sollte, jedoch auf den Panoramabildern zoiemlich prominent "zu sehen ist".
Hab in der zwischenzeit diese Seite gefunden: http://www.geocities.com/nepalpictures/arakam_tse_and_cholatse.htm"
Ich bin der Meinung, dass Bergbezeichnung auf dieser Homepage die richtige ist.
Erik
Hannes33
21.12.2007, 10:32
Hallo Hannes!
Ausgehend von allen Karten, die ich zuhause von der Everest Region habe, würde ich Deine Interpretation teilen. Zuerst der ArakamTse, dann der Cholatse und auf den Fotos verdeckt durch den Cholatse der Taboche (oder Tawoche).
Auf der Karte sieht es auch so aus, das Cholatse und Taboche quasi ein Massiv bilden.
Die Beschriftung auf den Panoramen deckt sich allerdings mit den Erklärungen der Sherpas.:confused:
Liebe Grüße
Erik
Hallo Erik,
ja, den "Streit" hatte ich mit meinem Sirdar auch schon :D . Die meisten Nepalesen können mit einer Karte nur wenig bis gar nichts anfangen (Karten lesen ist z.T. eine Kunst), und wenn sich solche Fehler mal in den "Volksmund" eingeschlichen haben, bekommt man sie nur mehr schwer los...
Wie du genau bemerkst: Cholatse und Taboche bilden quasi ein Massiv, der zwischen den 2 Gipfeln (beide knapp über 6300) hat eine Höhe von fast 6000m, also definitiv nicht so ein tiefer "Einschnitt", wie er auf den Bildern zu sehen ist, schon deshalb muss es sich hier um einen Fehler halten...
Lg Hannes.
ereithner
21.12.2007, 10:41
2914
Betrachtet man das Gesamtmassiv von Osten sieht man von Links : Taboche, dann Cholatse und einzelstehend den Arakamtse
Erik
hier noch ne nette Webseite
http://www.3sixty.eu/photo-colors-of-himalayas-sagarmatha-national-park-nepal
War auch bis heute der Auffassung den Tabocho vom Gokyo Peak aus zu sehen:roll:
Hannes33
21.12.2007, 12:15
hier noch ne nette Webseite
http://www.3sixty.eu/photo-colors-of-himalayas-sagarmatha-national-park-nepal
War auch bis heute der Auffassung den Tabocho vom Gokyo Peak aus zu sehen:roll:
Ja, die webseite hatte ich auch schon gesehen, sie erhärtet meine Meinung.
So kann man sich täuschen... interessant wäre zu wissen, was alles für andere Märchen einem von den sherpas bzw. einheimischen erzählt werden ;) !
Aber ich denke, dass das Irrtum nun korrigiert wurde.
vielen dank und liebe Grüße, Hannes.
Auch ich glaube das der Arakam Tse vom Gokyo Ri zu sehen ist. Ich habe sogar eine Postkarte die diese Bezeichnung enthält. Auch nach der Karte müsste es so sein.
Gruß trekker
Joachim.Meyer
22.12.2007, 16:51
Hallo Hannes,
die Frage ist, ob die Bezeichnungen in deiner Karte korrekt sind. Die Karte Solu Khumbu aus dem Nelles-Verlag enthält den Arakam Tse beispielsweise überhaupt nicht, der Berg links vom Gokyo Ri wird als Cholatse bezeichnet, während der Taboche eigentlich zwei Gipfel hat.
Auf alle Fälle wird der Berg links überwiegend als Cholatse bezeichnet. http://www.rother.de/titpage/7042.php enthält beispielsweise einen kurzen Abriß der Besteigungsgeschichte und Routenbeschreibungen auf den Berg links. Insofern würd ich eher bei dem eingeführten Namen bleiben. Auch hat sich herausgestellt, dass der Mera Peak eigentlich ein anderer Berg ist, nachdem sich der Name mittlerweile eingebürgert hat, bleibt dieser dem "falschen" Berg erhalten.
