PDA

Vollständige Version anzeigen : Reisebeicht Myanmar/Burma 2007


Mario
12.12.2007, 20:12
Im November diesen Jahres bin ich durch Myanmar/Burma gereist und möchte hier einen kurzen Bericht über die Tour geben.

Yangon
Nach meiner Ankunft in Yangon wollte ich mir dort natürlich Myanmars Heiligtum Nummer Eins, die Shwedagon Pagode ansehen. Ein Besuch dieser Pagode ist ein echtes Erlebnis und eine gute Einstimmung auf die allgegenwärtige tiefe Religiosität der Bewohner. Der Stupa ist knapp 100m hoch, komplett vergoldet und soll 2000 Jahre alt sein. Rund um dieses Hauptheiligtum sind zahlreiche weitere Tempel und Schreine zu finden, denen den ganzen Tag über Blumen und Früchte als Gaben dargebracht werden. Ich habe den halben Tag bei der Pagode verbracht und es gab immer etwas Neues zu sehen, die Atmosphäre ist einmalig.

Mrauk U
Mein erstes Ziel in Myanmar lautete Mrauk U. Das liegt im Nordwesten des Landes, im Rakhine Staat, knapp 100km von der Grenze zu Bangladesh. Mrauk U ist für uns Touries nur per Boot von Sittwe aus zu erreichen (es fährt auch ein Bus, aber den dürfen nur Einheimische benutzen). Weil es nach den Unruhen Ende September kaum Touristen gab und die Ecke auch sonst nicht auf der klassischen Rundstrecke liegt, habe ich bezüglich Boot auch direkt einmal in die Röhre geschaut.
2806Ich bin morgens früh mit der Rikscha zum Hafen von Sittwe und habe dann dort auf ein Schiff gewartet. Aber außer ein paar Einheimischen wollte an diesem Tag niemand rüber. Das Anmieten eines Boots für mich alleine hätte mein Budget gesprengt, denn die Regierung hatte erst kürzlich die Benzinpreise weiter erhöht, was ja auch der Auslöser der Unruhen gewesen ist. Ich bin also nach einem kollektiven Einreiben mit meiner Sonnencreme unverrichteter Dinge zum Guesthouse zurück, zur Freude der Besitzer, wo ihr einziger Gast doch noch einen Tag länger geblieben ist. Der Tag war trotzdem noch ganz schön; ein Junge, den ich in einem Teahouse kennengelernt habe hat mir noch die überschaubaren Sehenswürdigkeiten Sittwes gezeigt und ich habe erfahren, dass am nächsten Tag eine Fähre geht. Die war dann gerammelt voll, ich hatte Glück und einen Platz auf dem Oberdeck im Liegestuhl ergattert.
2807Meine Unterkunft in Mrauk U war ein eigener Bungalow in einem Garten, sehr schön gelegen. Mrauk U ist ein kleines Dorf, man kann kaum glauben, das das einmal die Hauptstadt des Rhakine Staates war. Hauptattraktion sind die dutzenden Tempel, die rund um den Ort in den Hügeln verstreut liegen. Dazwischen liegen kleine Dörfer mit freundlichen Menschen, die wie überall in Burma liebenswürdig, offen und interessiert sind. Ich habe direkt zwei Englisch-Studenten kennengelernt, die mir am nächsten Tag die Gegend zeigen wollten. Wir sind also am zweiten Tag mit unseren Fahrrädern los (die meisten Guesthouses haben einen Fahrradverleih, so auch meines) und haben uns die Haupttempel angesehen. Der helle Wahnsinn ! In dem einen Tempel sollen 80.000 Buddhas zu sehen sein, ich habe nicht nachgezählt, grob kommt’s aber hin… Zwischen den Tempeln immer ganz normales Alltagsleben: Wäschewaschen am Brunnen, spielende Kinder, Bauern bei der Feldarbeit. Im Gegensatz zum „klassischen“ Pagoden-Highlight Bagan, leben die Menschen hier noch ganz normal zwischen den Tempeln, Postkartenverkauf oder Souvenirstände sucht man vergebens.
Absolut traumhaft war es auch, den Sonnenuntergang von einem der Hügel zu beobachten, die Atmosphäre lässt sich schwer beschreiben. Weil meine zwei „Guides“ am nächsten Tag wegfahren mussten, habe ich die nächsten Tage mir die etwas abgelegeneren Tempel alleine angesehen. Die Ungewissheit wegen meines Boots zurück hat sich auch schnell geklärt, denn die Besitzerin meines Stammlokals in Mrauk U hatte auch ein Schiff, das just an dem Tag nach Sittwe musste wie ich auch. Bin auf dem Boot verwöhnt worden wie der König: Kaffee, Wasser, Bananen, Nudelsuppe, extra Stuhl zum Füße hochlegen und ich hatte den ganzen Kahn für mich alleine - das komplette Gegenteil von der Überfahrt mit der überfüllten Fähre auf dem Hinweg.