Gruß
Joachim
Christian H.
22.12.2007, 20:39
Guten Abend allerseits!
Wir hatten im Herbst die gleiche Diskussion und Verwirrung auf unserem Trekk zum Gokyo-Ri. Unser Porterguide kannte keinen Berg mit Namen Arakam-Tse. Der auf der Nepa-Karte (aber nicht auf anderen Karten!) mit Arakam-Tse beschriftete Berg wird offenbar durchwegs als Cholatse bezeichnet, und der zweigipflige Berg rechts davon als Taboche. Wir sind also zum gleichen Schluss gekommen wie Joachim - und haben auf unserer Karte eigenmächtig den Namen Arakam-Tse gestrichen und Cholatse darüber geschrieben... Ob das wirklich korrekt ist, weiss ich nicht. Ich denke jedoch, dass der "Volksmund" in solchen Fragen prinzipiell immer recht hat und sich die Karten danach richten müssten, und nicht umgekehrt. Und: Auch Karten haben Fehler.
Herzliche Grüsse
Christian
Auf meiner alten Schneider Khumbu Karte gab es die Bezeichnung Chola tse noch gar nicht denn da hieß er noch Jobo Laptshan. Aber Chola Tse ist non mal für uns Trekker recht einfach zu merken , vor allem wenn man über den Cho La gehen tut :D:D:D Wenn man sieht, wieviele deutliche Gipfel in Nepal gar keinen Namen haben kann ermessen, dass es den Leuten anscheinend dort nicht so wichtig ist wie die Dinger heißen.
Dann kommen die Kartographen und fragen mal diesen dann jenen wie der Berg wohl heissen könnte und der Zufall entscheidet in der Regel was dabei herauskommt.
Ich habe schon Karten geseh, wo ganze Dörfer auf der falschen Flussseite eingetragen waren und würde keiner Karte eigentlich eine absolute Referenzzuordnung zutrauen.
Und so wird es eben ab und zu unterschiedliche Bezeichnungen geben, je nachdem welche Karte man gerade anschaut. Aber selbst mit "falschem" Namen sehen die Berge ja trotzdem toll aus-oder?
ich habe mir die Fragestellung noch mal auf der Schneiderkarte, die vm karthographischen Gesichtspunkt sicher sehr genau ist angesehen und bin zu folgendem Schluss gekommen:
Der Berg Taboche ist eindeutig und zweifelsfrei benannt, da er direkt von Tengboche zu sehen ist. Diesen Berg kann man vom Gokyo Ri aus sehen und er ist durch keinen anderen Berg verdeckt.
Es gibt einen sehr markanten Berg, der von eingen Sherpas Chola Tse genannt wird. Er entspricht dem eingipfligen Jobo Laptshan auf der Schneiderkarte. Der Winkel auf den Bildern zwischen dem sicheren Taboche und dem " markanten Berg" entspricht der Karte.Ich denke Chola Tse ist ein neuer Kunstname, der erst in den letzten 15 Jahren im Gokyogebiet aufgekommen ist. 1991 habe ich ihn bei der Überquerung des Cho La z.B. noch nicht gehört. Und natürlich suchen die Kartographen immer wieder nach Namen, weil es ja wirklich etwas langweilig ist, die tollsten Berge nur mit ihre Höhe bezeichnen zu können. Man denke da nur an den Pik 7502 zwischen Lhothse Shar und Penthangse- einem deutlichen Gipfel und echten Siebentausender aber weiterhin namenslos.
Nur sehr wenige besonders markante Gipfel haben im Khumbu überhaupt historische Namen. Die Namen Gokyo Ri oder Chukung Ri hat es sicher früher nie gegeben weil es dafür überhaupt keinen Bedarf oder Notwendikeit gegeben hatt.
Ich erinnere mich, dass ich mal in Dingboche Einwohner nach den Bergnamen östlich der Ama Dablam gefragt hatte und sie eigentlich fast keinen benennen konnten oder jeder unterschiedliche Berge bezeichnet hat ,wenn man nach einem Kartennamen gefragt hatte.
Meine Erfahrung ist überdies, dass nepalesische Führer oft die Bergnamen erst durch ihre Touristen lernen, welche die Gipfel nach der Karte bestimmen. So ist es also durchaus möglich, dass es bei verschiedenen Karten eben unterschiedliche Namen gegeben werden. Und dann sucht man im internet nach Bildern und der Berg heißt mal so und dann so. Ist eben verwirrend :-/
Ich persöhnlich werde den markannten Berg weiterhin Chola Tse nennen weil es so einfach zu merken ist :D
Aus der Shangri La Maps - Khumbu 1:50000 ergibt sich folgendes. Nach dem Einnorden sieht man vom Gokyo Ri auf 120 Grad den Arakmatse mit 6423 m Höhe,
auf 132 Grad steht der Cholatse 6440 m und auf 133 Grad der Tawoche mit 6542 m. Cholatse und Tawoche dürften wie ein Berg aussehen, da der Tawoche nur um 100 Meter den Gipfel des Cholatse übersteigt.
Gru trekker
Wir diskutieren hier ja gar nicht über "reale" Namen, sondern nur welche Bezeichnung in verschiedenen Karten einzelnen Gipfeln zugewiesen werden.
Alle Karten basieren mehr oder weniger auf den gleichen stereometrischen Luftaufnahmen so dass die Topographie normalerweise gut stimmt.
Danach müssen aber Kartographen in das Gebiet gehen, Wege eintragen und vorallem Namen von Dörfern und Gipfeln erfragen und diese dann in die Rohkarte eintragen.
Ich halte die Schneiderkarte noch immer für die am zuverlässigsten recherchierte Karte.
Denn viele nepalesischen Karten werden oft anscheindend eher nach dem Hörensagen gezeichnet und es gibt manchmal eine sehr kreative künstlerische Freiheit.:roll:
Wie oben schonbeschreiben halte ich den Namen Chola Tse für einen typischen Touristennamen. Genauso wie der Khatung Kang mittlerweile auch Thorong Peak gennt wird obwohl das sicher nie von der Bevölkerung so gesagt worden war.
Da würde es sich aber doch anbieten, dass unser Berg auch in der Nähe des Chola ist und nicht in der Nähe von Tengboche.
Tatsächlich sieht man den markanten Berg ja sehr gut ,wenn man in Dzongla ist und dann am nächsten Tag über den Cho La geht. Es ist auch auf der östlichen Seite des Cho LA der markanteste Berg im obern Tal. Ich vermute dass fast jeder Cho La Überquerer genau das gleiche vermuten wird.
In der Schneiderkarte wird als Taboche übrigens der linke und niedrigere Gipfel nörlich von Tengboche bezeichnet. Es dürfte deshalb eher ein Doppelgipfel sein. Ich habe allerdings noch nie in Tengboche vom Chola Tse gehört, auch wenn es nach deiner Beschreibung wohl der Westgipfel sein müsste.
Ich habe jetzt noch eine andere Karte herausgekramt, und zwar die "Geological Map of the Everest region" herausgegeben von der Oxford Universität. Da haben sie sich überall die Gesteine angeguckt und eingetragen woraus ich schließe, dass die Leute einige Zeit im Khumbu verbracht haben. Das beweist natürlich in keinster Weise dass sie den Chola Tse richtig benannt haben aber bie ihnen ist nördlich vom Tawache. In dieser Karte wird der östliche und höhere der Zwillingsgipfel (6542m) als Tawache bezeichnet. Nach ihnen besteht der Chola Tse übrigens aus Siliminit gneissen: Metapeliten, Kalk-silikaten und Amphibioliten. Dieselbe Gesteine findet man am Kala Patar, dem Chukung Ri und dem Island Peak.