Mandalay
Von Sittwe aus ging’s dann per Flieger zurück nach Yangon und von dort am nächsten Tag per Bus nach Mandalay. Mandalay gilt auch als heimliche Hauptstadt Myanmars und ist eine Hochburg des Kunsthandwerks. Ich habe mir für einen Tag ein Taxi gemietet und die alten Königsstätten Sagain, Inwa und Amarapura angesehen. Weil das Wetter aber nicht so dolle war, gab’s leider keinen Sonnenuntergang bei der U Bein Brücke in Amarapura, das Ding ist aber auch so echt schön. 2802Unbedingt ansehen muss man sich in Mandalay den Mahamuni-Buddha. Die große Statue ist über und über mit Gold bedeckt, den ganzen Tag über kommen Gläubige und bringen weiteres Blattgold an, so auch ich. Das Gold soll teilweise bis zu 30cm dick aufgetragen sein, die Finger des Buddha sind schon fast nicht mehr zu unterscheiden, so viel von dem Metall befindet sich auf der Figur. Im Tempel befinden sich Fernsehmonitore, weil der Menschenandrang bei Festen so groß ist, das denen, die nicht mehr reinkommen das Bild per Fernsehkamera übertragen wird.

Shan-State
Von Mandalay aus sollte es in den Norden, in den Shan-Staat gehen. Der Ort Hsipaw war im Reiseführer als Traveller-Oase beschrieben und ich wollte herausfinden, was das ist. Um 4.30 Uhr startete mein Zug, ich hatte Holzklasse gebucht. Die Geschwindigkeit des Zugs war atemberaubend… langsam. Auf der Fahrt wird das Gokteik-Viadukt überquert, vor 100 Jahren eines der größten architektonischen Meisterleistungen der Welt. So gegen 13.00 Uhr machte der Zug dann eine halbe Stunde Pause – lunch break. Und wie ich da so auf dem Bahnhof sitze, spricht mich jemand an, der sich als Trekking Guide vorstellt. Ich hatte nicht vorgehabt, auf dieser Reise eine Trekkingtour zu machen, aber nach einem Blick in sein „business book“, in dem andere Reisende von Treks mit ihm im Shan-Staat aufs Heftigste geschwärmt haben, habe ich mir kurzentschlossen meinen Rucksack gepackt und bin ausgestiegen. Kyaukme hieß der Ort, stand nicht im Reiseführer, verfügte aber trotzdem glücklicherweise über ein Guesthouse. 2804Den Entschluss auszusteigen und einen Trek mit Naing Naing zu machen habe ich nie bereut! Am nächsten Tag ging es auch schon los. Ich nenne das jetzt im Folgenden auch weiter Trek, auch wenn es nur drei Tage waren. Wir waren im Gebiet der Palaung-Minderheit unterwegs (Naing Naing war auch Palaung) und es ging durch grüne Hügel mit Teeplantagen und ursprünglichen Dörfern. Übernachtet haben wir bei Leuten in den Bambushütten. Teilweise haben die Bewohner noch die alten Trachten getragen, ich habe gesehen, wie das Vollmond-Fest vorbereitet wurde und war begeistert von der Landschaft. Der höchste Punkt des Treks waren 2000m, es ging immer bergauf und –ab, war insgesamt aber unanstrengend und mit 6 Stunden Gehzeit pro Tag auch gut in meinen Turnschuhen zu machen. Nachdem wir in Kyaukme zurück waren, sind wir am folgenden Tag noch per Motorrad nach Hsipaw gefahren. Ich konnte sogar den Shan-Palast kurz besuchen. Das ist ein Kolonialgebäude, das einem der Nachfahren des letzen Shan-Königs gehört, aber wie so viele Menschen, die als nicht regierungstreu angesehen werden, sitzt der Besitzer Mr Donald im Gefängnis (seit mittlerweile zwei Jahren und wenn er die Haftstrafe voll verbüßen muss, wird er auch nicht mehr die Freiheit erleben).