Gruß Andrées
Guenter Seyfferth
24.12.2007, 12:00
Andrées hat mich auf diese Diskussion hingewiesen. Ich will erläutern, dass die von mir gewählte Darstellung der Gipfel auf meiner Webseite derjenigen entspricht, die wohl als die authentischste angesehen werden muss.
Die bereits erwähnte Schneider-Karte (Nepal-Kartenwerk der Arbeitsgemeinschaft für vergleichende Hochgebirgsforschung Nr. 2) ist mit Sicherheit die zuverlässigste Karte, soweit es um die Lage aller Punkte, die Höhenlinien, die Höhenkoten und die graphische Darstellung von Fels- und Eisformationen geht. Die Karten aus nepalesischer Quelle weisen zwar mehr im touristischen Sinne relevante Angaben auf, sind aber hinsichtlich Namen, Lage der Gipfel, Höhenkoten und Höhenlinien mitunter ungenau oder sogar falsch. In einigen Regionen des Himalaya führen diese Karten schlichtweg in die Irre, weil sie Namen vertauschen, Gipfel und Täler um mehrere km verschieben oder auch vollkommen falsche Gebirgsformationen angeben. Bei der Identifikation von Gipfeln auf Fotos sind diese Karten leider nur bedingt verwendbar.
Gehen wir das Problem von Hannes33 schrittweise an:
Die Schneider-Karte weist zwei Höhenpunkte am Taboche aus: 6542 m (östlich) und 6367 m (westlich). Auf Fotos von der Gedenkstätte oberhalb von Duglha am Khumbu-Gletscher ist eindeutig zu erkennen, dass dieser Höhenunterschied von 175 m realistisch ist; es ist aber auch zu erkennen, dass der Punkt 6367 eigentlich nur ein unscheinbarer Nebengipfel ist, durch eine knapp 50 m tiefe Scharte vom Nordwestgrat des östlich gelegenen Hauptgipfels getrennt. Die Karte "Everest Base Camp" von Nepa Map (die Karte von Shangri-La Maps habe ich leider nicht) macht für diese zwei Punkte folgende Angaben: "Taboche Peak, 6367 m" und "Cholatse, 6335 m". Es ist offensichtlich, dass der Höhenunterschied von nur 12 m falsch ist. Es wurde die Höhenkote 6367 vom Nebengipfel einfach auf den Hauptgipfel übertragen und für den Nebengipfel eine Phantasie-Höhe eingeführt. Und warum sollte der unscheinbare Nebengipfel (6367 m) überhaupt einen Namen bekommen haben? Damit sind wir aber auch bei einem Fehler in der Schneider-Karte. Dort ist der Name "Taboche" am Punkt 6367 eingetragen, während am höchsten Punkt 6542 gar nichts steht. Das von Schneider veröffentlichte "Begleitwort zur Karte des Mount Everest-Gebietes" (im Buch "Mount Everest" von Hagen, Dyhrenfurth, Fürer, Schneider, ab Seite 219) macht klar, dass es sich hier um einen Fehler beim Beschriften der Karte handelt. In der Netzskizze (Seite 224) ist der Berg als "Taboche" genau in der Lage des Punktes 6542 markiert. Koordinaten und Höhe des Taboche in Tabelle 3 (Seite 232) entsprechen ebenfalls genau dem Punkt 6542. "Taboche" muss also an dem östlichsten Gipfel 6542 stehen. Zu den Arbeiten Schneiders in den Jahren 1955 bis 1957 gehörte auch die Erhebung der Namen bei der einheimischen Bevölkerung. Diese Ergebnisse sind – wenn auch vielleicht nicht ganz frei von Irrtümern – wohl glaubhafter als diejenigen von heute, wo der Sprachgebrauch der Sherpas bereits durch den Tourismus "infiziert" ist.
In den Unterlagen der Everest-Expeditionen der 50er Jahre bestehen weitgehende Übereinstimmungen. Bei den Schweizern (1952 und 1956) und bei den Briten (1953) ist der Taboche noch als "Taweche" bezeichnet, jeweils mit der Höhe 6520 m und genau in der Lage des Punkt 6542. Abweichungen in der Schreibweise sind aber nichts ungewöhnliches. Seit Schneider heißt der Gipfel aber übereinstimmend "Taboche".
Hinsichtlich des Taboche kann man also ohne Zweifel wie folgt festlegen:
Taboche, 6542 m; unbenannter Nebengipfel 6367 m nordwestlich.
Auf keinen Fall heißt dieser Nebengipfel "Cholatse".
Und nun zum Gipfel mit der Höhe 6440 m (6423 bei Nepa Map).
In den Unterlagen der Schweizer Everest-Expeditionen ist der Berg als "Cholatse" bezeichnet, bei John Hunt (1953) als Arkanje, in allen Fällen jeweils noch mit der Höhe 6447. "Arkanje" hat eine Ähnlichkeit mit "Arakam Tse", d.h. auch dieser Name hat wohl einen konkreten Hintergrund. Verwunderlich ist, dass in der Schneider-Karte "Jobo Lhaptshan" steht, denn sowohl in der bereits oben erwähnten Netzskizze als auch in der Tabelle 3 ist der Berg 6440 von Schneider als "Tsolatse" bezeichnet. Tshola heißt der See am Ostfuß des Berges. Der Name Cholatse ist wohl eher von dort abgeleitet als vom Pass Cho La. Dieser Pass hat seinen Namen wahrscheinlich ebenfalls vom Tshola. Da die "berühmte" Schneider-Karte natürlich nicht ohne Einfluss blieb, schreiben heute viele vom "Cholatse (Jobo Lhaptshan)". Die Verwendung von "Arakam Tse" darf auf keinen Fall dazu führen, dass man den Namen "Cholatse" einfach auf den Nebengipfel 6367 des Taboche verschiebt. Ich plädiere dafür, dass man nun bei dem am meisten verwendeten Namen "Cholatse" für den Gipfel 6440 bleibt. Der unbegründete Wechsel in den Namen führt nur zu Verwirrungen, wie man im vorliegenden Fall sieht.
Hinsichtlich des nördlichsten Berges mit der Höhe 6440 können wir also getrost festlegen:
Cholatse (Arakam Tse), 6440 m.
Abschließend noch eine Antwort zur Frage, ob denn der Taboche (6542 m) überhaupt vom Gokyo Ri zu sehen ist oder ob er durch seinen Nebengipfel verdeckt wird. Denkt man sich eine Sichtlinie vom Gokyo Ri zum Gipfel des Taboche (6542 m), so steigt diese auf 11,7 km Entfernung um 1185 m. Am 10,7 km entfernten Nebengipfel 6367, der genau in derselben Richtung liegt, liegt die gedachte Linie auf der Höhe von H = 5357 + (1185 x 10,7/11,7) = 6440 m. Sie liegt also eindeutig höher als der Nebengipfel, womit auch der theoretische Beweis erbracht ist, dass der Taboche (6542 m) vom Gokyo Ri zu sehen ist. Die Fotos lassen keinen Zweifel daran aufkommen.
Ich hoffe, dass ich mit diesen Ausführungen Hannes33 eine kleine Weihnachtsfreude machen konnte.
Beste Grüße
Günter Seyfferth
Hannes33
24.12.2007, 14:03
Hallo Günter,
vielen Dank für diese ausführliche Begründung deinen "Namensgebung":D .
Ein paar Bemerkungen dazu: Jobo Lhaptshan erscheint als zweiter Name für den Cholatse in älteren Publikationen (z.B. Bill O'Connor in trekking Peaks of Nepal: "... Jobo Lhaptshan, a name that no local seems to know it by", als die Rede vom Cholatse ist...)