Am nächsten Tag bin ich dann um 6.00 morgens mit dem Bus nach Pyin Oo Lin gefahren, wieder zurück Richtung Mandalay. Was in Pyin Oo Lin sofort auffällt sind die überall anzutreffenden Pferdekutschen, die hier noch ein ganz normales Nahverkehrsmittel sind. Ich habe dem sehr schönen botanischen Garten einen Besuch abgestattet und bin am nächsten Morgen weiter nach Mandalay. Hier habe ich nocheinmal einen Tagesausflug zur Mingun-Pagode gemacht. Man fährt per Boot über den Irrawaddy und erreicht Mingun nach einer knappen Stunde. Die Mingun-Pagode sollte einmal die größte Pagode Myanmars werden, doch nachdem der Sockel stand, verstarb der König und sie wurde nicht weitergebaut. Obwohl es sich somit eigentlich nur um den untersten Teil einer nie vollendeten Pagode handelt, muss man wie in jedem Tempel die Schuhe ausziehen, wenn man hochklettern will und der Weg geht über teilweise ganz schön spitze Steine. Die Aussicht von oben über den Fluss und die umliegenden Hügel entschädigt dafür aber auf jeden Fall.

Bagan
Meine letzte Station der Reise war Bagan, wohl DIE Sehenswürdigkeit von Burma und das, was die meisten Leute mit dem Land assoziieren, wenn sie seinen Namen hören. Bagan ist ein riesiges, ca. 40 Quadratkilometer großes Pagodenfeld, über 2000 Tempel sollen hier stehen. Wenn auch Mrauk U erheblich ursprünglicher ist, so begeistert hier die schiere Größe und Anzahl an Tempeln. Ein Sonnenuntergang von der Spitze einer der Pagoden aus ist ein unbeschreibliches Erlebnis. 2808Wenn die umliegenden Stupas in das Abendlicht taucht, steht einem eigentlich nur noch der Mund offen, es fehlen die Worte. An meinem ersten Abend hatte ich genau das vor, kam aber ein bisschen anders… Mit meinem geliehenen Fahrrad war ich gerade mitten durch die Pampa unterwegs zu einem Tempel, auf den ich zum Sonnenuntergang klettern wollte, als die Kette vom Fahrrad absprang. Weil die in so einem Gehäuse war und ich nicht rankam, gab es für mich ohne Werkzeug keine Chance zur Reparatur. Also im Eilschritt durch die sandigen Wege zur Pagode, das Tageslicht begann schon weniger zu werden. An der Pagode habe ich zum Glück einen hilfsbereiten Burmesen mit Motorrad getroffen, dem ich meine Situation klargemacht habe und dass ich dringend zum Ort zurückwollte, um eine Pferdekutsche zu mieten, damit ich das Rad zum Hotel zurück schaffen kann. Wir sind also in einem Affenzahn über die Sandpiste Richtung Hauptstrasse gebrettert, dort fand ich auch eine Kutsche und mit der ging’s dann im Galopp und bei beginnender Dunkelheit zurück zur Pagode. Uff ! Wo war doch gleich das verdammte Fahrrad? Irgendwie habe ich es dann aber noch gefunden, der Kutscher hat es am Gefährt festgebunden und es ging zurück. Der Sonnenuntergang war zwar längst rum, aber jetzt, wo meine Rückfahrt gesichert war, wollte ich doch noch einen Blick von der Spitze der Pagode werfen. Und siehe da- als ich wieder runtergeklettert bin, hatte mein Kutscher mit einem weiteren hilfsbereiten Burmesen Werkzeug aufgetrieben und das Fahrrad war repariert ! Meine Ambitionen, mich nocheinmal auf den Drahtesel zu schwingen waren dahin. Ich musste aber, denn bei Dunkelheit dürfen die Kutschen nicht auf der Strasse fahren – er hat mich also an der Hauptstrasse abgesetzt und mit Stirnlampe strampelte ich zurück zum Guesthouse. So angetan von der Fortbewegung per Pferdekutsche bin ich dann am nächsten Tag mit einem anderen Deutschen, den ich getroffen habe, per horsepower zu den weiter entfernt liegenden Sehenswürdigkeiten. Weil ich noch Dollars übrig hatte, habe ich mir die 17 Stunden Busfahrt geschenkt und bin schließlich per Flugzeug zurück nach Yangon und von dort zurück ins kalte Deutschland.