Ich würde mich also davor hüten, Cholatse und Arakam Tse gleichzusetzen. :D
Was Taboche (Taweche) und Cholatse anbelangt bin ich mittlerweile ganz deiner Meinung. Der Name Arakam Tse scheint auch keine historische Bedeutung zu haben, wahrscheinlich eine Ente von einem nepalesischen Kartographen;) .
lg Hannes.
Guenter Seyfferth
24.12.2007, 14:27
Hallo Hannes,
vielen Dank für die Antwort.
Ich kann das Ergebnis noch durch eine weitere renommierte Quelle ergänzen. Die große Datenbank des London Alpine Club (Himalayan Index) macht folgende Angaben:
Cholatse (Jobo Lhaptshan), 6440 m, geogr. Breite: 27°54'36", geogr. Länge: 86°45'36"
Tawoche (Taboche, Taweche), 6501 m, geogr. Breite: 27°53'´24", geogr. Länge: 86°46'48".
Ob diese andere Höhe des Taboche besser ist als die bisherigen 6542 m, kann ich nicht beurteilen. Mit den Höhen muss man ohnehin vorsichtig sein.
(Da ich Neuling im Trekkingforum bin, kann ich direkt noch keinen Link auf meine Webseite eintragen. Indirekt: himalaya-info, ergänzt um "org". Beim Aussichtspunkt Gokyo Ri habe ich inzwischen einen Hinweis zur Namensverwirrung beim "Cholatse" eingetragen.)
Frohe Weihnachten!
Günter
Hannes33
24.12.2007, 15:08
Hallo Günter,
beim alpine club hab ich auch schon nachgeschaut (vor 1-2 Tagen), und das hat mich schlußendlich überzeugt, deshalb kann ich mich deiner Argumentation anschließen.
Was die Höhen anbelangt, die sind quasi von Karte zu Karte verschieden und auch nicht das auschlaggebende im endeffekt.
Interessanter weise gibt es ja verschiedene Quellen im Internet, die allesamt verschiedene Höhen und geographische Lagen der Gipfel angeben. Eine dieser Quellen verwechselt sogar Taboche und Cholatse (östlich von Taboche!!).
Insofern ist, wie ja im allegemeinen bekannt, vorsicht geboten: nicht alles, was im internet steht, stimmt zu 100%, deshalb wollte ich, als ich auf deine (übrigens sehr schöne!!) HP gestoßen bin, ersteinmal skepsis ausüben;)
nochmals Danke und liebe Grüße, Hannes.
Ich würde mich also davor hüten, Cholatse und Arakam Tse gleichzusetzen. :D
lg Hannes.
hallo Hannes, dass verstehe ich jetzt nicht ganz. Soweit ich Günther richtig verstanden habe, wird der "markante" Berg, über den wir diskutieren wohl Chola Tse oder Arakam Tse genannt werden dürfen. Denn beide Namen beziehen sich auf den gleichen Berg. Die Bezeichnung in der Schneiderkarte "Jobo Laptshan" dürfte falsch bzw. kaum bekannt/benutzt sein.
Aber der Tabochewestgipfel bleibt Taboche/Tawoche/Tawache und sollte nicht als Cholatse angesehen werden.
Hier waren wohl die nepalesischen Kartenmaler eher etwas zu freizügig. Ich vermute, jemand hat ihnen gesagt, dass der "markante" Berg Arakam Tse heissen müsse, und so suchten sie halt einen anderen Berg, dem sie das Chola Tse anhängen konnten...... und dann schreibt einer vom anderen ab.
Übrigend macht es sprachlich keinen Unterschied ob man Taboche oder Tawoche schreibt, denn im nepalesischen wird das W bez. V und B gleich ausgesprochen. Darum schreibt sich eine der bekanntesten indischen E-Gitarrenmarken ja auch Givson:D
ich wünsche allen frohe Weihnachtstage :-)
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