Fazit
Mir hat Myanmar sehr gut gefallen und ich hoffe, dass ich nicht das letzte Mal dort war. Es ist eine abgedroschene Aussage, aber das schönste an dem Land sind die Menschen. Ich habe selten so freundliche, aufgeschlossene und herzliche Menschen getroffen, wie dort. Ich hatte das Gefühl, dass sie einfach froh waren, sich mit jemandem von außerhalb zu unterhalten, ihre schwere Situation schildern zu können und zu hören, wie der Rest der Welt darüber denkt. Andere Reisende, die schon öfter da waren haben mir erzählt, dass die Menschen früher immer ganz eingeschüchtert waren und das Thema gewechselt haben, wenn die Sprache auf Politik kam. Das war dieses Jahr überhaupt nicht so ! Das Gespräch über dieses Thema wurde aktiv gesucht und sobald man alleine mit einem Einheimmischen gesprochen hat, kam man schnell auf die unerträgliche politische Situation. Wie die Lösung aussieht, dazu gab es verschiedene Meinungen. Die Lage ist vielschichtig und wenn erst einmal die grausame Junta weg ist, was hoffentlich bald sein wird, weiss ich auch nicht, wie es weitergehen wird. Dass nach den Unruhen viele ihre Reise abgesagt haben, habe ich deutlich gespürt. Nicht so in Mrauk U und im Shan-Staat, weil es dort auch im Normalfall wenig Touristen gibt. Aber gerade Bagan war schon erschütternd: Da gab es zwar große Reisegruppen, die per Bus di Sehenswürdigkeiten besucht haben und dann ins Hotel zurück sind. Aber Individualtouristen waren fast gar keine da. Die Backpacker-Meile in Bagan, wo ein Hotel, Restaurant, Internetladen, Reisebüro & Co. neben dem anderen liegt war beinahe ausgestorben. Einige Hotels hatten auch zugemacht, wohlgemerkt: wir hatten Hauptsaison.

Allen, die sich überlegen zu fahren, kann ich jedoch nur dazu raten. Touristen haben absolut nichts zu befürchten. Vielleicht mehr als bei jedem anderen Land, das man bereist gilt es aber, sich vorher zu informieren (gerade im Hinblick darauf, wie man möglichst mit seinem Geld die Regierung minimal und die Einwohner maximal unterstützen kann).

Ingrid
13.12.2007, 17:33
Toller Bericht, Mario !!! Danke !!!
Ingrid :-)

Trekkingschnecke
27.07.2014, 15:38
Vielen Dank für den tollen Bericht. Sind zwar schon ein paar Jahre rum, und es hat sich sicherlich vieles in Myanmar verändert, aber ich freue mich schon sehr auf meine Reise dort hin in diesem Jahr.

Viele Grüße
Petra

jahe
23.09.2014, 09:35
Dieser Bericht ist von 2007. Wie ist die Lage gegenwärtig ? Ich trekke unorganisiert zu zweit mit Frau.